Inhalt:
1. Einführung 2
2. Definition 3
3. Die Karikatur im Politikunterricht 6
3.1. Äußerer/innerer Nutzen der Karikatur im Politikunterricht 6
3.2. Vorgehensweise im Unterricht 8
3.3. Erfahrungen des Autors beim Einsatz von Karikaturen 9
4. Beispiel-Karikatur: Afghanistan-Konflikt 10
5. Fazit 16
6. Literaturverzeichnis 18
7. Anhang 19
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1. Einführung
Wenn man heutzutage die Tageszeitung aus dem Briefkasten oder dem Zeitungsständer nimmt, so wird man nicht selten auf der ersten Seite eine große Zeichnung entdecken können, welche das Thema der Schlagzeile aufgreift und damit unterstreicht. Diese meist lustige Zeichnung, im Volksmund heute als Karikatur bekannt, reflektiert in der Regel ein aktuelles Thema aus einer meist satirisch-ironischen Perspektive heraus und wird bei einem informierten Betrachter vermutlich ein zumindest kleines Lächeln verursachen. Der Karikaturist erreicht dies durch seine kritische und belustigend dargestellte Meinungsäußerung zu einem diskutierten Thema, welche sich mal mehr und mal weniger versteckt in der Karikatur entdecken lässt und in jedem Fall parteiische Position ergreift (vgl. Kalb 2006: 280). Er wird damit selbst zum Journalisten, was Päge in seiner umfangreichen Arbeit über Karikaturen im Journalismus untersucht und bestätigt hat (vgl. Päge 2007: z.B. 7). Karikaturen gehören somit zum Alltag des politischen Journalismus und damit automatisch auch der politischen Meinungsbildung und -schaffung. Im Politikunterricht wird genau dies getan. Schülern und Schülerinnen wird politisches Denken und eine kritische Betrachtungsweise beigebracht, was ihnen die Entwicklung einer persönlichen Meinung zu politischen Themen und Ereignissen ermöglicht. Karikaturen sollten dementsprechend ebenso zum regelmäßig gebrauchten Repertoire eines guten Politikunterrichtes gehören, wie es in jeder Zeitung der Fall ist.
Diese Arbeit wird, nach einer grundsätzlichen Definition und Einführung in den Begriff, den Nutzen und Einsatz der Karikatur im Politikunterricht untersuchen und anhand eines Beispiels aus dem Themengebiet der Internationalen Beziehungen genauer darstellen. Hierbei wird herausgearbeitet werden, welche Inhalte mit Hilfe der Karikatur gelehrt werden können. Die Arbeit soll so zum Arbeiten mit dem Medium anregen und mit Hilfe des behandelten Beispiels Vorschläge für den eigenen Unterricht liefern. Gleichzeitig soll sie Tipps für den korrekten Gebrauch liefern, um aus der Karikatur ein qualitatives Unterrichtsmedium machen zu können.
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2. Definition
Der Begriff „Karikatur“ lässt sich aus dem italienischen Wort „caricatura“, zu Deutsch eigentlich „Überladung“, bzw. „caricare“ herleiten, was dem eigentlichen Charakter der Karikatur mit der deutschen Übersetzung „übertrieben“ bereits sehr nahe kommt (Duden Universalwörterbuch 1 ). Diese Wortentlehnung kam in der deutschen Sprache im internationalen Vergleich jedoch erst sehr spät auf. Erst im 18. Jahrhundert ersetzte das neue Wort „Karikatur“ die bis dahin verwendeten Begriffe „Zerrbild“ bzw. „Spottbild“ (Duden Fremdwörterbuch 2 ), welche beide aber unterschiedliche Bedeutungen hatten.
„Meint das Zerrbild eine überladene und zugespitzte Darstellung eher individueller Personen und ihrer Eigenschaften, so richtete sich das Spottbild direkt gegen bestimmte Gruppen, Institutionen in einer eher typisierenden Form mit dem Ziel, das Dargestellte zu schmähen, bloßzustellen, zu verunglimpfen.“ (Kuhn/Merz 2005: 4)
Diese Unterscheidung findet sich heute noch als Verweis im Duden unter dem nun mehrbedeutenden Begriff „Karikatur“, wo dieser mit folgender Definition beschrieben wird: „Zeichnung o.Ä., die durch satirische Hervorhebung bestimmter charakteristischer Züge eine Person, eine Sache od[er] ein Geschehen der Lächerlichkeit preisgibt“ (Duden Universalwörterbuch). Diese treffende Definition fasst somit kurz zusammen, dass es - wie wir nun wissen etymologisch aufgrund der Zusammenlegung der beiden ursprünglichen Begriffe - verschiedene Typen von Karikaturen gibt, welche nun wieder sprachlich von einander differenziert werden müssen. Marienfeld entwickelte hierfür eine Typologie, welche heute innerhalb der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Karikaturen meist auf Akzeptanz stößt und angewendet wird. In seinem 1990 erschienen Aufsatz teilt er den Aufbau einer Karikatur zunächst in die formale und inhaltliche Ebene auf, welche dann in Subkategorien unterteilt werden (vgl. Marienfeld 1990: 16ff). So betrachtet die formale Ebene wer oder was in der Karikatur dargestellt ist und unterscheidet hierbei die
1 Siehe: Duden: Deutsches Universalwörterbuch, 6., überarbeitete und erweiterte Auflage. Seite 931.
2 Siehe: Duden: Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. Seite 392f.
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„apersonale Sachkarikatur“, die „personale Typenkarikatur“ sowie die „personale Individualkarikatur“ (vgl. ebd.).
