Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 3
2 Die Bedeutung von Empathie 4
2.1 Begriffserklärung 4
2.2 Theory of Mind 5
2.3 Über die Relevanz der Intersubjektivität 7
3. Die Rolle der Spiegelneurone 8
3.1 Action recognition in the premotor cortex (Gallese et al., 1996) 8
3.1.1 Einleitung und Methode. 8
3.1.2 Ergebnisse 9
3.1.3 Theoretische Implikationen aus der Studie von Gallese et al. (1996) 10
4. Die 'Shared Manifold'-Theorie 12
5 Fazit und Ausblick. 14
6 Literatur 15
1 Einleitung
Als Zuschauer in einem Zirkus oder bei einer Artistikaufführung ist es wahrscheinlich schon jedem einmal so ergangen: der Artist balanciert in schwindelerregender Höhe auf dem Drahtseil und pendelt - scheinbar die Haltung verlierend - mit den Armen. Das Publikum wird plötzlich still, uns „stockt der Atem“, der Puls erhöht sich und wir fühlen uns, als seien wir selbst der Hochseilakrobat kurz vor dem Moment des drohenden Absturzes.
Auch wenn der Topstürmer des Lieblingsfußballvereins im entscheidenden Spiel den Siegtreffer erzielt, wird jeder Fan aufspringen, jubeln und in seiner euphorischen Stimmung mit dem aktuellen Glückszustand des Spielers vergleichbar sein. Die menschliche Fähigkeit zum Mitfühlen ist verblüffend. Sie bildet offenbar eine zentrale Eigenschaft der menschlichen Spezies. Das Verständnis der Absichten, Intentionen und Gefühle unserer Mitmenschen ist grundlegend für eine erfolgreiche Interaktion mit ihnen und das Leben in komplexen sozialen Gesellschaften. Dies ermöglicht es uns, durch das Verständnis der mentalen Zustände unserer Mitmenschen erfolgreich auf sie reagieren und mit ihnen agieren zu können. Aus rein biologischer Sicht unterscheidet uns diese Charakteristik von anderen Primaten. Diese leben ihrerseits zwar auch in komplex organisierten Sozialstrukturen, dennoch besitzen sie nicht die kognitive Fähigkeit, Rückschlüsse von konkretem Verhalten auf zu Grunde liegende mentale Zustände und Regeln ziehen zu können. So speziell und einzigartig diese menschliche Fähigkeit auch ist, so unerforscht waren ihre potenziellen Ursachen noch bis vor kurzer Zeit. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, zunächst das menschliche Talent zum Mitfühlen näher zu beschreiben und in einen theoretischen Kontext einzubetten. Darauf folgend wird eine bahnbrechende Untersuchung von Gallese, Fadiga, Fogassi und
Rizzolatti (1996) dargestellt, deren Ergebnisse eine potenzielle neurophysiologische Erklärungsbasis für die menschliche Fähigkeit zur empathischen Reaktion liefern. Das in der Studie nachgewiesene Vorkommen von Spiegelneuronen wird in der so genannten „Shared Manifold“-Theorie von Gallese (2001) explizit auf das Empathievermögen des Menschen bezogen. Die Vorstellung dieser Theorie stellt den Abschluss der vorliegenden Arbeit dar.
2 Die Bedeutung von Empathie
Das menschliche Vermögen zur empathischen Reaktion bildet das Fundament für eine erfolgreiche Kommunikation und Interaktion mit Anderen. Die Klärung der Frage, was genau unter dem Begriff „Empathie“ zu verstehen ist und in welchem theoretischen Modell er bestmöglich gefasst werden kann, ist das Ziel des folgenden Abschnittes.
2.1 Begriffserklärung
Der Empathiebegriff ist alt und wurde durch zahlreiche Autoren um einige Aspekte modifiziert. Theodor Lipps (1903, zitiert nach Gallese, 2001, S. 43) führte den Fachbegriff Empathie erstmals unter dem Wort „Einfühlung“ an. Zunächst sollte damit die Beziehung zwischen einem Kunstwerk und dessen Betrachter versprachlicht werden.
Er erweiterte den Begriff auch auf den Bereich der Intersubjektivität. So beschrieb Lipps die Situation des Zuschauers, der den Artisten bei der Überquerung des Drahtseils beobachtet, wie folgt: „Ich fühle mich so in ihm.“ (Lipps, 1903, zitiert nach Gallese, 2001, S. 43).
