Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung II
Inhaltsverzeichnis
ABBILDUNGSVERZEICHNIS. IV
1 EINLEITUNG. 1
1.1 AUSGANGSSITUATION. 1
1.2 ZIEL. 3
1.3 AUFBAU UND ABGRENZUNG 4
2 GRUNDLAGEN. 6
2.1 HERAUSFORDERUNG BAUPROZESSSTEUERUNG 6
2.1.1 Aufgaben der Bauprozesssteuerung. 6
2.1.2 Instrumente der Bauprozesssteuerung 7
2.1.3 Leistungserfassung für die Bauprozesssteuerung 9
2.2 INFORMATIONSSYSTEME FÜR DIE BAUPROZESSSTEUERUNG 11
2.2.1 Nutzen von Informationssystemen für die Bauprozesssteuerung 11
2.2.2 Formen von Informationssystemen für die Bauprozesssteuerung 12
3 FUNKTIONALE ANFORDERUNGSANALYSE 14
3.1 ZEITLICH-RÄUMLICHE INFORMATIONSVERKNÜPFUNG 14
3.2 VERKNÜPFUNG VON PLANUNGS- UND AUSFÜHRUNGSINFORMATIONEN 16
3.3 ZEITNAHE BAUPROZESSSTEUERUNG 19
3.4 KOOPERATIVE BAUPROZESSSTEUERUNG 21
3.5 EFFEKTIVES BERICHTSWESEN 24
4 SYSTEMENTWURF. 26
4.1 ENTWURF MODELLBILDUNG 26
4.1.1 Datengrundlage des 4D-Modells. 26
4.1.2 Webkompatible Darstellung 29
4.2 ENTWURF ANBINDUNG BAUTAGEBUCH 32
4.3 ENTWURF AUSWERTUNGSINSTRUMENTE 35
5 IMPLEMENTATION UND TEST 37
5.1 REALISATION MODELLBILDUNG 37
5.1.1 Vorstellung Beispielprojekt 37
5.1.2 Räumliche Modellierung Beispielprojekt 39
5.1.3 Zeitliche Modellierung Beispielprojekt 43
5.2 IMPLEMENTATION ANBINDUNG BAUTAGEBUCH. 45
5.3 IMPLEMENTATION AUSWERTUNGSINSTRUMENTE. 47
5.4 INSTALLATION UND TEST 50
6 DOKUMENTATION. 51
6.1 FUNKTIONALITÄT DES INFORMATIONSSYSTEMS 51
6.1.1 Moduleinbindung. 51
6.1.2 Einlesen der Soll-Daten 53
6.1.3 Erfassung der Ist-Daten 54
Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung III
6.1.4 Berichterstellung 55
6.2 STRUKTUR DES INFORMATIONSSYSTEMS 58
6.2.1 Datenstruktur. 58
6.2.2 Programmstruktur 60
6.3 ANWENDUNGSBEISPIEL 62
6.3.1 Anwendungsbeispiel Modellimport. 62
6.3.2 Anwendungsbeispiel Leistungserfassung 63
6.3.3 Anwendungsbeispiel Berichterstellung. 64
7 BEWERTUNG. 65
8 FAZIT 67
8.1 ZUSAMMENFASSUNG. 67
8.2 AUSBLICK. 68
QUELLENVERZEICHNIS 69
Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Häufigkeit der Durchführung einer Terminkontrolle
Abbildung 2: Vorgehen bei der Entwicklung eines Websystems
Abbildung 3: kybernetischer Regelkreis Terminsteuerung
Abbildung 4: Abweichungsanalyse beim Soll-Ist-Kostenvergleich.
Abbildung 5: Building Information Model (BIM)
Abbildung 6: Projektkommunikationssystem
Abbildung 7: ERM Raum-Zeit Verknüpfung.
Abbildung 8: Automatisierte Verknüpfung Bauteil - Vorgang.
Abbildung 9: Vorgehen Modellvisualisierung im Web.
