Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Ferdinand Müller-Rommel: Das Erfolgschancenmodell 3
3. Erfolgschancen Grüner Parteien in Spanien. 4
3.1 Sozioökonomisches System 4
3.2 Politisches System 6
3.3 Parteiensystem 10
3.4 Außerparlamentarische Kräftekonstellationen 12
3.5 Politische Kultur 14
3.6 Parteiinterne Organisationsfähigkeit 16
4. Sonderfall Balearen 18
5. Fazit 20
6. Literaturverzeichnis 22
1. Einleitung
In der Parteienforschung beschränkt sich die Untersuchung der Grünen Parteien zumeist auf die Grünen in West- und Nordeuropa. Den Grünen in Südeuropa wird dagegen wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dies liegt vor allem an der relativen Schwäche dieser Parteiengruppe im südlichen Europa. So heißt es in einem Dokument der Internationalen Politikanalyse der Friedrich-Ebert-Stiftung: "In Portugal, Spanien, Italien und Griechenland sind die grünen Parteien schwach und nur gelegentlich im Parlament vertreten. Als Gründe hierfür werden in der Parteienforschung neben Konzeptionslosigkeit und innerer Zerstrittenheit, eine geringe Nachfrage nach neuer Politik und die schwache Verbreitung von postmaterialistischen Wertorientierungen genannt" (vgl. Richter 2009: 4). Dieses vereinfachte Bild der Grünen in Südeuropa muss jedoch genauer beleuchtet werden. Am Beispiel Spaniens wird deutlich, dass die grüne Partei Spaniens, die Los Verdes, in der Vergangenheit zwar keine Chance hatten aus eigener Kraft die nationale Repräsentationshürde zu überspringen, was insbesondere an dem Ergebnis der Nationalwahlen im Jahr 2008 mit 0,16% deutlich wurde (vgl. WWW1). Jedoch können die Grünen in Spanien auf lokaler und regionaler Ebene durchaus Erfolge verbuchen. Demzufolge sind die Los Verdes, genauer gesagt der Regionalverband Els Verds, seit dem Jahr 2007 an der Regionalregierung der Autonomen Gemeinschaft der Balearischen Inseln, Comunidad Autónoma de las Islas Baleares, beteiligt. Zuvor unterstützen sie bereits die erste sozialdemokratische Regierung der Balearen in den Jahren 1999 - 2003. Die Els Verds sind im Regionalparlament schon wesentlich länger vertreten als andere Regionalverbände in den entsprechen Volksvertretungen Spaniens. Auf den Balearen konnten die Grünen erstmalig aus eigener Kraft ihre Inhalte nicht nur in das Parlament bringen, sondern auch in einer Regierung implementieren. Darin besteht der besondere Erfolg der Els Verds gegenüber ihren Kolleginnen und Kollegen auf dem Festland.
Es stellt sich demnach die Frage, warum die Grünen in Spanien nahezu politisch bedeutungslos, jedoch auf den Balearen an der Regierungskoalition beteiligt sind. Demnach müssen sich die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in der Autonomen Gemeinschaft der Balearischen Inseln von denen in Spanien im Allgemeinen unterscheiden.
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Dieser Untersuchung liegt demzufolge die Forschungsfrage zugrunde, welche Strukturvariablen diesen unterschiedlichen Erfolg der Grünen in Spanien erklären. Unter "die Grünen in Spanien" wird im Zuge dieser Arbeit nur die Confederación de los Verdes verstanden. Aus Gründen der wissenschaftlichen Klarheit und Argumentation wird die Partei Iniciativa per Catalunya Verds nicht berücksichtigt, da es sich hierbei in erster Linie um eine katalanistische-sozialistische Partei handelt, die sich selbst erst im Weiteren als ökologisch bezeichnet (vgl. WWW2).
Wie aus dem Namen der Confederación de los Verdes 1 hervorgeht, handelt es sich hierbei nicht um eine einheitliche Partei, sondern um einen Parteienverbund, der den verschiedenen Grünen Regionalverbänden in den Autonomen Gemeinschaften Spaniens eine hohe Selbstständigkeit zubilligt. Auf den Balearen sind dies die Els Verds, was nichts anderes als die katalanische Übersetzung von Los Verdes bedeutet. Der Untersuchungsgegenstand sind die Strukturvariablen, anhand derer der unterschiedliche Erfolg der spanischen Grünen erarbeitet werden sollen. Diese werden maßgeblich im Erfolgschancenmodell von Ferdinand Müller-Rommel aufgezeigt. Als abhängige Variable lassen sich demnach der Wahlerfolg der Los Verdes auf nationaler und auf regionaler Ebene der Balearen definieren und die unabhängigen Variablen lassen sich jeweils aus dem Analyseraster ableiten. Infolgedessen lautet die Arbeitshypothese, dass sich die Balearen in einer Reihe von Strukturvariablen vom Rest Spaniens unterscheiden müssen und diese den Erfolg der balearischen Grünen bedingen.
