Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
1 Begriffsklärung zentraler Titelschlagworte
1.1 Der Wochenplan 9
1.2 Verbesserung der Rechtschreibung 14
1.3 Integrativer Deutschunterricht 16
2 Darstellung und Wertung zweier Wochenplanübungen
2.1 Darstellung einer Übung zur Großschreibung 19
2.1.1 Begründung der Auswahl 20
2.1.2 Wertung 22
2.2 Darstellung einer Übung zur dass/das-Schreibung 26
2.2.1 Begründung der Auswahl 27
2.2.2 Wertung 29
Zusammenfassung und Bilanz 32
Literaturverzeichnis 36
Einleitung
Kompe- Durchden Wandel von der Lernzielorientierung hin zur Kompetenzorientierung ist eine
tenzorien-
zunehmendeÖffnung des Unterrichts erforderlich, um den Schülern 2 einen Lernraum tierung
zu bieten, in dem sie in höchstmöglichem Maß selbst handeln können. Denn Fähig- und Fertigkeiten werden v. a. durch aktives Selbsttun erworben. Damit erhält die Selbstständigkeit der Schüler einen neuen Stellenwert im Unterricht. Die KMK-Bildungsstandards für den mittleren Schulabschluss geben vier Kompetenzbereiche an, die es im Deutschunterricht zu fördern gilt: • Sprechen und Zuhören • Schreiben
• Lesen - mit Texten und Medien umgehen • Sprachwissen und Sprachbewusstsein 3
Wie der Titel des zugrunde liegenden Beitrags verrät, geht es im Folgenden v. a. um die Fähigkeit des „Recht-Schreibens“ 4 , die in der Unterrichtseinheit integrativ (vgl. 1.3) mithilfe von sog. Wochenplänen gefördert werden soll. Der Wochenplan ist allerdings nicht nur ein Instrument, um Schüler mit curricularen Inhalten wie der Rechtschreibung zu konfrontieren; er impliziert ebenfalls eine Organisationsform, die den Schülern hochgradige Selbstständigkeit abverlangt. Die Förderung der Selbstständigkeit - auch im expliziten Bezug auf die Rechtschreibung - ist ein mehrfach erwähntes Ziel der Institution Schule. 5 So heißt es im Berliner Rahmenlehrplan z. B.: Standards
• Die Schüler „zeigen größere Selbstständigkeit und Sicherheit im richtigen lt. RLP 6 Schreiben und steigern ihre Fehlersensibilität.“
• Die Schüler „verwenden zunehmend selbstständig Proben zur Feststellung der 7 Schreibung.“
• Die Schüler „korrigieren und vermeiden Fehler zunehmend selbstständig mit 8 Hilfe einer Fehleranalyse.“
• Die Schüler „wenden […] wichtige Rechtschreibregeln“ und „geeignete Hilfsmit- 9 tel gezielt und selbstständig an.“
• Die Schüler „überarbeiten gemeinsam fremde und eigene Texte unter Verwen- 10 dung von Überarbeitungsstrategien zunehmend selbstständig.“ Der Hintergrund bei der Idee der zunehmenden Selbstständigkeit ist, dass Menschen i. d. R. dann am nachhaltigsten lernen, wenn sie etwas selbst tun, da beim konkreten
2 Zugunsten des Leseflusses wird in der vorliegenden Arbeit nur die maskuline Form verwendet. Selbstredend sind aber auch Schülerinnen gemeint. Selbiges gilt für die
Lehrperson.
3 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): Rahmenlehrplan für die Berliner Schule. Deutsch. Sekundarstufe I, 1. Auflage, Berlin 2006, S. 10, 30.
4 Im Sinne des integrativen Unterrichts ist das Schreiben und Rechtschreiben als etwas Zusammenhängendes zu betrachten. Vgl. hierzu: Jacobs, August-Bernhard:
Rechtschreiben im integrativen Deutschunterricht. Didaktisch-methodische Hilfen für den Unterricht in den Klassen 5 und 6 mit praktischen Hinweisen und einem Unter-
richtsbeispiel von Christiane Hanenberg, 1. Auflage, Soest 1990, S. 15.
5 Vgl. z. B. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 6, 8, 64.
6 Zitiert nach: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 61.
7 Zitiert nach: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 24.
8 Zitiert nach: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 47.
9 Zitiert nach: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 47.
10 Zitiert nach: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 17.
Erhöhte
Unter-richtsquali- Außerdemkann sich - so der Autor und Lehrer Jürgen Moosecker - die Lernmotivati-
tät
on durch die Erfahrung der Selbstwirksamkeit erhöhen. 12 Gleichzeitig eignen sich selbstständige Lerner Strategien an, die ein lebenslanges, unabhängiges Lernen ermöglichen. 13
Hinzu kommt, dass der Deutschunterricht aufgrund der Heterogenität einer jeden Lerngruppe grundsätzlich differenziert zu gestalten ist, um einen möglichst optimalen Kompetenzzuwachs jedes Einzelnen zu ebnen. Andernfalls bestünde die Gefahr, einzelne Schüler zu über- oder zu unterfordern und damit Lernpotenzial unausgeschöpft zu lassen.
