Einf ührung
Inhalt
1 EINLEITUNG 3
2 GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DES BERUFSBILDUNGSSYSTEMS 4
2.1 Entstehungsphase des Berufsausbildungssystems (1870-1920) 5
2.2 Die Konsolidierungsphase des Berufsausbildungssystems 7
2.3 Ausbauphase des Dualen Systems 9
2.4 Einflüsse der Wiedervereinigung 10
3 AUFBAU HEUTE 10
3.1 Strukturübersicht der beruflichen Bildung 10
3.2 Schulische Berufsausbildung 11
3.2.1 Berufsaufbauschule 11
3.2.2 Berufsfachschule 11
3.2.3 Fachoberschule 12
3.2.4 Fachschulen 13
3.2.5 Universitäten 13
3.2.6 Fachhochschulen 13
3.3 Das duale System 14
3.3.1 Definition 14
3.3.2 Zugänge zum dualen System 15
3.3.3 Ausbildungssituation heute 16
4 DIE RECHTLICHEN RAHMENBEDINGUNGEN DES
BERUFSBILDUNGSSYSTEMS 19
4.1 Rechtsgrundlage der betrieblichen Ausbildung 20
4.2 Rechtliche Grundlagen der Berufsschule 23
5 VOR- UND NACHTEILE DES DUALEN SYSTEMS 24
5.1 Leistungen des dualen Systems 24
5.2 Kritik am dualen System 26
6 LITERATURVERZEICHNIS 29
Berufsausbildungssystem in der BRD 2
Einführung
1 Einleitung
„Ein leistungsfähiges Berufsbildungssystem ist wesentliche Voraussetzung für ein hohes Beschäftigungsniveau und eine leistungsfähige Wirtschaft. Eine gute Ausbildung entscheidet zudem über individuelle Berufs- und Lebenschancen 1 “. Anhand dieser Aussage von Gerhard Schröder zum 21. deutschen Berufsschultag, ist zu erkennen welchen Stellenwert ein leistungsfähiges Ausbildungssystem für einen Staat, aber auch für jeden einzelnen seiner Bürger hat.
In der Bundesrepublik Deutschland hat sich das duale Berufsausbildungssystem etabliert. Darunter versteht man: „Die gleichzeitige Ausbildung in Betrieb und Berufsschule“ 2 . Dieses System unterscheidet sich von den Berufsausbildungssystemen vieler anderer Industriestaaten, in denen eine von der Wirtschaft selbst entwickeltes, systematisches Berufsausbildungssystem weitgehend nicht bekannt ist 3 . Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit d er geschichtlichen Entstehung, dem formalen Aufbau und möglichen zukünftigen Entwicklungen des Berufsausbildungssystems in der Bundesrepublik Deutschland. Da es sich dabei um ein äußerst komplexes Themengebiet handelt, kann im Rahmen dieser Arbeit nur ein grundlegender Einblick gewährt werden. Um einen tieferen Einblick zu erhalten, sei an dieser Stelle auf die angeführte Literatur (Literaturverzeichnis) verwiesen.
Am Ende des Referates sollen aber auch Kritische Stimmen, die das duale System der Ausbildung in Deutschland betreffen beleuchtet werden. Denn in den letzten Jahren ist die Berufsausbildung in Deutschland ins Gerede gekommen. Der Attraktivitätsverlust spiegelt sich unter anderem auch darin wieder, dass während der neunziger Jahre in den „alten Bundesländern“ der Anteil der Jugendlichen, die im dualen System ausgebildet wurden, merklich zurückgegangen ist.
1 Vgl.: Grußwort des Bundeskanzlers (Gerhard Schröder) zum 21. deutschen Berufschultags
2 Vgl.: Gutachten über das berufliche Ausbildungs- und Schulwesen in Deutschland, Hrsg.: Ausschuss für
das Erziehungs- und Bildungswesen in Deutschland (1964)
3 Vgl.: Stephan Wegener: Das Duale System, Paulinus Verlag, Trier 1992
Berufsausbildungssystem in der BRD 3
Einführung
2 Geschichtliche Entwicklung des Berufsbildungssystems
Um das Jahr 1900 nahmen die Elemente der Dualen Berufsausbildung in Deutschland erstmals Gestalt an.
