Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Historische Hintergr unde der Eidgenossenschaft 5
2.1 Kampf um Freiheit und Unabh angigkeit - Die Entstehung des eidgen ossischen
B undnissystems 5
2.2 Die konfessionelle Spaltung der B undnispartner 8
3 Die Struktur der Eidgenossenschaft und die Frage der Gleichberechtigung 12
3.1 Die eidgen ossischen Bundesglieder und ihre Verh altnisse zueinander 12
3.1.1 Die Machtverh altnisse auf der Tagsatzung 12
3.1.2 Die Stellung der Zugewandten Orte 15
3.1.3 Die Behandlung der Gemeinen Herrschaften durch die Eidgenossen 15
3.2 Die Bundesbriefe als Quelle hinsichtlich der Gleichheit der Eidgenossen 17
3.2.1 Motive f ur den Beitritt der neuen Mitglieder ab 1481 19
3.2.2 Die Umsetzung der Bundesbriefe in der Realit at 21
3.3 Die Machtverh altnisse innerhalb der Eidgenossenschaft nach dem Zweiten
Kappeler Landfrieden 22
4 Res umee 25
5 Quellen- und Literaturverzeichnis 30
5.1 Gedruckte Quellen 30
5.2 Sekund arliteratur 30
1 Einleitung
Wie viele andere fr¨ uhneuzeitliche B¨ undnisse war auch die Eidgenossenschaft durch eine starke Heterogenit¨ at und strenge Hierarchie ihrer Glieder gepr¨ agt. Trotz dieser Ungleichgewichte kam es zu keinem endg¨ ultigen Zusammenbruch des B¨ undnissystems. Insgesamt bestand die Eidgenossenschaft in der Struktur, die in der vorliegenden Arbeit geschildert werden soll, mehr als f¨ unf Jahrhunderte, was eine recht ansehnliche Zeit f¨ ur einen losen Zusammenschluss eigenst¨ andiger Bauernrepubliken des Sp¨ atmittelalters ist. Aufgrund der Aktualit¨ at, die dieses Thema durch Diskussionen ¨ uber gegenw¨ artige B¨ undnissysteme gewinnt,
halte ich dessen Aufarbeitung f¨ ur eine effektive B¨ undnispolitik innerhalb der Europ¨ aischen Union beispielsweise f¨ ur besonders wichtig.
Grundlage dieser Zielsetzung ist jedoch die Frage nach dem Aufbau und der Zusammensetzung der Eidgenossenschaft. Daher steht das Kapitel ¨ uber die Struktur der Eidgenossenschaft auch im Mittelpunkt der Arbeit. Unterteilt ist es zur besseren ¨ Ubersicht in drei weitere Kapitel: Erstens sollen auf einigen Seiten die Verh¨ altnisse der Bundesglieder dargestellt werden, welche sich, vereinfacht ausgedr¨ uckt, zwischen drei Ebenen, dem Kreis der vollwertigen Mitgliedern, den Zugewandten und den Gemeinen Herrschaften, abspielten. In einem zweiten Unterkapitel sollen die Bundesbriefe, welche die Basis f¨ ur den Zusammenschluss der Eidgenossen bilden, n¨ aher analysiert werden, wobei hier ein besonderer Schwerpunkt auf der Fragestellung liegt, inwiefern man ¨ uberhaupt von Benachteiligung oder Ungleichheit
unter den Mitgliedern sprechen kann. Zus¨ atzlich soll in zwei Unterkapiteln auf die Fragen eingegangen werden, warum neue Eidgenossen dem B¨ undnis trotz der Nachteile beigetreten sind und wie die Bestimmungen der Bundesbriefe die Realit¨ at beeinflusst haben. Das letzte Kapitel, das die Struktur der Eidgenossenschaft behandelt, besch¨ aftigt sich mit den innereidgen¨ ossischen Verh¨ altnissen nach den Reformationskriegen zwischen den katholischen und protestantischen Mitgliedern, da die Glaubensspaltung Europas auch die Beziehungen zwischen den Eidgenossen beeinflusste.
