Inhalt
1. Einleitung 2
1.1 Historischer Hintergrund 3
1.2 Feministische Gesprächsforschung: This is a Man s World 4
1.3 Auswertung vorgestellter theoretischer Ansätze 5
2. Gesprächskontrolle: Wann ist ein Mann ein Mann? 6
2.1 Unterbrechungen 7
2.2 Minimalreaktionen 9
2.3 Redezeit, Anzahl und Dauer der Redebeiträge 10
2.4 Gesprächsthema 11
2.5 Bewertungen der Ergebnisse bezüglich der Gesprächskontrolle 12
2.6 Gesprächsarbeit: A woman s worth 13
3. Schlussbemerkungen: Gibt es eine Geschlechtsspezifische Wahrnehmung? 15
Abstract 19
Literaturverzeichnis 20
1
1. Einleitung.
Die vorliegende Arbeit handelt von gesprächsspezifischen Gesprächsstilen. Es geht um bestimme Verhaltensweisen, die bei den Sprechern unterschiedlichen Geschlechts in Gesprächen zum Ausdruck kommen. Gibt es tatsächlich ein typisch männliches und ein typisch weibliches Gesprächsverhalten? Was heißt es überhaupt „typisch“ Mann und „typisch“ Frau? Sind Mann und Frau wirklich grundlegend verschieden, dass sie womöglich sogar eine eigene Sprache sprechen?
Der Aufsatz ist deskriptiv und beinhaltet keine eignen Studien zum weiblichen und männlichen Sprachverhalten in Gesprächen. Es werden einige bedeutende theoretische Forschungsansätze, die auf dem Gebiet der gemischtgeschlechtlichen Gesprächsforschung gemacht wurden, vorgestellt und analysiert. Bevor es losgeht, müssen die zwei wichtigsten und in dieser Arbeit am häufigsten angewandten Begriffe geklärt und definiert werden. Es handelt sich um die beiden Termini „Frau“ und „Mann“
Dem Lexikon nach kann man folgende Definition von einer Frau entnehmen: „eine Frau ist ein weiblicher, erwachsener Mensch. Das geschlechtliche Gegenstück ist der Mann. Der Begriff wird verwendet, um das Geschlecht, die soziale Rolle oder beides zu unterscheiden“ 1 . „Frau“ wird in der deutschen Sprache auch als einfachste, übliche Anrede für Frauen verwendet. Ein Mann ist beschrieben als ein erwachsener Mensch männlichen Geschlechts. Das geschlechtliche Gegenstück ist die Frau. Der Begriff Mann „ist jedoch aufgrund der fundamentalen Einflüsse der Geschlechtlichkeit auf die menschliche Gesellschaft mit sehr vielen weiteren assoziativen und teilweise sehr emotionalen Bedeutungen beladen“ 2 . Aus diesen Definitionen können wir zum einen entnehmen, dass es sich hierbei um die Bezeichnung eines Geschlechts oder Sexus geht, zum anderen erkennen wir, dass dieses Geschlecht an soziale Rollen geknüpft ist. Die soziale Rolle der beiden Geschlechter muss sich also von einander unterscheiden, sonst würde man sie nicht betonen. Nun ist aber die soziale Rolle des Mannes und der Frau nicht der Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Deswegen hier eine kurze Antwort auf die Frage, ob ein Mann und eine Frau sich unterscheiden. Die Antwort lautet eindeutig „Ja“. Denn auch ein Mann unterscheidet sich von einem Mann, wie sich auch eine Frau von einer Frau unterscheidet. In diesem Sinne möchte ich mich meinem Aufsatz zum Vergleich der Gesprächsstile widmen.
1 Entnommen aus: http://wissen.woxikon.de/frau (Abfrage: 23.03.2011)
2 Entnommen aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Mann (Abfrage: 23.03.2011)
2
1.1 Historischer Hintergrund oder am Anfang war die feministische Sprachforschung.
In den 1970er Jahren tauchte eine neue Bewegung in den Wissenschaften auf, die - zunächst in den USA entstehend - sich schon bald auch in vielen anderen Ländern verbreitete. Angetrieben durch die in vielen Lebensbereichen, aber vor allem durch die in den Wissenschaften vorherrschende Benachteiligung der Frauen gegenüber ihrem Gegenstückdem Mann. Ein kurzer Exkurs in die Vergangenheit.