Abbildung 10: WEBDOC Bauwerksmodell
Abbildung 11: Ausschnitt Datenstruktur zur Modulanbindung
Abbildung 12: In- / Output JasperReports
Abbildung 13: Aufbau Fassadensystem
Abbildung 14: Ansichten Steigerweg 23/25
Abbildung 15: Positionierung Fassadenelemente im Grundriss
Abbildung 16: Modellierung Bestand in AutoCAD Revit
Abbildung 17: Definition Großmodul.
Abbildung 18: Definition Fassadensystem.
Abbildung 19: Positionierung der Fassadenelemente
Abbildung 20: Zuweisung der Schlüssel über das Kommentarfeld.
Abbildung 21: Revit Export
Abbildung 22: Konvertierung von IFC nach VRML
Abbildung 23: WEBDOC VRML Linker.
Abbildung 24: Auszug MS Project Terminplan
Abbildung 25: Definition Fremdschlüssel in SQL Manager 2007 Lite
Abbildung 26: Formularentwurf in Netbeans 6.0.1.
Abbildung 27: Erstellung der Berichtsvorlage in iReport 3.5.1.
Abbildung 28: Datenanbindung des Balkenplanes in iReport 3.5.1
Abbildung 29: Aufruf Leistungsübersicht und Soll-Ist-Vergleich im Menü.
Abbildung 30: Formular Leistungszuweisung
Abbildung 31: Formular Modellimport
Abbildung 32: Detailformular Bauteil
Abbildung 33: Formular Leistungsübersicht.
Abbildung 34: Auswahl Bauteil über Visualisierung.
Abbildung 35: Formular Termin-Soll-Ist-Vergleich
Abbildung 36: Formular Berichtsablage.
Abbildung 37: Ausschnitt Balkenplan Termin-Soll-Ist-Vergleich
Abbildung 38: Datenstruktur
Abbildung 39: Dateisystem
Abbildung 40: Ausschnitt Navigation
Abbildung 41: Aktivitätsdiagramm Modellimport
Abbildung 42: Aktivitätsdiagramm Leistungserfassung
Abbildung 43: Aktivitätsdiagramm Erstellung Termin-Soll-Ist-Vergleich
Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung 1
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
Das World Wide Web wird 1989 vom Europäischen Zentrum für Teilchenphysik (CERN) als globales Informationssystem für die Wissenschaft konzipiert. Die Entwicklung des Hypertext Systems ist beeindruckend: Gibt es noch 1993 weltweit nur etwa 50 Websites, die den Nutzern einfachste Inhalte in Textform zur Verfügung stellen, bietet bereits wenige Jahre später fast jeder PC Zugriffsmöglichkeiten auf ein unüberschaubares Netz voller Anwendungen und Medien. 1
Websysteme, d.h. Softwaresysteme, die auf Grundlage von Webtechnologien implementiert und im World Wide Web genutzt werden, lassen sich dabei heute über einen Browser wie gewöhnliche Desktopanwendungen nutzen. 2
Das digitale Bautagebuch, welches aus der vorangegangenen Vertieferarbeit hervorgeht, ist als derartiges Websystem entwickelt. Über die Software können alle Projektbeteiligte - vorausgesetzt es besteht ein Internetzugang - unabhängig von Ort oder Zeit Informationen zur Bauausführung austauschen und speichern.
Das Potential dieser kommunikationsfördernden Projektplattform animiert, das geschaffene System nicht ausschließlich zur Dokumentation, sondern auch zur Steuerung von Bauprozessen zu nutzen. 3
Umfangreiche Werkzeuge für die Steuerung von Bauprozessen werden dabei zweifellos akut benötigt. Die bauspezifischen Randbedingungen, wie Einzelfertigung und Ortsabhängigkeit, erschweren durch die stets nötige projektspezifische Anpassung die Übernahme von in der stationären Industrie bewährten, produktionsorientierten Steuerungsmethoden. 4 Insbesondere die Erfassung und Auswertung von aktuellen Baustellendaten stellt hohe Anforderungen an die Bauprozesssteuerung. 5
Resultat dieser nur schwer zu beherrschenden Aufgaben ist eine unzureichende In-formationsversorgung der Entscheidungsträger. So zeigen Untersuchungen, dass der Bedarf der Baustellen an Soll-Ist-Vergleichen, gerade bzgl. Qualitäts- und Terminkontrollen, durch die Vorgaben der entsprechenden Controllingstellen nicht gedeckt werden kann (Abbildung 1). 6
