Universität Mannheim Ältere Germanistik Hauptseminar: Das Nibelungenlied
Die Klage als zeitgenössische Interpretation des Nibelungenlieds
Timo Witschaß
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1 Überlieferung. 3
2 Form. 3
3 Titel. 4
4 Inhalt 4
5 Inhaltliche Differenzen zum Nibelungenlied. 5
6 Weitere Namen und Einzelheiten 5
7 Auftrag von Bischof Pilgrim von Passau? „Nibelungias“? 6
8 Deutsche Nibelungendichtung, Entstehungszeit. 7
9 Fassung C des Nibelungenlieds 8
10 Auf der Suche nach dem Dichter. 9
11 Christlich-moralische Lehrdichtung. 10
12 leit. 10
13 Hagens übermuot. 11
14 triuwe. 11
15 Rüdiger 12
16 Brünhilds Schuld 13
17 Rumolt, der Küchenmeister. 13
18 Zeitgenössische Interpretation des Nibelungenlieds. 14
19 Bibliographie: 15
1 Überlieferung
Mit Ausnahme der späten Wiener Piaristenhandschrift überliefern uns alle vollständigen
Handschriften des Nibelungenlieds zusammen mit diesem auch die Klage. Die beiden Dich-
tungen wurden also gemeinsam tradiert und rezipiert.
2 Form
Die Klage ist in 4360 Reimpaarversen (nach der Ausgabe von Bartsch, auf die ich mich mit
meinen Angaben beziehe) verfaßt, der üblichen Form der von Anfang an unter christlichem
Vorzeichen stehenden höfischen Erzähldichtung. Damit unterscheidet sie sich schon metrisch-
formal von der strophischen Nibelungendichtung, dem Nibelungenlied
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Neben der unterschiedlichen Bewertung des Geschehens, das im Nibelungenlied geschildert wird, existieren unverkennbar auch künstlerisch-ästhetische Mängel, weswegen sie von der Forschung lange Zeit vernachlässigt wurde: der Wortschatz des Dichters ist nicht groß, seine Reime wiederholen sich. Doch ihr historischer Stellenwert ist weitaus wichtiger als ihr künstlerischer Rang. Die Literarisierung der mündlichen Nibelungenepik und die Entstehung der von Anfang an als Buchdichtung existierenden Klage sind vielfach miteinander verzahnt: möglicherweise wurde die Frühgeschichte des Nibelungenlieds als Buchepos von der Klage beeinflußt und mitbestimmt.
3 Titel
Der Titel „Die Klage“ entspricht dem Willen des Dichters: ditze liet heizet diu klage (4322), bemerkt er am Ende seiner Dichtung ausdrücklich. Mit dem Titel ist keine Gattungsbezeichnung gemeint, wie die der Totenklage, sondern lediglich ein charakteristischer, wesentlicher Teil des Inhalts zum Ausdruck gebracht.
4 Inhalt
Was im Epos von der Nibelunge nôt erzählt ist, setzt der Verfasser der Klage mehr oder weniger als bekannt voraus und stellt es deshalb nur in der Form eines Überblicks, versehen mit einigen zusätzlichen Informationen, an den Anfang seines Werks. Die Klage selbst erzählt, wie nach und nach die Toten (Kriemhilt, ihr Sohn Ortlieb und die Helden, die auf Seiten der Burgunden und der Hunnen gekämpft haben) an dem Ort des Schlachtens gefunden, aufgebahrt und bestattet werden.
Ein großer Teil der Dichtung schildert ausführlich das Klagen über den Tod der vielen Helden, von Etzel, von den Überlebenden Hildebrant und Dietrich, von den vielen zurückbleibenden Frauen und auch vom Volk, das dabei hilft, den Gefallenen die zerschlagenen, blutverschmierten Rüstungen abzunehmen, sie aufzubahren und, teilweise in Massengräbern, zu bestatten.
Schließlich schickt Etzel seine Boten los, darunter den Spielmann Swemmel (der bereits aus dem Nibelungenlied bekannt ist: er brachte Kriemhilts folgenschwere Einladung nach Worms), um über den Tod der vielen Helden zu berichten. Sie bringen die Nachricht nach
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Wien, Bechelaren, Passau, wo wieder Bischof Pilgrim auftritt, und schließlich nach Worms, wo sie Brünhild und Ute, der Mutter Kriemhilts und der Könige, berichten. Ute stirbt nach sieben Tage vor leide (3959), wegen des großen Leids, und Brünhild kann nur mit Mühe vor dem Tode bewahrt werden. Aber die Burgunden wollen nicht ohne Herrscher bleiben, und so wird die Krönung von Gunthers Sohn zum Anlaß eines Festes, das wieder, wie im Nibelungenlied, viele Gäste nach Worms strömen läßt.
Schließlich, nach dem Epilog, also wohl falsch plaziert, berichtet ein kürzerer Abschnitt noch davon, daß Dietrich, zusammen mit seiner Gemahlin Herrat und Hildebrant, vom Hunnenhof in sein eigenes Land aufbricht.
Inhaltliche Differenzen zum Nibelungenlied 5
Abgesehen von der grundsätzlich unterschiedlichen Bewertung der im Nibelungenlied dargestellten Ereignisse und Personen (Kriemhilt wird aufgewertet, Hagen abgewertet), gibt es auch einige inhaltliche Differenzen in der Klage. So wird zum Beispiel berichtet, Dietrich habe zuerst Gunther und danach Hagen überwältigt (3900-3907), während es sich im Nibelungenlied gerade andersherum verhält.
6 Weitere Namen und Einzelheiten
Neben den aus dem Nibelungenlied bekannten Figuren werden in der Klage einige andere mit Namen versehen, und es wird näheres über sie berichtet. Rüdigers Tochter etwa heißt Dietlinde, der Vater der Burgunderkönige ist Dankrat, wie in der Fassung *C des Nibelungenlieds. Man erfährt näheres darüber, wie Dietrich an Etzels Hof kam und was er dem Hunnenkönig, dessen verstorbener Frau Helche und dem getöteten Freund Rüdiger zu verdanken hat. Auch über den tapferen Kampfgefährten Hagens erfährt man Details: Volker stammt aus Alzey (1361). Ebenso treten aus den Gefolgen Etzels und Dietrichs einige Figuren aus der Namenlosigkeit heraus und werden von den Überlebenden beklagt.
Einige der Namen könnten sich auf zu der damaligen Zeit bekannte Personen beziehen, so etwa Hermann von Polen (345), der tatsächlich um 1100 gelebt hat. Andere hat der Dichter älteren Sagen entnommen, andere wiederum einfach erfunden.
Arbeit zitieren:
Timo Witschaß, 1997, Die Klage als zeitgenössische Interpretation des Nibelungenlieds, München, GRIN Verlag GmbH
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