Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1 Qualitätsfrage 3
1.1 Hintergründe 3
1.2 Aktuelle Relevanz 5
2 Qualitätsbegriff 6
2.1 Begriff / Definition 6
2.2 Überblick- Auffassung von Qualität aus verschiedenen Sichtweisen 7
2.3 Qualitätsebenen und Perspektiven der Beteiligten 8
2.4 Orientierungen 12
3 Qualitätssicherung 14
3.1 Konzept des Kronberger Kreises 14
3.2 Verfahren der Kindergarten-Skala (KES-R) 15
4 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen 17
Anhang 19
Literatur 20
Quellen 21
2
Einleitung
Die Frage der Qualität gewinnt zunehmend an Bedeutung in Deutschlands Kindergärten. Die Qualitätsentwicklung und mit ihr die Diskussionen um diese werden auch in Zukunft ein aktuelles Thema in Kindertageseinrichtungen sein. Auffallend ist, dass der Schwerpunkt der Qualitätsentwicklung in nahezu allen Kindergärten bekannt ist, aber leider noch sehr häufig die Debatten darüber anstelle der konkreten Qualitätsentwicklung die Oberhand haben. In dieser Arbeit sollen Zusammenhänge der Qualitätsentwicklung erklärt und Anhaltspunkte gegeben werden, die Kenntnisse über Konzepte und Verfahren darstellen. Bereits seit den 1990er Jahren existieren in Deutschland Konzepte zur Entwicklung von Qualität in Kindergärten. Doch als Folge zahlreicher Diskussionen ist die praktische Umsetzung meist ausgeblieben, obwohl die Frage danach nie an Aktualität verloren hat. Qualität ist nichts Neues, denn sie existiert bereits, es geht lediglich um den Aspekt der Weiterentwicklung der bereits bestehenden Qualität. Nach Möglichkeit soll dies einrichtungsintern und mit Beteiligung von Eltern, Kindern, ErzieherInnen und dem Träger sowie dem Sozialraum geschehen. Im Verlauf der Arbeit sollen zunächst die Hintergründe und die Relevanz der Qualitätsfrage geklärt werden. Anschließend wird der Qualitätsbegriff erläutert, um darauf aufbauend Qualitätsebenen und Perspektiven darstellen zu können. Im Folgenden werden im Abschnitt „Qualitätssicherung“ zwei Konzepte vorgestellt, die in Deutschland als Verfahren zur Qualiätsentwicklung,bestimmung und -sicherung herangezogen werden. Abschließend folgt eine Zusammenfassung mit einer integrierten Schlussfolgerung. Im gesamten Verlauf der Arbeit wird hinsichtlich verschiedener Betrachtungsweisen der Fokus auf den Kronberger Kreis sowie auf die Kindergarten-Skala (KES-R) gelegt.