1 Vgl. Stanek (1996), S. 30 f.
2 Vgl. Dumke et al. (2003), S. 35
3 Vgl. Zentner / Schramm (2001), Abschnitt 3.1
4 Vgl. Wirth (2006 a), S. 4
5 Vgl. Pflug (2006), S. 40
6 Vgl. Heim (2002), S. 32
Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung 2
Abbildung 1: Häufigkeit der Durchführung einer Terminkontrolle
Als problematisch erweist sich zudem die mangelhafte Integration der Planung in die Bauprozesssteuerung. So ist meist generell kein durchgängiges Konzept zur Produktionssteuerung im Sinne des Baubetriebs vorhanden. 7 Die verschiedenen Aufgaben der baubetrieblichen Planung mit Terminen und Kosten, der Organisation mit Struktur und Ablauf sowie des Managements mit Koordination, Kontrolle und Dokumentation von Bauprojekten werden in der Regel vielmehr getrennt voneinander bearbeitet. Es kommt hiermit zu erheblichen Distanzen zwischen den Fachaufgaben aber auch zwischen den Projektphasen Planung und Ausführung. 8
Durch die Integration von Planungsdaten in das bestehende Websystem kann eine Gegenüberstellung von Soll- und Ist-Daten ermöglicht werden. Das Websystem wird somit zum umfassenden Werkzeug für die Bauprozesssteuerung. Mit Hilfe der zentralen Datenhaltung und der damit verbundene Vernetzung der Projektbeteiligten scheint es zudem geeignet, die Brüche zwischen Fachaufgaben und Projektphasen überwinden zu können. Eine rechtzeitige Informationsversorgung zur Entscheidungsfindung und -durchsetzung ist so sicherzustellen. 9
7 Vgl. Seyfferth (2003), S. 426
8 Vgl. Ripberger / Kuhne (2006), S. 272
9 Vgl. Kochendörfer et al. (2007), S. 241
Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung 3
1.2 Ziel
Ziel dieser Diplomarbeit bildet die prototypische Entwicklung eines webbasierten In-formationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung. Das Websystem soll dabei als Modul an die im Rahmen der Vertieferarbeit erstellte Software „WEB-DOC“ anknüpfen und deren Funktionalität insbesondere bezüglich der Leistungserfassung ausbauen.
Als konkretes Projekt für die Anwendung des Websystems werden Montagearbeiten an einer Fassade gewählt. Die entsprechenden Daten von Planung und Ausführung sollen sowohl für die Baudokumentation als auch für die Bauprozesssteuerung erfasst, gespeichert und aufbereitet werden.
Die prototypische Entwicklung des Moduls dient neben der Erstellung eines rudimentären, aber funktional zu beurteilenden Systems gleichsam auch der Darlegung des Potentials einer solchen Webanwendung. 10 Durch die Arbeit können mögliche Anwendungen geklärt, Anforderungen an das System genauer spezifiziert und letztlich auch neue Entwicklungsansätze aufgezeigt werden.
10 Vgl. Chroust (1992), S. 164
Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung 4
1.3 Aufbau und Abgrenzung
Diese Diplomarbeit umfasst den gesamten prototypischen Entwicklungsprozess des Moduls für die Leistungserfassung. Die grundlegenden Anforderungen an das Basissystem und die daraus resultierenden Lösungen bezüglich einzusetzender Web-Technologien sind jedoch bereits in der Vertieferarbeit behandelt und finden daher keinen Eingang mehr in diese Arbeit.
Der Aufbau der Arbeit orientiert sich an dem klassischen Wasserfallmodell der Softwareentwicklung (Abbildung 2). Die Fokussierung auf die Erstellung eines Prototyps ist dabei als Ergänzung dieses Modells durch iterative Prozesse zu verstehen. 11 So kann sichergestellt werden, dass auch die Erstellung des Prototyps geplant und strukturiert verläuft. 12
Abbildung 2: Vorgehen bei der Entwicklung eines Websystems
Im Anschluss an die Einleitung sollen zunächst die Grundlagen eines webbasierten Informationssystems für die Bauprozesssteuerung dargelegt werden. Betrachtet werden in diesem Zusammenhang Aufgaben und Instrumente der Bauprozesssteuerung, die Rolle der Leistungserfassung für die Bauprozesssteuerung sowie Nutzen und Form von Informationssystemen auf diesem Gebiet (Kapitel 2).