Das Erfolgschancenmodell nach Müller-Rommel wurde bereits im Jahre 1993 erstellt, die grundsätzliche Struktur ist jedoch nach wie vor anwendbar. Daher gilt das Werk "Grüne Parteien in Westeuropa. Entwicklungsphasen und Erfolgsbedingungen" von Ferdinand Müller-Rommel aus dem Jahr 1993 als Referenzliteratur. Um herauszuarbeiten, welche Strukturvariablen in Spanien und im Besonderen für die Balearen für den unterschiedlichen Erfolg der Grünen verantwortlich sind, wird wie folgt vorgegangen. Im nachfolgenden Kapitel wird das Erfolgschancenmodell von Müller-Rommel einer genaueren Untersuchung unterzogen und theoretisch erklärt. Im dritten Kapitel wird das Modell auf den Fall Spanien angewendet. Dabei soll zum einen dargestellt werden, welche
1 Im Folgenden: Los Verdes.
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Strukturvariablen generell einen Zusammenhang mit dem Wahlerfolg Grüner Parteien ergeben und zum anderen, ob dies auch für Spanien zutrifft oder ob es Abweichungen gibt. Zudem soll auch auf das regionale System der Balearen zu den jeweiligen Strukturvariablen eingegangen werden, um dann im vierten Kapitel in einer genauen Analyse herauszuarbeiten, welche Strukturvariablen sich auf den Balearen anders darstellen als in Restspanien und warum dies Einfluss auf die Wahlergebnisse hat. Im Fazit wird dann eine abschließende Antwort auf die Fragestellung erfolgen.
Eingangs wurde bereits festgestellt, dass die Grünen Parteien in Südeuropa kaum erforscht sind und insbesondere über die Grünen in Spanien ist bis heute nur wenig dokumentiert. Über die Iniciativa per Catalunya Verds sind bereits mehrere Fachaufsätze in Fachzeitschriften und Sammelbänden veröffentlicht worden. Für die Untersuchung der Los Verdes muss bis heute hauptsächlich auf Originaldokumente des Parteienverbunds zurückgegriffen werden.
2. Ferdinand Müller-Rommel: Das Erfolgschancenmodell
Die vorliegende Betrachtung ist, mit ihrer speziellen Fokussierung auf Spanien bzw. die Balearen, an das Erfolgschancenmodell des Parteienforschers Ferdinand Müller-Rommel angelehnt. Es wird demnach nur ein System untersucht und keine vergleichende Länderanalyse vorgenommen, weshalb es zu Abweichungen gegenüber dem Ursprungsmodell kommt.
Dem Erfolgschancenmodell liegt die zentrale Annahme zugrunde, dass der Wahlerfolg Grüner Parteien ein Produkt der politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des jeweiligen Landes ist (vgl. Müller-Rommel 1993: 93). Dabei werden zwei Forschungsansätze unterschieden: Zum einen der strukturelle Ansatz, welcher besagt, dass bestimmte Konstellationen im politischen und ökonomischen System den Grünen den Zugang in den parteipolitischen Wettbewerb erleichtern bzw. erschweren (vgl. Müller-Rommel 1993: 26). Zum anderen der sozialpsychologische Ansatz, welcher inhaltlich auf dem Wertewandel in breiten Bevölkerungskreisen basiert. Müller-Rommel verknüpft beide Ansätze miteinander. In der Kleinparteienforschung existieren seit langem Konzepte, die sich der Untersuchung von Erfolgschancen neuer bzw. kleiner Parteien widmen. Einerseits ist das Konzept der
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Chancenstrukturen nach Fisher (1974) zu nennen, der institutionelle, nicht-institutionelle und innerparteiliche Faktoren für einen Wahlerfolg bestimmt (vgl. Müller-Rommel 1993: 93). Andererseits ist das Modell der Chancenstrukturen von Hauss und Rayside (1978) anzusprechen, die wichtige Studien über die Erfolgsbedingungen neuer Kleinparteien veröffentlichten. Nach Hauss und Rayside sind institutionelle und politische Faktoren der zentrale Ausgangpunkt für die Entstehung neuer Parteien (vgl. Müller-Rommel 1993: 95). Dieses Konzept wurde 1985 von Harmel und Robertson weiterentwickelt, indem vor allem gesellschaftliche Faktoren aufgenommen wurden (vgl. Müller-Rommel 1993: 96). Müller-Rommel übernimmt diese Modelle und wendet sie speziell auf Grüne Parteien an. In der vorliegenden Arbeit soll dieses Modell wiederum noch spezieller auf die Grünen in Spanien angewendet werden. Müller-Rommel definiert sechs unterschiedliche Grundkategorien gesellschaftlicher und politischer Chancenstrukturen, die jeweils mehrere Variablen vereinigen, deren Einfluss auf den Erfolg grüner Parteien untersucht wird. Die Grundkategorien sind das sozioökonomische System, das politische System, das Parteiensystem, die außerparlamentarische Kräftekonstellationen, die politische Kultur und die parteiinterne Organisationsfähigkeit.
