Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich? 3
2.1 Trendentwicklungen 3
2.2 Postindustrielle Gesellschaft 4
2.3 Informationsgesellschaft 4
2.4 Wissensgesellschaft 5
2.5 Bildungsgesellschaft 6
3. Risiken und Chancen 7
4. Herausforderungen 8
4.1 Herausforderungen an das Individuum 8
4.2 Herausforderungen an die Organisation 9
4.3 Herausforderungen an die Politik 10
5. Schlussbetrachtung 11
Literaturverzeichnis 13
1
1. Einleitung
In der Präambel der Empfehlungen des Arbeitsstab ‚Forum Bildung‘ der Bund-Länder-Kommission (2001a, S. 4) heißt es: „Lebenslanges Lernen ist für alle zu verwirklichen“, denn dies schütze vor „Ausgrenzung“ und liege „im Interesse der Wirtschaft, die mit der aktuellen demografischen Entwicklung auf die Erschließung des Fachkräftepotentials angewiesen ist.“
In diesem Zusammenhang wird seit den 1990er Jahren auf Bildungskongressen, in Aktions- oder Förderprogrammen von einer „Lernenden Gesellschaft“ gesprochen. Diese geht mit einer entstehenden Wissensgesellschaft einher und schließt ein Lernen nach Schul- und Berufsausbildung mit ein. Im Mittelpunkt dessen steht das zunehmend wichtig werdende „lebenslange Lernen“, dem sich kaum eine Bevölkerungs- beziehungsweise Berufsschicht entziehen kann. So birgt diese Entwicklung neue Herausforderungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Individuen, Organisationen und Politik müssen umdenken und auf die wachsende Bedeutung von Wissen und Bildung reagieren. Ziel dieser Arbeit ist es, die gesellschaftlichen Anforderungen in unserer modernen Gesellschaft zusammenfassend darzulegen und die Bewältigung dieser abschließend zu bewerten.
Hierfür soll zunächst auf die Frage eingegangen werden, in welcher Gesellschaft wir eigentlich leben. Dazu werden in Kapitel 2.1 die allgemeinen gesellschaftlichen Trendentwicklungen erörtert, die einen sozialen Wandel seit der Industriegesellschaft einleiteten. Verschiedene Erklärungsmodelle versuchen ein neues Gesellschaftsmodell zu greifen. In diesem Zusammenhang wird in Kapitel 2.2 auf die Postindustrielle Gesellschaft, in Kapitel 2.3 auf die Informationsgesellschaft und in Kapitel 2.3 auf die Wissensgesellschaft eingegangen, um daran anschließend in Kapitel 2.3 die Frage zu klären, ob wir uns heute in einer Bildungsgesellschaft befinden.
Dass diese Entwicklungen sowohl Risiken als auch Chancen mit sich bringen, wird in Kapitel 3 aufgezeigt. Danach schließt sich in Kapitel 4 die Frage nach Herausforderungen auf der Mikro-, Makro- und Mesoebene an. Also im Speziellen, was diese Entwicklungen für das Individuum (Kapitel 4.1), die Organisation (Kapitel 4.2) sowie die Politik (Kapitel 4.3) bedeuten.
Abschließend werden in Kapitel 5 Möglichkeiten eines wünschenswerten Umgangs mit der heutigen Gesellschaft skizziert. Insbesondere die Frage nach dem richtigen Umgang der Politik mit den Risiken einer lernenden Gesellschaft wird im Mittelpunkt stehen.
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2. In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich?
Zunächst bleibt festzuhalten, dass die Gegenwartsdiagnose „Industriegesellschaft“ (Saint-Simon), die die agrarisch geprägte Gesellschaft ablöste und die gesellschaftlichen Strukturen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beschreibt, heute nicht mehr zuzutreffen scheint (vgl. Geißler, 2006, S. 163f). Gesellschaften sind einem ständigen Wandel unterzogen. Die Veränderung der Gesellschaftsordnung und deren Grundwerte wer- denals „sozialer Wandel“ bezeichnet. Dieser findet jedoch als unübersichtlicher Prozess statt, so dass aufgrund der nicht eindeutigen Konturen im Laufe der Zeit verschiedene Zeitdiagnosen entworfen wurden, die sich auf unterschiedliche Konzepte der heutigen Gesellschaft beziehen (vgl. Grill, 2005, S. 56f). Allen Modellen liegt die Schwierigkeit der theoretischen, insbesondere der empirischen Begründung zugrunde. Dies liege laut Haunberger (2006, S. 336) vor allem am komplexen Aufbau von Gesellschaften. Um einen Überblick über die gegenwärtige Diskussion zu geben, wird im Folgenden auf mehrere Gesellschaftsentwürfe eingegangen. Angesichts des Umfangs dieser Arbeit werden deren bedeutendste Schwerpunkte und begriffliche Abgrenzung aufgezeigt. Konzepte wie Wissen, Information und Bildung stehen im Mittelpunkt. An-
schließend stellt sich die Frage, ob sich in Anbetracht der Bildungsexpansion 1 , moderne Gesellschaften auf dem Weg zu Bildungsgesellschaften befinden.
