1. Einleitung
Konflikte gibt es überall, und jeder war schon einmal in einen Konflikt mit einer anderen Person verwickelt. Die Mediation bietet uns ein Verfahren, dass uns davor bewahrt, in Konflikten gerichtliche Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. Sie hat sich weltweit als eine der erfolgreichsten Methoden zur Lösung von Konflikten bewährt. Sie berücksichtigt die Interessen aller Betroffenen und diese können sich hiernach wieder mit Achtung und Respekt begegnen. Sie entspricht unserer Vorstellung vom selbstbestimmten Menschen, welcher seine eigenen Konflikte wann immer möglich eigenständig löst, und dies noch rascher, effizienter und günstiger als es der Rechtsweg oftmals erlaubt.
Die folgende Hausarbeit setzt sich zum Ziel, den Ablauf eines Mediationsverfahrens, die Voraussetzungen und Grenzen darzustellen. Dabei wird zunächst der Konflikt an sich genauer betrachtet. Abschließend werden die erarbeiteten Aspekte mit einem Interview untermauert, in dem auch einige Beispielfälle, bei denen Mediation erfolgreich angewendet wurde, genannt werden.
2. Entwicklung der Mediation
Wie viele andere Methoden sozialer Arbeit hat auch die Mediation ihre Wurzeln in der USA. Mediation, zu deutsch Vermittlung, wurde
bereits Ende der 30’er Jahre in Beratungsstellen an kalifornischen Gerichten eingerichtet, die jedoch nur der „Versöhnungsberatung“ dienten. Im März 1980 wurde dann in Kalifornien ein Gesetz verabschiedet, aufgrund dessen Streitigkeiten bzgl. Sorgerecht und Umgangsrecht zukünftig zunächst vor einem Vermittlungsverfahren verhandelt werden mussten, bevor eine Verhandlung vor Gericht stattfinden konnte. Dieses Verfahren wurde mittlerweile in mehr als die Hälfte der amerikanischen Bundesstaaten eingeführt, teilweise auch auf freiwilliger Basis.
In der BRD wurde ab Anfang der 80’er Jahre über Mediation als mögliche Methode in Streitigkeiten bzgl. Trennung diskutiert. 1 Heutzutage wird Mediation eingesetzt in vielen Bereichen:
1 Galuske, Michael: Methoden der Sozialen Arbeit, Juventa Verlag, Weinheim/München 1998, S.203
2
z. B. Nachbarschaftsstreit, Erbschaftsstreit, Familienstreit, Streit im wirtschaftlichen Bereich, als Täter-Opfer-Ausgleich oder in der Schule.
3. Der Konflikt
Das, was die Mediation lösen möchte, ist ein Konflikt zwischen zwei Parteien. Im folgenden möchte ich daher zunächst erläutern, woher Konflikte kommen, welche Arten es gibt und welche Lösungsmöglichkeiten uns geboten werden.
3.1 Die Entfaltung des Konflikts
Der Beginn einer Auseinandersetzung lässt sich in drei Phasen unterteilen. In der ersten Phase,die „naming“-Phase, wird ein Unrecht oder ein Zustand in Bezug auf die eigene Person, der abgeändert oder ausgeglichen werden muss, wird erkannt und benannt. In der zweiten Phase, der „blaming-Phase“, wird dann einer Person dieses Unrecht zugeschrieben. In der letzten, der „claiming-Phase“ folgt dann der Anspruch, der gegen den Verantwortlichen geltend gemacht wird. Dieser ist zunächst nur eine Aufforderung, dem Unrecht abzuhelfen oder auszugleichen. 2
3.2 Definition „Konflikt“
Aus diesen Phasen zur Entstehung eines Konflikts kann man bereits erkennen, was ein Konflikt ist:
„Anfängliche Unvereinbarkeit im Wahrnehmen und/oder Denken und/oder Fühlen und/oder Wollen zwischen Personen und/oder
2 Breidenbach, Prof.Dr. Stephan: Mediation, Struktur, Chancen und Risiken von Vermittlung im Konflikt, O. Schmidt Verlag, Köln 1995,S. 42
3
Gruppen,
die interaktiv ausgetragen, als Beeinträchtigung empfunden und entsprechend abzuwehren versucht wird. 3 “
Diese Unvereinbarkeit kann dahingehend differenziert werden, in welchen Bereich sie liegt. Daraus entsteht dann die folgende Aufteilung nach Christopher W. Moore 4 .
3.3 Konfliktarten
W. Moore unterteilt Konflikte nach dem Grund der Entstehung in 5 Kategorien:
1. Sachverhalts-Konflikte Diese entstehen durch
- Mangel an Information
- Fehlinformation
- Unterschiedliche Einschätzung darüber, was wichtig ist
- Unterschiedliche Interpretation von Daten
- Unterschiedliche Vorgehensweise zur Bewertung
2. Interessen-Konflikte
Diese sind verursacht durch angenommene oder tatsächliche Konkurrenz
- von realen (inhaltlichen) Interessen
- von Verfahrensinteressen
- von psychologischen Interessen
3. Beziehungs-Konflikte Diese sind verursacht durch
- starke Gefühle
- Fehlwahrnehmungen oder Stereotypen
- Mangelnde Kommunikation oder Fehlkommunikation
- Wiederholtes negatives Verhalten
3 Koch 2002, in Anlehnung an Glasl, aus Seminar „Konfliktmanagement I“, WS 02/03 FH Emden
4
4. Werte-Konflikte
Diese sind verursacht durch
- verschiedene Kriterien zur Bewertung von Ideen oder Verhalten
- ausschließliche Ziele von innerem Wert
- unterschiedliche Lebensformen, Ideologien und Religionen
5. Struktur-Konflikte Diese sind verursacht durch
- destruktive Verhaltens- und Interaktionsmuster
- ungleiche Kontrolle, Eigentumsverhältnisse oder Verteilung von Ressourcen
- ungleiche Macht und Autorität
- geographische, physische oder umfeldbezogene Faktoren, welche Zusammenarbeit behindern
- Zeitzwänge.
3.4 Die Lösung eines Konflikts
Um einen Konflikt zu lösen, gibt es verschiedene Methoden:
1. Die Parteien gleichen ihre Interessen aus und finden gemeinsam eine für beide Seiten befriedigende Lösung
2. Man beruft sich auf anerkannte Regeln, Normen oder Rechtspositionen und lässt daraus ableiten und bestimmen, wer im Recht ist oder
3. die Parteien setzen ihre jeweilige Machtposition ein, um ihre Interessen durchzusetzen (oder eine übergeordnete Instanz beendet den Streit durch ein „Machtwort“).
Um herauszufinden, welche Lösung die beste ist, muss man sich die Argumente und Gegenargumente anschauen. Kriterien sind die Transaktionskosten (nervliche Belastung, Geld, andere Ressourcen), die Zufriedenheit mit dem Ergebnis, die Auswirkung auf die Beziehung und das Neuaufflammen des Konflikts (ist die gefundene Lösung dauerhaft?). 5
4 Moore, Christopher W.: The Mediation Process, Jossey Bass Inc., San Francisco 1986, in: Faller, Kurt: Mediation in der pädagogischen Arbeit, Verlag an der Ruhr 1998
5 Faller, Kurt, a. a. O., S. 27-32
5
Arbeit zitieren:
Anja Buß, 2003, Mediation - Verfahren und Grenzen, München, GRIN Verlag GmbH
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