Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Legiones
2.1 Militärdienst und Rekrutierung
2.2 Ausbildung
2.3 Dauer des Wehrdienstes und Ausscheiden
2.4 Nur Soldaten?
3. Struktur der Legion
4. Hierarchische Gliederung
5. Namen der Ehre
5.1 Belohnungen, Orden und Abzeichen
6. Krieg
6.1 Schlachtaufstellung
6.2 Der Kämpfer
7. Nachwort
8. Quellen und Literatur
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1. Einleitung
Der Film „Gladiator“ war im Jahr 2000 der Überraschungserfolg der vergangenen Jahre. Nie hatten Experten und Filmkritiker jemals gedacht, dass ein Sandalenfilm irgendwann einmal wieder große Mengen Menschen begeistern und in die Kinos locken könnte. Aus medienkritischer Sicht war das Filmgenre der heroischen Römerfilme so tot wie Spartakus und Ben Hur. Doch dann geschah es: Ridley Scott kam, sah und siegte. Er verband das erfundene Leben des Tribun und unfreiwilligen Gladiators Maximus mit der historisch gesicherten Figur des brutalen Kaisers Commodus, dem Sohn des Mark Aurel. Millionen von Kinofans waren begeistert von der Schlacht gegen einen germanischen Stamm im Jahr 180 n. Chr. in der Eröffnungsszene des Films. Hier tritt eine perfekt gedrillte und effiziente Kriegsmaschinerie auf, die verheerend über die wilden Barbarenkrieger fegt und keinen Stein mehr auf dem anderen stehen lässt. Die Legion triumphiert dank ihrer technischen Überlegenheit.
Meine Generation wuchs auf mit Comicheften, die ihren Ursprung in Gallia hatten: Ein Dorf unbeugsamer Gallier widersteht jeglichen Eroberungsversuchen der römischen Invasoren dank eines mystischen Trankes, den der keltische Druide Miraculix braut. Die beiden Helden der Comicserie, der kleine, schlaue Asterix und sein Freund, der dicke, naive Obelix, schlagen in den Werken von Albert Uderzo und René Goscinny die meist dümmlichen und faulen Legionäre mit kräftigen Fausthieben - dank des „Dopings“ durch den Zaubertrank - in die Flucht. Die Legionäre stehen da wie stümperhafte Witzfiguren. Doch wie war das nun wirklich mit den Legionen der Republik und der Kaiser? Waren sie wirklich eine ängstliche Truppe, dafür mit unermüdlichem Willen, wie das Beispiel mit den fiktiven Comic-Galliern zeigt, oder war die Legion in ihrer Leistungsfähigkeit und Organisation durchaus mit heutigen Armeen vergleichbar? Oft hört und liest man in den heutigen Tagen mit einem zweifelhaft begründeten Krieg unter Leitung der Vereinigten Staaten gegen den Irak von einem Vergleich zwischen den beiden Supermächten: Den USA heute, dem römischen Reich in der Antike. Auch militärisch werden Parallelen gezogen, denn beide Armeen sind oder waren militärisch für ihre Zeit weiter fortgeschritten als andere Länder und Völker und beide nutzen ihre Truppen, um ihren Imperialismus voranzutreiben.
In dieser Hausarbeit soll ein Licht geworfen werden auf die Legionen des römischen Reiches. Wie sah die Rekrutierung und die anschließende Ausbildung aus? Wie gliederten sich die Truppenteile in der Legion und wie sah die Hierarchie untereinander aus? Wie errangen die Soldaten Ruhm und Ehre? Worin bestand der technische Fortschritt der Legionen, wie waren die Kämpfer ausgerüstet?
Ein umfangreicher Forschungsstand steht dabei zur Verfügung, aus dem man die historischen Fakten zusammenlesen kann. Ich möchte sie im Folgenden präsentieren, dabei aber im Rahmen des Umfangs einer Hausarbeit bleiben. Manche Themen werden daher eingehender, andere wiederum nur kurz erwähnt.
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2. Die Legiones
2.1 Militärdienst und Rekrutierung
Zunächst einmal wollen wir betrachten, welche Männer in die Legion aufgenommen wurden. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass männliche römische Bürger im wehrfähigen Alter eingezogen wurden, das bedeutet, dass sie sich im Alter zwischen 17 und 21 Jahren befanden, in Ausnahmefällen wurden auch noch 30-jährige ausgewählt 1 . Die Kämpfer wurden zunächst jährlich eingezogen; dieses System änderte sich aber im Laufe der Jahre zu einem eher freiwilligen Teilnahmesystem in der Zeit der späteren Republik 2 .
Wichtig für das Verständnis des Militärdienstes ist, dass die politischen Rechte eines Bürgers von der Erfüllung seines Wehrdienstes abhingen und diese wiederum von der steuerlichen Einschätzung des Bürgers 3 . Je nach Steuerkraft wurde dieser dann den fünf Klassen der Bürgersoldaten (adsidui) zugeteilt. Der Mann diente dann als Reiter, schwerer Infanterist (Hastaten, Triarier oder Principes) oder als leichter Infanterist. Jeder Soldat hatte seine Ausrüstung selber zu stellen. Später, als man vernichtende Niederlagen wie die gegen Hannibal 214 v. Chr. einstecken musste, wurde der Censussatz gesenkt und der Staat übernahm die Finanzierung der Ausrüstung 4 . Mit der Marinaischen Heeresreform wurde aus der Bürgerarmee eine professionelle Söldnerarmee, als der Census als Rekrutierungskriterium aufgegeben wurde und man dem zu jener Zeit entwurzelte ländliche Proletariat neue Zukunftsperspektiven in Form der freiwilligen Meldung zum Kriegsdienst schuf. Doch auch nach wie vor wurde - etwa zur Zeit Augustus - zwangsrekrutiert.
Caesar rekrutierte intensiv während seines Gallienfeldzugs aus den voralpinen Stämmen der Gallier und die coloniae dieser Provinz versorgte ihn danach auch weiterhin mit Männern für die Legionen bis in die zweite Hälfte des ersten Jahrhunderts nach Christus 5 .
Viele Rekruten aus Rom und Zentralitalien bildeten seit der Zeit des Augustus den Kern der Legionen, an Hand von Grabsteinen konnte man dann feststellen, dass die Gebiete der Rekrutierung in den ersten beiden Jahrhunderten des Imperiums immer weiter zu den Grenzen des Reiches wanderten.
1 Le Bohec, Yann: Die römische Armee, Stuttgart 1993, S. 79; der Autor weist auf Lesefehler anderer Historiker in den Grabinschriften hin, nach denen selbst Männer zwiwschen 40 und 50 Jahren eingezogen worden seien. Le Bohec sagt, dass jeder aus der Armee geschiedene Soldat den titel miles (Soldat) bis zu seinem Tod tragen durfte und man darauf achten muss, nur die Inschriften zu benutzen, in denen ein Hinweis gegeben ist, nach dem der Soldat während der Ausübung seines Dienstes gestorben ist.
2 Webster, Graham: The Roman Imperial Army, Totowa 1985, S. 102
3 Junkelmann, Marcus: Die Legionen des Augustus, Mainz 1986, S. 85
4 ebd. S. 85
5 Webster, Graham: The Roman Imperial Army, London 1985, S. 102
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Arbeit zitieren:
Guido Heinecke, 2002, Die Römische Legion, München, GRIN Verlag GmbH
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