Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in das moderne Geschlechterverständnis 3
2. Geschlecht im geisteswissenschaftlichen Diskurs der Moderne 5
2.1 Theorie der Geschlechterpolarität 5
2.2 Moderne Geschlechtertheorien 7
2.3 Wissenschaft und Geschlecht 9
3. Fazit: Geschlechterpolarität- ein längst überflüssiges Phänomen? 11
4. Literaturverzeichnis 13
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1. Einführung in das moderne Geschlechterverständnis
Das Zitat bietet ein hervorragendes Beispiel für das moderne Geschlechterverständnis, welches sich im 18. Jahrhundert herausbildete und dessen Wirkung auch noch heute zu spüren ist. Nachdem durch die Ammenkultur in gehobenen Schichten (sowie durch die Tradition des Salonièrens und den Einfluss der s.g. „gelehrten Damen“) immer mehr Säuglinge von ihren Mütter in die Fremdbetreuung und Erziehung übergeben wurden, was zu einer sehr hohen Säuglingssterblichkeit führte, kam es allmählich dazu, dass der Schutz der Familie und Wahrung der Mutterpflicht für eine wichtige Staatsangelegenheit erklärt wurden. Es verbreitete sich die Auffassung, dass sich die Aufgabe der Frau im Staat auf die Fortpflanzungsfunktion beschränkt und ihr Wesen komplett ausmacht. Es wurde ein Ideal der Mutterschaft und Häuslichkeit den Frauen nahe gelegt, welches mancherorts sogar mit gesetzlichen Maßnahmen einher ging. So wurde z. B in Preußen gesetzlich vorgeschrieben, dass eine gesunde Mutter ihr Kind selbst zu stillen hat. Außerdem entstand in der Zeit das moderne Verständnis von Ehe als einem Bund zweier Liebender d.h. es ging um eine Liebesbeziehung und Sympathie, kein finanzielles oder politisches Nutzenkalkül. Die fortschreitende Domestizierung der Frau hatte ein soziales Ziel- die gesellschaftliche Ordnung aufrecht zu erhalten, die angeblich durch wachsende kulturelle Bedeutung der Frauen (Salons etc.) unterzugehen drohte. Mit der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft gingen einige wichtige Veränderungen einher. Die Trennung zwischen Arbeits- und Wohnstätte und somit die Herausbildung der Familie im eigentlichen Sinne, die ansetzende Industrialisierung und
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der aufkeimende Kapitalismus sowie die fortschreitende Säkularisierung brachten enorme soziale und kulturelle Umwälzungen mit sich, aber auch einen enormen Sicherheitsverlust und Desorientierung der Menschen. Die bis dahin vorherrschende religiöse Verortung des Menschen im sozialen Raum wurde durch das Naturrecht ersetzt. Die Polarisierung der Geschlechter und die Kategorisierung der Geschlechtercharaktere wurde auf eine natürliche Basis zurückgeführt und durch Wissenschaft kontinuierlich unterstützt und bestätigt. Aus der polaren Unterscheidung zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit entwickelten sich fest definierte und kaum veränderbare Rollen. Eine Frau war in erster Linie eine Mutter, eine Gattin und eine Haushälterin. Die Männer gehörten im Gegenteil in die für Frauen gefährliche und zu harte Öffentlichkeit, wodurch sie beinahe heldenhaft da standen und in ihren Frauen quasi Sicherheit und Erholung suchten.
Die Herausbildung der Geschlechtercharaktere und der damit verbundenen geschlechtsspezifischen Rollen entsprach durchaus dem Zeitgeist. Sie sorgte für eine Ausdifferenzierung der Sphären von Öffentlichkeit und Privatheit, wobei den Männer aufgrund einer Biologisierung der Geschlechterunterschiede der öffentliche, den Frauen dagegen der private Raum zugewiesen wurde. Mit der Ausdifferenzierung der Sphären ging eine Hierarchisierung einher- der öffentliche Bereich wurde gegenüber dem privaten höher bewertet und als übergeordnet verstanden. Somit wurden der Frau emotional- reproduktive und dem Mann rational- produktive Wesenszüge zugeschrieben. Die Männer wurden also als öffentliche Akteure aufgefasst, die sich auf dem Feld des Berufslebens, des Staatsgeschehens und politischem Engagement bewegten, während die Frauen sich ausschließlich um die Kindererziehung sowie Ehe-und Familienleben zu kümmern hatten. Diese Polarisierung wurde (um es noch ein Mal zu betonen) auf biologische Ursachen zurückgeführt und in dem wissenschaftlichen Diskurs immer aufs neue bestätigt. Bis ins 19. Jahrhundert hinein blieb der Mann gleich dem Mensch das Maß aller Dinge. Die Frau dagegen wurde zu einem Geschlechtswesen erklärt, das sich an einen biologisch vorgeprägten durch Gebärfunktion gekennzeichneten Lebensentwurf zu halten hatte.
In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob die im 18. Jahrhundert hervorgebrachte Auffassung einer Polarität der Geschlechter auch heutzutage noch ihre Früchte trägt. Oder handelt es sich längst um ein „totes“ Phänomen? Ausgehend von dem bereits
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Arbeit zitieren:
Natalja Kvast, 2011, Polaritätstheorie der Geschlechter- ein längst überflüssiges Phänomen?, München, GRIN Verlag GmbH
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