Ziel des Konzepts der „Multiple Modernities“ beschriebt er wie folgt: „the ideal of multiple modernities presumes that the best way to understand the contemporary
world [...] is to see it as a story of continual constitution an reconstitution of a multiplicity of cultural programs and cultural patterns of modernity“ (S.27). Diese kulturellen Programme der Moderne sind, so Eisenstadt, vor allem durch ihre Reflexivität, ihre Offenheit und Ungewissheit und ihre Gestaltbarkeit gekennzeichnet. Die zentrale Herausforderung moderner Gesellschaften ist, Eisenstadt zufolge, die Entwicklung und institutionelle Verankerung posttraditionaler Grundlagen von Vertrauen, Identität, Solidarität, Legitimation und sozialer Integration. Angesichts der schwindenden Attraktivität von Nationalstaaten, revolutionären Staaten und (klassischen) sozialen Bewegungen haben sich sowohl in westlichen, als auch in nichtwestlichen Ländern neue politische, soziale und zivilisatorische Visionen und kollektive Identitäten entwickelt.
Dominic Sachsenmaier diskutiert in seinem Text vor allem die Möglichkeiten eines offenen, pluralistischen Verständnisses von Modernität. Er macht die Feinde einer offenen, pluralistischen Gesellschaft (Fundamentalismus, Faschismus) aus, und erklärt die Beweggründe antimodernistischer Bewegungen vor allem psychologisch:
„the totalitarianisms and fundamentalisms of the 1930s and today did not grow from a healthy self-‐confidence, but rather from neurotic feats of selfstrengthening driven by a tormented collective self“ (S.52). Damit kann Sachsenmaier die partikularen und universalistischen Aspekte von Modernität nur noch ethisch integrieren und Toleranz, Offenheit, wechselseitiges Verständnis und eine gemeinsame Verantwortung einfordern - ohne zu berücksichtigen, dass damit schon zentrale Aspekte der westlichen Modernität unterstellt werden.
Jürgen Kocka interpretiert den begrifflichen Wandel von Modernisierung zu „multiplen Modernen“ als Hinweis auf die geringere Bedeutung teleologischer Geschichtskonzepte und auf die zunehmende Bedeutung von Kultur. An die Stelle von Konvergenz-‐ und Homogenisierungsthesen tritt die Anerkennung vielfältiger, offener, hybrider Entwicklungslinien. Angesichts der Gefahren einer zu „dünnen“ Modernitätskonzeption schlägt Kocka das Konzept der ausgehandelten Universalien
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Arbeit zitieren:
Martin Herceg, 2011, Multiple Modernities, München, GRIN Verlag GmbH
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