Die ersten Anfänge eines Berufsausbildungssystems reichen aber weit bis ins Mittelalter zurück 1 . Dort entstand erstmalig eine dreistufige Berufsausbildung (Lehrling, Geselle und Meister), welch dann in der Zunftordnung ab dem 14 Jahrhundert vorgeschrieben wurde.
Während der Lehrzeit, die in der Regel drei bis vier Jahre betrug, arbeitet und lebte der Lehrling bei seinem Meister. Er musste hart arbeiten und durfte auch körperlich gezüchtigt werden. Nach Abschluss der Lehre wurde der Lehrling zum Gesellen erklärt und auf Wanderschaft geschickt, um eigene Erfahrungen zu sammeln. Der Erwerb der Meisterwürde war an zahlreiche Bedingungen geknüpft, somit konnte nicht jeder Geselle einen Meistertitel erlangen. Zu den Bedingungen gehörten unter anderem der Besitz von Grund und Boden, der Besitz von Bürgerrechten aber auch die Anfertigung eines Meisterstückes.
Bereits in 16 Jahrhundert kamen erhebliche Missstände in den einzelnen Zünften auf, die sich auch auf die Lehrlingsausbildung auswirkten. Diese Missstände sollten durch zahlreiche Verordnungen beseitigt werden, was aber nur bedingt gelang. Unter dem immer stärker werdenden Druck des Wirtschaftsliberalismus sowie der zunehmenden Manufakturisierung und Industrialisierung lösten sich die Zünfte schließlich ganz auf. Mit dem Wegfall der Zünfte und ihrer ordnenden Kräfte, entwickelte sich die Lehrlingsausbildung immer mehr zur Lehrlingsausbeutung 2 .
In den folgenden Punkten soll die Zeit von 1870 bis ungefähr 1980 genauer betrachtet werden, da sich in diesem Zeitraum der Systemcharakter der heutigen Berufsausbildung entwickelte und langsam sichtbar wurde.
1 Quelle: Schulmuseum Nürnberg
2 Vgl.: Joachim Münch: Das Berufsausbildungssystem in der Bundesrepublik Deutschland, 1 Auflage,
CEDEFOP, Berlin 1994
Berufsausbildungssystem in der BRD 4
Einführung
Diesen Zeitraum kann man grob in eine Entstehungsphase, die sich etwa von 1870 bis 1920 erstreckte, in eine Konsolidierungsphase (1920- 1970) und in eine Ausbauphase (ab1970) unterteilen 1 .
2.1 Entstehungsphase des Berufsausbildungssystems (1870-1920)
Die Entstehung des Berufsausbildungssystems in seiner heutigen Form ist nicht nur auf das Bedürfnis zurückzuführen, technisch gut qualifizierte Arbeiter auszubilden, sondern auch als politische Reaktion auf soziale und ökonomische Auflösungserscheinungen der Bürgerlichen Gesellschaft in Deutschland 2 .
Dabei stand im Mittelpunkt der Politik des Kaiserreiches, dass alte dreigliedrige Ausbildungssystem (Lehrling, Geselle, Meister) des Mittelalters wieder aufleben zu lassen. Sinn dieses Wiederbelebung war es, den alten -sozial und ökonomisch zerfallenden-Mittelstand der Handwerker, Kleinbauern Kleinhändler usw. vor einer Proletarisierung zu schützen und in ein „Bollwerk“ vor der Sozialdemokratie zu verwandeln 3 . An dieser Stelle sollen die wichtigsten Novellen genannt:
• Handwerkerschutzgesetz (1897): Ermöglichte die Einrichtung von
• „Kleiner Befähigungsnachweis“ (1908): Ermöglichte nur noch
geprüften Handwerksmeistern das Ausbilden von Lehrlingen.
Die Gewerberechtsnovelle von 1897 und die Novelle von 1908 (kleiner Befähigungsnachweis) waren im Hinblick auf die Neuordnung und Stabilisierung des Handwerks in Deutschland die wichtigsten Gesetze. Sie sind zum Fundament der heutigen dualen Berufsausbildung in Deutschland geworden 1 .