Im vorangehenden Kapitel, dem historischen Hintergrund, soll zun¨ achst eine Einf¨ uhrung in das Thema, beginnend mit der Entstehungsgeschichte der Eidgenossenschaft, gegeben werden. Ein zweites Unterthema dient zur Behandlung der Ereignisse w¨ ahrend der konfessionellen Auseinandersetzungen, um so die Verst¨ andnisgrundlage f¨ ur den Hauptteil der Arbeit zu schaffen. Abschließen wird die Arbeit mit einem Res¨ umee meiner Ergebnisse und der Beantwortung der Leitfragen, welche bereits zuvor aufgeworfen worden sind. Im Einzelnen geht es dabei um die Frage nach den Gr¨ unden f¨ ur die lange Dauer des Bundes, das
3
Ausbleiben blutiger Auseinandersetzungen, die zum Scheitern des B¨ undnisses h¨ atten f¨ uhren k¨ onnen und die Scheu der Eidgenossen, einen Krieg heraufzubeschw¨ oren, in dem sich Eidgenossen gegenseitig bek¨ ampften. Nicht zu vergessen ist der gegenwartsbezogene Aspekt, den das Thema bereit h¨ alt. Wie bereits angedeutet, erh¨ alt die Struktur der Eidgenossenschaft eine ungeahnte Brisanz, wenn sie im Zusammenhang mit heutigen B¨ undnissystemen betrachtet wird. Im Res¨ umee werde ich daher außerdem die Frage diskutieren, inwiefern man eidgen¨ ossische Verh¨ altnisse und B¨ undnisstrukturen auf heute ¨ ubertragen kann und welche Bedeutung sie im aktuellen Kontext einnehmen.
Als Quellen f¨ ur die Erarbeitung dieses Themas habe ich vor allem die Quelleneditionen der Allgemeinen Geschichtsforschenden Gesellschaft der Schweiz und f¨ ur die neueren Bundesbriefe die Ausgabe von Ehrbar verwendet. Hinsichtlich der vorhandenen Literatur waren meinem Empfinden nach die Werke von Peyer, Bohnenblust und Reinhardt sehr stichhaltig, informativ und gut strukturiert. F¨ ur das bessere Verst¨ andnis der Kappeler Kriege und der Spaltung der Gemeinschaft durch die Reformation diente mir das Buch ¨ uber den Zweiten
Kappeler Krieg von Helmut Meyer als umfangreiche und gut verst¨ andliche Informationsquelle.
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2 Historische Hintergr¨ unde der
Eidgenossenschaft
2.1 Kampf um Freiheit und Unabh¨ angigkeit - Die Entstehung des eidgen¨ ossischen B¨ undnissystems 1
Dem Bundesbrief von 1291 nach, welcher durch den ” Ewigen Bund“ zwischen den in den
schweizerischen Alpen gelegenen L¨ andern Uri, Schwyz und Unterwalden die so genannte Alte Eidgenossenschaft begr¨ undete, gab es auch davor schon ein B¨ undnis zwischen besagten Orten. Da auch in diesem ersten Bundesbrief als Datum nur ” Anfang August 1291“ ange-
geben wird, ist der Ursprung der Eidgenossenschaft genau genommen zeitlich nicht exakt datierbar. Auch der Ort, an dem man den Bund schloss, wird in der Quelle nicht angegeben. ¨ Uber die Gr¨ undungszeit der Eidgenossenschaft kann man aus Mangel an weiteren Quellen daher keine sicheren Aussagen treffen.
F¨ ur die darauf folgenden Jahrzehnte l¨ asst sich durch die Vertr¨ age der ” Ewigen B¨ unde“ die
Aufnahme weiterer Mitglieder in das B¨ undnis detaillierter verfolgen. 1315 wurde zun¨ achst der Bund der drei Gr¨ undungsmitglieder nochmals besiegelt, bevor jene sich 1332 mit Luzern verb¨ undeten. Als erste Reichsstadt unter den Eidgenossen erhielt Z¨ urich mit seinem Beitritt 1351 besondere Vorrechte, welche in den nachfolgenden Kapiteln noch n¨ aher erl¨ autert werden. Bereits im Folgejahr wurden sowohl Glarus als auch Zug durch kriegerische Aktivit¨ aten der Eidgenossen eingenommen und in den Kreis der vollwertigen Mitglieder erhoben. Durch den Bund der Stadt Bern mit den Eidgenossen entstand 1553 schließlich die acht¨ ortige Eidgenossenschaft, welche bis zur Aufnahme Freiburgs 2 und Solothurns 1481 in
dieser Fassung Bestand hatte. In der Zwischenzeit konnten bestehende Strukturen gefestigt und ein st¨ arkerer Zusammenhalt aufgebaut werden. Dies f¨ uhrte jedoch zu einer eher unwilligen Aufnahme neuer Mitglieder. Erst nach mehr als einem Jahrhundert konnte man sich dazu entschließen, einige der Zugewandten Orte, mit denen man bereits zuvor B¨ undnisse geschlossen hatte, zu vollwertigen Mitgliedern zu erheben. Nach dem Beitritt Basels und Schaffhausens 1501 kam im Jahr 1513 als letzter Ort noch Appenzell hinzu. Hiermit war die dreizehn¨ ortige Eidgenossenschaft entstanden und bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft 1798 wurden auch keine weiteren Mitglieder mehr aufgenommen.