Insgesamt verwundert es somit nicht, dass eine hohe Schüleraktivierung sowie eine innere Differenzierung als Indikatoren für eine hohe Unterrichtsqualität gelten. 14 Beide Qualitätsmerkmale finden in der sog. Wochenplanarbeit Berücksichtigung, da der Wochenplan durch die individuelle Aufbereitungsmöglichkeit der Heterogenität von Lerngruppen gerecht wird und den Schülern die Chance zur Selbstständigkeit einräumt. So kann er u. a. im Umfang, in der Auswahl der Aufgaben und im Grad der Hilfestellung auf den Kompetenzstand und die Interessen des Individuums zugeschnitten werden (vgl. 1.1).
Da die Bereitstellung individualisierter Angebote im Rahmenlehrplan fest verankert ist, geht die Wochenplanarbeit auch in diesem Punkt mit den Forderungen des Rahmenlehrplans konform. 15 Bedeut- ImRahmenlehrplan heißt es weiterhin, dass die Schüler ihre Fähig- und Fertig-
samkeit
des The- keitenin der Sekundarstufe I mit dem Ziel erweitern, auf die Anforderungen der zukünf-
mas
tigen Lebens- und Arbeitswelt vorbereitet zu sein. Das ist die zentrale Aufgabe von Schule. 16 Der Fähigkeit des richtigen Schreibens wird im Rahmenlehrplan ein eigener Standard 17 zugeordnet, womit dem „Recht-Schreiben“ eine Bedeutung zur Bewältigung der Lebens- und Arbeitsweltanforderungen beigemessen wird. Beispielsweise ist diese Fähigkeit wichtig, um seinem Gedankengang zur Klarheit zu verhelfen und ihn für andere verständlich darzulegen, 18 was z. B. beim Verfassen von Briefen, Kurzmitteilungen oder E-Mails im Alltag erforderlich ist. Eine fehlerhafte Rechtschreibung erschwert dem
11 Vgl. Klippert, Heinz: Eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen. Bausteine für den Fachunterricht, Weinheim und Basel 2001, S. 31.
12 Vgl. Moosecker, Jürgen: Der Wochenplan im Unterricht der Förderschule, Stuttgart 2008, S. 19.
13 Vgl. z. B.: Sütterlin, Petra: Vier Lerntypen und wie Sie am effektivsten Lernen. In: http://www.philognosie.net/index.php/article/articleview/163/, 15.3.2011. Oder: Noa-
web.de (Hg.): Selbstständiges Lernen. In: http://www.noa-web.ch/pdf/Lernen.pdf, 15.3.2011. Oder: Vaupel, Dieter: Das Wochenplanbuch für die Sekundarstufe. Schritte
zum selbstständigen Lernen, (u. a.) Weinheim 1995, S. 13.
14 Vgl. u. a. Universität Oldenburg (Hg.): Zehn Merkmale guten Unterrichts. In: http://www.member.uni-oldenburg.de/hilbert.meyer/9290.html, 15.3.2011. Oder: Helmke,
Andreas [u. a.]: Schlüsselmerkmale der Unterrichtsqualität. In: Arnold, Karl-Heinz (Hg.): Unterrichtsqualität und Fachdidaktik, Düsseldorf 2007, S. 56f.
15 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, u. a. S. 5, 6, 9.
16 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 5.
17 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 24.
18 Vgl. Augst, Gerhard / Dehn, Mechthild: Rechtschreibung und Rechtschreibunterricht. Können - Lehren - Lernen. Eine Einführung für Studierende und Lehrende aller
Schulformen, 3. Auflage, Stuttgart 2007, S. 18.