1 Vgl.: Wolf-Diedrich Greiner: Das duale System der Berufsausbildung in der Bundesrepublik
Deutschland 3. neubearbeitet Auflage, Holland+Josenhans GmbH&Co, Karlsruhe 1997
2 Vgl.: Wolf Dietrich Greiner S.25
3 Vgl.: Wolf Dietrich Greiner S.25
1 Vgl.: Wolf Dietrich Greiner S.26
Berufsausbildungssystem in der BRD 5
Einführung
Gleichzeitig zu der oben erläuterten Entwicklung entstand das zweite Standbein der dualen Berufsausbildung. Dieser Entstehungsprozess soll im folgenden geschildert werden.
Mit dem Aufkommen moderner naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und der Ablösung traditioneller und veralteter Technologien, trat ein entscheidender Wandel in der Berufsausbildung in Deutschland ein. Es war nicht nur wichtig den praktischen Prozess der Arbeit zu beherrschen, vielmehr musste eine theoretische Durchdringung des Arbeitsprozesses erfolgen. Die zur qualifizierten Ausübung einer Tätigkeit notwendigen theoretischen Kenntnisse konnten nicht mehr länger durch die praktische Ausübung erlernt werden, sondern mussten in besonderen Schulen vermittelt werden. Dies war die Geburtsstunde der Fortbildungsschulen 2 . Die Entwicklung der Fortbildungsschulen mündete in die heutige Berufsschule.
Die Wurzeln der Fortbildungsschule liegen in den sogenannten Sonn- und Feiertagsschulen. Sie wurden im 18 Jahrhundert gegründet und erfüllten unterschiedliche Zwecke. So waren sie in Preußen z.B. religiöse Schulen, in denen im Anschluss an einen Gottesdienst Wiederholungsunterricht für Volksschulinsassen gegeben wurde.
In Württemberg entwickelten sich die gewerblichen Sonntagsschulen. Sie sollten beruflich orientierten Unterricht vermitteln und somit standen Fächer wie allgemeine Technologie, Rechnen, Zeichnen, aber auch Mechanik auf dem Stundenplan.
Das hauptsächlich Ziel der religiösen Sonntagschulen war es Christliche Ethik zu vermitteln. Die gewerblichen Sonntagsschulen orientierten sich aber b ereits an der Notwendigkeit, praktische Ausbildung mit einer theoretischen Grundlage zu festigen und technische Zusammenhänge darzustellen 1 .
Die Sonntagsschulen waren keine erfolgreichen Schulen und ihr Bestand unterlag einer dauernden Gefährdung.
Im laufe des 19 Jahrhunderts entwickelte sich aus den religiösen Sonntagsschulen die allgemeine Fortbildungsschule. Die gewerbliche Sonntagsschule entwickelte sich zur
2 Vgl.: Joachim Münch S.29
1 Vgl.: Joachim Münch
Berufsausbildungssystem in der BRD 6
Einführung
gewerblichen Fortbildungsschule. Nun wurde auch in den allgemeinen Fortbildungsschulen den Lehrlingen theoretisches Wissen vermittelt. In stärkeren Maße und unter stärkerer Konzentration auf den gewerbepolitischen Bereich geschah dies aber in den gewerblichen Sonntagsschulen.
Im weiteren Verlauf des Jahrhunderts erfolgte eine Angleichung beider Schultypen hin zu einer Ausbildungsbegleitenden Teilzeitschule, die in vielen Fällen am Abend besucht wurde.
Großen Anteil -neben der staatlichen Bürokratie- an der Vereinheitlichung und Weiterentwicklung der Fortbildungsschulen hatten Oscar W. Pache und Georg Kerchnesteiner. Unter anderem wurde die Anzahl der Fortbildungsschulen beträchtlich gesteigert und sie wurde als Pflichtschule neben der handwerklichen Ausbildung etabliert 2 . (In der Reichsverfassung von 1919 wurde eine allgemeine Fortbildungsschulpflicht bis zum 18 Lebensjahr verankert, aber nicht in allen Ländern realisiert. 3 )
2.2 Die Konsolidierungsphase des Berufsausbildungssystems
Die Zweite Phase der Entwicklung des Berufsbildungssystem in Deutschland war geprägt von der Bemühung den weitgehenden B ereich des Ausbildungssektors einheitlich zu gestalten. Dabei stand im Vordergrund „das beziehungslose Nebeneinander von beruflicher und schulischer Ausbildung moderne und klare Strukturen zu verleihen“ 1 . Diese Bemühungen erstreckten sich von der Weimarer Republik über das nationalsozialistische Deutschland bis hin in die Bundesrepublik Deutschland.