1 Siehe zu allgemeinen Angaben: Bohnenblust, Geschichte der Schweiz; Peyer, Verfassungsgeschichte der Alten Schweiz; Reinhardt, Geschichte der Schweiz.
2 Gemeint ist Fribourg in der Schweiz.
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2.1 Kampf um Freiheit und Unabh¨ angigkeit - Die Entstehung des eidgen¨ ossischen B¨ undnissystems
Gemeinsam war allen Bundesbriefen, dass sie als Schutzb¨ undnis abgeschlossen wurden und zur Sicherung des Landfriedens dienen sollten. Schon zu ihrer Gr¨ undungszeit legte sich die Eidgenossenschaft des ¨ ofteren mit st¨ arkeren Gegnern, wie zum Beispiel den Habsburger an, welche immer wieder Erbanspr¨ uche auf Schwyz und Unterwalden erhoben. Der gute Zusammenhalt untereinander durch den Bund und die schwer erreichbare Lage in den Bergen erm¨ oglichten den Eidgenossen jedoch wiederholt eine erfolgreiche Verteidigung ihres ” lib
und gute“ 3 , also ihres Lebens und Besitzes, wie zu Beginn jedes Bundesbriefes formuliert
wurde. Die Reichsvogtei Uri dagegen hatte schon zuvor ihre Unabh¨ angigkeit erlangt, indem Heinrich, der Sohn des Kaisers Friedrich II., das Tal Rudolph von Habsburg abkaufte und den Einwohnern die Reichsfreiheit garantierte. Damit nahm Uri die Stellung einer freien Reichsstadt ein und unterstand nur noch dem Kaiser. 4
Schwyz und Unterwalden hatten dieses Gl¨ uck nicht und mussten sich ihre Unabh¨ angigkeit erst erk¨ ampfen. Vor allem die Schwyzer wurden in der Folgezeit als ausdauernde und z¨ ahe K¨ ampfer f¨ ur ihre Freiheit und Souver¨ anit¨ at im ganzen Reich bekannt. Ihr Vorgehen war teilweise erschreckend brutal. So endete beispielsweise ein Streit um Grundbesitz mit dem Kloster Einsiedeln mit der Pl¨ underung des Klosters. 5 Der Name ” Schwyz“ erhielt durch
solche Vorf¨ alle einen ber¨ uhmt-ber¨ uchtigten Charakter und der Ausdruck ” die Schwyzer“
wurde im Ausland bald als Schimpfwort f¨ ur alle Eidgenossen verwendet. Der Gebrauch des Namens wandelte sich jedoch zunehmend dahin gehend, dass er mit einer gewissen Bewunderung und Hochachtung vor den Kriegsk¨ unsten der Eidgenossen ausgesprochen wurde. Der Respekt, den sich die Eidgenossen bei ihren Gegnern und Verb¨ undeten erworben hatten, ubertrug sich in besonderem Maße auf die Schwyzer als Namensgeber, wodurch diese auch ¨
unter ihren Verb¨ undeten, den anderen Eidgenossen, hohes Ansehen genossen. 6
Im 15. Jahrhundert begann die damals noch acht¨ ortige Eidgenossenschaft ihren Aufstieg zur europ¨ aischen Großmacht, indem sie in kurzer Abfolge verschiedene B¨ undnisse mit anderen M¨ achten schloss und h¨ aufig auch an kriegerisch ausgetragenen Konflikten in Europa beteiligt war. 7 Besonders an der Anzahl der Tagsatzungen und den hier abgewickelten Gesch¨ aften
kann man erkennen, dass die Eidgenossenschaft auch im Ausland st¨ arker wahrgenommen wurde, was auch die folgenden Diagramme veranschaulichen. Vor allem hinsichtlich der Bereitstellung von S¨ oldnern waren die eidgen¨ ossischen Orte eine unabdingbare Hilfe f¨ ur ausl¨ andische F¨ ursten. Ihre Soldaten, die sich durch Tapferkeit und Ausdauer einen sehr guten Ruf erworben hatten, konnten ab der zweiten H¨ alfte des 15. Jahrhunderts eine ansehnliche Reihe von Siegen verzeichnen. Die Tagsatzung war jedoch das einzige Gremium, an dem, zumindest der Theorie nach, alle Eidgenossen vertreten waren. 8 Dies erkl¨ art auch, dass
