Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Inhaltlicher Überblick zum Text „In Formation“ 5
3 Krajewskis These der Unmittelbarkeit 6
4 Die Unmittelbarkeit in der Medientheorie 7
4.1 Annäherung an den Begriff der Unmittelbarkeit. 7
4.2 Eine mediengeschichtliche Retrospektive der Unmittelbarkeit 9
4.3 Ein aktuelles Konzept der Unmittelbarkeit - Bolters und Grusins Theorie der
remediation 11
5 Fazit 13
Bibliografie 14
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1 Einleitung
Der Medienhistoriker Markus Krajewski zeichnet in seinem Text „In Formation“ 1 den Aufstieg und Fall des Tabellenformats in der elektronischen Datenverarbeitung (EDV) nach. Das Verschwinden der Tabelle aus der EDV vollzieht sich mit der Entwicklung objektorientierter Datenbanken bzw. dem vorgelagerten Schritt des objektorientierten Programmierens. War die Tabelle vormals noch das strukturgebende Element einer relationalen Datenbank, kommt die Objektdatenbank 2 scheinbar formatfrei daher. Diese Überwindung des Formats dient dem Autor als Ausgangspunkt für einen Hymnus auf die Vereinfachung der Organisation, Kontrolle und Lenkung von Datenströmen und somit auf die objektorientierte Datenbank. Krajewski betont ferner den Effekt dieser technischen Weiterentwicklung: die Evidenz einer neuen Unmittelbarkeit in der Datenverarbeitung respektive beim Entwerfen elektronischer Kommunikationsprozesse. Es ist diese These der Unmittelbarkeit, welche die Möglichkeit eines medientheoretischen Anschlusses an den Text eröffnet, da Unmittelbarkeit als latenter Motor der Medienentwicklung betrachtet werden kann. Daher soll in der vorliegenden Arbeit dem Begriff der Unmittelbarkeit in der Mediengeschichte und der gegenwärtigen Medientheorie nachgespürt werden. Außerdem sollen mögliche anschlussfähige Theoriehintergründe von Krajewskis Unmittelbarkeitsbegriff erörtert sowie sein Fazit über das objektorientierte Programmieren respektive über die Objektdatenbank einer kritischen Lesart unterzogen werden. Zunächst wird jedoch kurz der Inhalt von Krajewskis Text resümiert, welcher als Ausgangspunkt für die vorliegende Arbeit diente.
1 Krajewski, Markus: In Formation. Aufstieg und Fall der Tabelle als Paradigma der Datenverarbeitung. In: Gugerli, David (eds.), Nach Feierabend. Zürcher Jahrbuch für Wissenschaftsgeschichte Bd. 3, Zürich (et al.) 2007, S. 37-55.
2 „Eine der wichtigsten Rechneranwendungen ist die Speicherung, Verwaltung und Manipulation beliebiger Informationen. Datenbanken erfüllen diesen Verwendungszweck am besten. […] Der Begriff bezeichnet […] zwei verschiedene Dinge: zum einen die Datensammlung selbst, zum anderen das Programm, das diese Daten verwaltet. Bei Daten handelt es sich um eine nach bestimmten Regeln strukturierte Ansammlung von Informationen zu verschiedenen Themengruppen […]. Das Anwendungsprogramm, mit dem diese Daten verwaltet werden können, enthält mehr oder weniger mächtige Funktionen zum Suchen, Sortieren, Filtern und formatierten Ausgeben dieser Daten. Ein solches Programm wird als Database Management System (DBMS), also als Datenbankverwaltungssystem, bezeichnet.“ (Kersken, Sascha: IT-Handbuch für Fachinformatiker. Der Ausbildungsbegleiter. Bonn 4 2009, S. 667.) Für eine weitere Lektüre über Aufbau und Funktion relationaler und objektorientierter Datenbanken empfehlen sich auch folgende Texte: Vom Begründer des relationalen Modells: Codd, Edgar Frank. A Relational Model of Data for Large Shared Data Banks. In: Communications of the ACM 13/6 (1970), S. 377-387. Dazu historische Hintergründe in: Gugerli, David. Die Welt als Datenbank. Zur Relation von Softwareentwicklung, Abfragetechnik und Deutungsautonomie. In: Gugerli, David (eds.), Nach Feierabend. Zürcher Jahrbuch für Wissenschaftsgeschichte Bd. 3, Zürich (et al.) 2007, S. 11-36. Kompakte und einfache Einführung zur Erstellung einer relationalen Datenbank: Eirund, Helmut/Kohl, Ullrich: Datenbanken - leicht gemacht. Ein Arbeitsbuch für Nicht-Informatiker. Wiesbaden 3 2010. Zu objektorientierten Datenbanken siehe: Göers, Jutta: Objektorientierte Datenbanken. -- Entstehung, Konzepte, Systeme. http://www.informatik.uni- osnabrueck.de/um/95/95.1/oodb/oodb.html, abgefragt am 11.02.2011.