Leser die Rezeption, begünstigt Missverständnisse und kann einen schlechten Eindruck vom Autor provozieren. Vor allem aber gilt es in der Arbeitswelt als „unschicklich“, wenn das Bewerbungsschreiben, der Aufnahmetest u. Ä. Rechtschreibfehler enthält, zumal dies gleichzeitig ein Ausschlusskriterium für jene Berufe sein kann, in denen die Schriftlichkeit einen festen Tätigkeitsbestandteil darstellt. 19 An dieser Stelle rückt die Fähigkeit des selbstständigen Handelns in den Fokus: Da der Lehrer nach dem Schulabschluss nicht mehr als ständiger Ansprechpartner für den Schüler zur Verfügung steht, ist der Schüler darauf angewiesen, sich selbst helfen zu können. D. h., er muss für ein lebenslanges Lernen wissen, wie man gesuchte In-formationen ermittelt, wie man sich Wissen selbst aneignet und wie man seine Produkte selbstständig überprüfen und überarbeiten kann. Alle fachlichen Kompetenzen sind demnach mit überfachlichen Kompetenzen wie der Fähigkeit zum selbstständigen Handeln verzahnt. 20 Der Wochenplan ermöglicht diese Verzahnung auf schülergerechte Weise (vgl. 1.1) und fördert damit Fähigkeiten, über die Berufsanfänger oftmals nicht ausreichend verfügen, wie diese Zitate aus der Wirtschaft exemplarisch belegen:
Praxisbe-zug
ben selbst noch Schülern des 9. Jahrgangs große Schwierigkeiten, die am Ende des 10. Schuljahres die Schullaufbahn beenden wollen. Mangelnde Selbstständigkeit, wenn es z. B. um das Hinzuziehen von Nachschlagewerken geht, und die ungenügende Nutzung von Kooperationen spielen dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle. So resultiert meine Motivation für das Vorhaben, individuelle Rechtschreibdefizite mithilfe von Wochenplänen zu minimieren, aus einem jüngsten Unterrichtserlebnis: Als ich zuletzt meiner 9. Klasse ihre korrigierten Klassenarbeiten zurückgab, artikulierten einige Schüler ihre Enttäuschung darüber, dass ihre Rechtschreibung mangelhaft ist. Da die Rechtschreibung zu einem Fünftel in die Gesamtnote einfließt, wurden viele Aufsätze aufgrund der immensen Rechtschreibfehleranzahl eine ganze Note schlechter bewertet.
19 Vgl. Engst, Judith: Erfolgreich bewerben - kurz gefasst, 2. Auflage, Mannheim 2006, S. 7.
20 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 10.
21 Bildung konkret: 8-9/1995, 10/1995, 1-2/1996. Zitiert nach: Klippert: 2001, S. 21.
22 Bildung konkret: 8-9/1995, 10/1995, 1-2/1996. Zitiert nach: Klippert: 2001, S. 21.
Ziel In der neuen Unterrichtseinheit zum Thema „Lineares Erörtern“ sollen nun individualisierte Wochenpläne als Instrument zur gezielten Verbesserung individueller Rechtschreibdefizite erprobt werden. In Anlehnung an die Forderungen des Rahmenlehrplans sollen die Schüler während der Einheit insbesondere aufgefordert sein, • selbstständig Nachschlagmöglichkeiten hinzuzuziehen und • das Kooperationspotenzial zwischen den Schülern selbstorganisiert zu nutzen. Die Qualitätsmerkmale für den Unterricht beachtend, ist beim Wochenplankonzept unter Berücksichtigung dieser zwei Indikatoren ein hohes Potenzial zur Verbesserung der Rechtschreibung zu vermuten.
Ziel dieses empirischen Beitrags ist es nun, zwei der Rechtschreibübungen aus einem Wochenplan exemplarisch vorzustellen und auf erreichte Erfolge und erfahrene Grenzen zu reflektieren. Daraus leitet sich die Untersuchungsfrage ab, inwiefern mit individualisierten Wochenplänen eine Verbesserung der Rechtschreibung erzielt werden kann. Die zwei Indikatoren sind dabei auf ihre Wirksamkeit zu hinterfragen. Wohl wissend, dass v. a. ältere Schüler auch ohne konkrete Handlungen zu tragfähigen Erkenntnissen kommen können, nämlich durch Analogienbildung und theoretisches Kombinieren 23 , greife ich mit der Untersuchungsfrage das Ergebnis einer Grundschulstudie auf, aus der u. a. hervorgeht, dass die Rechtschreibleistung im ersten Schuljahr tendenziell bei offenem Unterricht besser war. 24 Auch Piaget konstatiert, dass Schüler zumindest bis zum 11. Lebensjahr elementar auf praktsiches Tun angewiesen sind, wenn sie wirksam lernen und behalten wollen. 25 Doch lässt sich diese Beobachtung auch in der Sekundarstufe I machen? Aufbau Die Ergebnisse werden zur Klärung der Untersuchungsfrage explizit im Schlusswort abgewägt. Vorangestellt sind dem Schlusswort zwei Kapitel: 1. Im ersten Kapitel gilt es, die im Titel enthaltenen Schlagworte „Individualisierte
2. Im zweiten Kapitel werden zwei Übungen, die jeweils aus der
23 Aebli, Hans: Zwölf Grundformen des Lehrens. Eine Allgemeine Didaktik auf psychologischer Grundlage, Stuttgart 1983. Nach: Klippert, Heinz: 2001, S. 32.
24 Hanke, Petra: Öffnung des Unterrichts in der Grundschule. Lehr-Lernkulturen und orthografische Lernprozesse im Grundschulbereich, Münster 2005, S. 216, 223.
25 Piaget, Jean: Psychologie der Intelligenz, München 1976. Nach: Klippert, Heinz: 2001, S. 30.
8
Kapitel I
Begriffskl ärung zentraler Titelschlagworte
Arbeit zitieren:
Sara Gromacki, 2011, Erprobung des Wochenplankonzepts zur Verbesserung der Rechtschreibung, München, GRIN Verlag GmbH
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