Inhaltsverzeichnis
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS
1 EINLEITUNG 1
1.1 Forschungsstand und Quellen 4
2 TERRORISMUS 6
2.1 Terrorismus - Ein Versuch einer Definition 6
2.2 Terrorismus im Wandel der Zeit 8
2.3 Die Problematik einer Definition 14
2.4 Unterscheidungen als Weg zu einer Definition 28
2.5 Resümee 32
3 TERRORISMEN - ARTEN DES TERRORS DER LETZTEN
50 JAHRE 34
3.1 Die vier Wellen des Terrorismus 34
3.2 Unterscheidungsmöglichkeiten 35
3.3 Räumliche Kriterien 37
3.3.1 Nationaler Terrorismus 37
3.3.2 Internationaler Terrorismus 37
3.3.3 Transnationaler Terrorismus 38
3.4 Unterscheidung nach Motiven 38
3.4.1 Ethno-nationaler Terrorismus 39
3.4.2 Ideologisch-weltanschaulicher Terrorismus 40
3.4.2.1 Sozialrevolutionärer Terrorismus 40
3.4.2.2 Ideologisch-religiöser Terrorismus 41
4 DER ISLAMISTISCHE FUNDAMENTALISMUS 44
4.1 Der Islam - Charakteristik einer Religion 44
4.2 Fundamentalismus - eine Definition 48
4.3 Der Islamismus / islamistische Fundamentalismus 50
4.4 Ursprung des islamistischen Fundamentalismus 54
4.4.1 Djihad - das historische und gegenwärtige Verständnis 58
4.4.2 Das 3-2-1 Modell des Djihad 61
4.4.2.1 Drei Feinde 61
4.4.2.2 Zwei Angriffsarten 61
4.4.2.3 Verteidigungsstrategie 62
4.4.3 Was macht einen Menschen zum Islamisten? 62
4.5 Terrorismus gestern und heute 65
5 DIE MACHT DER MEDIEN 70
5.1 Terrorismus und Medien - ein Beziehungsgefüge 71
5.1.1 Medienorientierter Terrorismus 74
5.1.2 Massenkommunikation und die terroristische Botschaft 75
5.1.2.1 Printmedien 76
5.1.2.2 Radio 77
5.1.2.3 Television 77
5.1.2.4 Das Internet 78
5.1.3 Massenkommunikation und die „neuen“ Medien 79
5.1.4 Wahrheit und Folgen terroristischer Berichterstattung 80 5.1.4.1 Marktkonkurrenz 81
5.1.4.2 Informationsverarbeitung - Entscheidung über welche Geschehnisse berichtet wird 81
5.1.4.3 Informationsverarbeitung - die Frage wie über Geschehnisse berichtet wird 83
5.1.4.4 Wie sich Terroristen selbst bezeichnen 84
5.2 Ziele terroristischer Mediennutzung 84
5.3 Vorteile des Internets für Terroristen 87
5.4 Cyber-Djihad - Der Kampf im Internet 90 5.4.1 Bilder des Schreckens 92
5.4.2 Anonymität und sichere Kommunikation 93 5.4.3 Rekrutierung 94
5.4.4 Virtuelles Trainingscamp 94
5.4.5 Gemeinsamkeiten islamistischer Websites 96
5.4.6 Cyber-Djihad am Beispiel der Al-Qaida 97
6 GRUNDLAGEN UND ANSÄTZE ZUR
TERRORISMUSBEKÄMPFUNG 103
6.1 Normative Anforderungen eines demokratischen Rechtstaates 103
6.2 Ziele der Terrorismusbekämpfung 104
6.2.1 Prävention vor Anschlägen 105
6.2.2 Begrenzung und Bewältigung der Konsequenz terroristischer Anschläge 106
6.2.3 Schwächung und Beseitigung terroristischer und extremistischer Strukturen 106
6.2.4 Beseitigung struktureller Ursachen und Triebkräfte von Terrorismus 107
6.3 Strategien der Terrorismusbekämpfung 108
6.3.1 Delegitimierung der terroristischen Bewegungen und deren Unterstützer 108
6.3.2 Vorenthaltung strategischer Ressourcen 110
6.3.3 Ausforschung und Auflösung terroristischer und extremistischer Strukturen 112
6.3.4 Identifikation und Vereitelung von Anschlägen 113
6.3.5 Schutz vor wichtigen Angriffszielen und Systemstabilität 114
6.3.6 Bereithaltung ausreichender Kapazitäten zur Opferversorgung und Schadensbeseitigung 115
6.4 Gegenstrategien für den Cyber-Djihad - Ein Vorschlag nach El Difraoui und Steinberg 116
7 SCHLUSSBEMERKUNG 119
REFERENZLISTE 121
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Begriffsplan zu Terrorismus (Hauninger 2007: 46) adaptiert
Abb. 2: Die Welt des Islam (Metzger 2002: 13)
Abb. 3: Glaubensrichtungen des Islam (Metzger 2002: 4)
Abb. 4: Deaths by Perpetrator Category (NCTC 2010: 22)
Abb. 5: Terrorism and the Triangle of Political Communication (Nacos
2002: 12)
1 Einleitung
Das Phänomen der terroristischen Gewalt beziehungsweise des Terrorismus existiert nicht erst seit dem 11. September 2001. Jedoch ist seit diesem Zeitpunkt die Problematik in den Medien und in der Mitte der westlichen Gesellschaft angekommen und scheint ubiquitär. Vielen hat es bewusst werden lassen, wie verwundbar die westliche Welt ist. Im Besonderen führt es der modernen westlichen Welt eine neue Form und Intensität des Terrorismus vor Augen. Dieses Datum gilt seither als Wendepunkt im Kampf gegen terroristische Gewalt.
