Gliederung:
I. Einleitung
1. Exkurs: Begriffsklärung
II. Die Vorgeschichte
II.1. Die Vorgeschichte der Gründung der ICC
III. Die Gründung der ICC
III. 1. Der Gründer der ICC: Mayor Eben Hopson
III. 2. Die Vorbereitungen zur ersten ICC-Konferenz
IV. Aufgaben und Ziele der ICC
V. Die ICC heute
VI. Literaturverzeichnis
VI.1. Literatur
VI.2. Weiterführende Literatur
2
I. Einleitung
Um etwa 4000 v. Chr. hat die Besiedlung der Arktis begonnen. In diesem Gebiet, das sich von Teilen Sibiriens über Alaska, die Aleuten, das arktische Kanada bis nach Grönland erstreckt, hat sich eine relativ homogene Kultur gebildet: die „Eskimos“, wie sie früher genannt wurden.
1. Exkurs: Begriffsklärung:
Lange Zeit wurde der Begriff „Eskimo“ generell verwendet. Dieser Begriff wurde von dem Missionar Biard 1611 geprägt, dem von einem Volk im Norden erzählt wurde, den „Esqimaux“ 1 . Seit einiger Zeit geht man mittlerweile davon aus, daß „Eskimo“ ein Schimpfwort der Algonquin und anderer Indianer ist, das soviel wie „Rohfleisch(fr)esser“ bedeutet. Mittlerweile existiert die sprachwissenschaftliche Theorie, daß der „Eskimo“-Begriff wahrscheinlich aus dem Algonquinwortstamm „Iscimew“ oder „Ayassimew“ stammt, was soviel wie „Leute, die eine andere Sprache sprechen“ bzw. „Fremde“, im übertragenen Sinn, heißt (vgl. Stoll 1991, S. 8). Die einzelnen Gruppen nennen sich aber z. B. „Yuit“ (Sibirien), „Yupik“ (Südwestalaska), „Sugpiag“ (Südostalaska), „Inupiat“ (Nordalaska) und „Inuvialuit“ (Mackenzie-Delta), im Osten der Arktis herrscht dagegen die Bezeichnung „Inuit“ vor. Die „Eskimos“ Grönlands bezeichnen sich aber nicht unbedingt als „Inuit“, sondern eher als „kallaler“ (Grönländer) 2 .
Im allgemeinen wird mittlerweile der ostkanadische Terminus „Inuit“ (in etwa „Menschen“) für alle Gruppen verwendet. Die Inuit selbst haben für sich 1977 auf der ersten Inuit Circumpolar Conference entschieden, daß sie als Gesamtheit „Inuit“ genannt werden wollen -und nicht anders. Dort wird „Inuit“ definiert als „indigenous members of the inuit homeland, recognized by Inuit as being members of their people, and include such regional groups as Inupiat, Yupik (Alaska), Inuit, Inuvialuit (Canada), and Kalaallit (Greenland) 3 .” 4
Die extremen Klimaverhältnisse von teilweise bis -50°C im Winter und 5°C im Sommer verlangen starke Anpassungsfähigkeit und Erfindungsreichtum 5 . Der Mangel an brennbaren Materialien machte die Erfindung von Tranlampen notwendig, bei denen Tran - also Fett- verbrannt wird. Der Mangel an
1 Stoll 1991, S. 8
2 Vgl. Feest 1991, S. 7
3 Sibirische Inuit werden in diesem Dokument nicht erwähnt, weil durch den “Eisernen Vorhang” kaum Kontakt bestand.
Mittlerweile werden bestimmt in aktuelleren, evtl. noch zu erstellenden, Statuten, sibirische Inuit zum „Volk“ der Inuit gezählt.
4 ICC 1980, S. 3
5 Vgl. etwa Freeman 1984, S. 36ff
3
Baustoffen führte zur teilweisen Verwendung von Walfischknochen oder Schnee („Iglu“), neben Holz und Erde, für Häuser.
Jagd auf Landsäuger wurde unter anderem ermöglicht durch die Erfindung des Schlittens bzw. des Hundeschlittens. Außerdem wurde etwa das Kajak für die Jagd vom Boot aus und das „Umiak“ (Frauenboot) für die Waljagd und den Transport erfunden. Jagd fand innerhalb eines bestimmten Jahres-Jagdzyklusses statt 6 .
Das Überleben zu sichern halfen auch Praktiken wie Polyginie und Polyandrie oder Frauentausch. In Zeiten starker Not konnten unproduktive Esser teilweise nicht ernährt werden, deshalb kam es wohl zu Infantizid (besonders von Mädchen) oder zum Aussetzen von Alten 7 .
Das Leben heutiger Inuit ist modern. Es unterscheidet sich nur wenig vom Leben und den Vorstellungen in den USA oder in Mitteleuropa. Es gibt Baustoffe aus den USA oder aus Dänemark. Die Elektrifizierung fand statt und es gibt Pizza, Hamburger, etc., wie überall in der westlichen Welt. Man ist nicht mehr nur auf die (gesündere) Nahrung aus der Jagd oder dem Fischfang angewiesen. Aber einige Unterschiede sind immer noch gegeben, diese liegen weitgehend im politischen und wirtschaftlichen Bereich.
Es ist schwierig, etwas über das Leben aller Inuit zu schreiben. Die Situation etwa in Sibirien ist ganz anders als in Grönland.