Die Entwicklung des Websystems beginnt darauf aufbauend mit der Erarbeitung und Darstellung der funktionalen Anforderungen. Dabei stellen Ziele und Erwartungen an das System den Ausgangspunkt dar. 13 Auf deren Basis gilt es später Arbeitsweisen, Leistungen und grundlegende Eigenschaften des Systems zu beschreiben (Kapitel 3). 14
Der nachfolgende Entwurf des Websystems soll dann die einzelnen Komponenten, deren extern sichtbaren Schnittstellen und die Beziehung zwischen den Komponen-
11 Vgl.Kuster et al. (2006), S. 23
12 Vgl. Chroust (1992), S. 165
13 Vgl. Kappel et al. (2004), S. 31 f.
14 Vgl. Dumke et al. (2003), S. 60
Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung 5
ten aufzeigen. 15 Im Rahmen dieses Abschnittes müssen demnach das neue Datenmodell, die Anbindung an das bestehende Websystem sowie die Auswertungsinstrumente technologisch konkretisiert werden (Kapitel 4).
Auf Grundlage des Entwurfes kann anschließend die eigentliche Erstellung des Prototyps erfolgen. Das Datenmodell, die einzelnen Ein- und Ausgabeformulare, nötige Ressourcen in Form von Berichtvorlagen oder eingebetteten Grafiken sowie die Programmlogik selbst muss mit verschiedenen Hilfsmitteln implementiert werden. 16 Einhergehen die jeweiligen Tests der erstellten Komponenten und die abschließende Installation des Gesamtsystems (Kapitel 5).
Die Dokumentation beschreibt dann vollends zusammenfassend das erstellte Websystem. Sie gibt einen Überblick über die erstellten Funktionen, erläutert Daten- und Programmstruktur und zeigt an einem Beispiel die mögliche Anwendung des Systems auf. Ein potentieller Nutzer soll durch die Dokumentation befähigt werden das Websystem einzusetzen (Kapitel 7).
Entscheidend für das Vorgehen im Rahmen der Prototypentwicklung ist zuletzt die Bewertung des gesamten Systems bezüglich der Gebrauchstauglichkeit. 17 Auf die Ergebnisse eines praktischen Einsatz des Systems kann hier nicht zurückgegriffen werden, allerdings kann der Abgleich mit den anfangs aufgestellten Anforderungen einer konstruktiven Kritik dienen (Kapitel 8).
Abschluss der Diplomarbeit bilden eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse sowie der Ausblick auf zukünftige Entwicklungs- und Einsatzmöglichkeiten von In-formationssystemen in der Bauausführung.
