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1.Einleitung:
Die Myasthenia gravis ist eine eher unbekannte und seltene neuromuskuläre Krankheit, die Anhand der Symptome meist erst spät diagnostiziert wird und viele Patienten mehrere Jahre an den ersten Symptomen leiden, da die regulären Untersuchungen ergebnislos bleiben.
In der folgenden Arbeit sollen zu Beginn Symptome und Verlauf geschildert werden. Um die sichtbaren Auswirkungen nicht nur zu erkennen, sondern auch zu verstehen, wird daraufhin näher auf die physiologischen und genetischen Ursachen eingegangen, worauf auch der inhaltliche Schwerpunkt dieser Arbeit liegen soll.
Abschließend werden noch zwei mögliche Behandlungsweisen, die aus einer Vielzahl von praktizierten Therapien ausgewählt sind, vorgestellt.
2.Verlauf und Symptome
Die Erkrankung an der Myasthenia gravis wird häufig erst spät diagnostiziert, da sie mit leichten, unauffälligen Symptomen beginnt und von Patient zu Patient unterschiedlich stark ausgeprägt verläuft. Dabei gibt es verschiedene Manifestationsarten, die in unterschiedlichen Lebensdekaden der Patienten beginnen.
2.1. Okuläre und Generalisierte Myasthenie
Meist, bei etwa der Hälfte aller Erkrankten, beginnt der Krankheitsverlauf mit einer okulären Myasthenie an den äußeren Augenmuskeln. 1 Deutlich wird dies durch eine Ptose, Sehstörungen und Doppelbilder, welche sich eher zum Ende des Tages hin einstellen.
1 Vgl. Brandt,T., Dichgans, J., H. C. Diener, Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen, 2003 4 ,
Kohlhammer, S.1259
2 Vgl. http://biologicalandcellularchemistry.pbworks.com/f/Myasthenia+EYES.jpg
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Im Laufe von zwei bis drei Jahren kann sich diese Muskelschwäche auf weitere Muskelgruppen ausweiten, man spricht dann von einer generalisierten Myasthenie. 3 Die betroffenen Muskelgruppen sind meist die Sprech-‐, Schluck-‐ und Gesichtsmuskeln. In schweren Fällen kann die gesamte Willkürmuskulatur, also die Skelettmuskulatur einschließlich der Atemmuskulatur beeinträchtigt werden. 4
Dabei kann es zu Atemstörungen und in Folge dessen zum Erstickungstod kommen.
2.2.Manifestationstypen und Häufigkeit
Mit einer Inzidenz von 0,2 bis 0,4 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner und einer Prävalenz von 5 bis 12 Erkrankungen pro 100.00 Einwohner ist die Myasthenia gravis als seltene Krankheit einzustufen. 5
Sie kann sich bis ins hohe Alter in verschiedenen Lebensdekaden manifestieren. Häufig ist dabei eine Manifestation in der 2. Bis 3. Dekade, wobei Frauen viermal häufiger betroffen sind als Männer. Bei dem Spätmanifestationstypen, der zwischen der 5. und 7. Dekade liegt, kann jedoch eine Prädominanz von Männern beobachtet werden.
6 Abb. 2: Dekadenverteilung der Manifestationstypen der MG
3 Vgl. Brandt,T., Dichgans, J., H. C. Diener, 2003, S.1259
4 Vgl. Prof. Dr. F. Schumm, Was ist Myasthenia gravis?, ein Artikl auf www.dmg.de
5 Vgl. Brandt,T., Dichgans, J., H. C. Diener, 2003, S.1264
6 Vgl. http://edoc.hu-‐berlin.de/dissertationen/badakhshi-‐harun-‐2001-‐07-‐13/HTML/objct3.png
5
Ein weiterer Unterschied bei den genannten Manifestationstypen ist der Einfluss der Thymusdrüse. Obwohl bei der frühen Manifestation von einem Tumor in der Thymusdrüse ausgegangen wird, ist dies bei einer späteren Manifestation eher unwahrscheinlich, da kaum Antikörper gegen ACh-‐Rezeptoren nachgewiesen werden können, welche in einer erkrankten Thymusdrüse geprägt werden (siehe 2.1.3. Die Rolle der Thymusdrüse). Daher ist eine genetische Disposition in diesem Fall eher unwahrscheinlich. 7
3.Ursachen
Im folgenden Kapitel werden die möglichen, unterschiedlichen Ursachen dargestellt, unterteilt in physiologische und genetische Ursachen. Zur Darstellung der physiologischen Ursachen ist das Kapitel unterteilt in die Neuromuskuläre Erregungsübertragung, wie sie bei einem gesunden Menschen stattfindet, und die Störung der neuromuskulären Erregungsübertragung, bedingt durch eine Erkrankung an der Myasthenia gravis.
3.1 Physiologische Ursachen
3.1.1. Neuromuskuläre Erregungsübertragung:
Eine neuromuskuläre Reizübertragung findet zwischen der neuromuskulären Synapse, auch motorische Endplatte genannt, und dem Skelettmuskel statt. In der Synapse ist der natürliche Transmitter Acetylcholin (ACh) innerhalb von Vesikeln gespeichert und dient der neuronalen Informationsübertragung. Die neuromuskuläre Übertragung beginnt mit der Ausschüttung von ACh, das durch den Synapsenspalt zu den ACh-‐Rezeptoren auf der postsynaptischen Membran gelangt und sich mit diesen verbindet. Durch die Verbindung zwischen ACh und dem ACh-‐Rezeptor und der katalysierenden Wirkung des Enzyms Azetylcholinesterase öffnen sich die Ionenkanäle, welche mit dem Rezeptor gekoppelt sind, und werden sowohl für Na + -‐ als auch K +- Ionen durchlässig. +-‐ Ionen strömen in das Innere der Muskelzelle und depolarisieren die Nervenfaser, sodass die Spannung über das Ruhepotential hinaus steigt. Während der Depolarisation kann die Spannung auf bis zu 40 mV ansteigen. Erreicht sie ihren Höhepunkt, nennt man diese maximale Spannung Aktionspotential, oder auch
7 Vgl. Prof. Dr. F. Schumm, Manifestationsarten der Myasthenie
Arbeit zitieren:
Maryam Kamil, 2010, Genetische und physiologische Ursachen der Myasthenia gravis, München, GRIN Verlag GmbH
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