Gliederung
1. Einleitung 3
2. Diltheys Erlebnisbegriff
2.1. Begriffsgeschichte 4
2.2. Charakterisierung des Begriffs 4
2.3 Ansätze zur Überwindung der Subjektivität des Begriffs 6
3. Schlussbemerkung 8
4. Literaturverzeichnis 9
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1. Einleitung
Entgegen der sich stark verbreitenden naturalistisch ausgerichteten Strömung der Wissenschaft, schuf Wilhelm Dilthey zu seiner Lebenszeit (19.11.1833 - 01.10.1911) die Grundlage für eine lebensphilosophische Betrachtungsweise des menschlichen Lebens und den Formen dessen Ausdrucks. Diese beiden Aspekte der Forschung sollten nicht alleine mit den Naturgesetzlichkeiten erklärt, sondern durch eigene Gesetzlichkeiten des menschlichen Geisteslebens verstanden werden können. 1 Die starken Denkmuster des Naturalismus hatte dazu geführt, dass ein mechanischkausales Naturverständnis auch auf das Geistes- und Gefühlsleben des Menschen übertragen wurde. Dilthey begründete mit seinem Ansatz, in Abgrenzung zu den Naturwissenschaften, eine eigenständige Theorie der Geisteswissenschaften. Der Mensch ist in Diltheys Theorie nicht nur in einen Naturzusammenhang eingebunden, sondern ebenso in einen Geschichts- und Kulturzusammenhang. Mit seinem Projekt der Kritik der historischen Vernunft bemüht Dilthey sich die Grundlagen für eine eigenständige Geisteswissenschaft zu legen. Die Definition von Vernunft ist für ihn stets abhängig vom Zeitpunkt ihrer Betrachtung in der Geschichte und nicht eine überzeitliche und feststehende Größe. Dilthey geht in seiner Argumentation induktiv vor, indem für ihn eine Weltanschauung aus vielen bewussten Erlebnissen und aus dem Leben selber zusammengesetzt wird. Ziel seiner Theorie ist daher das Verstehen des Lebens und der Geschichte, welche beide aus sich selber heraus gestaltet sind und in einem Strukturzusammenhang zu einem Ganzen verbunden sind. 23
1 Vgl. Dilthey, Wilhelm: Die Geistige Welt. Einleitungen in die Philosophie des Lebens Erste Hälfte:
Abhandlung zur Grundlegung der Geisteswissenschaften. In: Gesammelte Schriften, Band V, S. 4.
2 Vgl. ebd., S. 242ff.
3 Vgl. Cho, Kah Kyung: Verstehen in kosmischen und akosmischen Perspektiven. In: Orth, Ernst Wolfgang
(Hrsg.) (1985): Dilthey und die Philosophie der Gegenwart. Freiburg, München: Verlag Karl Albert, S. 237f.
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2. Diltheys Erlebnisbegriff
2.1. Begriffsgeschichte
Eine der unmittelbaren Quellen für Diltheys Erlebnisbegriff ist Goethes Oeuvre. 4 Ebenso wie für Dilthey war für Goethe das höchste Gut das Leben und das daraus direkt folgende Erleben. 5 Zunächst entwickelte Dilthey einen Erlebnisbegriff mit der Doppeldeutigkeit von äußerem und innerem Erlebnis. Zu einem literaturtheoretischen Begriff wurde das Erlebnis hingegen erst 1886 in seiner Rede „Dichterische Einbildungskraft und Wahnsinn“. 6 In dieser Rede führte er den Begriff des erworbenen Zusammenhangs des Seelenlebens ein. In seinem Werk der „Poetik“ rückte er im Jahre 1887 noch deutlicher den Begriff des Erlebnisses in den Mittelpunkt seiner Literaturtheorie. 7 Der allgemeine Sprachgebrauch der Psychologie seiner Zeit konnotierte „Erlebnis“ neutral mit einem jeweiligen Bewusstseinsinhalt. 8 Unter dem Titel „Das Erlebnis und die Dichtung“ veröffentlichte Dilthey 1906 einige überarbeitete Aufsätze zur Werken von Lessing und Goethe. 9 Darin zeigte er nicht nur sein außergewöhnliches Verständnis für die einzelnen Werke, sondern führte das Erlebnis endgültig in den Sprachgebrauch der Literaturkritik ein. 10
2.2. Charakterisierung des Begriffs
Dilthey versucht das Leben aus sich selbst heraus zu verstehen. Ein Begriff, der das Leben in eine kleinere Einheit unterteilt, ist das Erlebnis. Doch das Erlebnis selbst ist für ihn auch wiederum Teil des Lebens. Leben und Erlebnis sind eine unaufteilbare
4 Vgl. Sauerland, Karol (1972): Diltheys Erlebnisbegriff. Entstehung, Glanzzeit und Verkümmerung eins
literaturhistorischen Begriffs. Berlin. New York: Walter de Gryter, S. 10, 12 und S. 98.
5 Vgl. Rickert, Heinrich: Probleme einer Philosophie des Lebens - Dilthey. In: Rodi, Frithjof und Lessing, Hans-
Ulrich (Hrsg.) (1984): Materialien zur Philosophie Wilhelm Diltheys. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, S.
95.
6 Vgl. Sauerland, Karol (1972): Diltheys Erlebnisbegriff. S. 98.
7 Vgl. Dilthey, Wilhelm: Die Geistige Welt. Einleitungen in die Philosophie des Lebens. Zweite Hälfte:
Abhandlung zur Poetik, Ethik und Pädagogik. In: Gesammelte Schriften, Band VI, S. 103ff.
8 Vgl. Bollnow, Otto Friedrich: Dilthey und die Phänomenologie. In: Orth, Ernst Wolfgang (Hrsg.) (1985):
Dilthey und die Philosophie der Gegenwart. Freiburg, München: Verlag Karl Albert, S. 44.
9 Vgl. Makkreel, Rudolf A. (1991): Dilthey. Philosoph der Geisteswissenschaften. Übersetzt von Barbara M.
Kehm. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, S. 185f und Bollnow, Otto Friedrich: Dilthey und die
Phänomenologie. S. 45.
10 Vgl. Cramer, Konrad: Erleben, Erlebnis. In: Ritter, Joachim u.a. (Hrsg.) (1972): Historisches Wörterbuch der
Philosophie. Band 2. Basel: Schwabe, Spalte 702.
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Arbeit zitieren:
Florian Reuther, 2011, Was bedeutet "Erlebnis" bei Dilthey?, München, GRIN Verlag GmbH
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