Abstract
Die vorliegende Arbeit „Macht Bildung glücklich?“ hat die Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Glücksforschung in Bezug auf deren Relevanz für den Prozess der Bildung als Gegenstand.
Für eine aussagekräftige Arbeit ist es notwendig, hierfür den Glücksbegriff differenziert zu betrachten.
Es findet eine ausführliche Beleuchtung aus neurobiologischem, psychologischem sowie philosophischem Blickwinkel statt.
Der Annäherungsversuch an eine Bildungsdefinition erscheint des Weiteren wesentlich. Dieser zeigt dessen Facetten ebenso wie dessen glücksrelevante Gegebenheiten auf. Der aktuelle Stand der Forschungsergebnisse aus der Glücks- sowie der Bildungsforschung nehmen Einfluss auf die Gestaltung der Arbeit.
Der Versuch einer ausführlichen Begriffsbestimmung beider Begrifflichkeiten führt als Synthese zu deren Bedeutung für die Erwachsenenbildung. Dadurch wird eine individuelle Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen glücksrelevanten Komponenten, basierend auf der Reflexion der individuellen Lernbiographie, ermöglicht.
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Abstract
The paper at hand entitled “Does education bring happiness?” deals with the results of happiness research in regards to its relevance for the educational process. In order to be significant, it is necessary that the paper take a differentiated look at the term “happiness”.
It explores in detail the neurobiological, psychological as well as philosophical perspectives.
Furthermore, the attempt to define education seems essential. The paper shows its facets as well as its happiness-related conditions. The current situation regarding the latest results from the happiness and educational research have an impact on the composition of this paper.
The attempt of an extensive definition of both terms leads as a synthesis to their significance for adult education. This makes the individual examination of the different components relevant to happiness possible, based on the reflexion of individual learning biographies.
4
Master Thesis „Master of Adult Education (M.Edu.)“
„Macht Bildung glücklich?“
1. Gliederung
Vorwort 7
2. Einleitung 8
3. Ausgangslage und Themenerschließung 9
4. Begriffsbestimmung / Definitionen 10
4.1. Das Glück 10
4.1.1. Glücksformen 11
4.1.1.1. Das Zufallsglück 12
4.1.1.2. Das hedonistische Glück 13
4.1.1.3. Das eudaimonistische Glück - das Glück der Fülle 14
4.1.2. Der Glücksbegriff in der Neurobiologie 15
4.1.3. Der Glücksbegriff in der Psychologie 18
4.1.3.1. Das Messen von Glück 20
4.1.3.2. Die Skala der Lebenszufriedenheit nach DIENER 21
4.1.3.3. Ergebnisse der psychologischen Glücksforschung 22
4.1.4. Der Glücksbegriff in der Philosophie 24
4.1.4.1. „Láthe biosas “ - Epikur 25
4.1.4.2. Mit stoischer Ruhe - Epiktet 26
4.2. Die Bildung 29
4.2.1. Annäherung an den Begriff der Bildung 30
4.2.2. Bildung als Orientierung 31
5. Bedeutung für die Erwachsenenbildung 34
5.1. Beglückt Bildung? 36
5.1.1. „Je gebildeter ein Mensch, desto mehr Schmerz erleidet er “ (Schopenhauer) 37
5.1.2. „Glück erfordert hinreichend Bildung “ (Aristoteles) 39
5.1.3. Vom Glück zu lernen - „Heureka “ 40
5.1.3.1. Das Leben ist Lernen 42
5.1.3.2. Lernen, Bildung und Zufriedenheit 43
6. Synthese: Mit Bildung durch (die) Krise(n)? 46
6.1. Glück und Depression 47
6.1.2. Bildung als Entwicklung von glücksfördernden Strategien 49
6.1.3. Glück, Bildung und die „Big Five“ 50
6.1.4. Bildung und Glück als Formen sozialer Partizipation 51
6.1.4.1. Kunst als Chance - Glückserleben durch kulturelle Partizipation 52
7. Schlusswort 54
8. Quellenangabe 56
6
Vorwort
Die Freude am kennen lernen von Neuem begleitet mich schon seit Kindesbeinen. „Schule“ war für mich jederzeit durchweg positiv besetzt und ich freue mich deshalb, auch heute beruflich im schulischen Rahmen tätig zu sein.
Durch eine unbändige Neugierde und großem Interesse gab es für mich oft Anlass zur Freude. Als Resultat der Teilhabe am Bildungsgeschehen eröffnen sich viele Gelegenheiten, die mich in die unterschiedlichsten Zusammenhänge hineinstaunen lassen. Nun stehe ich nach immerhin schon zwei Jahrzehnten Schul- und Hochschulbildung am Ende meines Masterstudiums und entdecke bei mir immer noch die gleiche Neugierde und Freude am Lernen.