15 Vgl. Dumke et al. (2003), S. 141
16 Vgl. Chroust (1992), S. 142 ff.
17 Vgl. Mendes / Mosley (2006), S. 148
Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung 6
2 Grundlagen
2.1 Herausforderung Bauprozesssteuerung
2.1.1 Aufgaben der Bauprozesssteuerung
Die Bauprozesssteuerung stellt den wirtschaftlichen Erfolg einer Baumaßnahme sicher. Im Sinne eines Controllings werden auf Basis von Planung und Kontrolle Informationen generiert, die das Führungsteam eines Bauprojektes mit den benötigten Kursvorgaben und Kurskorrekturen versorgen. 18 Das Controlling bezieht sich dabei auf eine einzelne Baustelle, bildet aber gleichzeitig auch Grundlage für das gesamte Unternehmenscontrolling. 19
Der Schwerpunkt der Bauprozesssteuerung liegt damit in der Bereich der Bauleitung. Durch sie muss eine stetige Kontrolle und Überwachung erfolgen, die einerseits den Führungskräften der Baustelle, aber andererseits auch allen weiteren Projektbeteiligten einen maximalen Kenntnisstand über die Baustelle ermöglicht. 20 Als Vertretungen ihrer Arbeit- bzw. Auftraggeber übernehmen dabei sowohl die Bauleitung auf Auftraggeberseite, wie auch die Bauleitung auf Auftragnehmerseite erhebliche Projektverantwortung. 21
Im Einzelnen müssen Plan-, Soll- und Istwerte erarbeitet, Abweichungen festgestellt und Ursachen analysiert werden. Zur Zielerreichung sind letztlich auf unterschiedlicher Ebene einerseits im Einflussbereich des Auftragnehmers, andererseits aber auch im Einflussbereich des Auftragnehmers Anpassungsmaßnahmen festzulegen. 22 Die mit der Bauprozesssteuerung verbundenen Informationen müssen die Situation und Entwicklung auf der Baustelle demnach jederzeit technisch und wirtschaftlich so umfassend darstellen, dass das Risiko von Fehleinschätzungen und damit verbundenen Fehlentscheidungen auf beiden Vertragsseiten minimiert wird. 23
Die Aufgaben der Projekt- und Bauleitung im Zuge der Bauprozesssteuerung entsprechen somit gemeinschaftlich der Funktion eines kybernetischen Regelkreises. 24 Eine entsprechende Aufgabenverteilung lässt sich am Beispiel der Terminsteuerung aufzeigen: Soll-Werte werden hier durch die Ablaufplanung bereitgestellt, Störgrößen können beispielsweise durch Behinderungen verursacht werden. Im Zuge des Regelkreises werden durch die Leistungserfassung als Messglied Ist-Werte generiert, die durch den Termin-Soll-Ist-Vergleich als Regler mit den Werten der Ablaufplanung verglichen werden. Auf Basis der Ursachenanalyse kann dann über das Stellglied
18 Vgl. Oepen (2003), S. 17
19 Vgl. Seyfferth (2003), S. 2
20 Vgl. Duve / Chicos (2008), S. 81
21 Vgl. Wirth (2006 b), S. 67
22 Vgl. Leimböck et al. (2007), S. 7
23 Vgl. Blindow / Tockner (2006), S. 153
24 Vgl. Hofstadler (2007), S. 431
Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung 7
der Kapazitätsanpassungen wiederum Einfluss auf die Regelgröße „Termin“ genommen werden (Abbildung 3).
Abbildung 3: kybernetischer Regelkreis Terminsteuerung
Aktives Eingreifen in das Projektgeschehen ist somit nötig, um gezielt das gewünschte Ergebnis erreichen zu können. Über alle Phasen des Bauprojektes gilt es dabei insbesondere die vertraglich vereinbarten Leistungen bzgl. Qualität und Quantität, die Kosten sowie die Termine zu überwachen. Diese Größen stehen untereinander in engem Zusammenhang. Die Änderung eines Faktors wirkt sich auf die Größe der anderen Faktoren aus. 25 Innerhalb der durch Verfügbarkeit und Logistik gegebenen Grenzen, lassen sich alle drei Größen insbesondere über die Ressourcenzuordnung und -auslastung steuern. 26
2.1.2 Instrumente der Bauprozesssteuerung
Zur Erreichung der bisher ausgeführten Ziele der Bauprozesssteuerung existieren abhängig vom Projektstand verschiedene Instrumente. Grundlage für Kontroll- und Steuerungsmaßnahmen bilden dabei die Vorgaben der Planung, die vor allem durch die Arbeitskalkulation und die Bauablaufplanung festgelegt werden. 27 Die mit diesen Schritten der Arbeitsvorbereitung verbundene technologische und zeitliche Koordination der Ressourcenplanung zeigt Dispositionsmöglichkeiten von Arbeitskräften,