2.1 Trendentwicklungen
Haunberger (2006, S. 344) verweist auf mehrere berechtigte Trendentwicklungen, auf die alle im Anschluss thematisierten Gesellschaftsmodelle aufmerksam machen. Insbesondere ist die Bedeutung von Wissen und Bildung seit der Industriegesellschaft gestiegen. Auch eine stetige Zunahme an Wissen im Allgemeinen fand statt. Weiterhin ist eine Zunahme an Höhergebildeten, eine erhöhte Bildungsbeteiligung und damit einhergehend ein berufsstruktureller Wandel festzustellen. Ebenso ist die Technologisierung, also der wachsende Einfluss neuer Technologien und Kommunikationsmedien seit der Industriegesellschaft zu nennen. Vor allem das Internet zeigt Auswirkungen auf die Kommunikation. Während in der Industriegesellschaft Aufstieg kaum möglich war, ermöglicht Bildung nun sozialen Aufstieg.
1 Der Begriff „Bildungsexpansion“ kommt ursprünglich „aus der Bildungsforschung und bezeichnet den enormen Ausbau der sekundären und tertiären Bereiche des Bildungswesens“ (Geißler, 2006, S. 274). Sozialstrukturell betrachtet, bedeutet diese Entwicklung: „immer größere Teile der Bevölkerung verfügen über mittlere oder höhere Bildungsabschlüsse bzw. Qualifikationen“ (ebd.).
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2.2 Postindustrielle Gesellschaft
In den 1970er Jahren entwirft Bell (1985, S. 114f; Hervorhebung im Original) das „Kon- zeptdes Nachindustrialismus (post-industrialism)“. Demzufolge liegt der wesentliche Unterschied zur Industriegesellschaft in den wissenschaftlich-technischen Veränderungen. Um die Achse des Wissens als „axiales Prinzip“ spielen sich Innovationen sowie gesellschaftliche und politische Aktivitäten ab. Daher ist das Wissenschaftssystem mit seinen Universitäten, Forschungseinrichtungen und anderen Institutionen Dreh- und Angelpunkt dieser Zeitdiagnose. Durch technologische Neuerungen im Informations-und Kommunikationssektor wird laut Bell die gesellschaftliche Klassenbildung neu hervorgerufen. Soziale Mobilität setzt Bildung voraus und auch für die Politik wird das Gut Wissen und der Umgang mit Technologien zunehmend wichtiger, da hier neue Interessenkonflikte entstehen.
Auch ein Wandel in der Berufsstruktur zeichnet sich ab. Der Einfluss des Wissens führt zu einer Professionalisierung von Berufszweigen sowie zu einer Höherqualifizierung. Bell nennt in diesem Zusammenhang die im Vergleich zur Industriegesellschaft gestiegene Beschäftigung im Dienstleistungssektor sowie der in diesem Bereich gestiegene Anteil des erwirtschafteten Bruttosozialproduktes, wohingegen die wirtschaftliche Bedeutung des Herstellungsbereichs abnimmt.
Bell bezeichnet sein Gesellschaftsmodell auch als „Informationsgesellschaft“ und „Wis- sensgesellschaft“ 2 (vgl.ebd., S. 213ff).
2.3 Informationsgesellschaft
In den öffentlichen Diskussionen der 70er und 80er Jahre wird das Bild einer Informationsgesellschaft gezeichnet. Informationen bekommen durch die „modernen Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) einen neuen Stellenwert“ (Spinner, 2001, S. 319; Hervorhebung im Original). Nicht nur wirtschaftlich gewinnt der Informations-sektor an Bedeutung, sondern auch in den Bereichen Alltag, Arbeitswelt, Bildung oder in den Medien wird die Information zur entscheidenden Grundlage menschlicher Tätigkeiten. Weil Informationen zunehmend über die Medien bereitgestellt werden und insbesondere das Wissen im Beruf auf Informationen basiert, bedarf es einem Erwerb von Kompetenzen im Umgang mit der neuen Informationsvielfalt, um zur „informierten
2 Bereits 1966 prägte der Soziologe Robert E. Lane mit „knowledge society“ den Begriff „Wissensgesellschaft“ (vgl. Haunberger, 2006, S. 338).
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Arbeit zitieren:
Diplom-Sozialwissenschaftlerin Anette Rößler, 2009, Die lernende Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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