Inhalt:
1 EINLEITUNG 3
2 SOZIOLOGISCHE AUFFASSUNG VON KINDERLOSIGKEIT. 3
3 KINDERLOSIGKEIT IN ZAHLEN. 4
3.1 GEBURTENENTWICKLUNG. 4
3.2 POLARISIERUNGSTENDENZEN 5
3.3 KINDER ALS WUNSCH UND WIRKLICHKEIT 6
4 SOZIALE URSACHEN UND MOTIVE VON KINDERLOSIGKEIT 7
4.1 VERÄNDERTE LEBENSVERHÄLTNISSE UND BIOGRAPHISCHE PERSPEKTIVE 8
4.2 SCHWIERIGE VEREINBARKEIT VON BERUF UND KINDERWUNSCH. 11
4.3 FINANZIELLE BELASTUNG UND SOZIALER STATUS- KINDER ALS LUXUS 12
4.4 ENTSCHEIDUNGSPROBLEM. 13
5 FAZIT. 14
LITERATUR 16
2
2
1 Einleitung
Im Fokus zahlreicher sozialwissenschaftlicher Diskurse steht die Frage nach der Zukunft der Familie. Aus sozialwissenschaftlicher Sicht müsste die Frage wohl vielmehr lauten: Welche Zukunft hat die Familie? In genau diesem Punkt soll die vorliegende Arbeit ansetzen. Da es sich hierbei um eine sehr umfangreiche Thematik mit zahlreichen zu diskutierenden Aspekten handelt, möchte ich mich mit folgender Frage beschäftigen: Worin liegen die Ursachen für die Kinderlosigkeit in Deutschland? Zur Beantwortung dieser Frage werde ich mich im Verlauf der Arbeit mit der soziologischen Auffassung von Kinderlosigkeit befassen, um ein umfassenderes Verständnis für die Problematik zu erlangen. Mit der Kenntnis was aus soziologischer Sicht unter dem Begriff der Kinderlosigkeit zu verstehen ist, soll im Folgenden dieses gesellschaftliche Phänomen mit aussagekräftigen Zahlen belegt werden. Dafür wird zunächst die Entwicklung der Geburten dargestellt sowie Polarisierungstendenzen und darauf basierend die Überlegung, ob Kinder (aus statistischer Sicht) Wunsch oder Wirklichkeit sind. Anhand der vorangegangenen Darstellung zur Kinderlosigkeit in Deutschland, die auf Zahlen aus statistischen Erhebungen und daraus abgeleiteten Entwicklungstendenzen basiert, sollen anschließend soziale Ursachen und Motive erklärt werden, die zu einer mangelnden Realisierbarkeit der Vorstellungen und somit zur Kinderlosigkeit führen können. Hierzu werden vier Kernpunkte: veränderte Lebensverhältnisse und biographische Perspektive, schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Kinderwunsch, die finanzielle Belastung und sozialer Status- Kinder als Luxus sowie das Entscheidungsproblem, zusammenhängend betrachtet. Abschließend folgt ein Fazit.
Da sich diese Arbeit auf eine Zukunftsperspektive bezieht, sind Ausführungen teilweise spekulativ und hypothetisch. Wenngleich alle dargestellten Daten zuverlässigen Quellen entnommen sind, so liegen doch für einige Entwicklungstrends und Zukunftsprognosen keine Modelle vor, die eine zuverlässige Abschätzung erlauben würden. 2 Soziologische Auffassung von Kinderlosigkeit
Eine einheitliche Definition für Kinderlosigkeit gibt es in der soziologischen Fachliteratur nicht. Folgt man jedoch den Ausführungen von Nave-Herz (1988) und Schneewind (vgl. 1995: 457f.) gibt es drei zu differenzierende Gruppen. Die erste Gruppe ist die, die aus medizinischen Gründen kinderlos bleibt. Dabei bleibt unberücksichtigt, ob die Ursachen organisch oder psychosomatisch bedingt sind. Eine zweite Gruppe bilden Paare, die sich ganz bewusst 3
gegen Kinder entschieden haben. Dieser Gruppe gegenüber steht die dritte Gruppe derer, die trotz eines Kinderwunsches noch keine Kinder haben. Nach Schneewind zählen zur letztgenannten Gruppierung auch Paare, die prinzipiell einen Kinderwunsch haben, diesen aber solange aufschieben, bis sie an ihre biologischen Grenzen gelangen.