Am Dienstag, den 11. September 2001, entführten
Selbstmordattentäter vier Passagiermaschinen der Fluggesellschaften American und United Airlines. Zwei dieser Flugzeuge wurden in eines der Wahrzeichen Amerikas gelenkt, genauer: in das World Trade Center in New York. Beide Türme gingen in Flammen auf und stürzten später in sich zusammen. Eine weitere Passagiermaschine nahm Kurs auf den Süd-Flügel des Pentagons, während eine weitere Maschine in Pennsylvania abstürzte. Ermittlungen ergaben, dass diese Maschine wahrscheinlich für den Landsitz des US-Präsidenten, Camp David, vorgesehen war. Bei diesem terroristischen Akt wurden tausende Zivilisten getötet. Dieses Ereignis versetzte Amerika und den Rest der westlichen Welt in einen Schockzustand, womit die Märtyrer ihr Ziel erreichten. Mit der Zerstörung des Wahrzeichens der USA, einem Symbol der Macht und einem Zeichen des Kapitalismus, haben die Terroristen nicht nur eine enorme Anzahl von Menschen getötet, sondern auch gleichzeitig einer Weltmacht ihre Verletzlichkeit aufgezeigt. Gleichwohl erreichten sie vor allem eines: die Angst westlicher Bürger vor islamischen Mitbürgern, und vor islamischen Anschlägen sowie besonders die weltweite Aufmerksamkeit.
Heute wird der Terrorismus in Fachkreisen, unter anderem als eine „neue“ Form des Krieges bezeichnet (vgl. Münkler 2005: 13). Hoffman (2007) spricht hingegen von einem „unerklärten“ Krieg, einem Krieg also, der nicht offiziell erklärt wurde. So genannte „klassische“ Terroristen der siebziger und achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts gehören heutzutage der Vergangenheit an. Die Art und Weise eines Revolutionärs, wie es der Guerillero Che Guevara war, oder der berüchtigten deutschen „Rote Armee Fraktion“, ist mit der heutigen Form des Terrorismus nicht mehr vergleichbar. Im Gegensatz zu diesem politisch motivierten Terrorismus, besteht die Problematik des heutigen Terrorismus vor allem darin, dass seine Ziele nicht völlig klar sind. Oft sind Sinn und Zweck der Anschläge nicht direkt erkennbar. Dies erschwert die Ermittlungen um herauszufinden wann ein erneuter Angriff geplant ist und natürlich die diesbezügliche entsprechende Prävention. In anderen Worten kann man den heutigen Terrorismus als eine form- und gestaltlose Masse bezeichnen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die moderne Welt in einem Krieg befindet, der zum einen nicht erklärt wurde und zum anderen kein klares Feindbild vor Augen führt. Die Terroristen führen einen Feldzug gegen die gesamte westliche Welt, indem sie das Gefühl der Angst erzeugen, eines Tages selbst zu den Opfern eines Terroranschlags gehören zu können. Die Brisanz dieser Thematik zeigt nicht zuletzt der vereitelte Paketbombenanschlag im Jemen, die fortwährenden Terroranschlags-Drohungen für Deutschland und nicht zuletzt die Ermordung des Terroristenführers, Osama bin Laden, der Kopf der islamistischen Terrororganisation Al-Qaida.
Aufgrund der Aktualität der Problematik befasst sich die vorliegende Examensarbeit mit der terroristischen Gewalt am Beispiel des islamistischen Fundamentalismus.
Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es genauer zu analysieren, ob sich der islamistische Fundamentalismus aufgrund des Mediums Internet zunehmend globalisiert. Dies wird vor allem im Hinblick auf die neuen wie auch alten Medien ermittelt. Des Weiteren gilt es einen Präventionsvorschlag hinsichtlich der virtuellen Terrorismusbekämpfung zu erörtern.
Das erste Kapitel der vorliegenden Arbeit beschäftigt sich mit der Definition des Begriffes „Terrorismus“. Der Fokus liegt auf der Problematik einer Definitionsfindung und dem Versuch einer Beschreibung des Phänomens. Im Anschluss daran werden im nächsten Kapitel die Arten des Terrorismus der letzten 50 Jahre beschrieben. Dabei werden nicht nur die vier Wellen des Terrorismus erläutert, sondern auch die Unterscheidung nach Motiven und räumlichen Kriterien. Kapitel 4 fokussiert die Bestandteile des islamistischen Fundamentalismus. Dabei werden grundlegende Definitionen aufgeführt, die dazu beitragen das Phänomen des Islamismus bzw. Djihadismus zu verstehen. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird die Rolle der Medien in Bezug auf die Berichterstattung des Terrorismus erläutert. Hierbei liegt der Schwerpunkt besonders auf dem Beziehungsgefüge des Terrorismus und der Medien. Dabei ist es bedeutend die Entwicklung der Medien darzulegen und die Vorzüge des modernen Mediums Internet zu beleuchten. Der virtuelle Djihad wird in diesem Kapitel besonders hervorgehoben und vordergründig im Hinblick auf die Internetpräsenz der Al-Qaida behandelt. Der abschließende Teil dieser Examensarbeit beschäftigt sich vor allem mit der Prävention gegen Terrorismus. In diesem Zusammenhang werden die Anforderungen, Ziele und Strategien möglicher Präventionen dargelegt.
1.1 Forschungsstand und Quellen
Es lässt sich durchaus behaupten, dass der Anschlag des 11. September 2001 die Terrorismusforschung wiederbelebte. Seit diesem Zeitpunkt bis zum Jahr 2003 sind unzählige wissenschaftliche wie auch nicht wissenschaftliche Texte entstanden, die sich mit dem Phänomen des Terrorismus befassen. Die meisten, in diesem Zeitrraum entstandenen Publikationen, werden allerdings von Kaschner (2008: 22) als „bestenfalls populärwissenschaftlich“ bezeichnet. Er ist der Annahme, dass nach diesem Zeitpunkt größere Anzahlen an hochqualitativen Arbeiten entstanden seien, die die unterschiedlichsten Facetten des Terrorismus beschreiben. Dabei beschäftigt sich eine Vielzahl der Fachliteratur mit dem Phänomen des islamistisch-fundamentalistischen Terrorismus.
