Geographien von Verwundbarkeit und Resilienz -Wasserversorgung von Megastädten am Beispiel von Delhi
1. Einleitung
Der Grad der Urbanisierung nimmt weltweit stetig zu, so leben im Jahr 2007 erstmals mehr Menschen in einer Stadt als auf dem Land. Die stärksten Wachstumsraten werden im Südbzw. Ostasiatischen Raum verzeichnet. In den sogenannten Entwicklungsländern setzt eine „nachholende Entwicklung“ ein und führt zu erheblichen Zuwächsen der städtischen Bevölkerung. Die Megacities besitzen keine klare statistisch-administrative Definition. Je nach vorliegender Quelle geht man von mindestens 5,8 oder 10 Millionen Einwohnern aus. Allein ein quantitatives Kriterium für die Definition anzuführen ist wenig befriedigend. Wichtiger sind qualitative Merkmale und deren Ausprägung, welche einen Blick auf die Betrachtung des Kulturraumes sowie auf die ökonomische Entwicklung erfordern. Der Untersuchungsraum Delhi ist umschlossen von vorwiegend agrarisch geprägten Bundesstaaten und besitzt aufgrund seiner regional überragenden wirtschaftlichen Stellung eine enorme Anziehungskraft auf die Wanderarbeiter und Migranten der Region. Dieses Phänomen ist nicht neu, jedoch erreicht die Intensität des Bevölkerungswachstums und des Flächenverbrauchs sowie die Ausprägung eine neue Dimension. Das Wachstum der Bevölkerung entwickelt sich fast exponentiell. Während 1950 die Bevölkerung ca. 1,4 Millionen Menschen betrug, erreicht diese heute (2010) einen Wert von knapp 17 Millionen Menschen (SELBACH 2007: S. 20).In absehbarer Zukunft ist mit einer weiteren Zunahme zu rechnen. Der Urbanisierungsgrad in Indien ist mit ca. 30% (www.bpb.de) im Vergleich zu Deutschland nicht hoch und birgt ein enormes Wachstumspotenzial aufgrund der Binnenmigration vom Land in die Stadt. Zunehmend findet eine Überlagerung ökologischer, sozialer, ökonomischer und politischer Prozesse statt mit sich verstärkenden Beschleunigungs- und Rückkopplungseffekten (KRAAS 2006: S. 18). Hieraus ergeben sich neue Aspekte für die Stadtentwicklung, wie die Nichtsteuerbarkeit (Regierbarkeit), die Vulnerabilität, den informellen Charakter, ökologische Aspekte (Verschmutzungsoasen) und Probleme bei der Ver- und Entsorgung der Megacity. Aufgrund der geographischen Lage Delhis innerhalb einer semi-ariden Klimazone mit ausgeprägtem Wasserstress liegt in dieser Ausarbeitung ein spezielles Augenmerk auf der Ver- und Entsorgung dieser Megacity mit Wasser. Korrekterweise macht es aufgrund der Problematik Sinn, das Untersuchungsgebiet auf das gesamte National Capital Territory (NCT) auszuweiten, da dieses den gesamten Agglomerationsraum inkludiert.
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2. Siedlungstatus und Konsequenz
Ausgehend von dem formaljuristischen Siedlungsstatus ergibt sich für die Stadtverwaltung die Versorgungspflicht gegenüber den Bürgern. Siedlungsflächen im NCT kann man in drei große Kategorien unterteilen. Zu den „planned“ Status zählen alle Siedlungen, die im Rahmen des Delhi Masterplans von 1962 mit einer Baugenehmigung errichtet wurden. Die Sozialstruktur dieser Siedlungen ist sehr homogen und beinhaltet Sozialbauwohnungen sowie Appartementblöcke für die zahlreichen Regierungsbeamten (SELBACH 2007: S. 21). Als „approved“ werden rural und urban villages eingeordnet. Von der städtischen Wasserversorgung sind Wohngebiete mit dem Status „unauthorized“ ausgeschlossen. Dazu zählen die sogenannten Jhuggi-Jhobprie-Cluster (Marginalsiedlungen die dispers über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind; siehe Abb.) und Unauthorized Colonies (in der Regel illegal errichtete Prachtsiedlungen der Oberschicht).Die Stadtverwaltung kann aufgrund des Rechtsstatus diese Siedlungen zerstören. Insgesamt leben rund 40 % der Bevölkerung in diesen informellen Siedlungsstrukturen (47.000 in Unauthorized Colonies und ca. 4,74 Millionen in JJ-Colonies). Eine Sonderrolle spielt der Siedlungsstatus „Cantonment Board“ sowie „New Delhi Municipal Coorporation“, welche der Zentralregierung unterstehen und aufgrund der Akkumulation der politischen und militärischen Elite mit der höchsten Menge Wasser innerhalb des NCT versorgt werden.
