Vorwort
Die folgende Ausarbeitung beschäftigt sich mit dem Bazar, der sich nicht nur als wirtschaftliche Kraft charakterisieren lässt, sondern auch als eine soziale Struktur. So ist es von Nöten dieses wirtschaftlich-soziale Phänomen auf beiden Eben zu analysieren, um eine angemessene ethnologische Arbeit zu verfassen.
Im erste Kapitel werde ich mich mit dem Bazar in einem etwas breiteren Kontext befassenden, „Der Bazar als eine Form des Marktes“, in dem ich mich zuerst mit der rein wirtschaftlichen Seite des Marktes bzw. des Bazars beschäftigen und daraufhin mit den sozialen Aspekt auseinandersetzen werde.
Auch ist es wichtig den „Bazar“ als Begriff genauer zu definieren, da diese Bezeichnung heutzutage, aufgrund der Globalisierung in fast allen Kontinenten und Kulturen verwendet wird und deshalb häufig ein etwas abgewandeltes Verständnis dieses Begriffs existiert. Ursprünglich stammt „Bas-ar“ aus dem Persischen und bedeutet übersetzt „wieder - holen“ bzw. „handeln“. Jedoch beschränkt sich dieser Begriff nicht nur auf den persischen bzw. iranischen Raum, sondern auf dem gesamten Orient. Die allgemeingültige Bedeutung des Bazars lautet wie folgt: „Händlerviertel in orientalischen Städten“ 1 oder „Warenmarkt oder Marktviertel im Orient“. 2 Daher werde ich mich im zweiten Kapitel, „Der orientalische Bazar“, auf die ebenerwähnten Definitionen beziehen und versuchen diese in den wichtigsten Punkten darzustellen.
Das letzte Kapitel widmet sich einem konkreten empirischen Beispiel eines orientalischen Bazars, „Bazaar Economy“. Hier werde ich die Studie von Clifford Geertz wiedergeben und sie punktuell mit einer weiteren Studie eines Marktes vergleichen. 3
1 DUDEN, das Fremdwörterbuch: Basar, Band V, S. 120
2 BERTELSMANN, Universal Lexikon: Bazar, Band II, S.228
3 WEIGKUHN, 1998, S. 44 ff
2
1 Der Bazars als eine Form des Marktes
Nach Karl Polanyi, einem philosophischen Ökonomen, gibt es vier verschiedene Typen wirtschaftlicher Gestaltung: Reziprozität, Redistribution, Haushalt und Markttausch, die er in seinem berühmten Werk „ The Great Transformation“ beschreibt. Der Bazar lässt sich am ehesten zum vierten Typus, dem Markttausch, zuordnen, der sich fundamental von den anderen drei Formen der Distribution abgrenzt. Laut Polanyi liegt der grundlegende Unterschied darin, dass die Wirtschaft hier nicht mehr in die soziale Beziehung eingebettet sei, sondern die soziale Beziehung in das Wirtschaftssystem 4 . Das würde dann nicht nur bedeuten, „dass das Marktsystem die Gesellschaft zu seinem Anhängsel degradiert“ 5 , sondern auch, dass es eine eigene Institution als Basis benötigt, ein Marktsystem wie zum Beispiel den Bazar. 6
1.1 Wirtschaftlicher Aspekt
„Beim (Markt)Tausch handelt es sich um Transaktionen zwischen Individuen nach dem Zufallsprinzip, die unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Beziehung sind. Nur diese beruhen auf rationaler Entscheidung und Nutzenmaximierung“ 7
Nach dieser Definition entspricht der Markttausch der Marktwirtschaft. Diese bezeichnet eine arbeitsteilig organisierte Wirtschaftsordnung, in der der Markt Angebot und Nachfrage steuert und kontrolliert und dadurch den Preis reguliert.
„Nur diese Wirtschaftsform beruht auf der Erwartung, dass Menschen sich immer so verhalten, um einen maximalen Gewinn zu erzielen. Sie setzt den Mechanismus der Preisbildung über Angebot und Nachfrage sowie den Einbezug von Arbeit, Boden und Geld in den Markt voraus.“ 8
4 POLANYI, 1978, S. 88f/ http://www.mpifg.de (12.08.2009) Jens Becher: Die soziale Ordnung von Märkten
5 ebd.