Als eines von wenigen, erweist sich das Werk von Bruce Hoffman „Der unerklärte Krieg“ als fundierte Grundlage um das allgemeine Phänomen Terrorismus zu erläutern. Dieses Werk befasst sich nicht nur mit der historischen Entwicklung des Terrorismus, sondern auch mit der Frage warum dieser Begriff so schwierig zu definieren ist. Des Weiteren nimmt Hoffman einige wichtige Differenzierungen vor um zu einer plausiblen Definition zu gelangen. Auch sind die Arbeiten von Walter Laqueur, „Krieg dem Westen“, und Peter Waldmanns „Terrorismus - Provokation der Macht“ zu empfehlen. Laqueur beschreibt in seinem Werk nicht nur die Ursachen des Terrorismus, sondern unter anderem auch die Ursprünge des islamischen Terrorismus. Waldmann hingegen bietet eine umfassende Beschreibung des Terrorismus, unter der Betrachtung von Themen wie beispielsweise der Rolle der Medien, die verschiedenen Formen des Terrorismus, die Technik der Terroristen und Gegenmaßnahmen. Für den Themenbereich „Terrorismen“ ist auf Schriftsteller wie Kolnberger, Schneider, Hirschmann, Hauninger und Martin zu verweisen.
In Bezug auf die Problematik des islamistischen Fundamentalismus sind die Quellen wie Schimmel, Khallouk, Frisch, Hottinger, Rid, Philipp, die Bundeszentrale für politische Bildung sowie die bereits oben erwähnten Autoren hervorzuheben. Eine Arbeit von besonderer Bedeutung ist auch Dietls, Tophovens und Hirschmanns „Lexikon des Terrorismus“, welches grundlegende Aspekte des Terrorismus sowie auch des islamistischen Terrorismus aufführt. Im Hinblick auf die Rolle der Medien und ihre Beziehung zum Terrorismus sind die Autoren Combs, Nacos und Musharbash zu nennen. Jedoch trägt vor allem das Werk von Martin „Understanding Terrorism“ zum Verständnis der Beziehung zwischen Medien und Terrorismus bei. Ein herausragendes Werk in Bezug auf Präventionsmaßnahmen terroristischer Anschläge bzw. des Terrorismus allgemein ist von Johannes Urban verfasst worden und trägt den Titel „Die Bekämpfung des Internationalen Islamistischen Terrorismus“. Im Hinblick auf die spezielle Bekämpfung des virtuellen Djihad stellt der Artikel von El Difraoui und Steinberg „Der Feind in unserem Netz“ eine aktuelle und hilfreiche Publikation dar. Die Werke der hier aufgeführten Autoren sind der Referenzliste zu entnehmen.
2 Terrorismus
Um den Grundstein dieser Arbeit legen zu können, steht im Folgenden die Begriffsbestimmung des Wortes „Terrorismus“ im Vordergrund. Dabei wird eine Definition gegeben, die für den weiteren Verlauf dieser Arbeit gelten soll. Anschließend werden unterschiedliche Formen des Terrorismus dargestellt.
2.1 Terrorismus - Ein Versuch einer Definition
Der Terminus „Terrorismus“ ist zu einem unentbehrlichen Teil unserer Sprache des späten 20. Jahrhunderts geworden. Dennoch haben die wenigsten Menschen eine Vorstellung davon, was dieses Wort eigentlich genau bedeutet. Diese Unklarheit ist nicht zuletzt den Medien zu verdanken (vgl. Hoffman 2007: 21). Die starke Kompression komplexer Nachrichteninhalte auf Sendeminuten, hat „ zu der unterschiedslosen Etikettierung einer ganzen Skala von Gewaltakten als Terrorismus geführt“ (ebd.). In anderen Worten, häufig wird in den Medien jede besonders brutale Gräueltat als Terrorismus tituliert, ohne dabei in jeglicher Weise zu differenzieren. Dies zeigt, dass bei der Begrifflichkeit des Terrorismus ein hoher Definitionsbedarf besteht. Schon Backes (2003) stellte fest, dass es etliche wissenschaftliche Versuche gibt Terrorismus zu definieren (vgl. ebd.). Laut Hoffman (2007: 21), sind selbst Lexika bei der Definition von Terrorismus wenig hilfreich.
Auch das englischsprachige „Oxford English Dictionary“ zeigt sich wenig präzise:
Terrorismus: Ein System des Terrors. 1. Herrschaft durch Einschüchterung, wie sie durch die Partei, die in Frankreich während der Revolution von 1789 bis 1794 an der Macht war, eingerichtet und praktiziert wurde; das System des »Terrors«.
