Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung. 1-3
2. Die gesellschaftliche Konstruktion des Geschlechts:
2.1. Theoretische Grundlagen:
2.1.1. Doing Gender: die Herstellung des Geschlechts durch interaktive
Prozesse. S. 3-5
2.1.2 Goffmann: institutionelle Rahmenbedingungen zur Umsetzung und Stabilisierung
der Geschlechterordnung. 5-7
2.1.3 Performativität: sprachliche Hervorbringung des Geschlechts. 7-8
2.1.4. Berger/Luckmann: gesellschaftliche Konstruktion der
Wirklichkeit. S. 9-11
2.2. Anwendung der theoretischen Grundlagen bei der Sozialisation von kleinen Kindern
aufgrund vorgestellter Theorien und Konzepte sowie eigener empirischer
Beobachtungen
2.2.1 Sozialisationstheorie von Berger/Luckmann. 11-12
2.2.2 Ausarbeitung der theoretischen Beispiele und eigener empirischen
Beobachtungen. S. 12- 15
3. Schluss: gesellschaftliche Konstruktion des Geschlechts. 15-17
4. Literaturverzeichnis S 18
1. Einleitung
Das Zitat belegt die Tatsache, dass das Geschlecht als Identitätskategorie in der Sozialisation vermittelt wird. Es ist also verständlicherweise ein beliebtes soziologisches Forschungsgegenstand. In den meisten Fällen geht es jedoch darum, Geschlecht als ein strukturierendes Merkmal, eine Identifikationskategorie aufzufassen. In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, zu den Ursprüngen dieses Forschungsthemas zurück zu kehren und seine Entstehung und Aufrechterhaltung zu problematisieren d.h. es wird der Versuch unternommen, das Geschlecht weniger als Eigenschaft einer Person zu betrachten, sondern die soziale Prozesse zu thematisieren, die die Kategorie Geschlecht und die geschlechtliche Zugehörigkeit von Personen konstruieren und stabilisieren. Im Fokus stehen also die gesellschaftlichen Prozesse, die an der Hervorbringung und kontinuierlichem Bestehen der Kategorie „Geschlecht“ tätig sind. Kurz, es geht um die gesellschaftliche Konstruktion des Geschlechts.
Es wird zuerst auf die historischen Grundlagen eingegangen, bei denen es größtenteils um den tragenden Übergang von einem „Ein- Geschlecht- Modell“ des Mittelalters zu dem aufklärerischen „Zwei- Geschlechter- Modell“ handelt.
Im Hauptteil werden die wichtigsten Theorien zur gesellschaftlichen Konstruktion des Geschlechts diskutiert, um in den weiteren Schritt eine empirisch gestützte und zum größten Teil auf eigenen Erfahrungen basierte praktische Anwendung der theoretischen Grundlagen im Alltag am Beispiel von kleinen Kindern zu erläutern.
Anschließend daran wird am Schluss die Frage gestellt, inwiefern das Geschlecht sozial determiniert ist und welche Möglichkeiten es gibt, an seiner Hervorbringung oder Veränderung als einer sozialen Kategorie Teil zu haben.
Das Thema „Geschlecht“ ist in der globalen Dimension der menschlichen Geschichte nicht neu. Bereits in der Antike und im Mittelalter fand eine Auseinandersetzung mit dem Thema statt. Wie Thomas Laqueur heraus fand, wurde jedoch von einem „Ein- Geschlecht-Modell“ ausgegangen, laut welchem die Frauen als anatomisch umgekehrte (ihre Genitalien wurden als die nach innen gewendete Genitalien eines Mannes betrachtet) und somit als minderwertigere Männer verstanden wurden. Es gab außerdem keine Bezeichnung für die weiblichen
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Geschlechtsorgane.
Der Übergang von der ständischen zur bürgerlichen Gesellschaft brachte eine Veränderung des Geschlechtsverständnisses und der Differenz der Geschlechter mit sich. Die religiöse Verortung des Menschen im sozialen Raum, seine Gebundenheit zu einer bestimmten sozialen Postion wurden durch das Naturrecht abgelöst d.h. dass die an Geschlechtszugehörigkeit geknüpften sozialen Erwartungen und Normen biologisiert und zur einer „natürlichen Bestimmung“ des Menschen erklärt wurden.