Bei der seltenen apersonalen Sachkarikatur wird ein karikiertes Objekt in den Mittelpunkt gestellt, welches ohne direkten personalen Bezug ist (vgl. ebd.). Zu beachten ist hierbei, dass eine solche Karikatur trotz ihres apersonalen Charakters schnell vom Betrachter mit Personen in Verbindung gebracht werden können. Dies ergibt sich meist durch den aktuellen Hintergrund der Karikatur und ist in einem solchen Falle oftmals vom Karikaturist intendiert. Die personale Typenkarikatur bezieht sich auf bestimmte Gruppierungen von Personen, die in verschiedenen Formen existieren können (vgl. ebd.). So kann es sich dabei beispielsweise um Nationen, Religionen, Institutionen und Verbände oder bestimmte soziale Gruppen bzw. Schichten handeln, welche durch die Darstellung eines bestimmten Merkmales oder einer im besonderen Umfang mit dieser Gruppe in Verbindung gebrachten Person oder einem Objekt karikiert werden. Als typisches Beispiel kann man hier die Flagge eines Staates oder ein personifiziertes Flaggensymbol wie den deutschen Adler oder den Berliner Bären nennen. Aber auch etablierte Klischees oder Vorurteile können in personifizierter Form auftreten, um die damit assoziierte Gruppe in der Karikatur zu vertreten.
Die personale Typenkarikatur stellt die letzte und am häufigsten vorkommende formale Kategorie der Karikatur dar. Wie der Name vermuten lässt, rückt diese eine einzelne Personen in den Vordergrund, welche durch die übertriebene Darstellung eines oder mehrerer charakteristischer Merkmale dargestellt wird. Meist greift der Karikaturist das markanteste äußere Merkmal einer Person auf, um dessen Besonderheit noch weitaus mehr zu betonen als es bereits der Fall ist, und somit die Karikatur belustigend zu gestalten. Als Ergebnis findet man Zeichnungen vor, welche real existierende Personen mit einer extrem großen Nase, einem riesigen Kinn oder auch visuell dargestellten
Charaktereigenschaften oder Angewohnheiten zeigen. Diese Übertreibung führt dazu, dass der Betrachter das entsprechende reale Gegenstück einer gezeichneten Figur trotz hoher Abstraktion schnell wiedererkennen wird.
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Die zweite von Marienfeld unterschiedene Ebene stellt die inhaltliche dar (vgl. ebd.). Auch hier unterscheidet er zwischen drei Kategorien, welche größtenteils selbsterklärend sind. Die Ereigniskarikatur beschäftigt sich mit einem speziellen Geschehnis, welches die Karikatur aufgreift. Dabei handelt es sich üblicherweise um ein aktuelles Ereignis, was seine Ursache in der Tatsache findet, dass die meisten Karikaturen in Tages- oder Wochenzeitungen erscheinen und mit einem politisch aktuellem Artikel verknüpft sind. Generell stellt dies jedoch kein obligatorisches Kriterium dar, denn auch bei einer aktuellen Karikatur, welche ein schon lange vergangenes Ereignis zeigt, handelt es sich um eine Ereigniskarikatur.
Eine Prozesskarikatur liegt dann vor, wenn ein Wandel jeglicher Art dargestellt wird. Meist erfolgt dies durch eine Bilderreihe, welche einen Zustand vor und nach der vollzogenen Wandlung zeigt. Der Karikaturist kann durch einen solchen Typus kritisch auf eine aktuelle noch stattfindende oder gerade stattgefundene Entwicklung hinweisen. Aber auch mögliche zukünftige Entwicklungen durch beispielsweise eine gerade vollzogene politische Entscheidung kann der Zeichner in seiner Prozesskarikatur verarbeiten um so auf Risiken und seine Befürchtungen hinzuweisen.
Die letzte inhaltliche Kategorie wird durch die Zustandskarikatur belegt. In dieser werden aktuelle Zustände verschiedenster Art vom Karikaturisten in kritischer Form dargestellt. Meist erfolgt dies um auf Missstände in einer Gruppe, einem Land oder gar der Welt hinzuweisen. Generell erheben diese Typologien keinen Anspruch, die gesamte Karikatur damit abzudecken. Es gibt durchaus Karikaturen, welche aufgrund ihrer Komplexität gleich mehrere dieser Typen beinhalten. Die Karikatur, welche in dieser Arbeit genauer betrachtet werden soll, wird solch einen Fall darstellen.
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Arbeit zitieren:
Christian Götzinger, 2011, Karikaturen im Politikunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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