1 Qualitätsfrage
1.1 Hintergründe
Abhängig von kulturellen Traditionen unterliegt auch der Qualitätsbegriff einem historischen Wandel. In den 1950er Jahren galten Begriffe wie Pflege und Wärme als Indikatoren für eine gute Qualität nicht-elterlicher Betreuungs- und Erziehungsformen. Der Schwerpunkt wurde in den 1960er und 1970er Jahren auf die Förderung der kognitiven Entwicklung der zu betreuenden Kinder verlagert und fand in 80er und 90er Jahren eine breitere Definition, „die sich auf das ´ganze´ Kind richtet und neben kognitiver Stimulierung auch Gesundheits- und Sicherheitsaspekte sowie soziale und emotionale Unterstützung des Kindes umfaßt" (Ross-
bach 1993: 9). "Begriffe wie Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Selbständigkeit und Verantwortungsbewußtsein traten in den Vordergrund. Die soziale Erziehung erfuhr eine Schwerpunktbildung, sie wurde als Voraussetzung für die Wirksamkeit einer optimalen kognitiven Förderung und das Kind zunehmend ganzheitlicher gesehen. Man erkannte, daß Intelligenz nicht allein entscheidend ist für Schul- oder Berufserfolg, sondern mindestens ebenso seine sozialen und motivationalen Fähigkeiten. Diese zu fördern und dabei den Kindern mit dem Kindergarten einen Lebensraum zur Verfügung zu stellen, in dem sie Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt fänden, das wurden fortan die Ziele des Kindergartens" (Bründel/Hurrelmann 1996: 130). Durch die Entstehung und Etablierung neuer Familienformen, z.B. Patchwork-Familie, Regenbogenfamilien oder Ein-Eltern-Haushalte, sowie einer sich wandelnden Einstellung des Kindergartens zu Integration, kam es zu einer zunehmend positiven Entwicklung der Kindergärten (s. Anhang Tab.1). Bezüglich dieser Hintergründe ist die heutige Frage nach Qualität sehr vielfältig geworden, z.B. hinsichtlich der bildungspolitischen Funktion. Im KJHG (Kinder- und Jugendhilfegesetz) und den länderspezifischen Kindertagesstätten- Gesetzen sind die bildungspolitischen Aufgaben formuliert. Nicht zuletzt durch Studien, wie z.B. PISA hat dieser Bildungsauftrag an Bedeutung gewonnen. Ebenso ist die Effektivität der Betreuung von Wichtigkeit, denn es stellt sich die Frage: Welche Auswirkungen hat die pädagogische Arbeit auf die kindliche Entwicklung? Im Zusammenhang mit dieser Frage steht der zentrale Aspekt der Schlüsselqualifikationen und Grundhaltungen, die in Kindergärten mit pädagogischen Konzepten vermittelt werden sollen. Doch worin liegt eigentlich die Funktion des Kindergartens? Kindergarten sind neben der Familie ein wichtig Lebens- und Lernraum für die Kinder. Die KiTa ist nach der Familie die zweite Sozialisationsinstanz eines Menschen und demnach nachhaltig prägend. Erziehung, Bildung und Betreuung werden parallel zur Familie ergänzt und sollen ein sicheres Aufwachsen der Kinder garantieren. So wird schon hier ein Grundstein für das spätere Berufs- und Erwachsenenleben gelegt. Besonders dadurch ist die Frage nach der Bedarfsorientierung nicht zu vernachlässigen. Familien fordern von Kindergärten eine Angebotsstruktur, die auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist, so z.B. Altersmischung in der Gruppen, Öffnungszeiten und Partizipation der Eltern. Vor dem Hintergrund der Bedarfsorientierung entwickeln sich natürlich ein Kosten-Nutzen-Denken, eine Konkurrenzsituation und der Gedanke der Dienstleitung. Finanzielle Ressourcen sind zunehmend rückläufig, daher wird verstärkt im sozialen Bereich auf ökonomische Arbeitsweisen geachtet und deren Wirkung genauestens hinterfragt, sodass eingesetzte Mittel vollste Effektivität erzielen. Darunter dürfen jedoch Profil und Qualität nicht leiden, denn der Konkurrenzkampf besteht fortlaufend. Kindergärten sind zu kundenorientierten
Dienstleistungsunternehmen geworden, bei denen die Eltern ein freies Wahlrecht und großes Mitspracherecht besitzen (vgl. Franken 2003: 5f.) Worin besteht also die aktuelle Relevanz von Qualität?
1.2 Aktuelle Relevanz
Profitieren von einer Qualitätsentwicklung in Kindergärten wirklich alle, Eltern, Kinder, ErzieherInnen und der Träger? Was bringt Qualität heutzutage eigentlich? Auf vielen Ebenen können diese Fragen Beantwortung finden:
Transparenz: Die pädagogische Arbeit bzw. die Arbeit allgemein wird klarer erkennbar für das Klientel, aber auch für das Personal selbst. Das Konzept wird nach außen präsentiert, sodass ein deutliches Bild des Kindergartens existiert. Mitarbeiter stärken: Das Leistungspotenzial jedes Mitarbeiters wird beachtet und geachtet, sodass jeder im Hinblick auf die pädagogische Arbeit seine Stärken gezielt einsetzen kann.