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2 Inhaltlicher Überblick zum Text „In Formation“
Markus Krajewski beschreibt das Format der Tabelle ausgehend von ihrem Ursprungsort der Bibliothek bzw. der mechanischen Weberei bis hin zu ihrem Verschwinden aus der EDV. Bei letzterem vollzieht sich ein Paradigmenwechsel hin zum Format des Objekts, der den Effekt einer ‚neuen Unmittelbarkeit beim Entwerfen elektronischer Kommunikationsprozesse’ mit sich bringt. Daten können dadurch ‚wie sie sind’ abgespeichert werden. Die Tabelle gibt Daten ein Format. Sie werden mit ihrer Hilfe atomisiert, strukturiert und formalisiert, ohne dass die Daten dabei ihre Beziehung zueinander aufgeben müssen. Diese Relationierung vollzieht sich nach dem Prinzip der Diskontinuität, welches erlaubt, übersichtlich mit einzelnen Daten im Vordergrund zu arbeiten und simultan Zusammenhänge im Hintergrund aufrecht zu erhalten. Es ist das Format, das den Funktionsmodus eines Mediums determiniert. Diese Aussage erörtert Krajewski anhand von zwei historischen Umbrüchen in der Datenverarbeitung. Der Autor blickt gut 100 Jahre zurück auf den Übergang von der Kartei- zur Lochkarte. Zu dieser Zeit avanciert die Tabelle zum Herzstück der Datenverarbeitung. In den 1980er Jahren schließlich wird mit der Entwicklung der ersten Objektdatenbanken die Tabelle als alleinige Formatgrundlage der Datenverarbeitung verabschiedet. Die Transformation von der Kartei- zur Lochkarte geht mit einer Logik der Formalisierung einher, an deren Ende Maschinenlesbarkeit und Ähnlichkeitsbeziehungen stehen. Obwohl die Tabelle ein frei bewegliches Medium der Datenverarbeitung ist, verschreibt sich ihre Logik der Ordnung und der Fixierung von Wissen. In ihrer Statik liegt ihr größter Nachteil. Erst mithilfe von relationalen Datenbanken wird die Tabelle in der elektronischen Datenverarbeitung ein dynamisches Erkenntnisinstrument.
Doch auch das heute gebräuchliche Modell der relationalen Datenbank hat Schwachstellen, denn Anweisungen zur Datenmanipulation sind vom Datensatz getrennt. Hinsichtlich der Datenspeicherung in Datenbanken gibt es noch unausgeschöpftes Vereinfachungspotenzial. Die Überwindung dieses Nachteils sieht Krajewski in dem Modell der mittlerweile ebenfalls etablierten Objektdatenbank (respektive der objektorientierten Programmierung), in dem die Anweisungen zur Datenveränderung und die Daten selbst in einem Objekt abgespeichert werden können. Diese geschlossene und veränderbare Einheit kann ohne das tabellarische Format generiert und gespeichert werden. Die Folgen daraus sind der Wegfall des Formats und der damit einhergehende Wegfall des medialen Wechsels bei der Organisation und Speicherung von Datenströmen. Die Daten müssen vor der Speicherung nicht mehr fragmentiert werden, die Übersetzung in die Repräsentationsebene der Tabelle fällt weg, d.h. die Daten werden nicht mehr in eine neue mediale Form gebracht, um sie zu verarbeiten.
Arbeit zitieren:
Elena Fingerhut, 2011, Der Begriff der Unmittelbarkeit in Markus Krajewskis Text „In Formation. Aufstieg und Fall der Tabelle als Paradigma der Datenverarbeitung“, München, GRIN Verlag GmbH
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