25 Vgl. Heim (2002), S. 19
26 Vgl. Ripberger / Kuhne (2006), S. 263 ff.
27 Vgl. Seyfferth (2003), S. 8
Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung 8
Geräten, Stoffen und finanziellen Mittel über den gesamten zeitlichen Ablauf der Baumaßnahme auf. 28
Kontrolliert werden die Vorgaben aus der Planung mit Soll-Ist-Vergleichen bzgl. Termin, Kosten, Budget und Stundenleistung. Hierzu werden die erfassten Ist-Daten den Vorgaben aus Ablaufplanung und Arbeitskalkulation vergleichend gegenübergestellt. Abweichungen werden analysiert, bewertet und prognostiziert. 29 Die Mengen- und Wertangaben sind dabei auf die gesamte Baustelle, einzelne Bauabschnitte oder Ar-beitsvorgänge gemäß Bauarbeitsschlüssel (BAS) zu beziehen. 30 So kann festgestellt werden, ob ein geplanter, stichtagsbezogener Leistungsstand erreicht ist und ob andererseits der Leistungsstand auch mit dem geplanten Aufwand erreicht wurde. Gleichzeitig liefert der Soll-Ist-Vergleich Hinweise für Ursachen der Abweichungen, seien es Störungen, Leistungsänderungen oder Planungsfehler (Abbildung 4). 31
Abbildung 4: Abweichungsanalyse beim Soll-Ist-Kostenvergleich
Sind die Ursachen identifiziert, kann letztlich über Steuerungsinstrumente in den Bauablauf eingegriffen werden. Als offensichtlichste Ansatzpunkte gelten die Disposi- 28 Vgl.Berner et al. (2008), S. 201
29 Vgl. Girmscheid / Motzko (2007), S. 105 ff.
30 Vgl. HDB / ZDB (2001), S. 103
31 Vgl. Schubert / Lang (2002), S. 296 f. 32 Girmscheid / Motzko (2007), S. 107
Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung 9
tion und Koordination von Ressourcen. Um Terminabweichungen auszugleichen, können so beispielsweise Kapazitäten erhöht, Arbeitszeiten verlängert, Lohnanreize geschaffen, Bauverfahren geändert oder Bauabschnitte angepasst werden. 33
2.1.3 Leistungserfassung für die Bauprozesssteuerung
Schwerpunkt dieser Arbeit bilden die Aufgaben der Bauprozesssteuerung im Rahmen der Leistungserfassung. Anhand einer kontinuierlichen Leistungserfassung kann der Bauleiter den aktuellen Stand der Baustelle feststellen und diesen mit den Soll-Vorgaben aus der Arbeitsvorbereitung bzw. dem Bauablaufplan vergleichen. 34 Da die Leistung einer Baustelle als die vertragsgemäße Erstellung eines geplanten Vorgangs definiert werden kann, stehen dabei Leistungs- und Termincontrolling in engem Zusammenhang. Ihre gemeinschaftlichen Ist-Daten geben als Menge ausgeführter Bauvorgänge Aufschluss über den Stand der Baustelle. 35
Die große baubetriebliche Bedeutung des Leistungs- und Termincontrollings resultiert dabei aus den hohen zeitabhängigen Kosten einer Baustelle, sowie der Vertragspflicht einer fristgerechten Fertigstellung des Bauwerks. 36 Daneben bildet die Erfassung der Termin- und Leistungssituation auf der Baustelle die Grundlage für das Kostencontrolling. 37
Aufgrund der Relevanz einer termingetreuen Leistungserstellung, gilt es im Rahmen der Bauprozesssteuerung daher stets diesbezügliche Abweichungen genau festzustellen, sie in ihren Auswirkungen einzuschätzen und gemeinsam nach Kompensationsmöglichkeiten zu suchen. 38 Es ist die gemeinsame Pflicht der auftraggeberseitigen und auftragnehmerseitigen Bauleitung, sich um das Vermeiden oder Beseitigen von Störungen gleich welcher Art zu bemühen, damit alle Leistungen vertragsgemäß ausgeführt werden. Gleichzeitig müssen jedoch die Störungsursachen analysiert werden, denn für Art und Weise des Eingreifens ist es von Bedeutung, durch welche Vertragsseite die Probleme zu vertreten sind. 39
Zwischen Bauprozesssteuerung und Dokumentation besteht somit ein enger Zusammenhang. Oftmals werden externe Gründe die Ursache für Abweichungen bezüglich der Plan- und Ist-Zahlen sein. Dies gilt vor allem für Leistungsänderungen oder bauablaufrelevante Störungen aus dem Einflussbereich des Bauherrn. In diesem Fall müssen unter Umständen bauvertragsrechtliche Schritte eingeleitet werden. 40 Ausgeführte Bauleistung und gegebene Randbedingungen sind daher im Rahmen der Leistungserfassung kontinuierlich und systematisch zu dokumentie-
