Universität Konstanz
Fachbereich Literaturwissenschaften/Kunst- und Medienwissenschaften Wintersemester 2002/2003
Veranstaltung: Texte und Filme zum Spanischen Bürgerkrieg
Der Spanische Bürgerkrieg
Vorgelegt von:
Guido Heinecke Axel Klingmann Philip Leimkugel
Inhalt
1. Einleitung (Klingmann, Leimkugel, Heinecke) 3
2. Das Deutsche Reich von Guido Heinecke 5
2.1. Die Grundlagen 6
2.2. Wirtschaftliche Fragen 8
2.3. Politische Steuerung 8
2.4. Militärische Hilfe: Die Legion Condor 10
2.4.1. Das Drama von Guernica: Der Bombenkrieg 12
2.5. Folgerungen 14
3. Italien, die europäische Nichteinmischungspolitik und die USA von Axel Klingmann 16
3.1. Das faschistische Italien 16
3.2. Spanien und die europäische Nichteinmischungspolitik 19
3.3. Die Vereinigten Staaten, Isolationisten und der Spanische Bürgerkrieg 22
3.4. Folgerungen 23
4. Russland und die Internationalen Brigaden von Philip Leimkugel 24
4.1. Russland wartet ab 24
4.2. Aufbruch internationaler Kämpfer nach Spanien 26
4.3. Die Internationalen Brigaden vor Ort 27
4.4. Das Ende der Internationalen Brigaden 28
4.5. Was bleibt? 29
5. Nachbetrachtung (Klingmann, Leimkugel, Heinecke) 32
6. Quellen und Literatur 33
2
1. Einleitung
Um die Vorgänge des Spanischen Bürgerkrieges zwischen 1936 und 1939 besser verstehen zu können, muss die Vorgeschichte der Auseinandersetzungen ein wenig beleuchtet werden. Hierbei müssen zunächst die wirkenden politischen Kräfte genannt werden, die bei dieser Entwicklung hin zum Krieg eine Rolle spielten.
Spanien war ein Land, das durch seine agrarische Struktur geprägt war. Das Land war aufgeteilt unter mächtigen Großgrundbesitzern, die den Bauern keine Möglichkeit gaben, eigenes Land zu besitzen, geschweige denn, eine Existenz ohne Einmischung dieser Kräfte aufzubauen. Diese Situation schürte natürlich über die Jahre hinweg ein Klima der Unzufriedenheit und des Hasses gegenüber diesen überkommenen Autoritäten. Eine weitere wichtige Kraft im Vorkriegsspanien war die katholische Kirche. Sie war eine der mächtigsten und reichsten Organisationen im Land und war durchaus an einer Beibehaltung der herrschenden Monarchie und deren Ausprägungen interessiert. Als nun im April 1931 „die diskreditierte Monarchie stürzte und die zweite Republik ausgerufen wurde, [...] schien es für den Augenblick, als ginge das seit mehr als hundert Jahren durch [...] wiederholte grausame Bürgerkriege bestimmte innenpolitische Leben Spaniens einer ruhigeren, geordneteren Zukunft in Freiheit entgegen“ 1 . Dies stellte sich allerdings als ein nicht realisierbarer Wunsch heraus, denn bereits wenige Wochen nachdem die junge Republik ins Leben gerufen wurde, begannen die „in der Federación Anárquica Iberica (FAI) und der Gewerkschaft Confederación Nacional de Trabaja (CNT) organisierten Anarchisten mit brennenden Kirchen und Klöstern der Republik den Kampf“ 2 anzusagen. So formierten sich bis 1936 verschiedene republik-feindliche Gruppierungen, die versuchten durch politischen Druck und Terror, die Republik nach ihren Vorstellungen zu formen, beziehungsweise sie durch eine Staatsform zu ersetzen, die den jeweiligen Idealen entsprach. An dieser Stelle müssen unbedingt zwei Gruppen genannt werden, die im Verlauf der weiteren Auseinandersetzungen eine entscheidende Rolle spielten: Zum einen die Gruppe der Monarchisten und Karlisten, die versuchten die gestürzte Monarchie wiederzubeleben und einen neuen König an die Macht zu bringen. Die Karlisten versuchten durch geheime Milizen die Republik zu untergraben und letztendlich zu Fall zu bringen. Eine andere wichtige Gruppe war die 1933 von Primo de Rivera gegründete „Falange“-Partei. Sie war eine rechtsgerichtete Partei, die ebenfalls einen Umsturz herbeizuführen suchte. Diese verschieden motivierten Gruppen, Gewerkschaften, Karlisten und Falange, übten in den
1 Abendroth, Hans-Henning; Hitler in der spanischen Arena; Paderborn; 1973; S. 9; Im Folgenden zitiert als „Abendroth“
2 Abendroth; S. 9
3
Jahren 1931 bis 1936 durch Aufstände, Streiks und politischen Terror einen solchen Druck auf die madrilenische Regierung aus, dass diese zusehends die Kontrolle über das Land verlor. Zwar konnte im Oktober 1934 ein Aufstand der Anarchisten und Gewerkschaften in Asturien blutig niedergeschlagen werden, als aber aus den Wahlen im Februar 1936 „die Volksfrontpartei als Sieger hervorging, verloren die republikanischen Kräfte völlig die Macht über das Geschehen“ 3 .