2. allgemein Eine Politik, die die Absicht verfolgt, Terror gegen diejenigen einzusetzen, gegen die sie sich richtet; die Anwendung von Methoden der Einschüchterung; die Tatsache, daß Terror ausgeübt, oder der Umstand, daß Terror erlitten wird. (Oxford University Press 1971, zitiert nach Hoffman 2007: 22)
Bei diesem Versuch der Definition wird sich sehr stark an dem Wortsinn angelehnt, ebenso ist es historisch nur auf den Zeitpunkt der Französischen Revolution begrenzt. Etwas hilfreicher scheint jedoch Punkt zwei zu sein, der besagt, dass Terrorismus das Erzeugen von Angst anstrebt. Allerdings ist die Beschreibung so unpräzise, dass diese fast zu jeder Tat passt, die ein Gefühl der Unsicherheit vermittelt und uns sprichwörtlich terrorisiert (vgl. Hoffman 2007: 22). Nach Hoffman (2007) ist die Definition des Oxford English Dictionary des Begriffs „Terrorist“ hilfreicher:
1. Als ein politischer Begriff: a. Angewandt auf die Jakobiner und ihre Beauftragten und Parteigänger während der Französischen Revolution, insbesondere auf jene, die während der »Terrorherrschaft« in den Revolutionstribunalen mitwirkten. b. Jeder, der versucht, seine Ansichten durch ein System von auf Zwang beruhenden Einschüchterungen durchzusetzen; speziell angewandt auf Mitglieder einer der radikal revolutionären Gesellschaften in Russland. (Oxford University Press 1971, zitiert nach Hoffman 2007: 22)
Dieser Eintrag ist wesentlich hilfreicher, denn er indiziert, dass es sich bei dem Wort Terrorismus um einen politischen Begriff handelt. Dies stellt eine Schlüsseleigenschaft dar, eine unabdingbare Voraussetzung um die Ziele, Motive und Absichten des Terrorismus zu verstehen und um einer Differenzierung von anderen Arten der Gewalttätigkeit vorzunehmen. Zusätzlich veranschaulicht Abschnitt b eine zweite Schlüsseleigenschaft des Terrorismus (vgl. Hoffman 2007: 23). Dieser visualisiert, „dass es dabei um ein geplantes, berechnetes und darum systematisches Tun handelt“ (ebd.).
Im heutigen Sprachgebrauch ist der Begriff des Terrorismus prinzipiell politischer Natur. Hierbei geht es fast ausschließlich um den Faktor Macht, sei es „um das Streben nach Macht, Erwerb von Macht und den Gebrauch von Macht zur Durchsetzung politischen Wandels“ (Hoffman 2007: 23). Somit beinhaltet der Begriff Terrorismus vor allem Gewalt, besonders die Androhung von Gewalt. Diese wiederum wird primär für die Durchsetzung politischer Ziele implementiert (vgl. ebd.).
In Anbetracht der recht unkomplizierten Beschreibung des Terminus, stellt man sich die Frage, worin man die Problematik besteht den Begriff zu definieren.
2.2 Terrorismus im Wandel der Zeit
Der Begriff „Terrorismus“ hat in der Forschung über Jahre hinweg eine Vielzahl von Diskussionen entfacht, aus denen teilweise unterschiedliche Bedeutungen des Ausdrucks „Terrorismus“
hervorgehen. Dies ist vor allem auf die verschiedenen Charaktere des Terrorismus zurückzuführen, die sich im Laufe der Zeit und von Kultur zu Kultur verändert haben. (vgl. Laqueur 2004: 347).
Diesbezüglich wird in der heutigen Zeit häufig von einem Bedeutungswandel des Begriffes gesprochen. Davon abgesehen handelt es sich um ein globales Phänomen, welches dazu beitrug das die Begrifflichkeit in verschiedenen politischen Kulturen differenzierte Bedeutungen zur Folge hatte (vgl. Jaschke 2006: 104ff). Jaschke (2006) beschreibt dies mit folgenden Worten: „Was hier als Terrorismus gilt, kann dort als Freiheitskampf wahrgenommen werden.“ Dieses Zitat beschreibt wie schmal der Grad ist, den Terrorist vom Freiheitskämpfer abzugrenzen. Weiterhin ist es für politische Oberhäupter meist sehr verlockend, unbequeme Oppositionsgruppen kurzer Hand als Terroristen zu bezeichnen (vgl. Waldmann 2005: 11).
Im Hinblick auf die geschichtliche Entwicklung des Wortes „Terrorismus“, kann man sagen, dass der Begriff das erste Mal während der Französischen Revolution verwendet wurde. Damals hatte die Begrifflichkeit, im Gegensatz zum heutigen Gebrauch, jedoch etwas Positives. Das „régime de la terreur“ wurde vordergründig als Instrumentarium zur Durchsetzung von Ordnung etabliert und diente der Festsetzung der Macht. In dieser Zeit, war Terrorismus eng mit den Idealen der Tugend und Demokratie verknüpft. Robespierre beschreibt Terror mit diesen Worten: „Terror ist nichts anderes als Gerechtigkeit, sofortige, unnachsichtige und unbeugsame Gerechtigkeit; er stellt daher eine Ausdrucksform der Tugend dar“ (Palmer 1970, zitiert nach Hoffman 2007: 24). Der Terrorismus von damals und heute verfügt über zwei Gemeinsamkeiten. Erstens war er nie ziellos, und auch heute war und ist er organisiert, zielstrebig und systematisch zugleich. Des Weiteren wurde bzw. wird seine Durchführung als eine „Schaffung einer neuen und besseren Gesellschaft anstelle eines ganz und gar korrupten und undemokratischen politischen Systems“ (Hoffman 2007: 25) legitimiert.
Nach dem das „régime de la terreur“ in Frankreich gestürzt wurde, wurde der Begriff „Terrorismus“ durchweg mit dem Missbrauch von Amt und Macht assoziiert (vgl. Hoffman 2007: 26).
Selbst im Jahre 1881 waren politische Attentate nicht von minderer Anzahl. Der russische Zar Alexander I. überlebte einige Anschläge, dem letzten fiel er jedoch zum Opfer. Die revolutionäre Gruppe, namens Narodnaya Wolya zu Deutsch der Volkswille, ermordeten zuerst die Polizeipräsidenten von St. Petersburg und Kiew, bevor sie ihren vierten Anschlag auf den Zar erfolgreich verübten (vgl. Jaschke 2006: 108). Die Narodnaya Wolya hatte gegenüber der Gewalt eine skrupelose Haltung. Sie wählten Persönlichkeiten aus, die sie für die „Verkörperung des autokratischen Unterdrückerstaats“ (Hoffman 2007: 27) hielten. Deshalb wurde der Zar als Opfer erkoren, da er für sie eine symbolische Bedeutung hatte: die Bedeutung als dynastisches Oberhaupt eines korrupten und tyrannischen Regimes. Jedoch ist die Narodnaya Wolya ihrem Grundprinzip treu geblieben, kein überflüssiges Blut vergießen zu wollen. Im Jahre 1905, scheiterte ein Attentat der Nachfolgergruppe der Narodnaya Wolya. Sie beabsichtigten einen Anschlag auf den Großfürsten Sergej Alexandrowitsch zu verüben. Ein Terrorist, der auf den Herzog angesetzt wurde, sollte diesen in seiner Kutsche hinrichten. Als dieser jedoch feststellt, dass der Herzog von seinen Kindern begleitet wurde, ließ er von seiner Mission ab, um kein „unnötiges“ Blut zu vergießen.