Die Neuzeit trieb die Aufklärung voran und das gängige Modell wurde aufgrund einer raschen Entwicklung der Medizin, Anthropologie und Anatomie durch das „Zwei- Geschlechter- Modell“ abgelöst. Männer und Frauen gelten seitdem als grundsätzlich unterschiedlich und dieser Unterschied wird an den Geschlechtsorganen festgemacht. Die Zugehörigkeit zu einer Geschlechtsklasse wird also durch Geschlechtsorgane definiert. Diese Zugehörigkeit ist meistens und auch in unserem Kulturkreis binär (man ist entweder Mann oder Frau), inklusiv (jeder ist entweder Mann oder Frau) und askriptiv (die Zugehörigkeit wird unmittelbar bei der Geburt festgestellt). Die sozialen Erwartungen, Normen und Funktionen stehen in einem Zusammenhang zum Geschlecht.
Die Emotionalisierung der Familie im neunzehnten Jahrhundert begünstigte weitere Verbreitung des Konzept der Geschlechtercharaktere und trug zur Entstehung und Fortbestand einer geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung. Dies wurde auch durch die Industrialisierung begünstigt, die eine Unterscheidung von der Familien- und Arbeitswelt d.h von der Privat- und Öffentlichkeitssphäre hervorbrachte. Gleichzeitig begünstigte sie eine Unterordnung des Privaten dem Öffentlichen d.h. im Prinzip eine geschlechtsspezifische Unterwerfung- Frau, die dem Privaten diente, wurde dem Mann, der in die Öffentlichkeit gehörte, als unterlegen definiert.
Das zwanzigste Jahrhundert erfuhr einige Verschiebungen in den Geschlechterverhältnissen, doch auch heutzutage wird die übliche Ordnung der Geschlechter als natürlich wahrgenommen und von der breiteren Masse der Gesellschaftsmitglieder kaum in Frage gestellt. Sonderformen der Sexualität und des Geschlechts werden meistens als anormal interpretiert und mit bestimmten Sanktionen bestraft. Sie führen nicht zur Widersprüchen in dem gängigen Geschlechterverständnis, sonder zur dessen Standardisierung und Verfestigung, weil sie als Ausnahmen ausgelegt werden, die die Regeln bestätigen.
Die ethnografischen Studien belegen, dass die binär differenzierte heterosexuelle Geschlechterordnung kein universelles Phänomen darstellt. Als berühmtes Beispiel können die nordamerikanischen Berdachen angeführt werden, die ein gesellschaftlich anerkanntes drittes Geschlechts darstellen. Oyewumi spricht in dem Zusammenhang von einer „Bio- Logik“ des abendländischen Verständnisses, das den Körper als Quelle für Differenzen und Hierarchisierungen ansieht. (Vgl. Meissner 2011: 6f)
Das Wissen über das Geschlecht und die damit verbundenen Rollen, Erwartungen und Normen
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ist dementsprechend historisch und kulturell bedingt d.h. seine Konstruktion ist von der Gesellschaftsform und -entwicklung abhängig.
Woran liegt es nun, dass unsere Gesellschaft eine binäre Geschlechtsmatrix entwickelte und sie ständig mobilisiert und verfestigt? Wie genau wird das Geschlecht sozial errichtet? Welche Prozessen sind daran beteiligt? Welche Strukturen? Welche Institutionen? Was heißt es, ein Mann oder eine Frau zu sein?
Auf der Suche nach einer Antwort auf die gestellten Fragen wird zu dem theoretischen Hintergrund übergegangen.
2. Die gesellschaftliche Konstruktion des Geschlechts
2.1. Theoretische Grundlagen:
Zuerst geht es darum zu klären, warum Geschlecht eine so wichtige Rolle für die gesellschaftliche Ordnung hat. Nicht nur, dass es um die Arbeitsteilung und die Funktionen der Gesellschaftsmitglieder geht, vielmehr ist eine eindeutige Geschlechtsidentität die Voraussetzung für das Erfolg im gesellschaftlichen Leben. Das Geschlechterwissen ist immun gegenüber Widersprüchen und außergewöhnlichen Vorkommnissen. Diejenige Gesellschaftsmitglieder, die nicht in die „Entweder Mann oder Frau“- Kategorie passen, werden sanktioniert, wie das bereits oben erwähnt wurde. Die gesamte Geschlechterordnung wird aber nicht in Frage gestellt.
2.1.1. Doing Gender: die Herstellung des Geschlechts durch interaktive Prozesse Man findet in der Literatur oft eine Unterscheidung zwischen dem biologischem Geschlecht (Sex) und dem sozialen Geschlecht (Gender), die aber keinesfalls in einem kausalen Verhältnis zu einander stehen. Diese Unterscheidung wurde in den fünfzigern Jahren in der angelsächsischen Sexualwissenschaft vorgenommen.