6 www.lai.at , 02..07.2009 theoretische Grundlage der ökonomischen Anthropologie / REINHARD, 2007, S. 5ff
7 POLANYI, 1978, S.100
8 POLANY, 1978, S.102
3
1.2 Sozialer Aspekt
Auch wenn die wirtschaftliche Funktion beim Markt bzw. beim Bazar im Vordergrund steht, ist er trotz allem ein menschliches Interaktionssystem, das „nicht nur politisch, sondern geradezu religiös, ja fundamentalistisch belastet“ 13 ist. Ein Phänomen, das unserer gesellschaftlichen, „symbolischen Sinnwelt“ 14 entspringt. So kann es nicht anders sein, als dass der Markt ein soziales Phänomen ist. Um es in Adam Smiths Worten zu fassen, sei der Markt nur ein Spezialfall einer gesellschaftlichen Struktur, die in der Moralischen Natur der Menschen begründet sei. 15 Er ist eine Institution, die dazu angelegt ist menschliche Bedürfnisse zu befriedigen, beeinflusst somit den Wohlstand eines Volkes. So lässt sich
9 SIMMEL, 1995, S.118
10 SIMMEL,1995, S.121
11 SIMMEL,1995, S.122/ GÜTH, 1994, S.52ff
12 GÜTH, 1992, S. 5ff und 52ff
13 WEIDKUHN, 1998, S.44
14 LUCKMANN, 1967, S.43
15 SMITH, 1990, S.16
4
darüber streiten, ob tatsächlich die wirtschaftliche Funktion auf dem Markt vor der sozialen steht oder doch eher andersherum. Es ist keine Frage, dass beim Markttausch die Maximierung von eigenem Nutzen und dadurch auch der Egoismus eine weitaus wichtigere Rolle spielt als bei allen anderen Wirtschaftsformen. Doch ist es auch so, dass nicht ein rein egoistischer Zugriff auf das Gut eines anderen erfolgt, sondern immer der sozial reflektierte Zugriff nach Maßgaben der zu erbringenden Gegenleistung. Somit können Menschen nur ihr Eigeninteresse verfolgen indem sie zugleich die Perspektive des anderen einnehmen. Genau das möchte Smith uns in einer seiner Hauptwerke „Wealth of Nations“ mitteilen, die häufig als eine Lehre des ökonomischen Egoismus missverstanden wurde. 16
“It is not from the benevolence of the butcher, the brewer, or the baker that we expect our dinner, but from their regard to their own interest. We address ourselves, not to their humanity but to their self-love, and never talk to them of our own necessities but of their advantages.” 17
Edgar Salin erkannte die moralische Komponente in Smiths Theorie und schrieb hierzu: „(…) der Gott der Scholastik ist zu einer unsichtbaren Hand geworden, die erreicht, dass das Selbstinteresse, ohne es selbst zu wissen, das Allgemeinwohl am besten versorgt“. 18
2 Der orientalische Bazar
Im Gegensatz zu einer europäisch-antiken Stadt bildeten orientalisch-islamische Städte in der Regel keine einheitlichen Bürgerverbände, sondern bestanden aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Die kulturelle Vielfalt der damaligen orientalischen Städte brachte einen Mangel an bürgerlich-städtischer Kultur mit sich und zugleich das Bedürfnis nach Stabilität und Sicherheit. Feste Bestandteile einer orientalischen Stadt wurden notwendig, die sich in Form einer Moschee und eines Bazar als Zentrum etablierten. J. Chardin schreibt über den persischen Bazar „Elle sont le coeur de la ville”. 19
Somit erhält der orientalische Bazar eine überaus größere kulturelle Bedeutung, als der vergleichbare europäische Markt, er wird zum „Kristallisationspunkt ihres wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und religiösen Lebens“ 20 . Laut Eugen Wirth, ein anerkannter Experte auf diesem Gebiet, wird der Bazar „möglicherweise zum einzigen grundlegenden Abgrenzungskriterium der orientalischen Stadt gegen die Städte des Abendlandes“. 21 Des
16 MERK, 1988 , S.5f / WEIDKUHN, 1998, S. 44ff
17 SMITH, 1990, S.17
18 SALIN, 1923, S.16
19 CHARDIN, 1686, S.289 /BAUER, 1994, S.15ff
20 ebd.
21 WIRTH, 1974, S.39
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Arbeit zitieren:
Katharina Kibjakova, 2010, Bazaar Economy - Die Geschichte des Marktes, München, GRIN Verlag GmbH
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