Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der vorrevolutionäre Iran und der Modernisierungsprozeß 5
2.1. Die Landreform 5
2.2. Die Transformation der nationalen Ökonomie und weitere Reformmaßnahmen 6
3. Der repressive Staatsapparat des Schah-Regimes 8
4. Die Opposition im vorrevolutionären Iran 10
4.1. Ali Shari ati 10
4.2. Die Ulama und die Bazaris 11
4.3. Die Iranische Nationale Front, die Tudeh-Partei und organisierte ethnische
Minderheiten S. 13
5. Die Rolle der USA 14
6. Die Revolution 15
7. Schlußbemerkungen 16
8. Literaturverzeichnis 18
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1. Einleitung
Die Iranische Revolution von 1977 - 1979 war zweifellos ein überraschendes Ereignis. Weder Sozialwissenschaftler noch politische Insider oder gar Journalisten haben einen erfolgreichen Umsturz im Iran vorhergesehen. Der Iran war zu dieser Zeit der wichtigste Verbündete der USA in dieser Region, und der Schah der Garant für die Durchsetzung amerikanischer Interessen. Doch obwohl der Schah über den größten und modernsten Militärapparat der 3. Welt verfügte und einen so mächtigen Verbündeten hatte, konnte er die Revolution nicht verhindern.
Nach Theda Skocpols Definition sind soziale Revolutionen schnelle, grundlegende Umformungen eines Staates, seiner Klassenstruktur und seiner vorherrschenden Ideologie. Darüber hinaus werden soziale Revolutionen durch auf Klassen basierende Umwälzungen von unten getragen: "Social revolutions as i define them are rapid, basic transformations of a country `s state and class structures, and of its dominant ideology. Moreover, social revolutions are carried through, in part, by class-based upheavals from below." 1 Die Iranische Revolution wurde getragen und begleitet durch Massendemonstrationen der urbanen Arbeiterschicht, der Arbeitslosen, der Studenten und der schrumpfenden Mittelschicht gegen das dominierende Establishment. Letztlich war die Entfernung des Schahs von der Macht verbunden, mit der Vertreibung und / oder Enteignung von, vor allem politisch privilegierten Kapitaleignern und Geschäftsleuten, der Auflösung des Regierungsapparates, des Justizsystems, der staatlichen oder quasi staatlichen Institutionen und deren Umstrukturierung, sowie Attacken gegen den Lebensstil der "verwestlichten" Elite des Landes.
Diese offensichtlich grundlegenden Transformationen in den soziokulturellen und sozioökonomischen Verhältnissen im Iran, verleiten dazu sich der Meinung Theda Skocpols anzuschließen wenn sie äußert, daß die Ereignisse im Iran eher unter die Rubrik soziale Revolution als unter politische Revolution, wo nur Regierungsinstitutionen umgeformt werden, einzuordnen ist. 2
Ferner vertritt Frau Skocpol in ihrer Revolutionstheorie die Meinung, daß soziale Revolutionen nicht, wie von einigen sozialwissenschaftlichen Theoretikern behauptet, einfach die Produkte von zu schneller Modernisierung und ihrer Folgen sind. Sie geht wie auch Charles Tilly davon aus, daß die Massen nicht in der Lage sind ihre Unzufriedenheit in effektive, politische Aktionen zu transformieren. Dazu brauchen sie autonome, kollektive
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Organisation und Ressourcen um ihre Bemühungen aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus benötigt es einen geschwächten oder handlungsunfähigen Repressionsapparat des Staates, damit eine Revolution erfolgreich sein kann. 3
Mittlerweile sind die Ereignisse der Revolution über zwanzig Jahre her, und es gibt umfangreiche Literatur über die Ursachen und die Art und Weise der Revolution. Als Hauptursachen für die Krise, die in die Revolution mündete, gelten unter anderem: Der durch den Schah vorangetriebene Modernisierungsprozeß nach westlichen Vorbild ("Weiße Revolution"), vor allem die Bodenreform die zu einer Landflucht führte den die urbane Ökonomie nicht aufzufangen vermochte.
Der repressive Staatsapparat des Schahs, der sich zwar auf ein hochgerüstetes Militär und eine für seine Brutalität berüchtigte Geheimpolizei (Savag) stützen konnte, aber über so gut wie keine Verflechtung mit irgendwelchen relevanten gesellschaftlichen Gruppierungen verfügte.