Warum ist das so? Sind diese Begeisterungsfähigkeit und der Spaß am Lernen Ergebnis meiner zurückliegenden Bildungsbiographie oder ist das glücksfördernde Potenzial der Bildung jedem Menschen innewohnend?
Aus dieser Überlegung entstand die Idee zu dieser Arbeit und es stellt sich - nicht nur für mich - die Frage: „Macht Bildung glücklich?“
Für die Überlassung dieses Themas sowie für die Erstbegutachtung danke ich Herrn Professor Dr. Petsch ganz herzlich. Für die freundliche Übernahme des Zweitgutachtens gilt mein Dank Herrn Professor Dr. Stolz.
Mein Dank gebührt weiterhin meiner lieben Ehefrau Stefanie, meinen Eltern, Sabine und Peter, sowie allen die mich während meines Studiums unterstützten.
2. Einleitung
„Macht Bildung glücklich?“
Wer hat sich diese Frage nicht auch schon einmal nach einem anstrengenden Seminarabend oder einer Tagung gestellt?
Macht sie es? Macht sie es nicht oder macht sie sogar unglücklich? Eine Frage, in der für die verschiedensten Interessenten an deren scheinbar einfachen Antwort enormes Potenzial stecken dürfte.
Ist die Bildung per se ein Glücksfaktor? Welche Form der Bildung im Speziellen? Oder ist in Anlehnung an Arthur Schopenhauer Bildung der sichere Weg in Leid und Unglück? Die Suche nach dem Glück zieht sich durch die Geschichte der Menschheit wie ein rotes Band. Von den Philosophen der Antike, den Goldgräbern an den Flüssen Westamerikas bis hin zu François Lelords Psychiater „Hector“, dessen Suche nach dem Glück und dessen damit verbundene lang andauernde Reise. Haben sie das Glück gefunden oder sind die Mitglieder des kleinen Indianerstamms im Amazonasgebiet, die Pirahã, tatsächlich das glücklichste Volk der Erde 1 ?
Was haben diese Goldschürfer, die Pirahã aus dem Amazonas oder der Psychiater Hector nun mit Bildung zu tun?
Macht (mehr) Geld - oder Gold - glücklich(er)? Ist die jeweils eigene Definition des Glücksbegriffes ausschlaggebend?
Was ist aber mit denjenigen, die sich Bildung als prozesshaftes Geschehen erklären und sich den eigens definierten Erfolg schon währenddessen versprechen? So unterschiedlich diese so entstandenen Blickwinkel, Bewertungen und (Selbst)Konzepte auch auf dem ersten Blick erscheinen mögen, einen sie doch eine Reihe von bedeutenden Faktoren.
Welche das sind, was dies für die Menschen, den Fachbereich der Erwachsenenbildung und die Bildungslandschaft um diese herum bedeutet, soll Fokus dieser Arbeit sein.
1 EVERETT 2010
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3. Ausgangslage und Themenerschließung
Wenn ein Begriff in der vergangenen Zeit nahezu inflationäre Verwendung fand und immer noch präsent ist, so trifft dies mit Sicherheit auf den Begriff „Glück“ zu. In den Auslagen der Bücherläden sowie den Regalen der Bibliotheken reihen sich Bücher dieses Themenbereiches dicht aneinander. Sogar im Fernsehprogramm scheint der Glücksbegriff nahezu allgegenwärtig. Ganze Fernsehshows wurden konzipiert und finden riesigen Anklang beim Publikum.
Nun ist es nicht so, dass die Diskussion um den Glücksbegriff und dessen Korrelat Zufriedenheit neueren Erscheinungsdatums wäre, sondern scheint in letzter Zeit lediglich besonders in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt zu sein. Woran das liegt gilt der Klärung.
Neben alltagspsychologischen Tests „Hab ich das Zeug zum Glücklichsein?“ in den verschiedensten Illustrierten reihen sich an der entstandenen Glücksforschung ernsthaft Interessierte. Begriffsbestimmungen und Definitionen zum einen, Empirie zum anderen erheben die Thematik auf akademisches Niveau.
Von größtem Interesse ist ebenfalls die große Vielfalt der daran beteiligten Wissenschaftsdisziplinen. So zum Beispiel aus dem großen Feld der Psychologie mit psychologischen Strömungen neueren Datums wie die der „Positiven Psychologie“ oder der Begrifflichkeit „Flow“ von Mihály Csíkszentmihályi; der Neurowissenschaften mit hochaktuellen Forschungsergebnissen aus Neurobiologie und Neuropsychologie. Neben diesen „neueren“ Erkenntnissen fällt der Blick aber zurück auf diejenige Wissenschaft, die doch per se und schon seit geraumer Zeit beabsichtigt dem Menschen zu gelingendem Leben zu verhelfen - die Philosophie.