Dem entgegengestellt kostete 1988 das Bombenattentat auf den Pan-Am-Flug Nr.103 über Lockerbie in Schottland, 259 Passagieren und 11 Einwohnern des Dorfes, über dem die Maschine abstürzte, das Leben (vgl. Hoffman 2007: 27f).
Die Terroristen dieser Zeit waren der Auffassung, dass der Tod des Herrschers ein Wechsel des Regimes impliziert oder zumindest zum Umdenken und der Kurskorrektur der Politik führen würde. Um dieses Ziel zu erreichen wird im Gegensatz zur Narodnaya Wolya auch der Tod von Zivilisten in Kauf genommen (vgl. Jaschke 2006: 110). Während der Umbruchzeit der Weimarer Republik, wurde beispielsweise auch Deutschland von politisch motivierter Gewalt heimgesucht. Kurz nach der Gründung der Weimarer Republik, 1921 und 1922, „wurden staatliche Repräsentanten und politische Symbolfiguren Opfer des Terrorismus“ (Jaschke 2006: 109). Als erstes wurde der Zentrums-Politiker Matthias Erzberger von zwei Marineoffizieren ermordet, da er für sie die Symbolfigur des „Versailler Schanddiktats“ verkörperte. Zwei rechtsextreme Fanatiker ermordeten Außenminister Walther Rathenau am 24. Juni 1922. Weitere prominente Politiker, wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, zählten zu den Opfern. Allerdings blieben auch eine große Anzahl prominenter Demokraten, Sozialisten und Kommunisten nicht verschont (vgl. ebd.).
Ab den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts bekam der Begriff „Terrorismus“ eine neue Bedeutung. Er wurde ab diesem Zeitpunkt nicht selten zur Beschreibung der Praktiken der Massenunterdrückung herangezogen. Diese Praktiken wurden durch totalitäre Staaten und ihre diktatorischen Führer häufig gegen ihr eigenes Volk angewendet. Infolge dessen bezog sich die Bedeutung des Begriffs erneut auf den alten Gebrauch, den Missbrauch von Macht durch Regierungen, und wurde fast ausschließlich auf autoritäre Regime übertragen. Zu einer Machtübernahme kam es in Deutschland durch die Führung von Hitler, in Italien durch Mussolini und in Russland durch Stalin (vgl. Hoffman 2007: 40). Diese mobilisierten und setzten „Schlägerbanden in braunen oder schwarzen Hemden“ (ebd.) ein, um politische Gegner und andere Aufständige zu sabotieren und zu verängstigen. Häufig wurden sie zuerst öffentlich gedemütigt und anschließend beseitigt.
Diese Art des Terrors wurde zu einem notwendigen Bestandteil des faschistischen und des nationalsozialistischen Regierungssystems. Mussolini und Hitler übernahmen die vollständige und totale Kontrolle über das jeweilige Land und Volk. Sie erschufen ein „System der sanktionierten Furcht und des Zwangs“ (Hoffman 2007: 41). Bei diesem System wurden jegliche politische Aufstände in einer Form niedergeschlagen, dass sie ein unterwürfiges und devotes Volk kreierten (vgl. ebd.).
Ein erneuter Wandel vollzog sich in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. In dieser Periode wurde Terrorismus als weltweite Verschwörung angesehen, die geplant appliziert wurde um den Westen zu destabilisieren. Sterling (1981) ist der Auffassung, dass die anscheinend isolierten terroristischen Zwischenfälle, die von unterschiedlichen Gruppierungen auf der Welt ausgeführt werden, in der Realität miteinander verbundene Bausteine eines geheimen Komplotts seien. Diese werden vom Kreml gesteuert und von seinen Versallenstaaten im Warschauer Pakt verrichtet, mit der Absicht die „freie“ Welt zu zerstören. Aufgrund einiger selbstmörderischer Bombenanschläge, die fast ausschließlich auf „amerikanische diplomatische und militärische Ziele im Nahen und Mittleren Osten“ gerichtet waren, wurde die Achtsamkeit auf andere Staaten gelegt, die diesen Terrorismus fördern. Hoffman (2007) beschreibt, dass die Finanzierung dieser terroristischen Operationen von „verschiedenen abtrünnigen, ausländischen Regierungen wie die Regime im Irak, Iran, Libyen und Syrien“ übernommen wurden und oftmals auch den Befehl zur Durchführung anordneten (vgl. Hoffman 2007: 45). Seit dieser Zeit, wurde der Terrorismus mit einer „Art von geheimer, Untergrund- oder Ersatzkriegführung“ in Verbindung gebracht, die es benachteiligten Staaten ermöglichte, größere und mächtigere Widersacher herauszufordern, ohne dabei mit einem Vergeltungsschlag rechnen zu müssen (vgl. Martin 1988, zitiert in Hoffman 2007:45).