Es wird behauptet, dass die geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen, Orientierungen und Fähigkeiten nicht von der biologischen Natur, sondern vielmehr von der Gesellschaftskultur hervorgebracht werden d.h kulturell konstruiert sind. Die heterosexuelle Geschlechtermatrix und deren Naturalisierung wird kritisch gesehen. Es wird in Frage gestellt, „[…] dass die Annahme zweier Geschlechter stillschweigend ein heterosexuelles Grundmuster voraussetzt und reproduziert: Aus der biologischen Fortpflanzung wird auf eine natürliche Zweigeschlechtlichkeit der Körper geschlossen, die mit einem naturgegebenen
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gegengeschlechtlichen Begehren verknüpft ist.“ (Meissner 2011: 4) Das Geschlecht wird nicht nur auf Sexualität, sondern auch auf die Identität einer Person bezogen. Die Geschlechterordnung an sich wird als historisch spezifisch und wandelbar verstanden. Wenn es darum geht, wie genau das Geschlecht als ein Teil gesellschaftlicher Wirklichkeit konstruiert wird, dann stehen beim Doing Gender Konzept die interaktiven Prozesse im Vordergrund. Es wurde in den siebzigern/achtzigern durch die empirischen Studien zur Transsexualität von Harold Garfinkel („Agnes“, 1967) und der Studie „Gender. An Ethnomethodological Approach“ von Susan Kessler/Wendy McKenna (1978) in Gang gesetzt. Garfinkels Studie, die vom Geschlechtswechsel eines Transsexuellen handelt, thematisiert zum ersten Mal die kontinuierliche Herstellung der Geschlechtszugehörigkeit von Personen in den Alltagsinteraktionen und wird somit zum Ursprung der Doing Gender- Debatte. In der Studie von Kessler/McKenna wurde erstmals explizit von einer „sozialen Konstruktion des Geschlechts“ gesprochen. Die interaktionistisch- ethnomethodologische Konzeption des Doing Gender wurde kontinuierlich weiter erarbeitet, unter anderen von West/Zimmermann.
Es wird behauptet, „[…] dass Geschlecht nicht etwas ist, was wir qua körperlicher Ausstattung oder qua Sozialisation (!) heben, vielmehr muss die Geschlechtszugehörigkeit beständig interaktiv hergestellt werden- wobei eine breite Palette symbolischer Hinweise bereitsteht: Namen, Pronomima, Kleidung, Stimmlage, Gestik, Mimik, Körperhaltung, Verhaltensweisen... Geschlecht wird also nicht als Eigenschaft eines Individuums betrachtet, sondern als interaktive Hervorbringung, als emergentes Ergebnis sozialer Situationen.“ (Meissner 2011: 9, Hervorhebung vom Verf.) Und das beruht offensichtlich auf den Wissenssystemen, über die eine Gesellschaft verfügt. Es geht darum, dass die Geschlechtsklassifikationen als Voraussetzung für soziale Ordnung dienen, indem sie ein hierarchisches Geschlechterverhältnis herstellen.
Die Doing Gender- Debatte schiebt die biologischen Geschlechterunterschiede in den Hintergrund (Chromosomen,Hormone etc.) und setzt bei der Interaktion zwischen Personen ein, die die Interaktionspartner zur kategorialen und individuellen Identifikation zwing d.h. es geht um die Darstellung und Interpretation der Geschlechtszugehörigkeit. Die Darstellung muss selbstevident sein. Eine Frage zur geschlechtlichen Identifikation bedeutet ein Normbruch.
An dem Konzept wird die klare Trennung zwischen Kultur und Natur einer Kritik unterzogen. Die Natur wird als eine Basis für Kultur betrachtet d.h. aus den biologischen Geschlechtermerkmalen werden kulturelle Normierungen abgeleitet. Im Prinzip ist es aber genau andersherum- erst wenn die Geschlechtsmerkmale eine soziale Deutung erhalten, resultiert daraus die Geschlechtsordnung, die Arbeitsteilung, zusammengefasst- die gesellschaftliche Ordnung. Es ist zwar so, „[…] dass die sozialen Faktoren das Geschlecht
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Arbeit zitieren:
Natalja Kvast, 2011, Die gesellschaftliche Konstruktion des Geschlechts, München, GRIN Verlag GmbH
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