2
1. Einleitung
Der Keynesianismus bildet die Grundlage staatlicher Nachfragepolitik. 1 Im Unterschied zu vielen anderen Wirtschaftstheoretikern sprach Keynes sich dafür aus, die Wirtschaft durch Senkung der Arbeitslosigkeit zu beleben.
Der Autor wurde insbesondere durch seine Langfristprognose bekannt, die im Zusammenhang mit dem allgemeinen Keynesianismus vorgestellt und bewertet werden soll. In einer kurzen Schlußbemerkung wird auf die Aktualität und die Umsetzung des Keynesianismus eingegangen werden.
2. Keynesianismus
Der Keynesianismus bildete bis in die 60er Jahre eine relativ homogene theoretische und wirtschaftspolitische Schule, die sich unmittelbar auf das Hauptwerk von John Maynard Keynes bezog, die "Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes (1936)". Als klassische Merkmale des Keynesianismus können die Kritik am klassischen Selbststeuerungstheorem und der neoklassischen Gleichgewichtstheorie (Keynesianische Revolution) sowie die nachfrageorientierte Erklärung von Produktion und Beschäftigung hervorgehoben werden. 2
Unter der keynesianischen Wirtschaftspolitik versteht man den gezielten, antizyklischen Einsatz der Fiskalpolitik zur Beschäftigungssicherung, die das Expansionsniveau der Wirtschaft zwar beeinflußt, die aber nicht strukturell eingreift. Als wesentliche theoretische Grundlage gibt Karl Georg Zinn die "Orientierung am gesamtwirtschaftlichen Kreislauf und die Definition des realwirtschaftlichen Gleichgewichts als Übereinstimmung von freiwilliger Investition und freiwilliger Ersparnis" 3 an. In wohlhabenden Industrieländern werden Wachstum und Beschäftigung im Sinne des Keynesianismus, der seine Blütezeit von 1968 bis 1971 erlebte, von Nachfrageentwicklungen bestimmt.
Der politische Keynesianismus setzt voraus, daß Marktwirtschaft in Verbindung mit antizyklischer Fiskalpolitik ein dauerhaftes Vollbeschäftigungsgleichgewicht bilden kann. Die KEYNESsche Lehre ersetzt die traditionelle gleichgewichtsorientierte Vollbeschäftigungstheorie durch die Ableitung der Möglichkeit von
1 Meyer, Thomas (Hrsg.): Keynesianismus, in: Lexikon des Sozialismus. 1986, S. 295.
2 Ebd.
3 Zinn, Karl Georg: Keynesianische Politik in der Bundesrepublik Deutschland, in: Wirtschaftspolitik und
Arbeitnehmerinteressen. 1986, S. 52.
3
Unterbeschäftigungsgleichgewichten. Dabei wird die klassische Hoffnung auf Selbstabilisierung des Systems durch Keynes' Erkenntnis über die
Steuerungsnotwendigkeit und -möglichkeit der Wirtschaft abgelöst. Wesentlich für den Keynesianismus ist die wirtschaftspolitische Theorie der Intervention des Staates über Beeinflussung der Gesamtnachfrage (Globalsteuerung) und Stabilisierung des Investorenverhaltens bei Unsicherheitsfaktoren (Investitionssteuerung).
3. Die KEYNESsche Langfristprognose
John Maynard Keynes (1883-1946), einer der bedeutendsten Wirtschaftstheoretiker der makroökonomischen Analyse, stellte im Jahre 1943 eine Wirtschaftsprognose auf, in der er eine inflationäre Übernachfrage für die Nachkriegszeit infolge angestauter Konsumwünsche und hoher Investitionsanforderungen prophezeite. Der englische Ökonom erkannte im Gegensatz zu anderen Autoren schon früh das Wachstumspotential, das sich durch die Umstellung von der Kriegs- auf die Friedenswirtschaft und durch den Wiederaufbau ergab.
Keynes sogenannte Langfristprognose ist in drei Phasen gegliedert, die durch einen sukzessiven Rückgang der Wachstumsraten bestimmt werden. Vorrangig ging Keynes von Preissteigerungen aus, da nach seiner Prognose die freiwillige Ersparnisbildung nicht zur Finanzierung aller Investitionsobjekte ausreichte. Zinn stellt heraus, daß "ein weltwirtschaftliches Gleichgewicht von freiwilliger Ersparnis und freiwilliger Investition impliziert, daß die Summe der Leistungsbilanzdefizite gleich der Summe der Leistungsbilanzüberschüsse ist." 4
Die Gefahr einer Deflation oder Inflation liegt bei nationalen Überangebots- bzw. Übernachfragesituationen vor, die sich aus Ungleichgewichtssituationen - wenn die Summe der freiwilligen Leistungsbilanzüberschüsse oder die Summe der freiwilligen Leistungsbilanzdefizite überwiegt - ergeben können. 5 In der zweiten Phase erwartete er ein Gleichgewicht zwischen den geplanten Ersparnissen und den geplanten Investitionen auf Vollbeschäftigungsniveau. Erst in der
4 Zinn: Außenwirtschaftliches Defizit des Keynesianismus?, in: Wirtschaftsdienst,
63. Jg., H. 4, 1983, S. 206.
5 Vgl. ebd.
Arbeit zitieren:
M.A. Sonja Heinen, 1997, Die KEYNESsche Langfristprognose, München, GRIN Verlag GmbH
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