33 Vgl.Würfele et al. (2007), S. 62
34 Vgl. Duve / Chicos (2008), S. 88
35 Vgl. Heim (2002), S. 41
36 Vgl. Vygen (2002), S. 4
37 Vgl. Girmscheid / Motzko (2007), S. 106
38 Vgl. Faber-Praetorius (2006), S. 54
39 Vgl. Bauch (2004 a), S. 91 f.
40 Vgl. Leimböck et al. (2007), S. 9
Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung 10
ren. 41 Um berechtigte Ansprüche sowohl außergerichtlich als auch im Prozess durchsetzen zu können, ist ein Gesamtbild aus Terminplan, Bautagesberichten, Kal-kulationsgrundlagen, Planeingangslisten und der Fotodokumentation unerlässlich. 42
41 Vgl. Schubert / Lang (2002), S. 294
42 Vgl. Reister (2003), S. 385
Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung 11
2.2 Informationssysteme für die Bauprozesssteuerung
2.2.1 Nutzen von Informationssystemen für die Bauprozesssteuerung
Die Bauprozesssteuerung muss auf Basis eines großen Datenbestandes eine Vielzahl von Fragen beantworten können. Werkzeuge der Bauprozesssteuerung sollen daher nicht nur in der Lage sein, Abweichungen von Planwerten aufzuzeigen, sondern darüber hinaus auch eine entsprechend detaillierte Ursachenanalyse zulassen. 43 Bedingt durch die damit einhergehende feinere Strukturierung wachsen die Aufgaben hinsichtlich der Termin-, Kosten-, Kapazitäts- und Qualitätssteuerung extrem. 44 Es werden umfangreiche und vernetzte Informationen geschaffen, die in nachfolgenden Arbeitsschritten immer wieder aufgegriffen, ergänzt und in neue Zusammenhänge gebracht werden müssen. Bei solchen Datenmengen ist von einer manuellen Datenbearbeitung aus wirtschaftlichen Gründen abzusehen. Schaffung, Nutzung und Verwaltung der Informationen setzt damit den Einsatz von EDV voraus. 45
Softwaresysteme können vor allem die Routinearbeiten der Bauprozesssteuerung rationalisieren. 46 Einerseits lässt sich die Effektivität der Arbeitsvorbereitung durch einen homogenen EDV Einsatz steigern, andererseits können die Kontroll- und Steuerungsinstrumente direkt auf die jeweiligen Plandaten zugreifen. 47 Genauso sind weitere Datenbestände, z.B. Adressverwaltungen oder Einkaufsinformationen, in die Bauprozesssteuerung zu integrieren. 48 Die EDV gestützte Auswertung der Daten ermöglicht damit unter anderem die systematisierte Ausgabe von erbrachten Ist-Leistungen, den Abgleich mit dem Rechnungswesen, periodische Soll-Ist-Vergleiche und Prognoserechnungen. 49
Darüber hinaus können neue, leistungsfähige Kommunikationssysteme weitere Möglichkeiten zur Steigerung der Effizienz bieten. Daten der Bauprozesssteuerung lassen sich mit Hilfe dieser Technologien problemlos zwischen den einzelnen, meist lokal verteilten Projektbeteiligten austauschen. Durch die Kombination eines Kommunikationssystems mit den einzelnen Softwarelösungen des Bauprozessmanagements können teamfähige Lösungen geschaffen werden, die der zunehmenden Bedeutung der Informationsverarbeitung und des Informationsaustausches gerecht werden. 50