Einen wesentlichen Schritt bei der exakten Beschreibung von „Empathie“ machte Edith Stein (1964). Sie postulierte, dass Empathie nicht nur in dem bloßen Gespür für die Gefühle und Emotionen eines Anderen besteht. Diese Sichtweise der Empathie würde der Definition von „emotionaler“ Empathie nahekommen (vgl. Eißele, 2009), Ziel hier ist es jedoch, eine allgemeinere Begriffserklärung „kognitiver“ Empathie zu formulieren. Steins (1964) Auffassung nach beinhaltet die empathische Reaktion eine Wahrnehmung des Gegenübers auf einer Ähnlichkeitsdimension. Als Beispiel führt sie die visuelle Präsentation einer Hand an. Empathisch auf eine spezielle Handbewegung reagieren zu können, würde sich äußerst schwierig gestalten, wenn die Größe und Farbe der Hand sich nur fix an den Charakteristika der Hand des Beobachters ableiten ließen (Stein, 1964). Die Tatsache, dass der
Mensch dazu fähig ist, Hände und deren Bewegungen und Ausführungen als solche erkennen, egal ob es sich um eine Kinderhand, die Hand eines Greises oder die eines Affen handelt, fügt dem Empathiebegriff eine weitere Eigenschaft hinzu. Offenbar ist nicht nur die visuelle Repräsentation eines Stimulus an sich entscheidend für die Fähigkeit zum Zeigen von Empathie. Auch handlungsbezogene sensomotorische Prozesse scheinen für ein „Begreifen der Welt“ durch Empathie von großer Bedeutung zu sein (Stein, 1964).
In Anlehnung dazu ist auch das von Husserl (1989) eingeführte Konzept der Leibhaftigkeit zu verstehen. Husserl betonte, die wahrgenommene Lebendigkeit des Akteurs stelle eine wesentliche Voraussetzung für Empathie dar. Der Beobachter nimmt bei seiner empathischen Reaktion den Handelnden nicht als „Körper“ wahr, sondern als „Leib“. Der Unterschied besteht darin, dass der Beobachtete als etwas Lebendiges angesehen wird. Somit wird eine Ähnlichkeit zum Beobachter geschaffen (Husserl, 1989), was - wie eingangs erwähnt - eine weitere Voraussetzung der empathischen Reaktion darstellt (vgl. Stein, 1964). Ein etwas anschaulicheres Beispiel liefert Gordon (1986), der die Tendenz Neugeborener zur Suche nach dem Blick der Mutter dahingehend interpretiert, dass der bloße Blick menschlicher Augen schon eine Simulation der räumlichen Perspektive der Augen im Neugeborenen erfordert. Diese Deutung liefert stützende Argumente dafür, dass Menschen einander eher als aktiv handelnde, lebendige Subjekte, anstatt als bloße Objekte in der Welt wahrnehmen (Gordon, 1986). Zusammengefasst bezieht sich Empathie aus phönomenologischer Sicht also auf die Fähigkeit eines Menschen, mentale Zustände eines Beobachteten zu repräsentieren und zu nutzen, um dessen Verhalten erklären und vorhersagen zu können. Entscheidend hierfür sind die Wahrnehmung des Beobachteten als ein lebendiges, handelndes Subjekt, welches über eine Ähnlichkeit zum Beobachter verfügt.
2.2 Theory of Mind
Die Weiterführung des phänomenologischen Empathiebegriffs auf eine theoretische Ebene wurde von Premack und Woodruff (1978) unternommen. Wie bereits in der Einführung erwähnt, liegt eine Besonderheit der menschlichen Spezies darin, das Verhalten Anderer vor dem Hintergrund ihrer mentalen Zustände zu erklären und vorherzusagen. Die Theory of Mind (ToM) geht davon aus, dass jeder Mensch im Laufe seiner frühkindlichen Entwicklung die Fähigkeit erwirbt, sich selbst und Anderen mentale Zustände zuzuschreiben. Für eine gute Beschreibung
Arbeit zitieren:
Marco Baumgarten, 2011, Empathie und Spiegelneurone, München, GRIN Verlag GmbH
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