Die Industrie entwickelte ein zunehmendes Qualifikationsbedürfnis ihrer Arbeiter. Dies lag daran, dass besonders im Bereich des Maschinenbaus und der Elektrotechnik neue Produktionsmethoden Einzug hielten, die qualifizierte Arbeiter erforderte. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, entwickelte die Industrie Mitte der zwanziger Jahre ein Ausbildungsmodell. Es beinhaltete im wesentlichen die Einrichtungen von Lehrwerkstätten in denen die Lehrlinge ausgebildet wurden. Für die Entwicklung und Verbreitung dieses Modells wurden spezielle Institutionen gegründet (DATSCH,
2 Vgl.: Wolf Dietrich Greiner
3 Vgl.: Joachim Münch
1 Vgl.: Wolf-Diedrich Greiner
Berufsausbildungssystem in der BRD 7
Einführung
DINAT, AfB). Trotzdem gelang es der Industrie nicht dieses eigenständige und unabhängige Berufsausbildungssystem zu etablieren, denn im Schatten der Weltwirtschaftskrise wurde die Berufschule als zweiter Lernort anerkannt und somit die Facharbeiterausbildung in den Rahmen des dualen Systems eingegliedert. Der Begriff Berufsschule erschien erstmals zu beginn der 20 Jahre, er löste die Bezeichnung Fortbildungsschule ab 2 .
In der Zeit der Weimarer Republik entwickelte sich die Berufsschule im Gegensatz zur Industriellen Ausbildung nur langsam. Sie war hauptsächlich verantwortlich für die Aufrechterhaltung der Arbeitsmoral erwerbsloser Jugendlicher. Erst in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland wurde das zersplitterte öffentliche Berufsschulwesen vereinheitlicht. So wurde z.B. 1934 eine Plattform für eine einheitliches Berufschulwesen gelegt. 1938 wurde die reichseinheitliche Berufsschulpflicht eingeführt und im Jahre 1940 wurde der zeitliche Rahmen des Berufsschulunterrichtes geregelt. Es wurde festgelegt: Dreijährige Berufsschulpflicht, 8 Wochenstunden Unterricht, Beschulungspflicht der Schulträger (Stadt- und Landkreise), einheitliche Lehrpläne, Anlehnung der Berufsschule an die betriebliche Ausbildung, Berufsschullehrer als Beamte u.s.w..
Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Vorschläge der Besatzungsmächte das Berufsbildungssystem in West Deutschland zu ändern nur wenig Zustimmung und wurden deswegen verworfen. Es wurden vielmehr die Kernbereiche des deutschen Bildungswesens, das dreigliedrige Bildungssystem der allgemeinbildenden Schulen und die Lehrlingsausbildung wieder eingeführt und weiter e ntwickelt. Deswegen kann man von einer kontinuierlichen Entwicklung des Zusammenspiels von Berufsschulen (Fortbildungsschulen) und Betrieben in Deutschland sprechen. Der Begriff duales System, der dieses Zusammensiel beschreiben soll erschien erstmals 1964 in einem Gutachten über das beruflichen Ausbildungswesen, seitdem hat er sich durchgesetzt und charakterisiert das deutsche Berufsausbildungssystem 1 . 1953 gelang es den Handwerk mit der Einführung der Handwerksordnung (HWO) umfassende Regelungen für die Berufsausbildung durchzusetzen. Aber erst 1969 konnte mit der Verabschiedung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) eine umfassende Regelung für die gesamte betriebliche Ausbildung gefunden werden. Dieses Gesetz
2 Vgl.: Wolf-Diedrich Greiner
1 Vgl.: Joachim Münch
Berufsausbildungssystem in der BRD 8
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Dirk Landsiedel, Bianca Feyerabend, 2002, Das Berufsbildungssystem der BRD, München, GRIN Verlag GmbH
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