Daneben kam es auch in den 90er Jahren zu einem Wandel der Bedeutung und des Gebrauchs des Begriffes „Terrorismus“. In diesem Zeitalter sind die Begriffe „Drogenterrorismus“ und „Grauzonenphänomen“ zutage getreten (vgl. Hoffman 2007: 45). Unter dem Begriff „Drogenterrorismus“ versteht man eine Kombination aus einer von Moskau gesteuerten terroristischen Verschwörung und einer gefährlich neuen Facette des Drogenhandels. Dabei hatte der Drogenterrorismus die Aufgabe die westlichen Gesellschaften zu zerstören. Hierfür fusionierten kriminelle Gruppierungen mit Terror-oder
Guerillaorganisationen, um gewaltvoll spezielle politische Ziele zu erreichen. Eines der bekanntesten Beispiele für diese Form des Terrors ist wohl die wachsende Macht der kolumbianischen Kokainkartelle. Diese führen enge Verbindungen zu linksgerichteten, terroristischen Organisationen in Kolumbien und Peru. Ebenso versuchten sie des Öfteren den Wahlvorgang zu manipulieren, mit dem Ziel die kolumbianische Regierung zu Fall zubringen. Das bedeutet, dass der Drogenterrorismus eingesetzt wurde, um Ziele gewisser Regierungen und terroristischer Gruppen zu fördern (vgl. ebd.: 46). Nach Corr (1993) wurde der Begriff „Grauzonenphänomen“ verwendet damit folgende Taten beschrieben werden können: „Drohungen gegen die Stabilität von Nationalstaaten durch nichtstaatliche Akteure, außerstaatliche Entwicklungen und Nichtregierungsorganisationen“ (Corr 1993, zitiert nach Hoffman 2007: 46). Des Weiteren beschreibt diese Begrifflichkeit, Gewaltakte die sehr große Regionen oder Stadtgebiete betrafen, in denen von der legitimen Regierung die Autorität an neue, halb politische, halb kriminelle Mächte überging (vgl. Hoffman 2007: 46f).
Das heutige Verständnis von Terrorismus ist jedoch wiederum anders. Hoffman (2007) beschreibt dies wie folgt: „eine revolutionäre oder gegen die Regierung gerichtete Aktivität von nichtstaatlichen oder substaatlichen Einheiten“ (vgl. Hoffman 2007: 24). Somit hat sich die Bedeutung des Wortes Terrorismus abermals verändert.
Nun spricht man nicht mehr von einem Einzelphänomen subnationaler Gewalt, sondern von einem globalen Phänomen, welches aber nicht auf einen Konflikt von zwei oder mehreren Staaten begründet ist (vgl. ebd.).
2.3 Die Problematik einer Definition
Ashton Carter (2002) beschreibt mit den folgenden Worten die Problematik einer Definition, eines vielschichtigen und polarisierenden Phänomens, wie der des Terrorismus: „It becomes a little bit like pornography: I know it when I see it.“ (Carter 2002, zitiert nach Urban 2006: 442) So ist es schwer eine widerspruchsfreie Definition des Wortes „Terrorismus“ zu finden. Dies ist durch die Veränderung des Gebrauchs und der Bedeutung des Begriffes im Lauf der Zeit begründet. Dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass sich der Terrorismus in jeder neuen Periode dem Diskurs und der politischen Umgangssprache angepasst hat. Zum einen gaben sich die frühen Aktivisten bereits als Terroristen aus und verwendeten keine Begriffe wie „Freiheitskämpfer“ oder „Stadt-guerilla“ (vgl. Hoffman 2007: 47). Zum anderen bezeichneten die Anarchisten des 19. Jahrhunderts, sich selbst als Terroristen und ihre Taten als Terrorismus (vgl. Most 1987: 100ff). Auch die russische Gruppierung Narodnaya Wolya verwendete diesen Ausdruck (vgl. Hoffman 2007: 50). In den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts, wurde die Lehi, eine jüdische Gruppierung, als letzte offizielle Terroristengruppe verzeichnet (vgl. Heller 1995, zitiert in Hoffman 2007: 50). Im Jahre 1960 betitelten sich die Anhänger des brasilianischen Revolutionär Carlos Marigehla als „Stadtguerillas“. Dieser Begriff wurde gezielt gewählt, um ihre Taten nicht negativ darzustellen. Allerdings befürwortete ihr Führer terroristische Handlungen öffentlich. Marighela beschreibt seine „Guerillas“ mit den Worten „Agressor und Terrorist“ (Marighela 1970, zitiert nach Hoffman 2007: 51).
Jedoch steht diese Bezeichnung nicht mehr für Furcht und Missbilligung, sondern sie fordern die Menschen zum Handeln auf. In anderen Worten, unter einem Agressor/Terrorist versteht man einen Bürger der mit einem Kampfgerät gegen die gegenwärtige Diktatur und die Leiden, für die sie verantwortlich ist, ankämpft (vgl. Hoffman 2007: 51). Nach Hoffman (2007) wurden immer positivere Beschönigungen für den Begriff gesucht, um die negative Konnotation des Wortes Terrorismus zu negieren. Diese Entwicklung hat sich vor allem in den letzten Jahrzenten verstärkt. Fast alle terroristischen Organisationen der heutigen Zeit bevorzugen Ausdrücke, die bewusst das Wort Terrorismus umschreiben. Hierfür versuchen sie massiv mit den folgenden Begriffen verbundene Erscheinungsbilder zu erzeugen:
Freiheit und Befreiung (zum Beispiel Nationale Befreiungsfront, Volksfront für die Befreiung Palästinas, Freiheit für die baskische Heimat usw.);
Armeen oder andere militärische Organisationsstrukturen (zum Beispiel Nationale Militärorganisation, Volksbefreiungsarmee, Fünftes Bataillon der Befreiungsarmee usw.); Selbstverteidigungsbewegungen in eigentlichen Sinne
