S e i t e 2
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung Seite 3
II. Hauptteil Seite 3
A. Hermeneutik und literaturwissenschaftliche Ansätze Seite 3
von Schleiermacher
B. Die Psychoanalyse (Traumdeutung) von Freud und ihre Seite 4
Bedeutung für die Literaturwissenschaften
C. Möglichkeiten und Grenzen einer hermeneutischen Seite 6
Psychoanalyse nach Paul Ricoeur
III. Fazit Seite 9
I. Einleitung
Unter dem Begriff der Hermeneutik und dem Adjektiv „hermeneutisch“ können heterogene, teils stark voneinander differenzierte Theorievorstellungen, Handlungsanweisungen und Prämissen über die Rolle und Bedeutung des Verstehens zusammengefasst werden. Der Sinngehalt hängt vom historischen und theoretischen Zusammenhang ab, in dem die Termini verwendet werden. Es scheint sinnvoll, zwei verschiedene Herangehensweisen gegeneinander abzugrenzen: Hermeneutik als Lehre des Verstehens und Auslegens von Rede und Text sowie ein explizites philosophisches Theoriekonstrukt, indem das Verstehen von menschlichen Werken und Handlungen und dem Dasein überhaupt reflektiert wird. Somit stehen sich eine Theorie des Textverstehens beziehungsweise der Textinterpretation mit einer allgemeinen philosophischen Betrachtungsweise einander gegenüber. In der historischen Entwicklung zeichnet sich jedoch ab, dass seit Ende des 18. Jahrhunderts beide Theorie-Konstrukte aufeinander zugegangen sind, sich aufeinander bezogen haben und miteinander verwoben haben. 1
In dieser Arbeit soll die Hermeneutik von Schleiermacher Beachtung finden und mit der Psychoanalyse sowie Traumdeutung von Freud in Bezug auf Paul Ricœurs theoretischen Analysen, in einen literaturwissenschaftlichen Deutungs-Zusammenhang gebracht werden. Anhand von Paul Ricœurs diskursiven und kritischen Ansätzen soll eine Antwort auf die Frage gefunden werden, inwieweit die Psychoanalyse als Metatheorie hermeneutisch operieren kann und wo die Grenzen einer hermeneutisch-psychoanalytischen Sicht- und Herangehensweisen liegen.
II. Hauptteil
II.A. Hermeneutik nach Schleiermacher
Mit Friedrich Schleiermacher (1768-1834), dem protestantischen Theologen und Philosophen, wird ein wichtiger Einschnitt in der Historie der Hermeneutik verbunden. Seine Person steht für das Einleiten einer ganz modernen Hermeneutik. Am Ende des 19. Jahrhunderts fand eine Autonomisierung der Künste und ebenso der Literatur statt. In diesem Zuge gelang es auch der Hermeneutik, sich von ihrer theologischen Bevormundung zu befreien. Dies führte dazu, dass die Literatur und Hermeneutik eine stabile Verbindung eingehen konnten. Erst infolge der Entwicklung der modernen Linguistik und des Strukturalismus im 20. Jahrhundert wurde diese stark in Frage gestellt und der Nichtwissenschaftlichkeit bezichtigt.
1 vgl. Klawitter/Ostheimer: Literaturtheorie. Ansätze und Anwendungen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co.KG 2008. S. 17.
Das große Potenzial Schleiermachers bestand darin, dass er das Verstehen als solches zu einem ausgesprochenen philosophischen Problem erklärte und auf das gesamte Handlungsfeld der Kommunikation ausdehnte und die Hermeneutik als eine allumfassende Kunst des Verstehens darstellte. Im Focus seiner Hermeneutik steht das regelhafte Verstehen einer Sprachhandlung jedweder Form, schriftlich oder mündlich. Dabei unterscheidet er zwischen einer grammatischen („will primär von der allgemeinen Bedeutung zum Sinn kommen“ 2 ) und einer psychologischen Auslegung. Für diese Arbeit ist natürlich die zweite, die psychologische Interpretation einer Aussage von zentraler Bedeutung und umfasst die individuelle Perspektive der Sprache, ergo die Beleuchtung der Sprachäußerung im Zusammenhang des Denkens des Autors oder des Sprechers. 3 Allerdings bleibt Schleiermacher nicht nur bei der Polarisierung von Allgemeinen und Individuellem, also der Differenzierung von grammatischer und psychologischer Auslegung, sondern stellt diese Aspekte als „ein sich wechselseitiges Zusammenspiel dar, einen dialektischen Prozess, der letztlich zu einer Synthesebemühung beider Interpretationsperspektiven führen soll.“ 4 Der psychologische Aspekt avancierte später in der hermeneutischen Diskussion zum vielgestaltigen und oft auch konfusen Anknüpfungspunkt. Schleiermacher ist auch zum Teil selbst verantwortlich dafür, da er heterogene und teilweise in Konkurrenz stehende Aussagen zur psychologischen Auslegung traf. Bereits hier werden die Parallelen zur Psychoanalyse und Traumdeutung Freuds deutlich erkennbar, welche im nächsten Teilabschnitt skizziert werden.
Weiterhin entwickelte er die beiden Argumentationsfiguren „hermeneutischer Zirkel“ und „Trennung von Autor- und Textintention“, die in der literaturwissenschaftlichen Hermeneutik Durchbruchcharakter haben sollten. Diese sollen aber hier nur ihre Erwähnung finden.
II.B. Die Psychoanalyse (Traumdeutung) von Freud und ihre
Bedeutung für die Literaturwissenschaften
Sigmund Freud (1856-1939), der Begründer der Psychoanalyse, richtete sein Augenmerk vor allem auf die Strukturen des Imaginären. Er entwickelte eine Analogie zum Verhältnis zwischen Autor und Text sowie der Relation des Träumenden zum Traum. Aus der Perspektive der Psychoanalyse ist die Traumdeutung eine Vorlagemöglichkeit für die Interpretation von literarischen Texten. In erster Linie ist die Psychoanalyse eine autonome
2 Rieger, Reinhold: Interpretation und Wissen. Zur philosophischen Begründung der Hermeneutik bei Friedrich Schleiermacher und ihrem
geschichtlichen Hintergrund. Berlin: Walter de Gruyter & Co. 1988. S. 321.
3 vgl. Klawitter/Ostheimer: Literaturtheorie. Ansätze und Anwendungen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co.KG 2008. S. 21.
4 Klawitter/Ostheimer: Literaturtheorie. Ansätze und Anwendungen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co.KG 2008. S. 21.
Arbeit zitieren:
2011, Möglichkeiten und Grenzen einer hermeneutischen Psychoanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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