Die sich formierende breite Opposition gegen den Schah, die sich aus zum Teil konkurrierenden gesellschaftlichen Kräften wie bspw. der sehr heterogenen Geistlichkeit (Ulama), den Basarhändlern (Bazaris), den Großgrundbesitzern, die sich in der Nationalen Front organisierten säkulären Oppositionsparteien und den eher unbedeutenden Sozialisten der Tudeh-Partei zusammensetzten. Die uneinheitlichen Signale aus den USA, vor und während dem Ausbruch der Revolution, die eher die Verwirrung des Schahs forcierten, als zu einer Stabilisierung der Situation beizutragen.
Auf diese Hauptursachen werde ich auf den folgenden Seiten intensiv eingehen, sie beschreiben und zu erklären versuchen. Als Materialbasis für diese Ausarbeitung dienten verschiedene Aufsätze und Bücher wie z.B.: "Persien, Modell eines Entwicklungslandes" von Bahman Nirumand, "Der Islam und die Iranische Revolution von 1979" von Mehdi Parvizi Amineh, "Iran: Islamic Revolution against Westernization" von Farrokh Moshiri, "Rentier State and Shi`a Islam in the Iranian revolution" von Theda Skocpol, "Structural Opportunity and Perceived Opportunity in Social-Movement Theory: The Iranian Revolution of 1979" von Charles Kurzman und "Der Modernisierungsprozeß im Iran in den sechziger Jahren, als Impuls für die Entstehung des Fundamentalismus" von, dem in Köln lebenden Soziologen und Orientalisten, Azizollah Fooladvand.
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2. Der vorrevolutionäre Iran und der Modernisierungsprozeß
Unter Mithilfe der CIA und des US-Militärs setzte Schah Reza Pahlawi, der Sohn des 1941 exilierten ersten Pahlawi Schahs, 1953 in einem Staatsstreich den amtierenden Ministerpräsidenten Mohammad Mossadegh von der Nationalen Front ab. 4 Unterstützt von den USA und großen Teilen des iranischen Establishments, vor allem hochrangigen Militärs, Provinzfürsten, Großgrundbesitzer und einflußreiche Vertreter der Geistlichkeit, machte der Schah die Verstaatlichung der Ölindustrie rückgängig und verschaffte sich in den Folgejahren absolutistisch anmutende Machtkompetenzen, die sich auch in der repressiven Unterdrückung oppositioneller gesellschaftlicher Kräfte äußerte. Die USA waren der Hauptprofiteur diese Ereignisse. Vor der Verstaatlichung war die persische Ölindustrie fest in den Händen der britischen Ölfirmen, nach der Reprivatisierung sicherten sich amerikanische Ölkonzerne schlagartig 40% der Anteile des neu entstandenen internationalen Ölkonsortiums. 5
Ein weiterer Vorteil für die USA bestand in der Tatsache, daß die Vormachtstellung der Briten und Sowjets in der Region durch ein von den Amerikanern abhängiges Regime eingeschränkt, und die eigene Einflußzone ausgedehnt wurde.
Unter Schah Reza Pahlawie veränderte sich der iranische Staat und die Wirtschaft schnell und grundlegend. Durch die Öl- und Gasexporte stiegen die Staatseinkünfte schnell auf ein vorher nicht gekanntes Niveau. Und der Staat brauchte keine Steuern mehr von seinen Bürgern erheben, dafür wuchs die Abhängigkeit von Öl- und Gaspreisen und den Rhythmen dem die kapitalistische Weltwirtschaftsordnung unterliegt. 6 2.1 Die Landreform
Die Beziehung zwischen dem Staat und der iranischen Gesellschaft waren weitgehend geregelt durch die staatlichen Ausgaben für das Militär, Entwicklungs- und gewaltige Bauprojekte sowie Subventionen für Verbrauchsgüter. Während der sechziger Jahre initiierte der Schah weitere Reformen. Die wohl bekannteste war die sogenannte "Weiße Revolution", eine sechs Punkte umfassende Reformnovelle. Dazu gehörte eine Landreform die er als großes soziales Werk, sowohl im In- als auch im Ausland, darzustellen versuchte. Hier noch einmal die Zusammenfassung der wichtigsten Errungenschaften der Bodenreform: 7
Nur 10% des gesamten fruchtbaren Bodens wurden an die Bauern verteilt, so daß sich deren Anteil an der landwirtschaftlichen Nutzfläche nunmehr auf 25% belief.
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Arbeit zitieren:
Reza Amiri, 2002, Die Iranische Revolution von 1979, München, GRIN Verlag GmbH
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