3 Urkundenwerk I, S. 778.
4 Bohnenblust, S. 76.
5 Bohnenblust, S. 78.
6 Allemann, S. 31.
7 Peyer, S. 42.
8 Siehe S. 12f.
6
und Jahrhunderte entstand zwischen den Eidgenossen ein f¨ ur solch lockere B¨ unde außergew¨ ohnliches Zusammengeh¨ origkeitsgef¨ uhl. 11 Der Gebrauch des Begriffs ” Nationalgef¨ uhl“
ist in diesem Zusammenhang wohl noch verfr¨ uht, da Nationalstaaten ein Symptom der Neuzeit sind. Dennoch schweißten die erfolgreich ¨ uberstandenen milit¨ arischen Auseinanderset-
zungen mit anderen M¨ achten und der enorme Druck der anderen europ¨ aischen Großm¨ achte die B¨ undnispartner so weit zusammen, dass eine Aufl¨ osung des B¨ undnisses nicht mehr ohne weiteres m¨ oglich war. Noch immer waren Freiheit und Unabh¨ angigkeit wichtige Ziele und die Unterwerfung unter habsburgische Herrschaft eine große Angst der Eidgenossen. Dane- 9 Reinhardt,S. 32f.
10 Reinhardt, S. 31.
11 Peyer, S. 42.
7
Außenpolitik, 12 welche jedoch ohne B¨ undnispartner nicht durchf¨ uhrbar gewesen w¨ are. Die
Ewigen B¨ unde“ mit Gleichgesinnten war f¨ ur sie die einzige M¨ oglichkeit, gegen das aufstei-
”
gende Haus Habsburg und andere M¨ achte, die Besitzanspr¨ uche auf eidgen¨ ossisches Gebiet stellten, anzuk¨ ampfen und gleichzeitig ihren Machtbereich zu erweitern.
2.2 Die konfessionelle Spaltung der B¨ undnispartner 13
Mit dem Beginn der Reformationszeit zerbrach um 1520 nicht nur in der Eidgenossenschaft, sondern in ganz Europa die konfessionelle Einheit. Dies bedeutete einen großen Umbruch, da zuvor immer die Concordia, also die religi¨ ose Einigkeit, zwischen den christlichen V¨ olkern Bestand hatte und damit auch ein weltlicher Friede, die Pax m¨ oglich war. Im Verlauf der Ausbreitung der Reformation kommt es nach dem Zusammenbruch der Concordia auch zum Scheitern der Pax, da es zu dieser Zeit unvorstellbar war, in Frieden mit andersgl¨ aubigen Menschen zusammen zu leben.
W¨ ahrend in anderen Staatenb¨ unden unter der Bev¨ olkerung jedoch unter anderem auch sprachliche und ethnische Homogenit¨ at bestand, wurde im Falle der Eidgenossen mit dem ¨ Ubertritt einiger Mitglieder zum Protestantismus nahezu die einzige Gemeinsamkeit zunich- 12 Bohnenblust,S. 127.
13 Siehe zu allgemeinen Angaben: Bohnenblust, S. 225ff.; Reinhardt, S. 51ff.; Meyer, S. 10ff.
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Arbeit zitieren:
Sabine Kühn, 2008, "Unser getrüwen lieben eidgenosßen", München, GRIN Verlag GmbH
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