Grönland war bis Ende des 18. Jahrhunderts durch die dänischen Kolonialisatoren relativ isoliert von der Welt. Erst durch die Versorgung Grönlands durch die USA konnte diese Isolationspolitik auf Dauer gebrochen werden 8 . Mit durch den Einfluß der USA und der Schwäche Dänemarks nach dem 2. Weltkrieg wuchs das Selbstbewußtsein und der Wille zur politischen Unabhängigkeit der Grönländer. Unterstützt wurde dies durch eine liberalere Kolonialisationspolitik der Dänen. All das führte dazu, daß Grönland 1953 dänische Provinz unter der dänischen Verfassung wurde.
In den 60er Jahren wurde aufgrund wachsenden Widerstands der Grönländer der „Grönlandausschuß von 1960“ eingesetzt. Dieser für Grönlands Geschichte sehr wesentliche Ausschuß hatte die Aufgabe, Empfehlungen zu machen, die dann auch umgesetzt werden sollten. Die Aufgabe war, „Arbeitsplätze zu schaffen, die Bevölkerungskonzentration zu fördern, die Wirtschaft zu modernisieren, der Ausbildung Vorrang zu geben und den Wohnbau zu intensivieren.“ 9 Der G60 -ausschuß brachte viele Veränderungen, aber es waren bei weitem nicht nur positive Veränderungen.
Die dänische Sprache wurde Unterrichtssprache, mit der Folge, daß die Kinder häufig weder richtig grönländisch, noch richtig dänisch sprachen. Aber wichtiger noch - G60 brachte einen Kulturschock und
6 Vgl. etwa Feest 1991, S.10ff
7 Vgl. etwa Feest 1991, S. 12
8 Vgl. Fægteborg 1991, S. 43
9 Fægteborg 1991, S. 43
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den Verlust alter grönländischer Werte. Industrialisierung, Entstehung von Privathandel,
Zwangsumsiedlungen in Städte, Schließung von kleinen Siedlungen in die Städte, Bevölkerungskonzentration- und Explosionen, Ausbildungen zu Industriearbeitern und Handwerkern aus ehemaligen Jägern und Fischern waren die Ziele dieser Pläne. Das Ergebnis war aber letztendlich: „Alkoholismus und Auflösung der Familienbande waren oft das Resultat. Das Motto der Zeit hieß ‘Modernisierung’.“ 10
Einen endgültigen, entscheidenden Riß zwischen Grönland und Dänemark brachte der von den Grönländern abgelehnte EG-Beitritt Dänemarks. Die Grönländer befürchteten eine Ausbeutung ihrer natürlichen und der nachwachsenden Ressourcen, ohne ausreichend Einfluß oder Anteil daran haben zu können 11 . Dies führte dazu, daß Grönland ab dem 1. Mai 1979 die weitgehende Selbstverwaltung einführte. Unter dänischer Kontrolle sind allerdings weiterhin vor allem die Bereiche Sicherheits- und Außenpolitik. 1985 trat Grönland schließlich aus der EG aus.
Dezentralisierung und Stärkung der kleinen Siedlungen sollten das Überleben und die Unabhängigkeit der Bevölkerung von europäischen Waren garantieren. Die Umweltschutzkampagnen gegen Robbenjagd und Walfang zerstörten die Märkte für die grönländischen Jäger, die immerhin noch ca. 20% der Bevölkerung stellten 12 . Das hatte Arbeitslosigkeit, Abhängigkeit bei immerhin ca. einem Fünftel der Bevölkerung zur Folge. Fægteborg schreibt treffend: „Paradoxerweise waren es die Nachkommen jener Europäer, die einst im großen Stil Seesäuger ausrotteten, die nun als Naturschützer die grönländische Siedlungspolitik zerstörten.“ 13
Das moderne Grönland ist ein Land mit vielen Problemen. Es gibt ein sehr großes Alkohol- und Gewaltproblem, eine extrem hohe Selbstmordrate unter Jugendlichen, Verarmung und starke Umweltprobleme 14 . Auf der anderen Seite hat Grönland große Rohstoffressourcen (etwa Kohle). Auch die nachwachsenden, natürlichen Rohstoffe, wie Fische, werden immer stärker genutzt. Grönlands Haupterwerbszweig ist mittlerweile die Fischerei und die große und moderne Trawlerflotte 15 . Eine weitere Investition in die Zukunft ist der Ausbau des Einnahmezweiges Tourismus.
1975 brachte das „James Bay und Northern Quebec Agreement“ eine stärkere politische Autonomie der dortigen Inuit. Denn
„for the price of extinguishing their land rights, the Agreement gave them immediate administrative power on the local and regional levels, and cultural recognition with some special rights, in the domain
10 Fægteborg 1991, S. 44
11 Vgl. Fægteborg 1991, S. 46
12 Vgl. Fægteborg 1991, S. 47
13 Fægteborg 1991, S. 48
14 Bspw. stürzte 1968 ein US-Bomber mit H-Bomben über Thule ab, der diese Gegend großräumig verstrahlte.
15 Vgl. Barüske 1990, S. 155f
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Arbeit zitieren:
Igor Eberhard, 1998, Die Inuit Circumpolar Conference, München, GRIN Verlag GmbH
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