43 Vgl. Blindow / Tockner (2006), S. 153
44 Vgl. Seyfferth (2003), S. 10
45 Vgl. Berner et al. (2008), S. 85
46 Vgl. Bauer (2008), S. 728
47 Vgl. Hofstadler (2007), S. 38
48 Vgl. Seyfferth (2003), S. 147 ff.
49 Vgl. Grimscheid / Motzko (2007), S. 109 f.
50 Vgl. Ahrens et al. (2006), S. 517 f.
Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung 12
2.2.2 Formen von Informationssystemen für die Bauprozesssteuerung
In der Bauprozesssteuerung lässt sich bisher nur eine eingeschränkte Anwendung von Informationssystemen beobachten. Zum einen werden die verfügbaren Controllingfunktionen nicht vollständig genutzt, zum anderen stoßen die momentan verfügbaren Branchenpakete an ihre Grenzen. In der Regel werden so Einzellösungen für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Termin- und Kostenplanung auf der Basis von MS Office Komponenten wie Word, Excel und Access eingesetzt. Internetbasierte Lösungen, die einen schnellen unternehmensübergreifenden Zugriff auf die notwendigen Projektinformationen ermöglichen, bilden die Ausnahme. 51
Problematisch ist vor allem die durch die spezifischen Erfordernisse und Randbedingungen der jeweiligen Baustellen fehlende Standardisierung der Controllingprozesse. Einer potentiellen Standardsoftware müsste daher ein baubetriebliches Konzept zugrunde liegen, das den Belangen verschiedenster Fachgebiete gerecht wird. Für jedes Unternehmen existieren dabei aber auch unterschiedliche Anforderungen. Hierzu gehören z.B. abgestimmte Kostenartenstrukturen der Betriebsbuchhaltung und Kalkulation, abgestimmte Arbeitsabläufe, Informationen zu Ressourcen wie Personal und Gerät und eine abgestimmte Konzeption des Berichtswesens. 52
In der Konsequenz kann die Entwicklung individueller Werkzeuge des Baustellencontrollings durch Baustellenführungskräfte beobachtet werden, die sich meist völlig inkompatibel zu weiteren EDV Systemen des Unternehmens erweisen. 53 Die gegenwärtige Situation ist somit gekennzeichnet durch unterschiedlichste und funktional getrennten Softwarelösungen, eine unstrukturierte und überladene Informationsverteilung über Email sowie manuelle Mehrfacheingaben identischer Daten mit einer daraus resultierenden redundanten Informationsverwaltung bei den verschiedenen Projektbeteiligten. 54
Da es umfassende Softwarelösungen auf absehbare Zeit nicht geben wird, sind sich ergänzende Lösungsansätze sicherlich auch zukünftig in verschiedenen Softwareprodukten bereitzustellen. 55 Die Instrumente der Bauprozesssteuerung können dabei schrittweise in Breite und Tiefe der Anwendung gemäß Bedarf und den eigenen Möglichkeiten ausgebaut werden. 56 Auch bezüglich der Informationsverarbeitung sind die modularen Ansätze wegen ihrer besseren Überschaubarkeit und der geringeren Fehleranfälligkeit zu bevorzugen. Als Teil eines gesamten
Informationssystems zur Bauprozesssteuerung, muss jedes Modul bzw. Produkt allerdings entsprechend ausgelegt und definiert werden. 57
51 Vgl. Wirth (2006 c), S. 315
52 Vgl. Seyfferth (2003), S. 12 f.
53 Vgl. Girmscheid / Motzko (2007), S. 108
54 Vgl. Ahrens et al. (2006), S. 522
55 Vgl. Kochendörfer er al. (2007), S. 251
56 Vgl. Seyfferth (2003), S. 5
57 Vgl. Greiner et al. (2005), S. 260
Arbeit zitieren:
Florian Binder, 2009, Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Ingenieurwissenschaften - Bauingenieurwesen: Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Ingenieurwissenschaften - Bauingenieurwesen: neuer Titel erschienen: Entwicklung eines webbasierten Informationssystems für die Zwecke der Bauprozesssteuerung
Florian Binder hat einen neuen Text hochgeladen
Ansätze zur Messung und Sicher...
Steven Helmis, Robert Hollmann
Masterkurs Verteilte betriebliche Informationssysteme
Prinzipien, Architekturen und ...
Peter Mandl
Informationssysteme für das Controlling
Konzepte, Methoden und Instrum...
Jörg Biethahn, Burkard Huch
0 Kommentare