Widersprüchlichste Ansichten über den Glücksbegriff, dem Streben nach Glück und der „ars vivendi“ - der Lebenskunst wurden und werden immer noch aufgeworfen und heiß diskutiert.
9
Die Verbindung zwischen den unterschiedlichen religiösen Glaubensrichtungen und deren unterschiedlichen Vorstellungen über das Glück bzw. ein glückliches und gelingendes Leben prägten die Menschen schon vor langer Zeit - bis heute. Es verwundert also nicht, dass Schriften theologischen Hintergrundes sowie Forschungen zu den Themen Religiosität und Glaube ebenso zu den Ergebnissen der Glücksforschung beitragen.
Neben den unterschiedlichsten Disziplinen, die zur Bestimmung und Definition des Glücksbegriffes sowie dessen Referenzrahmens beitragen, wären noch Überlegungen zu der Begrifflichkeit der „Bildung“ und den Bedeutungen deren Interpretation anzustellen. Durch einen umfassenden Bildungsbegriff kann die Ausgangslage für weitere, weitreichende Diskussionen geschaffen werden. Dass die schulische, institutionalisierte Bildung nur ein Teil hiervon ist, sei schon an dieser Stelle angemerkt. Auch hier können Hypothesen und andere Überlegungen - vielleicht sogar Antwortenaus verschiedensten Richtungen exzerpiert und betrachtet werden; nur so kann der notwendige Diskurs in Gang gehalten werden.
4. Begriffsbestimmung / Definitionen
4.1. Das Glück
Die Suche nach dem Glück ist seit Menschengedenken ein ständiger Begleiter durch die verschiedensten Epochen der Geschichte.
Je nach aktuellem Stand der Wissenschaft, den vorherrschenden Ansichten bezüglich Wert- und Normvorstellungen unterliegt auch das Glücksverständnis einem kontinuierlichen Wandel und ist einem ständigen Definitionsprozess unterworfen. Dieser wird nicht zuletzt dadurch erschwert, da des Glückes Schmied ja bekanntlich jeder selbst sein kann - so ist er dies ebenso in dessen ganz individueller Definition. Verschiedenste Wissenschaftsdisziplinen formten den Glücksbegriff ganz unterschiedlich. Sich ähnelnde Glücksvorstellungen trafen auf widersprüchliche Thesen in der gleichen oder auch einer anderen Wissenschaftsdisziplin.
10
Nun besteht das Bemühen, durch eine interdisziplinäre Zusammensetzung von Forschergruppen den Glücksbegriff greifbarer zu machen. Es entstand die Glücksforschung.
Mit empirischen Forschungsmethoden, riesigen weltumspannenden Datenbänken, modernsten Forschungsmethoden und globaler Vernetzung wird mit großem Eifer geforscht.
4.1.1. Glücksformen
Nicht nur die Philosophie unterscheidet diverse Formen von Glückserleben. Auch in der Psychologie wird eine Differenzierung vorgenommen.
In erster Linie kann - unabhängig von der Zeitepoche der Betrachtung - eine grobe Einteilung hinsichtlich der Dauer des Glückszustandes getroffen werden. Es ist zwischen dem Glückserleben von einzelnen, kurz andauernden Momenten und zum anderen der Annahme eines lang andauernden (Lebens)Glücks zu unterscheiden. Eine weitere Unterscheidung in Vormoderne und Moderne wird von Hettlage getroffen. Er beschreibt den Perspektivenwechsel, dem die Glücksforschung bzw. die damalige Glücksphilosophie unterliegt und trifft folgende Einteilung in 1. Der Betrachtung der Glücksgüte (I) 2. Dem Alltagsglück (II) 3. Dem Zufriedenheitsglück (III) 4. Dem Lebensführungsglück (IV) Dies ist aus nachstehender Grafik zu entnehmen:
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Inwieweit die für die einzelnen Wissenschaftsdisziplinen von Belang ist, wird an den entsprechenden Stellen erörtert.
Wilhelm Schmid (2008) unterscheidet drei weitere Bereiche, die teilweise den gleichen oder einen ähnlichen Zustand, teils aber auch abweichende Inhalte beschreiben und im Folgenden aufgeführt werden.
4.1.1.1. Das Zufallsglück
Im Deutschen ist der Begriff "Glück" mit zwei sehr unterschiedlichen Bedeutungen versehen:
• im Sinne von "Glück haben"
• im Sinne von "Glück empfinden"
2 aus: HETTLAGE, ROBERT (2010 1 ) Das Prinzip "Glück". In: BELLEBAUM, ALFRED, HETTLAGE ROBERT (Hsg.)
(2010 1 ) Glück hat viele Gesichter. Annäherung an eine gekonnte Lebensführung. VS Verlag für
Sozialwissenschaften. Wiesbaden S. 24
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Arbeit zitieren:
Stefan Igelhaut, 2011, Macht Bildung glücklich?, München, GRIN Verlag GmbH
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