Ressourceneinsatz: Die Kapazitäten der Einrichtung werden optimal ausgenutzt (räumlich, personell etc.).
Organisation: Die Tagesabläufe werden systematisch durchdacht und fördern einen optimalen Ablauf.
Personalentwicklung: Die Personalentwicklung befindet sich in einem stetigen Prozess und wird durch Team- und Einzelfortbildungen verbessert und gestärkt. Spezifisches Profil: Kindergärten entwickeln einen besonderen Schwerpunkt, der bestimmte Zielgruppen speziell anspricht, z.B. Sportkindergarten, bilinguale Sprachförderung oder musikorientierter Kindergarten. Die Zielsetzungen werden natürlich bezüglich der Umsetzung überprüft.
Aspekt der Ökonomie: Werden Zuwendungen minimiert, muss finanziell sparsamer gehaushaltet werden.
Aspekt der Reduzierung: Wenn die Voraussetzungen in der Einrichtung auf ein Mindestmaß reduziert werden.
Generalisierung: Verlust individueller Einrichtungsmerkmale durch generelle Festlegungen.
Verunsicherung: Rückzug aus dem Prozess der Qualitätsentwicklung des Kindergartens durch Verunsicherung der Beteiligten (vgl. Franken 2003: 6).
2 Qualitätsbegriff
2.1 Begriff / Definition
Wie bereits angesprochen gab es in den 1990er Jahren eine breite Diskussion über den Qualitätsbegriff bzw. dessen Definition. Eine einheitliche zufriedenstellende Definition konnte nicht gefunden werden, aber feststehend ist, dass der Begriff „Qualität“ aus der Betriebswirtschaft stammt und erster Linie die Güte eines Produktes beurteilt. Dabei werden sieben Kriterien berücksichtigt, die im Folgenden genannt werden sollen: Der Begriff Qualität bezieht sich auf Beschaffenheit, Güte und Wert einer Sache. Der Begriff selbst ist zunächst ohne Wertung, denn es gibt „gute“ und „schlechte“ Qualität.
In der Regel wird mit Qualität die Erfüllung einer besonders hohen Erwartung verbunden.
Qualität ist dynamisch. Viele Faktoren sorgen dafür, dass sich die Qualität stetig verändert.
Die Beurteilung von Qualität ist abhängig von der jeweiligen Zielsetzung eines Produktes oder einer Leistung und von dazu vorher festgelegten Vorgaben. Eine Beurteilung ist immer subjektiv, da sie abhängig von den jeweiligen Vorstel-
Qualitätist kein universeller Zustand, sondern muss im jeweiligen Zusammenhang gesehen werden.
Wie bereits erwähnt gibt es keine einheitliche Verständigung darüber, welche Qualitätsmerkmale ein guter Kindergarten haben sollte. In der Literatur findet man verschiedene Aspekte, die sich zum Teil stark überschneiden, mitunter aber auch neue Sichtweisen einbeziehen. Die allgemeinen Vorstellungen haben sich wie eingangs angesprochen über Jahrzehnte hinweg entwickelt. So galt es in den 1950er Jahren die Pflege und Fürsorge der Kinder möglichst vielseitig zu übernehmen und den mütterlichen Aufgaben als Fachkraft gerecht zu werden. In den folgenden zwei Jahrzehnten legte man den Fokus auf die kognitive Förderung. In den 80er Jahren wurden die Qualitätsmerkmale vielschichtiger. So waren emotionale und soziale Begleitung sowie der Gesundheits- und Sicherheitsaspekt zentrale Themen. Schließlich entwickelte sich in den 90er Jahren eine Bewegung aus Wissenschaftlern und Institutionen die
Arbeit zitieren:
Julia Böhm, 2011, Qualität in Kindergärten, München, GRIN Verlag GmbH
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