Gru ßverhalten im kulturellen Vergleich.
Inhalt
1. Einleitung 2
1.1. nonverbale Grußformen 3
1.1.1. Mimische Grußformen 3
1.1.1.1. Das Tor zur Seele 4
1.1.1.2. Lächeln 5
1.2. Gestische Grußformen 5
1.2.1. Händedruck und Händekuss 5
1.2.2. Der Kuss 7
3. Verbale Grußformen 8
3.1.Gru ßworte 9
3.2. Grußwendungen 10
4. Abschiedsgestaltung 11
5. Schlussanmerkungen 14
Literaturverzeichnis 16
1
1. Einleitung
In den frühen Epochen signalisierte der Gruß die friedliche Absicht des Grüßenden. Vor allem durch Gebärden wurde diese friedliche Absicht verdeutlicht. Der Gruß hatte somit die Funktion dem Gegenüber zu zeigen, dass man keine bösen Ziele verfolgt und Konflikte vermeiden möchte. Kennen sich die Grüßenden bereits, so begeben sie sich auf ein individuelles und vertrautes Niveau der Begrüßung 1 . Die Begrüßung leitet eine Unterhaltung ein, eröffnet das Gespräch und prägt den Abschied. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Grußverhalten und der Grußkommunikation verschiedener Kulturen, sie befasst sich mit der Vielfalt der Grußformen, den Unterschieden und Gemeinsamkeiten unterschiedlicher Kulturen und interkulturellen Missverständnissen.
Der erste Abschnitt widmet sich der nonverbalen Kommunikation, die ein bedeutender Teil der Grußkommunikation ist. Es werden die mimischen und gestischen Grußformen dargestellt, speziell das Lächeln und der Blickkontakt, sowie Händekuss, Händedruck und der Kuss. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit der verbalen Grußkommunikation. Es werden Grußworte und Grußwendungen unterschiedlicher Länder und Kulturen vorgestellt, ihr möglicher Ursprung in Kürze beleuchtet und Folgerungen des kulturellen Grußverhaltens diskutiert. Im dritten Abschnitt befasse ich mich mit der Abschiedsgestaltung. Abschied ist das Ende einer Begegnung und gehört zur Grußkommunikation. In diesem Abschnitt wird der Abschied zunächst definiert. Es soll differenziert werden zwischen alltäglichem und herausragendem Abschied. Weiterhin wird der Umgang mit dem Abschied in verschiedenen Kulturen betrachtet. Dabei geht es um das Festhalten von Unterschieden und Gemeinsamkeiten in der Wahrnehmung des Abschiedes sowie um den kulturellen Ausdruck der Gefühle. In der Arbeit sind zahlreiche Beispiele des Grußverhaltens unterschiedlicher Kulturen zu finden. Viele dieser Beispiele stammen aus dem Buch von Carola Otterstedt „Abschied im Alltag“, welche auch der Schwerpunkt meiner Arbeit bildet. Einige der Beispiele sind auf Erzählungen von Freunden zurückzuführen.
1 Vgl.Otterstedt 1993:S.18
2
1.1 Nonverbale Grußformen.
Das nonverbale Verhalten spielt eine entscheidende Rolle bei der Kommunikation, das impliziert bereits der berühmte Satz von Paul Watzlawick: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Es hilft uns bei der Einschätzung unseres Gesprächspartners, so dass wir uns im Gespräch besser auf ihn einstellen können. Mit Hilfe des nonverbalen Verhaltens, auch mit Einsatz der Stimmlage, kann man Missverständnisse, welche durch verbales Grußverhalten auftreten können, reflektieren 2 . In bestimmten Ländern, wie z. B in Japan oder Sri Lanka, wird besonderer Wert auf die nonverbale Kommunikation gelegt, denn dadurch kann Vertrauen geschaffen werden 3 . Japaner legt sich nie auf das Gesagte fest, Worte haben wenig Bedeutung, was zählt sind die Taten 4 .