In dieser innenpolitisch zerfahrenen Situation beschlossen die beiden Generale Francisco Franco y Bahamonde und Emilio Mola Vidal dieser Situation ein Ende zu setzen und begannen mit den Vorbereitungen für einen militärischen Putsch. Sie handelten aus der Überzeugung heraus, „dass Spanien dem Kommunismus entgegentreibe und dass nur ein von nationalen Kräften unterstütztes „Alzamiento“ (Aufstand) des Heeres die innere Ordnung sowie das nationale Prestige Spaniens wiederherstellen könne“ 4 . Also trieb Spanien auf einen neuerlichen Putsch zu, der am 17. Juli 1936 vollzogen wurde und das Land für die nächsten drei Jahre in einen verlustreichen und blutigen Bürgerkrieg stürzen sollte.
3 Abendroth; S. 10
4 Abendroth; S. 11
4
2. Das Deutsche Reich
Der Spanische Bürgerkrieg war für die Spanier grausam und entbehrungsreich, die europäischen Mächte und die USA hingegen hatten an den Menschen nur marginale Interessen, wie es scheint. Hitler hatte seine „Legion Condor“ zur Unterstützung der frankistischen Truppen beim Kampf gegen die republikanische Regierung entsandt. Offensichtlich ein Akt der Waffen- und ideologischen Bruderschaft, so zeigt ein zweiter Blick auf die Befehle und Pläne des „Führers“, dass ganz andere Zielsetzungen hinter der Intervention des Deutschen Reiches lagen. Das Bombardement von Guernica wurde zum „Symbol für einen Kriegsführung, die eine wehrlose Bevölkerung gleichermaßen grausam und unvorbereitet traf“ 5 - so der damalige Bundespräsident Roman Herzog zum 60. Jahrestag des Bombenangriffs auf die baskische Stadt. Der spanische Künstler Pablo Picasso verarbeitete diese bisher unbekannte Brutalität noch im gleichen Jahr in seinem Gemälde „Guernica“.
Während also Spanier gegen ihre eigenen Landsleute nur der Ideologie wegen blutige Scharmützel ausfochten, belieferten die Staaten des europäischen Umlands die kämpfenden Parteien der Faschisten und Republiktreuen mit Waffen und Truppen. Doch welche Zielsetzungen hatten die einzelnen Länder hinter ihrer Intervention? Was hatten sie sich wirklich auf die Fahne geschrieben, mit der sie in den spanischen Krieg marschierten? Wir wollen zusammen herausfinden und erörtern, welche - teilweise abschreckenden -Motivationen die Europäer wirklich hatten.
Was trieb das Deutsche Reich damals zur Kooperation mit Franco? Offensichtlich schien Hitler schon für eine größere internationale militärische Auseinandersetzung zu planen. Waren es wirtschaftliche Ressourcen, die man sich in Berlin für einen späteren, „totalen“ Krieg sichern wollte? Suchte man Alliierte auf politisch-kultureller Basis? Suchte man früh nach Häfen für die Flotten- und späteren U-Boot-Verbände? Trainierte Hitler hier den effizienten Bombenkrieg und legte deshalb lehrbuchartig Guernica in Schutt und Asche? Oder wollte „der Führer“ ein „rotes“, also potentiell feindliches Spanien verhindern? Klar wird schnell eines: Die deutschen Faschisten verfolgten klar umrissene militärische, wirtschaftliche und politische Ziele.
