Inhalt
I. Einleitung
(Seite 3)
II. Franken im 8. Jahrhundert: Beginn der Karolingerdynastie
(Seite 4)
III. Arabische Expansion: Ausgreifen von Afrika nach Europa
(Seite 5)
IV. Die Schlacht bei Poitiers 732
(Seite 7)
V. Zusammenfassung
(Seite 10)
VI. Literatur/Quellen
(Seite 12)
2
I. Einleitung
Bei der Auseinandersetzung mit der Geschichte Europas des beginnenden Mittelalters, trifft man auf einen Zeitraum, der meist nur auf die frühmittelalterliche Staatenbildung gerichtet ist. Besonderer Wert wird hier der Entwicklung der Herrschaftsgebilde beigemessen, die in unmittelbarer Nachfolge des Römischen Reiches zu suchen sind. So wird bei Untersuchungen, ganz gleich welcher Art, die Person des Karl Martell sowie sein Wirken, und hier insbesondere die Gründung einer der wegweisenden Dynastien, keineswegs ignoriert oder ‚übergangen‘ werden können. Es ist viel bekannt über den austrischen Hausmeier, der sich nur in Ausnahmefällen nicht auf ‚Kriegszug‘ befand, über einen Herrscher, der zwar kein König war, aber beinahe wie ein solcher agierte, über den ‚Verteidiger Europas‘, über ‚Karl der Hammer‘, um nur einige seiner geläufigen Beinamen zu nennen. Folgende Arbeit wird sich insofern auch teilweise mit dem ‚Phänomen Karl Martell‘ auseinandersetzen, soll aber vielmehr die Rahmenbedingungen für die Ursachen der ‚Schlacht bei Poitiers 732‘ aufzeigen. Die Themengrundlage basiert demnach auf der Multiperspektivität der Beteiligten, die folgend sehr vereinfacht in zwei agierende ‚Parteien‘ unterteilt werden: in ein ‚europäisches Christentum‘ und einen ‚arabischen Islam‘. Folgende Arbeit will untersuchen, ob die Schlacht von Poitiers ein bewusster Zusammenprall zweier Kulturen war, oder ob vielmehr die Expansionsbestrebungen einem Machterhaltungswillen gegenüberstanden und somit entscheidend waren; inwieweit Karl Martell Gründe und ein Interesse besaß, in Burgund einzugreifen und ob es sich bei der Schlacht um die so oft zitierte „Entscheidungsschlacht“ handelte. Genannte Aspekte werden möglichst wenig vergleichend dargestellt und sollten im Kontrast gesehen werden. Die ersten beiden thematischen Kapitel werden einen Einstieg in das Thema geben, das folgende ist der Schlacht an sich vorbehalten. Daten und Fakten sind zwar meist sehr punktuell dargestellt, können dadurch aber auch die kultur-historische Brisanz des Themas besser im Gesamtzusammenhang verdeutlichen. Erstmals aufgeführte Personen sind der Übersicht halber kursiv hervorgehoben.
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II. Franken im 8. Jahrhundert: Beginn der Karolingerdynastie
In den Jahren 629 bis 639 regierte der letzte starke Frankenkönig aus der Dynastie der Merowinger: Dagobert I. Nach seinem Tod ging die Macht, bedingt durch Streitigkeiten der Nachfolger, immer mehr auf den Adel über. Hier taten sich besonders zwei Geschlechter hervor: eines stammte aus den traditionell fränkischen Gebieten des Ostens (Austrien), das andere hingegen aus dem ‚neu erworbenen‘ Gebiet nördlich der Loire (Neustrien). Den Konflikt konnte das Geschlecht des austrischen Hausmeiers Pippin von Herstal zu seinen Gunsten entscheiden. 1
Die Hausmeier waren ursprünglich Vorsteher des königlichen Haushalts und der königlichen Güter. Daher übernahmen sie schon im frühen 7. Jahrhundert auch die Führung des Heeres und gewannen in der Folge bestimmenden politischen Einfluss. Sie führten de facto die Regierung, während die Könige zu bedeutungslosen Schattenkönigen absanken. Als Pippin 714 starb, wurde sein Sohn Karl Martell bei der Nachfolge übergangen konnte sich aber bis 717 innerhalb seines ‚eigenen Hauses‘ durchsetzen und die Position des Hausmeiers in Austrien erlangen. Von da an stand ihm Raganfried, der größte Widersacher des Hauses der Pippiniden gegenüber, gegen welchen er ein Jahr später einen entscheidenden ‚Schlag‘ in der Schlacht vor Soissons ausführen konnte: „Chilperich und Raganfred wurden besiegt, wandten sich zur Flucht und entkamen; bei ihrer Verfolgung drang Karl schnell bis Paris vor. […] als König setzte er Clothar ein.“ 2
Dass er nicht nur siegen konnte, sondern auch sehr geschickt in staatsmännischer Handhabung war, bewies eine seiner wichtigen Reformen: so verschenkte er nicht mehr königlichen Grundbesitz, sondern stellte ihn in Lehensform zur Verfügung. Jene, die ein Lehen bekamen, waren fortan verpflichtet, dem König Kriegsdienste zu leisten, und zwar beritten sowie mit vollständiger Ausrüstung. Der Machtverlust der Merowinger, wird insofern deutlich, als dass die Merowinger in Form der Auslieferung Chilperichs an Karl 718 die letzte Erwähnung in den Metzer Annalen erfahren. 3 Genannter Chilperich wurde vom Herzogen Eudo ausgeliefert, der sich so etwas wie ein unabhängiges Reich (Aquitanien) geschaffen hatte, und zuvor ebenfalls gegen Karl aufbegehrte, sich nun nach erneuter
1 Vgl. Parker, Goeffrey (Hg.): Historischer Weltatlas, München 1996, S. 106f.
2 Aus: Kusternig, Andreas (Übers.): Quellen zur Geschichte des 7. und 8. Jahrhunderts (Bd. IVa), Darmstadt
1982, S. 283f.
3 Vgl. Nonn, Ulrich: Das Bild Karl Martells in mittelalterlichen Quellen, in: Jarnut, Jörg u. a. (Hg.): Karl Martell
in seiner Zeit, Sigmaringen 1994, S. 13.
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Arbeit zitieren:
Paul Jeute, 2002, Die Schlacht bei Poitiers im Jahre 732 - Verteidigung oder Zusammenprall zweier Kulturen?, München, GRIN Verlag GmbH
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