1.1.1 Mimische Grußformen
Körperhaltung und Körperbewegung oder Gesten sind auf Entfernung entscheidend für die erste Einschätzung des Grußpartners. Kommen sich die Partner näher sind hier die mimischen Ausdrucksmöglichkeiten entscheidend. Mimik ist entscheidend für die Erkennung von Emotionen, sie leitet und beeinflusst maßgebend den Kommunikationsprozess. Augenachse, Brauenspiel, Mundpartie entscheiden über den Verlauf der weiteren Kommunikation, vor allem über „die Form und Dynamik der Grenzüberschreitungen im Grußverhalten“ 5 . Mimik wird vom Lymbischen System und dem Neocortex im Gehirn kontrolliert 6 . Der Mensch kann sie willkürlich steuern, auch verstecken. EIBL-EIBENSFELDT zeigte anhand von Untersuchungen an Taubblinden, dass die Bewegungskoordinationen der Gesichtsausdrücke universell und zum größten Teil angeboren sind 7 . Zudem stellten EKMAN/FRIESEN Übereinstimmung der Wahrnehmung von Gefühlen im interkulturellen Vergleich fest, zum Beispiel beim Stirnrunzeln, Lächeln, Weinen 8 . Die kulturspezifischen Gesichtsausdrücke im Grußverhalten sind vor allem bestimmt durch die Kombination mehrer Ausdruckselemente, auch mit gestischen Grußformen. Die Interpretation der mimischen Ausdrücke ist kulturabhängig, sowie durch individuelle und kulturelle Erfahrungen bestimmt. Während im Westen die Gesprächspartner die Ich-Bezogenen Emotionen auch im Umgang mit anderen zeigen, ist es im asiatischen Raum gebräuchlich Emotionen und Gefühlsausbrüche nicht in eine Kommunikation zu integrieren und Gefühle zu verstecken.
2 Vgl. Otterstedt 1993:S.122
3 Vgl. Otterstedt 1993:S.122
4 Vgl. Otterstedt 1993:S.122
5 Otterstedt 1993:S.64
6 Vgl. Otterstedt 1993:S.64f.
7 Vgl. Otterstedt 1993: S.64
8 Vgl. Otterstedt 1993: S.64
3
1.1.1.1. Das Tor zur Seele.
Das Blickverhalten ist immer in Verbindung mit dem mimischen Gesamtverhalten zu sehen. Der Blickkontakt signalisiert dem Partner die sensiblen emotionalen Informationen über die soziale Bindung 9 und kann interkulturell unterschiedlich gedeutet werden. So können aufgerissene, offene Augen ein Zeichen der Furcht sein, aber auch der Neugier oder Überraschung. Wallbott (1989) stellt fest, dass der Gebrauch des Blickkontaktes als Kommunikationsmittel geschlechtsabhängig und kulturell verschieden ist, und von der Persönlichkeitsentwicklung und der seelischen Kondition abhängt 10 .
WALLBOTT (1989): „Kinder zeigen mehr Blickkontakt als Jugendliche, mit zunehmenden Alter steigt dann
der Blickkontakt wieder an. Frauen blicken Frauen und Männer häufiger an, als Männer dies tun. In
südeuropäischen und arabischen Kulturen ist Blickkontakt häufiger als in Mitteleuropa. Extravertierte
Personen schauen andere länger und öfter an als introvertierte.“
In Japan wird ein direkter Blickkontakt vermieden, man befürchtet dadurch seine Gedanken und Emotionen zu verraten, die Gesprächspartner sitzen bei geschäftlicher Besprechung nebeneinander, so dass die Augenpaare sich nicht treffen 11 . In Korea schaut man rechts und links am Partner vorbei 12 . Intensive Blicke können im asiatischen Raum als sexuelle Aufforderung verstanden werden. Ernest W. B. Hess - Lüttich hält fest, dass „mediterrane Kulturen längere Zeit aufblicken und den Blickkontakt Sekundenbruchteile länger halten“ 13 . Die Interpretation des Blickkontaktes ist abhängig von der kulturellen Erfahrung, von der Eigeneinschätzung des gesellschaftlichen Status, von der seelischen Stimmung und äußeren Bedingungen 14 . Der Gebrauch des Blickkontaktes in der Kommunikation ist zudem durch hierarchische und gesellschaftliche Strukturen bestimmt 15 . Statushöhere Person bewertet einen intensiven Blick, das Anstarren eher als positiv als eine Person mit einem geringeren Status (WALLBOTT) 16 .
In westlichen Kulturen wird nach einem direkten Augenkontakt gesucht, bei einer geschäftlichen Besprechung sitzen hier die Geschäftspartner einander gegenüber. In Indien und in arabischen/muslimischen Ländern kann ein unerlaubter Blickwechsel einer muslimischen Frau mit einem fremden Mann als Unkeuschheit interpretiert werden und gleicht einem Ehebruch 17 .
9 Vgl.Otterstedt 1993:S.67
10 Vgl. Otterstedt 1993:S.67
11 Vgl. Otterstedt 1993:S.71
12 Ebd.
13 Hess- Lüttich 1993:S.1012
14 Ebd.
15 Ebd.
16 Ebd.
17 Vgl. Otterstedt 1993:S.76
4
Arbeit zitieren:
Swetlana Gorich, 2009, Grußverhalten im kulturellen Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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