Inhaltsverzeichnis
1. Selbstreflexion im erfahrenen Unterricht
1
2. Analyse der Geographiedidaktiker
3
3. Fazit
6
Literaturverzeichnis
7
II
1. Selbstreflexion im erfahrenen Unterricht
Topographie und die damit einhergehende räumliche Orientierung nimmt zweifelsfrei einen großen Stellenwert im Unterrichtsfach Geographie ein, da sie sowohl in der Physio- als auch in der Anthropogeographie von entscheidender Bedeutung ist. Ihr Wirkungsgrad reicht beispielsweise vom Beschreiben der Klimazonen bis hin zur Stadtentwicklung. 1 Aus persönlichen Erfahrungen im Geographieunterricht verbinde ich mit der Topographie die Bezeichnung von Objekten auf sämtlichen Karten, wie zum Beispiel Gebirge, Flüsse, Staaten und Städte. Dies wurde zuvor den Schülern vom Lehrer per Atlas oder durch einen belehrenden Frontalunterricht geläufig gemacht und zu einem späteren Zeitpunkt meist in Form einer mündlichen oder schriftlichen Leistungskontrolle überprüft. Dabei wurde fast immer nach dem strikten Fragemuster „Wo ist was“ vorgegangen. Es handelte sich hierbei um ein Abfragen deklarativen Wissens, welches den Schülern zuvor unreflektiert vermittelt wurde.
Bezogen auf die damit verbundene Unterrichtsqualität sind Defizite festzustellen, da kein besonderer Wert auf das Vorstellungsvermögen oder die Wissensverknüpfung der Schüler gelegt worden war.
Trotz dessen habe ich mich immer auf den Topographieteil im Geographieunterricht gefreut, da ich hierbei meine Kenntnisse über die Lage sämtlicher Landschaftsformen, Staaten und Hauptstädte einbringen konnte. Für mich diente dieses Wissen als Basis und Grundstruktur im Geographieunterricht. Mir fiel es dadurch leichter räumliche Aspekte, sowohl in der physischen als auch in der humanen Geographie kognitiv einzuordnen und zu verstehen. Es ist mir jedoch aufgefallen, dass diese Hingabe nicht immer alle Schüler teilten. Viele meiner ehemaligen Klassenkameraden empfanden diesen faktenorientierten Aspekt im Geographieunterricht als lästig und zugleich langweilig.
Schüler, die über geringe topographische Kenntnisse verfügten, konnten nicht wie in anderen Themengebieten Verknüpfungen oder Herleitungen anwenden um Fragestellungen zu lösen. Denn oft zählte einzig und allein Wissen, um Orte aufzuzeigen oder zu beschriften. Dies besaßen jedoch nur wenige Schüler, da die Mehrzahl mit dieser Unterrichtsform wenig anfangen konnte. Die betroffenen Schüler sahen keinen Sinn im stupiden auswendig Lernen von topographischen Daten. Alles war doch in medialen Wissenspools gespeichert. Ein Blick in den Atlas oder in das Internet genügte, um sich die benötigten Informationen zu besorgen.
1 Rinschede, Gisbert, Geographiedidaktik, 3. Auflage, Paderborn 2007, S. 142ff.
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Es fehlte hierbei der verknüpfende und anwendungsorientierte Aspekt, welcher es ermöglicht hätte Raumvorstellungen aufzubauen und miteinander zu verknüpfen. Es reicht eben nicht aus nur die Position von Orten zu vermitteln, sondern es ist wichtig mit diesen Orten Inhalte zu verbinden und Vorstellungen aufzubauen. Beispielweise ist Hamburg nicht nur eine Millionenstadt im Norden der Bundesrepublik, sondern auch ein bedeutender Hafenstandort von Gütern aus aller Welt. Dies hätte den Aspekt der Unterrichtsqualität und vor allem den des Interesses und der Motivation der Schüler deutlich verbessert.
Somit hatte ich für die Beschwerden meiner Klassenkameraden durchaus Verständnis, da ich schnell erkannte, dass ich mein hierfür benötigtes Wissen nicht durch den Unterricht in der Schule sondern durch persönliches Interesse in meiner Freizeit angeeignet hatte und somit eine ganz andere Ausgangsvoraussetzung besaß. Mir wurde bewusst, dass es jedoch Aufgabe eines guten Geographielehrers sein sollte, möglichst viele Schüler einer Klasse auf den angeforderten Leistungsstand zu bringen und das unabhängig persönlicher Interessen und Vorkenntnisse. An den guten Geographielehrern mangelte es jedoch an unserer Schule.
Ziel der Seminararbeit ist es nach Bedeutung und Funktion der Topographie für den Geographieunterricht zu fragen, denn verbunden mit dem derzeitigen Trend hin zum kompetenzorientierten Lehrplan muss der unreflektierte und einseitig vermittelte Topographieansatz, wie er eben in Form des traditionellen Geographieunterrichts beschrieben wurde kläglich scheitern.
Antworten auf diese Frage erhoffe ich mir von den renommierten Geographiedidaktikern Gisbert Rinschede und Dieter Richter zu bekommen. 2
2. Analyse der Geographiedidaktiker
Laut Gisbert Rinschede ist das Ziel des Geographieunterrichtes bezüglich der Topographie subjektive Wahrnehmungen und Darstellungen der Schüler zu objektivieren. Dies ist bedeutend, da das Weltbild der Schüler durch verschiedene Grafiken und Darstellungen im medialen Alltag geprägt wird. Beispielsweise erhalten viele Schüler hierdurch eine eurozentrierte Orientierung, die keinesfalls dem Bewusstmachen eines neutralen Weltbildes
2 Gisbert Rinschede, seit 1989 Inhaber des Lehrstuhls „Didaktik der
Geographie“ an der Universität Regensburg.
Dieter Richter, emeritierter Prof. der Universität Bremen, deutscher Philologe und Autor
geschichtsdidaktischer Bücher.
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Arbeit zitieren:
Nico Ocken, 2011, Die Bedeutung der Topographie im Geographieunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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