Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Repräsentation und schöner Schein am Hof und in der höfischen Literatur nach
Horst Wenzel
2.1 Vorbemerkungen und Begriffsbestimmung 4
2.2 Der Herr als Spiegel allgemeiner Ordnung oder die Harmonisierung von
Haupt und Gliedern 6
2.3 Der Körper als Ausdruck des Geistes oder die Harmonisierung
von Innen und Außen 7
2.4 Nichtöffentliches Herrschaftshandeln und Repräsentativer Schein 8
2.5 Höfische Repräsentation und ihre Bedeutung in der Literatur 9
3. Höfische Repräsentation im Nibelungenlied: 7. Aventiure 11
2
1. Einleitung
„Im kirchlichen Ritus wird der abwesende Gott vergegenwärtigt und eingebunden in die materielle
Welt. Im höfischen Zeremoniell wird die Abstufung von Herrschaft in einer ästhetisierenden
Überhöhung des adligen Lebens dargestellt“ 1 .
In folgender Ausarbeitung setze ich mich mit der höfischen Repräsentation im Mittelalter auseinander, indem ich im ersten Teil die Theorie „Repräsentation und schöner Schein am Hof und in der höfischen Literatur“ von Horst Wenzel erläutere und im zweiten Teil die gewonnenen Erkenntnisse mit der siebten Aventiure des Nibelungenliedes verbinde.
Zunächst beginne ich mit einigen Vorbemerkungen und Begriffsbestimmungen, danach erläutere ich die Funktionen des Herren in der höfischen Repräsentation und die Bedeutung des Körpers. Nachfolgend behandel ich das Phänomen der Nichtöffentlichkeit und des repräsentativen Scheins und beende den ersten Teil mit der Bedeutung der Literatur für die höfische Repräsentation.
Im zweiten Teil versuche ich dann, einige Phänomene höfischer Repräsentation in der siebten Aventiure des Nibelungenliedes aufzuzeigen und mit der vorgestellten Theorie zu verbinden.
1 Vgl. Wenzel, 1990, S. 175.
3
2. „Repräsentation und schöner Schein am Hof und in der höfischen Literatur“ nach Horst Wenzel
2.1 Vorbemerkungen und Begriffsbestimmung
Zu Beginn der Untersuchung steht das Bestreben, Horst Wenzels Verständnis von höfischer Repräsentation im Mittelalter darzulegen, welches er in den Vorbemerkungen zum Ausdruck bringt. Er stellt zunächst fest, dass „im 12. und im frühen 13. Jahrhundert die volkssprachliche Literatur einen eigenen courtoisen Raum erhebt, der sich von der traditionellen adligen Kultur und ihren etablierten Mustern abgrenzt“ 2 . Neue Standards der Selbstdarstellung bilden sich mit der Zunahme der Schriftlichkeit heraus und ein eigenes höfisches Symbolsystem wird etabliert, welches dem „avancierten Adel ermöglicht, sich nach innen zu verständigen und zugleich nach außen abzugrenzen“ 3 . Höfische Verhaltensstandards, Lebensformen und Sprachregulierungen werden ausgeformt und erfahren besonders im festlichen Zeremoniell, das auf den Herrn zentriert ist und auf Tradition beruht, die größte Ausprägung. Dazu zählen höfische Phänomene wie modische Kleider, Tanz, Körperhaltung, höfische Gebärden, Musik und insbesondere die Sprache, welche „Regulative formuliert, mit denen und in denen der avancierte Adel seinen Vorrang deutlich macht“ 4 .
Weiter bestimmt Horst Wenzel den zentralen Begriff der „Repräsentation“, die in der öffentlichen Darstellung von Rang und Rangansprüchen zur Geltung kommt, und verweist auf die Definition von Hasso Hofmann, für den „kein terminologischer Konsens existiert“ 5 . Dennoch kann der Begriff der Repräsentation nach Hofmann in drei Bedeutungsweisen aufgefasst werden:
„1. die theologische Verwendung im Sinne von Urbild-Abbild
2. die juristische Verwendung im Sinne von Stellvertretung und
3. die Selbstartikulation eines Kollektivs als Indentitätsrepräsentation“ 6 .
2 Vgl. Wenzel, Horst: Repräsentation und schöner Schein am Hof und in der höfischen Literatur. In:
Ragotzky/Wenzel (Hg.): Höfische Repräsentation. Tübingen 1990, S. 171.
3 Vgl. ebenda.
4 Ebenda, S. 172.
5 Hofmann, Hasso: Repräsentation. Studien zur Wort- und Begriffsgeschichte von der Antike bis ins 18. Jahrhundert. Berlin 1974, S. 16.
6 Ebenda.
4
Darauf basierend entwickelt Horst Wenzel nun ein symbolisches Verständnis über die standardisierten Muster höfisch-adlischen Verhaltens, welches „die öffentliche Darstellung signifikanter Statuspositionen mit den christlichen Grundwahrheiten über die Welt und den Menschen verbindet“ 7 . Sowohl im sakralen, kirchlichen Ritus als auch im höfischen Zeremoniell wird dieser symbolische Verweisungszusammenhang deutlich: „Im kirchlichen Ritus wird der abwesende Gott vergegenwärtigt und eingebunden in die materielle Welt. Im höfischen Zeremoniell wird die Abstufung von Herrschaft in einer ästhetisierenden Überhöhung des adligen Lebens dargestellt“ 8 . Beiden gemein ist das wesentliche Merkmal der Repräsentation, nämlich dass sie für alle Sinne wahrnehmbar ist. Weil die Welt im Mittelalter stets als sinnhafte Schöpfung Gottes vorausgesetzt ist, umfasst der Bereich der Repräsentation sowohl weltliche als auch geistliche Erscheinungsformen. Dementsprechend kann „der Begriff der Repräsentation in politisch-rechtlichem Sinne so wie im theologischen Sinne verstanden werden“ 9 . Da die beiden Phänomene im Mittelalter jedoch kaum zu trennen sind, wird Horst Wenzel im weiteren Verlauf den Repräsentationsbegriff im Sinne von Symbolisierung von sozialem Rang gebrauchen. An anderer Stelle definiert er den Begriff der Repräsentation hinsichtlich des mittelalterlichen Hofes und der Kirche allgemein als „Konstruktion von Gegenwärtigkeit, als sinnlich erfassbare Darstellung von nicht faktisch präsenten Personen, Dingen, Werten oder Leitvorstellungen durch verbale und nonverbale Zeichen, aber auch als mentale Vergegenwärtigung/ Vorstellung von extramentalen Erfahrungen und Gegenständen“ 10 . Honoriert wird die repräsentative Statusdemonstration mit dem sozialen Entgelt der êre, die den Trägern als „guter Ruf (fama, name, leumunt) zukommt“ 11 .
7 Vgl. Wenzel, 1990, S.175.
8 Vgl. Wenzel, 1990, S. 175.
9 Vgl. ebenda.
10 Wenzel, Horst: Höfische Repräsentation. Symbolische Kommunikation und Literatur im Mittelalter. Darmstadt 2005, S. 12.
11 Vgl. Wenzel, 1990, S. 180f.
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Arbeit zitieren:
Tobias Kröner, 2011, Höfische Repräsentation und schöner Schein im Nibelungenlied, München, GRIN Verlag GmbH
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