(zum Beispiel Afrikaaner-Widerstandsbewegung, Shankhill-Verteidigungs-Gemeinschaft, Jüdische Verteidigungsliga usw.); berechtigte Vergeltung (Organisation für die Unterdrückten dieser Erde, Gerechtigkeitskommandos des armenischen Genozids, Palästinensische Vergeltungsorganisation usw.); oder sie wählen auf andere Weise bewusst Namen, die entschieden neutral sind und daher ohne alle, es sei denn die unschädlichsten, entschieden neutralen Anklänge und
Zusammenhänge (beispielsweise Leuchtender Pfad, Frontlinie, al-Dawa [„Der Ruf“], Alfaro lebt - Verdammt noch mal!, Kach [„Dennoch“], al-Gamat al-Islamiya [„Islamische Organisation“], Lantero-Jugendbewegung und vor allem die Al-Qaida [das arabische Wort für »Operationsbasis« oder »Fundament«, hier im Sinne eines Stützpunktes oder einer Basis für die weltweite islamische Revolution; im übertragenen Sinne bedeutet das Wort auch »Regel« oder »Methode«]). (Hoffman 2007: 51f)
Jene Exempel veranschaulichen deutlich, dass Terroristen sich selbst anders wahrnehmen als ihre Mitmenschen das tun. Terroristen betrachten sich selbst als äußerst zögerliche Kämpfer, die sich aufgrund der Verzweiflung dazu gedrängt fühlen und dadurch keinen anderen Ausweg sehen als ihren unterdrückerischen Staat, eine konkurrierende ethnische oder nationalistische Gruppe oder eine achtlose internationale Ordnung zu terrorisieren. Ebendiese Art von Selbstverleugnung unterscheidet Terroristen von anderen politischen Extremisten. Beispielsweise, würde ein Kommunist, vermutlich öffentlich zugeben, ein Kommunist zu sein. Dem entgegengesetzt würde ein Terrorist sich nicht öffentlich bekennen und er würde sehr bestrebt darauf sein, dass keine dieser Informationen publik gemacht werden (vgl. Hoffman 2007: 52f.). Ein Terrorist wird stets der Meinung sein, dass die Gesellschaft, Regierung oder das sozioökonomische System und dessen Gesetze die eigentlichen Terroristen sind (vgl. Kellen 1982, zitiert nach Hoffman 2007: 52f.). Ein weiteres Beispiel für die Verleumdung terroristischer Gewalt findet sich in dem Buch des Führers der libanesischen Terrorgruppe, „Invisible Armies“ von Sheikh Muhammad Hussein Fadalallah. Er schreibt: „Wir betrachten uns selber nicht als Terroristen, weil wir nicht an den Terrorismus glauben. Wir halten den Widerstand gegen den Besatzer nicht für terroristisches Handeln. Wir sehen uns selbst als Mudschaheddin [Heilige Krieger], die einen Heiligen Krieg für das Volk führen.“ (Hoffman 2007, zitiert nach Jamieson 1991: 33).
Diese Beispiele verdeutlichen die negative Konnotation, die das Wort Terrorismus mit sich bringt. Der Begriff enthält eine Negativität, die man meist dazu verwendet einen Feind oder Gegner zu kennzeichnen, mit dem man keinen Konsens findet. Diesbezüglich beschreibt Jenkins (1980), dass das was man als Terrorismus bezeichnet letztendlich eine subjektive Einschätzung ist. Nach seiner Auffassung setzt Terrorismus ein gewisses moralisches Urteil voraus (vgl. Hoffman 2007: 54).
Daraus resultiert, dass die Benennung eines Terroristen automatisch dazuführen kann, dass die Mitmenschen indirekt dazu neigen die moralische Einstellung einer anderen Person zu übernehmen. Somit ist die persönliche Sympathie oder Antipathie, für oder gegen eine bestimmte Person oder Gruppe entscheidend. Im Einzelnen bedeutet das, wenn man sich mit dem Opfer einer Gewalttat identifiziert, so könne man die Operation als Terrorismus bezeichnen. Wenn man sich allerdings mit den ausführenden Personen identifiziert und ihr handeln sympathisiert, so könne dies dazuführen, dass man die Handlung aus zweierlei Hinsicht betrachtet, wenn nicht sogar positiv und würde diese Tat nicht als Terrorismus betiteln (vgl. ebd.). Die Folgen dieser parteiischen Auffassung zeigten sich nicht zuletzt im Jahre 1972 an den Auseinandersetzungen zwischen westlichen und nicht-westlichen Mitgliedsstaaten der Vereinigten Nationen, nach dem Attentat auf die Münchner Olympiade, bei dem elf israelische Athleten ermordet wurden.
Der Disput ist aufgrund eines Vorschlags des damaligen UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim ausgebrochen, da dieser den Vorschlag unterbreitete, dass die UN kein „stummer Zuschauer“ bei terroristischer Gewalt bleiben sollte, sondern vielmehr praktische Handlungen einleiten, um weitere Anschläge zu unterbinden (vgl. Hoffman 2007: 55ff). Ein Großteil der Mitgliedsstaaten teilte die Meinung des UN-Generalsekretärs, doch eine Minderheit - bestehend aus vielen arabischen Staaten und verschiedenen afrikanischen und asiatischen Ländern - widersprachen folgendermaßen: „Völker, die kämpfen, um sich selber von ausländischer Unterdrückung und Ausbeutung zu befreien, haben das Recht, alle Mittel, die ihnen zur Verfügung stehen, einschließlich Gewalt, anzuwenden.“ (Hacker 1976, zitiert nach Hoffman 2007: 55).
Die Repräsentanten der Entwicklungsländer legitimierten ihre Auffassung mit zwei Argumenten. Die erste Rechtfertigung lautete, dass alle realen Befreiungsbewegungen, die sich gegen jegliche Obrigkeiten richten, als terroristische Vereinigung bezeichnet werden müssen. Beispielsweise hatten die Nazis jegliche Widerstände, die gegen die deutsche Besetzung kämpften, als Terrorismus tituliert. Folglich kann nicht eine grundsätzliche Festsetzung erfolgen, welche diejenigen, die gegen ein bestehendes System angehen, als Terroristen bezeichnet. Dies würde eine grundsätzliche „Macht der Starken gegenüber den Schwachen“ (Hoffman 2007: 55) rechtfertigen, unabhängig davon, wie diese zustande gekommen ist.