Die Analyse der Einflussfaktoren kann dann die unterschiedlich hohen Wahlergebnisse der Los Verdes bzw. ihres Regionalverbandes Els Verds im Einzelnen, sowie auch zusammenhängend erklären (vgl. Müller-Rommel 1993: 98).
3. Erfolgschancen Grüner Parteien in Spanien
3.1 Sozioökonomisches System 3.1.1 Bevölkerungsdichte
Die Bevölkerungsdichte ist innerhalb des Themenbereiches des sozioökonomischen Systems diejenige Variable, die einen Wahlerfolg grüner Parteien am besten erklären kann (vgl. Müller-Rommel 1993: 114). Es besteht ein starker positiver Zusammenhang zwischen Bevölkerungsdichte und Wahlerfolg grüner Parteien (vgl. Müller-Rommel 1993: 106). In Spanien kann diese These bestätigt werden. Spanien hat eine sehr geringe Bevölkerungsdichte von 84,4 Einwohner/km² im Jahr 2005, was einem Drittel des deutschen
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Durchschnitts entspricht (vgl. Nohlen 2005: 141). Die Erfolge der Los Verdes auf regionaler und kommunaler Ebene sind vor allem in den Ballungszentren wie Madrid, aber auch den Balearen, nachzuweisen.
Die Balearen haben eine Bevölkerungsdichte von 204,7 Einwohner/km² (vgl. Eurostat 2009: 15). Das ist mehr als das Doppelte im Vergleich zum gesamtspanischen Durchschnitt. Auch gegenüber dem Durchschnittswert der EU-15 von 119 Einwohner/km² ist dies beachtlich. Dazu kommen etwa zehn Millionen Touristen jährlich. Durch die hohe Bevölkerungsdichte werden Umweltprobleme besonders stark wahrgenommen. Deswegen ist dies ist bereits ein wesentliches Merkmal, dass den Wahlerfolg der Els Verds auf den Balearen erklärt. 3.1.2 Anteil städtischer Bevölkerung
Müller-Rommel zufolge besteht nur eine geringe Korrelation zwischen dem Anteil der städtischen Bevölkerung und dem Wahlerfolg grüner Parteien.
Spanien hat einen relativ hohen Anteil der städtischen Bevölkerung, der bei 78% im Jahre 1988 lag und inzwischen weiter gestiegen ist (vgl. Nohlen 2005: 155). Dies bezieht sich auch auf die geringe Bevölkerungsdichte, da sich große Anteile der Bevölkerung in den Ballungszentren Madrid, Kataloniens und dem Baskenland befinden. Gleiches gilt für die Balearen. Allein die Hälfte der Bevölkerung Mallorcas, der größten Insel der Balearen, wohnt in der Hauptstadt Palma (vgl. WWW3). Trotz des hohen Anteils städtischer Bevölkerung auf den Balearen liefert diese Strukturvariable nur eine mittelstarke Korrelation. 3.1.3 Erwerbsstrukturen
Erwerbsstrukturen haben einen mittelstarken Einfluss auf die Wahlergebnisse grüner Parteien. Generell korreliert ein höherer Anteil an industrieller Erwerbsarbeit mit dem Wahlerfolg grüner Parteien, während ein besonderer Einfluss eines hohen Anteils an Erwerbsarbeit im Dienstleistungssektor nicht nachzuweisen ist. In Spanien sind 64,7% der Arbeitnehmer im Dienstleistungssektor beschäftigt (vgl. Bernecker 2006: 287), während in der Industrie und in dem für Spanien wichtigen Bausektor 29,5% der Arbeitnehmer tätig sind (vgl. Bernecker 2006: 285). Aufgrund des Tourismus liegt der Anteil des tertiären Sektors auf den Balearen mit 82% an der Spitze Spaniens (vgl. Bernecker 2006: 168).
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Arbeit zitieren:
Max Hewer, 2010, Erfolgschancen Grüner Parteien in Spanien und der Sonderfall Balearen, München, GRIN Verlag GmbH
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