Eine andere, aktuellere Unterscheidung findet man bei Carl (2002: 29f.). Carl differenziert drei Typen von Frauen, die lebenslang kinderlos bleiben:
• Frühentscheiderinnen sind Frauen, die sich in noch recht jungem Alter (Mitte 20) gegen Kinder entscheiden und zudem nicht in einer Partnerschaft leben. • Spätentscheiderinnen sind Frauen, die sich im Verlauf ihrer Partnerschaft und zu einem späten Zeitpunkt, meist ab einem Alter von Mitte 30, gegen Kinder entscheiden. Im Vergleich zu den Frühentscheiderinnen, die keinen selbstverständlichen Kinderwunsch benennen, besteht der Kinderwunsch für diese Gruppe zweifelsohne. • Aufschieberinnen sind Frauen, die sich nicht explizit gegen ein Leben ohne Kinder aussprechen, sondern aufgrund von externen Faktoren definitiv kinderlos bleiben. So kann es sein, dass die Frauen den „richtigen Zeitpunkt“ verpasst haben oder keinen geeigneten Partner gefunden haben. 3 Kinderlosigkeit in Zahlen
Mit der Kenntnis was aus soziologischer Sicht unter dem Begriff der Kinderlosigkeit zu verstehen ist, soll im Folgenden dieses gesellschaftliche Phänomen mit aussagekräftigen Zahlen belegt werden. Dafür wird zunächst die Entwicklung der Geburten dargestellt sowie Polarisierungstendenzen und darauf basierend die Überlegung, ob Kinder (aus statistischer Sicht) Wunsch oder Wirklichkeit sind. 3.1 Geburtenentwicklung
Es wird gemeinhin davon ausgegangen, dass sich das niedrige Geburtenniveau in Deutschland dauerhaft etablieren wird, ohne einen absehbaren Trendwechsel. Im gesamteuropäischen Kontext betrachtet und dem aller modernen westlichen Gesellschaften ist Niedrigfertilität 1 offensichtlich ein Strukturmerkmal geworden. Abweichende Ansichten gibt es lediglich hinsichtlich der zukünftigen Prognosen. Zum einen herrscht die Ansicht der Stabilität des Status quo,
Niedrigfertilität, wenn zusammengefasste Geburtenziffer unter dem Bestanderhaltungsniveau von 2,1 Kindern 1
pro Frau liegt. Niedrigstfertilität liegt dann vor, wenn die zusammengefasste Geburtenziffer bei oder unter 1,3 Kindern pro liegt.
4
zum anderen wird ein weiteres Absinken der Geburtenrate auf „Niedrigstfertilität“ prognostiziert. Für die Entwicklungen in Deutschland erhebt das Statistische Bundesamt Bevölke-rungsvorausberechnungen (2006), die eben jenen Standpunkt der Stabilität einnehmen. So kann festgestellt werden, dass Deutschland bei der Betrachtung der Entwicklung der zusammengefassten Geburtenziffern im europäischen Vergleich das einzige Land ist, das seit beinahe 30 Jahren ein konstant niedriges Geburtenniveau von etwa 1,4 Kindern je Frau aufweist (vgl. Statistisches Bundesamt 2006: 7). Dieses besteht seit den 1970er Jahren und blieb weitestgehend unverändert, so dass auf dieser Basis drei mögliche Entwicklungen der Geburtenzahlen vorgestellt werden, die in Bezug auf das zukünftige Geburtenniveau variieren. Zum einen wird angenommen, dass sich die Entwicklungen der vergangenen 15 bis 20 Jahre weiterhin fortsetzten, „annähernde Konstanz“. Betrachtet man Deutschland differenziert, in Ost-und Westdeutschland unterteilt, wird zudem prognostiziert, dass sich Ostdeutschland an die westdeutsche Entwicklung anpasst und eine „Normalisierung“ der Geburten- und Familienentwicklung die Folge ist. Aufgrund der politischen, strukturellen und sozialen Gegebenheiten waren die Geburtenziffern in Ostdeutschland um 1990 stark eingebrochen. Abschließend wird davon ausgegangen, dass sich die Kinderzahlen von 1,4 Kinder pro Frau in Westdeutschland in Zukunft auch auf diesem Niveau einpegeln werden (vgl. Konietzka/Kreyenfeld 2009: 53ff.).
3.2 Polarisierungstendenzen
Aufgrund der zuvor dargestellten Zahlen und Entwicklungen lässt sich in Deutschland ein besonderes Muster der Familienbildung erkennen. Demographen sprechen hierbei von einer Bevölkerungspolarisierung in einen Familien- und einen Nicht-Familiensektor. So hat z.B. mit einem Anteil von 29,2 % die Zwei-Kind-Familie weiterhin einen festen Platz in unserer Gesellschaft. Dahingegen gibt es inzwischen aber eine große Gruppe von Menschen, die häufig unverheiratet bleiben und auch keine Eltern werden. Das statistische Bundesamt erwartete für den Geburtsjahrgang 1966, dass mehr als ein Viertel der Frauen kinderlos bleiben werden und ein weiteres Viertel der Frauen sowie ein Drittel der Männer zeitlebens unverheiratet bleiben. Im Vergleich sind im Geburtsjahrgang 1950 nur 15 % der Frauen kinderlos geblieben.
Diesen Tendenzen gegenüber steht ein Großteil der Bevölkerung, der nach traditionellen Mustern der Familienbildung lebt. Paare heiraten, bekommen Kinder und sind somit zum "Fami-liensektor" dazugehörig. In der Altersgruppe von 35 bis 39-jährigen Frauen leben 65,3% mit 5
Arbeit zitieren:
Julia Böhm, 2011, Kinderlosigkeit in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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