2.1 Wasserquellen
Zu 90 % wird die Versorgung aus dem Oberflächenwasser der Flüsse Yamuna (37,5 %), Beas (33,4 %) und Ganges (18,3 %) sichergestellt. Nach indischem Recht ist das NCT ein Unteranlieger und somit abhängig von den Nachbarstaaten, die aufgrund ihrer vorwiegend agrarisch geprägten Wirtschaftsstruktur schon sehr viel Wasser entnehmen. Außerdem ist der Fluss Yamuna wegen der Wirtschaftsstruktur und fehlender Kläranlagen im hohen Grade verschmutzt mit Schwermetallen, Pestiziden und Nitraten. Ferner schließt das NCT Verträge mit den Oberanliegern ab und zahlt dafür einen hohen Preis.
Diese Lieferungen sind jedoch aufgrund der zunehmenden Bevölkerung und dem damit einhergehenden höheren Wasserverbrauch in der Zukunft nicht sichergestellt. 10 % des eingespeisten Wassers in das Versorgungsnetz wird dem Grundwasser entnommen. In der Nähe des Yamuna kann das Grundwasser mit Hilfe von Flachbrunnen abgepumpt werden.
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Jedoch benötigt man beispielsweise im Süden des Stadtgebietes starke Elektropumpen, um das Wasser aus entsprechender Tiefe zu pumpen (der Spiegel sank bis 1995 auf bis zu 35 m Tiefe) (SELBACH, 2007: S. 22, Tab. 1). Somit besitzt das NCT keine langfristig sicheren Versorgungsquellen. Außerdem verschärft die ungleichmäßige Allokation des vorhandenen Wassers innerhalb des Stadtgebietes die Situation.
2.2 Versorgungsnetz
Das Versorgungsnetz im NCT befindet sich in einem technisch desolaten Zustand. Aufgrund von mangelndem Kapital und Know-How werden die nötigen Ressourcen weder in die Instandhaltung noch in den erforderlichen Ausbau des Netzes investiert. (SELBACH, 2007: S. 23). So wird angenommen, dass der Wasserschwund aufgrund undichter Rohre bei 30 bis 40 % liegt. Die Versorgungskette des Wassers ist zudem anfällig für Stromausfälle die sich im NCT häufen. Täglich werden laut DJB (Delhi Jar Board) 2,6 Milliarden Liter Wasser in das Netz eingespeist. Der DJB weißt offiziell ein tägliches Versorgungsdefizit von 0,6 Milliarden Litern aus. Rein rechnerisch ist genug Wasser da (ca. 181 Liter pro Kopf), dennoch fällt die Verteilung ungleichmäßig aus. Die Versorgung einzelner Stadtviertel kann je nach Rechtsstatus zwischen 10 bis 500 Litern liegen (DFG Science TV 2006). Siedlungen, die aufgrund ihres Rechtsstatus nicht an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen sind, müssen eigene Handlungsstrategien zur täglichen Wasserversorgung entwickeln. Gründe für die ungleichmäßige Allokation des Wassers liegen u.a. in den fehlenden Wasserquellen, der illegalen Wasserentnahme, den Verlusten aufgrund der desolaten Leitungen und der räumlichen Verteilung der Wasserwerke. Diese liegen vorwiegend im Norden und Osten des NCT. Durch illegale Wasserentnahme nimmt der Druck in den Leitungen, die nach Süden führen, ab, was zu einer ständigen Unterversorgung mit Wasser führt (siehe Abb. 3).
2.3 Qualität des Trinkwassers
Außer den quantitativen Defiziten in der Versorgung verschärft auch die Qualität des Wassers die Probleme bei der Versorgung. Angesichts der hohen Schadstoffbelastung des Yamuna bedingt durch die Oberanlieger, ist das geförderte Wasser als Trinkwasser nahezu unbrauchbar. Vorhandene Wasseraufbereitungsanlagen sind aufgrund technischer Defizite nicht in der Lage, die hohe Schadstoffkonzentration im Wasser zu reduzieren. Unterdruck und
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Arbeit zitieren:
Daniel Udayanan, 2011, Wasserversorgung von Megacities am Beispiel von Delhi, München, GRIN Verlag GmbH
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