Siebziger Jahre. Wir befinden uns in der Zeit, in der die Hippiära langsam ihrem Ende zugeht und durch die Punkmusik abgelöst wird, Richard Nixon wird bei den Präsidentenwahlen in den USA mit dem zweitbesten Ergebnis der Geschichte bestätigt, Ölpreise steigen enorm an und es kommt zu einer Ölkrise, Nixon tritt zurück, Ende des Vietnamkrieges, Der Pate bekommt einen Oscar, in Deutschland findet die erste Fußballweltmeisterschaft statt, und die politische Zeitschrift „Emma“ wird von der Feministin Alice Schwarzer gegründet. Ausgehend von der Tatsache die Welt sei eine von Männern dominierende, lag das Anliegen und das Interesse der Feministinnen darin, „positive weibliche Eigenschaften sichtbar zu machen und zu ihrer positiven Bewertung beizutragen“ 3 . Das Bestreben der feministischen Forschung besteht seit dem darin, die Differenzen zwischen sozialen Geschlechtern zu analysieren. Den Frauen sollte der Zugang in die von Männern dominierende Öffentlichkeit verschafft werden und auch außerhalb des privaten Bereiches Anerkennung zugesprochen werden. Diese Sichtbarmachung der Frau verbreitete sich auf alle Lebensbereiche und so auch auf die Sprachwissenschaft. In der geschlechterbezogenen Sprachforschung sollten die Unterschiede im sprachlichen und kommunikativen Verhalten der Frauen und Männer erfasst und analysiert werden.
3 Trömel-Plötz, Senta (1996): „Frauengespräche: Sprache der Verständigung“, S. 18
3
Von den Anhängern des Feminismus in den Sprachwissenschaften wird in den Anfängen der feministischen Sprachforschung die Unterrepräsentation von Frauen in der Sprache kritisiert. Im ersten Stadium der feministischen Sprachforschung steht die sprachliche Diskriminierung und Benachteiligung der Frauen gegenüber den Männern. Plädiert wird für die gleichen Rechte für Frauen und Männer und die Forderungen in dem Defizitkonzept zusammengefasst 4 .
Nicht mehr als Opfer und Benachteiligte, sondern als Sprecher mit einer anderen Sprechweise erscheinen Frauen in dem Differenzkonzept, welches in der zweiten Phase der feministischen Sprachforschung das Defizitmodell ablöst 5 . Nicht die Kompromissbereitschaft steht im Vordergrund des Konzepts, sondern der Kampf für die Anpassung der Männer an die Frauen. Während das Defizitkonzept darauf abzielt, dass Frauen durch ihre Machtlosigkeit keine eigene Identität entwickeln können und zudem an dieser Lage nichts ändern 6 , geht das Differenzkonzept davon aus, dass Frauen und Männer unterschiedlich sind. Weibliche Eigenschaften erhalten einen positiven Wert und ihre Überlegenheit gegenüber den Männern wird hervorgehoben.
Im Defizitkonzept wird das männliche Sprachverhalten als Norm angesehen und jede Abweichung als Mangel bewertet. Das Differenzmodell vernachlässigt seinerseits die Möglichkeit vom Geschlecht als einer sozialen Konstruktion 7 . Diese Eigenschaft des Geschlechts als Heterogene Größe taucht in den Konstruktivistischen Konzepten auf. Das Konzept des „doing gender“ 8 weist darauf hin, dass Geschlecht sich erst in einer Kommunikation konstituiert. Das Geschlecht ist ein soziales Geschlecht, welches aus sozialen Alltagshandlungen reproduziert wird. Alexander Brock merkt an, dass das doing gender Konzept vor allem das biologische Geschlecht vernachlässige und den Faktor ignoriere, dass in bestimmten Institutionen Geschlechterungleichheiten stark verfestigt sind 9 .