Als aktuelles Beispiel können die Auseinandersetzungen in Lybien herangezogen werden. Eine Freiheitsbewegung aus dem Volk versucht gegen ein Regime anzugehen, das diktatorischen Grundsätzen entspricht. Auch wenn die Bevölkerung gegen einen Machthaber kämpft (Muammar al-Gaddafi), der die bestehende Ordnung vertritt, darf es ihnen nicht verwehrt sein, für ihre eigenen Interessen (demokratische Strukturen, Menschenrechte, etc.) einzutreten. Die UNO muss von daher als unterstützende Instanz ihrer Ideale eintreten (vgl. Hoffman 2007: 55f) und darf nicht „die einzige effektive Waffe wegnehmen“ über die unterdrückte Nationen und Völker verfügen, um Widerstand gegen „Imperialismus, Kolonialismus, Neokolonialismus, Rassismus und israelischen Zionismus“ zu leisten (Schoenberg 1989, zitiert nach Hoffman 2007: 56). Die zweite Argumentation der Volksvertreter der Dritten Welt ist, dass in diesem Zusammenhang nicht die Gewalt ausschlaggebend sei, vielmehr der ihr „zugrundeliegenden Ursachen“, wie „Elend, Enttäuschung, Leid und Verzweiflung“ (Hacker 1976, zitiert nach Hoffman 2007: 56), auf die Gewalttaten zurückzuführen sind.
Der mauretanische Botschafter, Moulaye el-Hassen, erläutert, dass man Personen, „denen die elementaren Menschenrechte Würde, Freiheit und Unabhängigkeit vorenthalten werden und deren Land fremder Besetzung unterworfen sei“ (Sofaer 1976, zitiert nach Hoffman 2007: 56), wohl kaum als Terroristen bezeichnen kann. Im darauffolgenden Jahr erhob auch Syrien Einspruch, da die UN rechtlich als auch moralisch verpflichtet sei, einen Befreiungskampf zu fördern und gegen jeglichen Versuch, diesen Kampf als Terrorismus oder illegitime Gewalt zu kennzeichnen, zu verhindern hat (vgl. Parry 1976, zitiert in Hoffman 2007: 56f.). Häufig dreht es sich bei dem Thema Terrorismus hauptsächlich um die Gewalttat, nicht aber um die zugrundeliegenden Motive oder Rechtfertigungen. Nach anscheinend endlosen Diskussionen und Widerständen knüpfte die UN an diese Argumentation an und einigte sich auf ein internationales Übereinkommen zur Bekämpfung terroristischer Bombenanschläge. Vier Monate vor den Anschlägen des 11. September 2001 trat das Übereinkommen in Kraft und besagt (vgl. Hoffman 2007: 57):
Eine Straftat im Sinne dieses Übereinkommens begeht, wer widerrechtlich und vorsätzlich eine Sprengvorrichtung oder andere tödliche Vorrichtung an einen öffentlichen Ort, eine staatliche oder öffentliche Einrichtung, ein öffentliches Verkehrssystem oder eine Infrastruktureinrichtung verbringt, dort anbringt oder dort oder gegen diese zur Entladung oder zur Detonation bringt a) mit dem Vorsatz, Tod oder schwere Körperverletzungen zu verursachen, oder b) mit dem Vorsatz, weitreichende Zerstörungen an einem solchen Ort, einer solchen Einrichtung oder einem solchen System zu verursachen, wenn diese Zerstörungen zu beträchtlichen wirtschaftlichen Verlusten führen oder zu führen geeignet sind. (Vereinte Nationen 2001, zitiert nach Hoffman 2007: 57)
Ein solcher Ansatz wurde schon von Analytikern wie Jenkins befürwortet, die der Auffassung sind, dass der Terrorismus durch die Tat selbst definiert werden muss und nicht über die Identität der Täter oder die Gründe ihres Anliegens zu definieren sei (vgl. Jenkins 1980: 2). Doch selbst diese Annahme stellt keine völlig zufriedenstellende Lösung dar. Hierbei wird nicht explizit zwischen staatlich praktizierter Gewalt und der Gewalt, die von nicht-staatlichen Rechtspersonen (wie Terroristen) ausgeht, differenziert. Dieser Ansatz unifiziert also den Einsatz von Gewalt gegenüber feindlichen Bevölkerungszentren durch militärische Truppen, mit der Gewalt, die von nicht-staatlichen Organisationen (terroristische Vereinigungen) ausgeht. Diese Sichtweise wird dadurch begründet, dass in beiden Fällen Zivilisten körperliche Schäden oder den Tod erleiden. Hoffman (2007) nennt hierfür beispielsweise die Überfälle der deutschen Luftwaffe auf Warschau oder die Atombomben, die die USA über Hiroshima und Nagasaki abwarf, als Beispiel. In diesen Fällen wurde ausnahmslos auf die Zivilbevölkerung des Feindes abgezielt. Diesbezüglich äußerte der kubanische Delegierte, dass „die Kampfmethoden, die von nationalen Befreiungsbewegungen benutzt werden, nicht für illegal erklärt werden dürften, während gleichzeitig die Politik des Terrorismus gegen bestimmte Völker [durch die Streitkräfte etablierter Staaten] für legitim erklärt wird“ (Sofaer 1976, zitiert nach Hoffman 2007: 58).
Wie bereits schon zuvor in diesem Kapitel erwähnt neigen Terroristen dazu, ihr Handeln unter einem Deckmantel laufen zu lassen und nichtöffentlich ihr Tun als terroristischen Akt zu bezeichnen. Sie stellen sich absichtlich als Freiheitskämpfer dar, um im Falle einer Gefangennahme wie ein Kriegsgefangener behandelt zu werden und somit nicht wie gewöhnliche Ordnungswidrige vor ein ordentliches Gericht gestellt werden dürfen.
Arbeit zitieren:
Vivian Elayne Forler, 2011, Terroristische Gewalt im 21. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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