1. Begründungsrahmen
Menschen leben in einer Gesellschaft zusammen und gestalten ihr Leben im öffentlichen und privaten Bereich unter verschiedenen sozialen, kulturellen, ökonomischen, physischen und ethnischen Voraussetzungen. Gleichzeitig haben sie gemeinsame und unterschiedliche Möglichkeiten und Interessen, Lebensstile und Deutungsmuster. Kinder erfahren auf vielfältige Weise diese unterschiedlichen Vorstellungen, die Menschen vom Zusammenleben haben. Interessen wahrzunehmen und für eigene Vorstellungen einzutreten, aber gleichzeitig mit Unterschieden im Umgang mit anderen Menschen konstruktiv lernend und verantwortlich umzugehen, stellt eine Herausforderung dar. Besonders die Globalisierung sowie die Anzahl an Schülern mit Migrationshintergrund zeigen die Notwendigkeit des sozialen und interkulturellen Lernens in der Schule auf. Um andere Menschen in ihrer Andersartigkeit zu verstehen, werden im Sachunterricht Kompetenzen für die Gestaltung sozialer Beziehungen entwickelt. Um gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, richtet sich das soziale und interkulturelle Lernen der Kinder auf die Entwicklung einer sozialen Kultur des miteinander Lebens, die Wahrnehmung von Verschiedenheit und die Achtung für alle Menschen, das Erkennen von Interessenlagen sowie das Vertreten eigener Interessen, das gesellschaftlich verantwortliche Handeln sowie den eigenen Lebensentwurfs der Kinder.
2. Begriffsklärung
2.1 Soziales Lernen
Unter sozialem Lernen versteht man den Erwerb von Sozialkompetenzen unter Berücksichtigung von Sach- und Selbstkompetenzen. Die schulische Erziehung knüpft weiterführend und ergänzend an vor-und außerschulische Erfahrungen an bzw. setzt bewusst ein Gegengewicht zu bisher erworbenen und möglicherweise als nicht angemessen empfundenen Verhaltensweisen. 1 Dabei sollte das Individuum einen sozial akzeptablen Kompromiss zwischen eigenen Bedürfnissen und Normanforderungen bzw. Fremdbedürfnissen eingehen.
2.2 (Inter-)kulturelles Lernen
Der Begriff „Kultur“ und interkulturell:
Kultur beschreibt die Gesamtheit der Lebensgewohnheiten: Sitten und Gebräuche, Ess- und Kleidungsvorschriften, Feste und Feiern, Bauten, Kunstwerke, Wirtschaft, Wissenschaft, Religion. Mit einbezogen sind Wertvorstellungen und Normen, Emotionen und Motivationen. Einzelne Kulturelemente haben einen symbolischen Charakter und sind prinzipiell mehrdeutig (z.B. Rituale). „Inter“ bezeichnet die Beziehungen zwischen den verschiedenen Kulturen. 2
1 Vgl. Eickhorst, A.(2007). S.51.
2 Vgl. ebd. S.17.
1
Interkulturelles Lernen bezeichnet den individuellen Prozess, in dem man sich Wissen, Einstellungen
oder Verhaltensweisen aneignet, die mit der Interaktion verschiedener Kulturen verbunden sind. Es ist eine Form des sozialen Lernens, das durch die Erfahrung kultureller Unterschiede und kultureller Vergleiche zu einer Analyse eignen Normen führt.
x Ziel des interkulturellen Lernens ist die Überwindung von kulturellen Schranken und
Begrenzungen.
Es ist dann erfolgreich, wenn das Lernen zu einem interkulturellen Verstehen führt.
Bedeutsame Voraussetzungen und Lernziele des sozialen und interkulturellen Lernens: Entwicklung von Empathie-, Toleranz- Solidarität-, Konflikt- und Kooperationsfähigkeit. Abbau von Vorurteilen Kommunikative Kompetenz
3. Bezug zu Teilrahmenplänen, Schulgesetz §1 und dem Orientierungsrahmen
§1 Abs. 2 des Schulgesetzes:
x Die Schule erzieht zur Selbstbestimmung in Verantwortung vor den Mitmenschen, zur
Anerkennung ethischer Normen, zur Gleichberechtigung von Frau und Mann, zur Gleichstellung von behinderten und nicht behinderten Menschen, zur Achtung vor der Überzeugung anderer, zum gewaltfreien Zusammenleben und zur verpflichtenden Idee der Völkergemeinschaft.
x Die Schule führt zu eigenverantwortlichem Handeln und sie vermittelt Kenntnisse und
Fähigkeiten mit dem Ziel, die Orientierung in der modernen Welt zu ermöglichen und zur Erfüllung der Aufgaben in Staat, Gesellschaft und Beruf zu befähigen.
x Die Schule leistet auch einen Beitrag zur Integration von Schülern mit Migrationshintergrund.