1.2 Feministische Gesprächsforschung: This is a Man`s world.
In den 70er Jahren wurden Gesprächstile in autoritäre, dominante und kooperative Stile unterschieden, dabei wurde der männliche Gesprächsstil als dominant und der weibliche
4 Vgl. Klann- Delius (2005): S. 10ff
5 Vgl. Ebd.: S.13f
6 Vgl. Ebd. S. 13
7 Begriff nach Klann- Delius, S. 14
8 West/Zimmerman zitiert nach Klann- Delius S. 14
9 Vgl. Brock (2003): S. 158
4
Gesprächsstil als kooperativ betrachtet 10 . Es stellte sich die Frage, ob sich Männer und Frauen in Gesprächen sprachlich unterschiedlich verhalten und wenn sie es tun, welche kommunikativen Verhaltensweisen und welche sprachlichen Mittel auf den Gesprächsstil verweisen? Aus den Untersuchungen von Gesprächen zwischen den Geschlechtern entstanden verschiedene theoretische Ansätze. Die wichtigsten sollen in Kürze erläutert werden. Nach dem Dominanz-Unterdrückungsansatz werden Frauen in Gesprächen zwischen unterschiedlichen Geschlechtern grundsätzlich dominiert und unterdrückt. Der Ansatz geht unter anderem auf Senta Trömel-Plötz zurück und geht von der Annahme aus, dass Frauen und Männer unterschiedliche Gesprächsstile haben, wonach Frauen einen „kooperativen“ und Männer einen „kompetitiven“ Gesprächsstil pflegen, was die Kommunikation zwischen den Geschlechtern erschwert, so dass Frauen in gemischtgeschlechtlichen Gesprächen zum Scheitern verurteilt sind 11 . Diese Annahme wird durch die Analyse von verschiedenen sprachlichen Analysekriterien in Gesprächen zwischen Frauen und Männern begründet. Untersucht werden dabei unter anderem die Unterbrechungen und Unterbrechungsversuche männlicher und weiblicher Gesprächspartner, Themenwechsel, Themeneinführung, Redezeit. Die Theorie der Zwei Kulturen „geht zurück auf Gumperz (1982), der Kommunikation zwischen den Kulturen erforschte“ 12 . Dieser Ansatz wurde auf die verbale Interaktion zwischen Frauen und Männern übertragen. Das männliche und weibliche Gesprächsverhalten wurde als stark unterschiedlich betrachtet und die Unterschiede auf den Erwerb von den Kommunikationsregeln in getrennten geschlechtlichen Gruppen verwiesen worden 13 . Maltz und Borker (1982, 1991) nehmen an, dass Mädchen und Jungen bereits im Alter von fünf bis fünfzehn Jahren bestimmte sprachliche geschlechtstypische Verhaltensmuster erlernen, so wird das Verhalten der Mädchen als Nicht- Aggressiv und Nicht- Dominant charakterisiert, während ein dominantes Sprachverhalten den Jungen zugeschrieben wird 14 . Auch hier wird den Frauen ein kooperatives Sprachverhalten und den Männern ein bestimmendes auferlegt. Aus diesem Grund wird dabei oft von einer „interkulturellen Kommunikation“ 15 zwischen Männern und Frauen gesprochen.
1. 3 Auswertung vorgestellter theoretischer Ansätze
10 Vgl. Samel, Ingrid (2000): „Gesprächstypische Gesprächsstile“ , S. 177
11 Vgl. Trömel-Plötz (1984), nach Frank, Karsta (1992): S.16ff.
12 Faschingbauer (2002): S. 60
13 Vgl. Ebd.
14 Vgl. Ebd. S.60f
15 Ebd. S.60, S.61
5
Arbeit zitieren:
Swetlana Gorich, 2011, Geschlechtsspezifische Gesprächsstile, München, GRIN Verlag GmbH
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