Staatliche Umweltpolitik aus der Perspektive der ökonomischen Theorie im Sommersemester 2002
Die Internalisierung externer Effekte ohne Staatseingriff
Bearbeiter: Claudia Frommann
Inhaltsverzeichnis
1 Externe Effekte und ihre Bedeutung. 2
1.1 Definition und Formen Externer Effekte. 2
1.2 Externe Effekte und Pareto-Effizienz 3
2 Die Verhandlungslösung 5
2.1 Darstellung des Coase Theorems 6
2.2 Voraussetzungen für die Gültigkeit des Coase Theorems. 8
2.2.1 Property Rights. 8
2.2.2 Transaktionskosten 8
2.2.3 Vollkommene Konkurrenz. 8
2.2.4 Weitere implizite Annahmen 9
2.3 Coasesche Kritik an Pigou. 9
3 Probleme der Coaseschen Verhandlungslösung 10
3.1 Transaktionskosten. 11
3.2 Die Rolle des Staates. 11
3.3 Vollständige Informationen 12
3.4 Große und mehrere Verhandlungsgruppen. 12
3.5 Einkommenseffekte. 12
3.6 Finanzielle Restriktionen. 13
3.7 Strategisches Verhalten 14
3.8 Bedeutung der Verhandlungslösung für die Umweltpolitik. 14
4 Fazit 15
I
1 Externe Effekte und ihre Bedeutung
Umweltprobleme werden häufig mit der Existenz externer Effekte begründet, da rational handelnde Individuen, die Kosten, die sie durch ihre Aktivitäten bei anderen Wirtschaftssubjekten erzeugen, nicht in ihre Entscheidungen mit einbeziehen. Für die sich dadurch ergebenden ineffizienten Ressourcenallokationen, wurden in der Vergangenheit verschiedenste Lösungsansätze entwickelt und diskutiert. Vor allem aber ist die Frage zu klären, ob der Staat unmittelbar korrigierend, z. B. durch eine Steuer, in das Marktgeschehen eingreifen muß oder ob es Lösungen gibt, in denen der Staat sich darauf beschränkt, Rahmenbedingungen zu schaffen. Ein Ansatz, der über private Verhandlungen zur effizienten Internalisierung externer Effekte führt, ist der von Coase. Dieser wird im folgenden dargestellt, und vor allem wird auf seine praktische Bedeutung, unter anderem auch für die Umweltpolitik, eingegangen.
1.1 Definition und Formen Externer Effekte
Allgemein spricht man von externen Effekten, wenn in der Nutzen- bzw. Produktionsfunktion U A eines Wirtschaftssubjektes A mindestens eine Variable Y enthalten ist, die durch andere Wirtschaftssubjekte, hier in Gleichung (1) durch das Wirtschaftssubjekt B, bestimmt wird [vgl. Fritsch/Wein/Ewers (1993, S.54 )].
1 2 n (1) U A = U A (X A , X A , …, X A , Y B )
Entscheidend für das Vorliegen von technologischen Externalitäten 1 ist, daß die Variable Y B direkt in die Nutzen- bzw. Produktionsfunktion eingeht, und nicht indirekt über den Preis geregelt wird.
Oft werden in der Literatur Externalitäten auch durch die Differenz zwischen sozialen und privaten Kosten definiert [vgl. Siemer (1999, S.1)]. Definiert sind die sozialen Kosten hierbei als die gesamten gesellschaftlichen Kosten, d.h sie berücksichtigen auch die externen Kosten, die der Einzelne durch seine Aktivität bei anderen Wirtschaftssubjekten verursacht.
Es wird ebenso zwischen positiven und negativen externen Effekten unterschieden. Ein positiver externer Effekt liegt vor, wenn das Nutzenniveau von A durch die Variable Y B erhöht wird, ohne daß A dafür an B einen Preis zahlen muß, siehe Gleichung (2).
1 Manche Autoren erwähnen ebenso pekuniäre externe Effekte, die über den Preis die Nutzen- bzw. Produktionsfunktion beeinflussen [vgl. Endres (1976, S. 6)]. Da sie aber nicht zu Marktversagen führen, und somit unter Effizienzgesichtspunkten nicht unerwünscht sind, werden sie hier nicht weiter behandelt.
2
(2) dU A /dY B > 0
Ein Beispiel hierfür wäre eine Impfung Y B , die nicht nur dem Geimpften B zugute kommt, sondern auch der übrigen Gesellschaft, wie beispielsweise der Person A, ohne daß ein Preis dafür gezahlt werden muß.
Dementsprechend liegt ein negativer externer Effekt vor, wenn durch Y B das Nutzenniveau von A reduziert wird, ohne daß er eine Ausgleichszahlung von B bekommt, siehe Gleichung (3).
(3) dU A /dY B < 0
Ein Beispiel hierfür wäre ein eifriger Trompeter A, der den Nutzen seines Nachbarn B, durch das tägliche Üben, und den dadurch verursachten Lärm, negativ beeinflußt.
In der Literatur [vgl. z. B. Fees (1997, S. 43)] wird ebenso zwischen Produktions- und Konsumexternalitäten unterschieden. Produktionsexternalitäten liegen vor, wenn die Produktionsfunktion eines Unternehmens durch die Aktivität eines anderen Wirtschaftssubjektes positiv oder negativ beeinflußt wird. Ein klassisches Beispiel für eine negative Produktionsexternalität ist das Einleiten von Abwasser in einen Fluß, der gleichzeitig von einem anderen Unternehmen zum Fischfang genutzt wird.
Von Konsumexternalitäten spricht man, wenn der Nutzen eines Individuums, von Entscheidungen anderer Wirtschaftssubjekte positiv oder negativ beeinflußt wird. Dies ist z. B. bei Netzwerkprodukten der Fall, bei denen mit zunehmenden Käufern der Nutzen aller zunimmt, beispielsweise bei einem Faxgerät.
1.2 Externe Effekte und Pareto-Effizienz
Um zu beurteilen, ob auf einem Markt eine effiziente Allokation vorliegt, wird häufig das Maß der Pareto-Effizienz herangezogen. Pareto-effiziente Allokationen sind dadurch gekennzeichnet, daß keine Person besser gestellt werden kann, ohne eine andere schlechter zu stellen [vgl. z. B. Varian (1999, S. 291)]. Um die Effizienzbedingung bei externen Effekten herzuleiten, nehmen wir eine Wohlfahrtsfunktion an, die maximiert werden soll. Es gilt: U i (E i ) ist der Nutzen des Unternehmens i aus der Emission der Schadstoffe E. S j (E i ) ist der Schaden S der einem Unternehmen j durch die Emission E entsteht, wobei j von 1 bis n geht, da es viele betroffene Unternehmen gibt. Die soziale Wohlfahrtsfunktion lautet dann:
(4) W(E i ) = U i (E i ) - (S 1 (E i ) + S 2 (E i )+…+S n (E i ))
3
Arbeit zitieren:
Claudia Frommann, 2002, Internalisierung externer Effekte ohne Staatseingriff, München, GRIN Verlag GmbH
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