5 Der Spiegel, Ausgabe 3, 13.1.2003, S. 119
5
2.1. Die Grundlagen
Holen wir zunächst weit aus, um das Eingreifen des Deutschen Reiches zu beleuchten. Die Iberische Halbinsel, reich an Bodenschätzen und arm an fortschrittlicher Industrie, war nicht nur für Großbritannien oder die USA verlockend, auch deutsche Unternehmer blickten gierig nach Spanien. Doch da die größten und ertragreichsten Erzminen schon in den Händen der großen kapitalistischen Staaten waren, versuchten es die Deutschen mit den damals noch jungen, aber umso zukunftsträchtigeren Industriezweigen Elektrotechnik und Chemie. Elektronikkonzerne wie Siemens oder Bosch hatten schon früh zu Beginn des Jahrhunderts in Spanien Filialen errichtet, so dass zügig weitere Firmen nachzogen. Nach Angaben einer Kommission der Vereinten Nationen aus dem Jahre 1946 kontrollierten deutsche Konzerne etwa ein Zehntel der insgesamt mehr als 36 Millionen Dollar, die in der spanischen Elektroindustrie investiert wurden 6 .
Auch in der chemischen Produktion dominierten deutsche Firmen. Zunächst hatte man sich auf die Herstellung synthetischer Farben konzentriert, wovon acht bis neun Zehntel der Weltproduktion unter deutscher Leitung stand und in Spanien fast die komplette Fabrikation mitsamt ihren chemischen Nebenstoffen. Nach dem ersten Weltkrieg wandelte sich das Bild bedeutend: Spaniens Wirtschaft erlebte einen kriegsbedingten Aufschwung, da man sich aus dem ersten Weltkrieg hatte heraushalten können, und so die Konjunktur für sich nutzen konnte. Die chemische Fabrikation erlebte einen Aufschwung, ebenso die Kosmetik- und Pharmaindustrie, die von den vielen einheimischen Pflanzen wie etwa Arnika, Belladonna, Digitalis oder Baldrian profitierte. So mussten die deutschen Unternehmen in Spanien bald um ihre führende Marktposition kämpfen.
So schlossen sich 1925 die Konzerne Höchst, Bayer, BASF, Griesheim Electron und andere zur IG Farben zusammen, einem riesigen Unternehmertrust, der nicht nur synthetische Farbstoffe herstellte, sondern sich als großen Chemie-Verbund sah. Gemeinsam bestimmten die Konzerne die Preise und schluckten unersättlich kleine Konkurrenten, aber auch Kraftwerke, Kohlegruben und Erzminen. Die Teilhaber brachten nicht unansehnliche Beteiligungen an ausländischen Besitztümern mit, so dass die Deutschen mit der IG Farben auch in Spanien wieder ein Monopol besaßen. Auch kleinere Maschinenfabriken und Schifffahrtsgesellschaften siedelten sich in Spanien an.
Die engen Verbindungen der Wirtschaftskreise mit spanischen Firmen und der zunehmende Handel zwischen Deutschland und Spanien lockten einen stetigen Strom Deutscher in das Land, die sich auch politisch betätigten. Ärzte, Kaufleute, Ingenieure und Gelehrte zogen auf
6 Dankelmann, O.: Franco zwischen Hitler und den Westmächten, S. 50, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1970
6
Arbeit zitieren:
Guido Heinecke, Philip Leimkugel, Axel Klingmann, 2003, Der Spanische Bürgerkrieg im europäischen Kontext, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das spanische Wahlsystem - Hat es Einfluß auf das Parteiensystem?
Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Definition von Staat und Gesellschaft durch die spanische Verfassung v...
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Seminararbeit, 27 Seiten
Gegenstand, Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Activity Based Costin...
Studienarbeit, 32 Seiten
Selbstgesteuertes Lernen als Herausforderung für die Didaktik
Hausarbeit, 25 Seiten
Das Baskenland und die ETA - Geschichte, Identität, Unterdrückung und ...
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Die Konflikte in Nordirland und im Baskenland - ein Vergleich
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Hausarbeit, 21 Seiten
Guido Heinecke hat den Text Der Spanische Bürgerkrieg im europäischen Kontext veröffentlicht
Guido Heinecke hat einen neuen Text hochgeladen
Antony Beevor, Helmut Ettinger, Michael Bayer, Hans Freundl, Norbert Juraschitz, Renate Weitbrecht
Antony Beevor, Michael Bayer, Helmut Ettinger, Hans Freundl, Norbert Juraschitz, Renate Weitbrecht
Abel Paz und die Spanische Revolution
Interviews und Vorträge
Bernd Drücke, Luz Kerkeling, Martin Baxmeyer
0 Kommentare