Orientierungsrahmen zur Sicherung der Schulqualität:
x Die Schule unterstützt und fördert das soziale und kulturelle Engagement der Schüler. x Bei Festen und anderen Aktivitäten wirkt die Schule mit (interkulturelle Wochen, Schulfeste). x Die Schule bietet verschiedene Möglichkeiten zur kulturellen Betätigung (Theatergruppen,
Bands).
x Die Integration von Migrant/innen wird durch Möglichkeiten der interkulturellen Begegnungen
gefördert ((Schul-)Feste etc.).
Allgemeinen Grundlegungen des Rahmenplans Grundschule:
x Die Grundschule vermittelt Haltungen und Einstellungen, dazu zählen ein multi-
perspektivisches Denken, sozial verantwortliches Handeln, Toleranz, Fairness,
2
Gerechtigkeitsgefühl, Gestaltungswille sowie Gestaltungsvermögen. 3 x Die Schüler sollen Erfahrungen mit Gesellschaft gewinnen (Kennenlernen demokratischer
Formen von Entscheidungsfindung, Zusammenleben mit Menschen unterschiedlicher Kulturen, Ethnien und Nationalitäten,…) und ethnisch - normative Erfahrungen kennenlernen und reflektieren (Werte).
x Zum Erziehungsauftrag der Grundschule zählt die Entwicklung der Bereitschaft, Verantwortung
für sich und andere zu übernehmen und eine „Kultur des Umgangs“ miteinander zu ermöglichen, die von Respekt, Toleranz, Verständnis, Höflichkeit und Verlässlichkeit geprägt ist. 4 Teilrahmenplan Deutsch:
x Die Grundschule respektiert die vielfältige Sprachleistung der Kinder, die von der Individualität
jedes Kindes, seiner Geschichte, seinen Weltentwürfen, von seinen sozialen, psychischen und physischen Erfahrungen geprägt ist. 5
x Die Kinder sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Sprachen entdecken (Fremdsprache, Dialekt, etc.). 6
Teilrahmenplan Sachunterricht - Erfahrungsbereich „Ich und andere“ - Perspektive Gesellschaft 7 : x Der Sachunterricht dient dem Erwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten im
Umgang mit der sozialen Umwelt und fördert die interkulturelle Bildung.
x Gemeinsame und unterschiedliche Interessen, Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle von
Menschen erkennen und respektvoll erforschen können.
x Sich in die Rolle und in die Situation anderer Menschen hineinversetzen, um zu versuchen,
deren Handlungen, Vorstellungen, Ansichten und Gefühle besser zu verstehen. x Bedeutung von Kulturen, Religionen, Traditionen, Familie für die eigene Sinn- und Wert-
orientierung und die anderer Menschen nachvollziehen können und die grundlegenden Menschenrechte kennen, verstehen und achten.
Teilrahmenplan Fremdsprache:
x Die Grundschule will das Interesse der Kinder an Fremdsprachen wecken und zur Offenheit und Toleranz gegenüber anderen Kulturen entwickeln. 8
x Durch die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen, Werten und Einstellungen leistet
die Fremdsprachenarbeit einen Beitrag zum Erwerb interkultureller Handlungskompetenz. 9
3 Vgl. Teilrahmenplan Mathematik (2002). S. 11.
4 Vgl. ebd. S.12f.
5 Vgl. Teilrahmenplan Deutsch (2005). S.6.
6 Vgl. ebd. S. 29.
7 Vgl. Teilrahmenplan Sachunterricht (2006). S.11f.
8 Vgl. Teilrahmenplan Fremdsprache (2004). S. 6.
9 Vgl. Ebd. S. 9.
3
Arbeit zitieren:
Edwina Engelmann, 2011, Interkulturelles Lernen: Ich und andere - Perspektive Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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