Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
1.1 Begriffsdefinition: Inklusion Integration 3
1.2 Kurzer historischer Einblick 4
2 Bildungswissenschaftliche Theorie der Inklusiven Pädagogik 5
2.1 Erklärungsansätze nach Bourdieu und Luhmann 7
2.2 Entwicklungslinien: Allgemeine Pädagogik/Sonderpädagogik 9
2.3 Entwicklungsstufen: Integration und Inklusion 12
2.4 Kritische Sichtweisen 13
3 Fazit 16
Literaturverzeichnis 18
2
1 Einleitung
Der Begriff der „Inklusiven Pädagogik“ findet sich zunehmend häufiger in wissenschaftlichen Diskussionen wieder, wenn es um den Umgang mit Differenz und Heterogenität geht. Vor allem im Bereich der schulischen Bildung und Erziehung rückt die Thematik stärker in den Fokus. Im Folgenden soll sich mit dem Inklusionsbegriff im theoretischen Kontext von Pädagogik näher befasst werden. Im Fokus dieser Arbeit steht die Frage: Stellt der Inklusionsbegriff etwas Neues dar oder handelt es sich um eine erweiterte Form des bereits bestehenden Integrationsbegriffs, der lediglich in einer anders gedachten Richtung repräsentiert wird? Zur Beantwortung soll ausschließlich eine theoretische Betrachtung des Inklusionsbegriffes erfolgen. Hierfür werden zunächst Begriffsdefinitionen und die wesentlichen, historischen Aspekte dargestellt, um einen Überblick über die Thematik zu erlangen. Darauf aufbauend wird eine Betrachtung der bildungswissenschaftlichen Theorie erfolgen, die durch zwei theoretische Annahmen von Bourdieu und Luhmann unterlegt wird. Im Anschluss daran möchte ich die vorangegangene Aspekte aufgreifen und auf die Dichotomie des deutschen Bildungssystems näher eingehen. Auch hier sollen zunächst grundlegende Entwicklungslinien skizziert werden, so dass darauf basierend die Entwicklungsstufen der Integration bzw. Inklusion dargestellt werden können. In Bezug darauf werde ich kurz den aktuell herrschenden wissenschaftlichen Disput thematisieren und mittels kritischen Aspekten belegen. Abschließend folgt ein Fazit.
Im Verlauf der Arbeit wird sich bei der Auseinandersetzung mit der Thematik hauptsächlich auf den Inklusionsbegriff im deutschsprachigen Raumes bezogen. Weiterhin soll die Dimension der Behinderung Schwerpunkt bei der Betrachtung von Heterogenität sein. Wohingegen Heterogenität aus kultureller und sozialer Sicht eher in den Hintergrund tritt. Dies ist im Wesentlichen der Literatur geschuldet, da sich die Diskurse im Allgemeinen auf den Heterogenitätsaspekt der Behinderung beziehen. 1.1 Begriffsdefinition: Inklusion‐ Integration
Im Handlexikon der Behindertenpädagogik definiert Andreas Hinz den Ansatz der Inklusion als „...allgemeinpädagogische[n] Ansatz, der auf der Basis von Bürgerrechten argumentiert, sich gegen jede gesellschaftliche Marginalisierung wendet und somit allen Menschen das gleiche volle Recht auf individuelle Entwicklung und soziale Teilhabe ungeachtet ihrer persönlichen Unterstützungsbedürfnisse zugesichert sehen will. Für den Bildungsbereich bedeutet dies einen uneingeschränkten Zugang und die unbedingte Zugehörigkeit zu allgemeinen Kindergärten und Schulen des sozialen Umfeldes, die vor der Aufgabe stehen, den individuel-
len Bedürfnissen aller zu entsprechen - und damit wird dem Verständnis der Inklusion entsprechend jeder Mensch als selbstverständliches Mitglied der Gemeinschaft anerkannt“ (Bleidick 2006: 97f.).
Zurückzuführen ist der Begriff Inklusion auf die mittellateinische Sprache und den Begriff Inklusiven, der die Situation des „eingeschlossen seins“ beschreibt. Der lateinischen Wortbedeutung nach beschreibt die Bezeichnung Inklusion auch die "Beziehung des Enthaltenseins" in einer Menge bzw. die Dazugehörigkeit zu oder das Einbezogensein in diese(r) (vgl. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion 2003: 622). Folgt man der Definition von Hinz hat der Begriff heutzutage eine annähernd gleiche Bedeutung. Nach gebräuchlicher Lesart und Verständnis ist der Inklusionsbegriff auf gleicher semantischer Ebene wie „einschließlich“ und „inbegriffen“ zu sehen. Betrachtet man den Begriff der Inklusion muss auch der Integrationsbegriff berücksichtigt werden, da beide Begriffe in wissenschaftlichen Diskursen in enger Verbindung zueinander stehen. Hinsichtlich der Bedeutung ist zwischen dem Inklusions-und Integrationsbegriff keine eindeutige Abgrenzung ersichtlich, da auch der Integrationsbegriff als Eingliederung in eine Gesamtheit zu verstehen ist. Integration leitet sich vom lateinischen „integer“, bzw. „integrare“ ab, was „heil, unversehrt machen, wiederherstellen, ergänzen“ bedeutet. Das lateinische „integratio“ wird mit „Wiederherstellung eines Ganzen“ übersetzt. Die soziologische Bedeutung von „Integration“ wird mit „Verbindung einer Vielfalt von einzelnen Personen od. Gruppen zu einer gesellschaftlichen und kulturellen Einheit“ angegeben (vgl. Scott 2006). Bereits aus diesen Definitionen lässt sich ein wesentlicher Unterschied der beiden Begriffe erkennen. Während Integration einen Vorgang zur Herstellung eines angestrebten Zustandes beschriebt, impliziert Inklusion einen bereits bestehenden Zustand. 1.2 Kurzer historischer Einblick
Rückblickend auf die vorangegangenen Darstellungen hat der Inklusionsbegriff einen weit zurückliegenden Ursprung. Letztlich wurde der Begriff aus dem amerikanischen Raum in das deutsche Sprachverständnis eingeführt und somit auch in die erziehungswissenschaftlichen Theorien. Nach Theunissen (2006:13ff.) ist der amerikanische Inklusionsbegriff auf eine Bürgerbewegung in den 1970er Jahren zurückzuführen. Es setzten sich behinderte Menschen und deren Angehörige für die Interessen und gesellschaftliche Teilhabe behinderter Menschen ein. In Folge dieser Bürgerbewegung etablierte sich Inklusion als Fachbegriff in USamerikanischer und kanadischer Fachliteratur. Erst 1994 wurde der Inklusionsbegriff zu einem international verwendeten Fachbegriff. Dies geschah im Anschluss an die „World Con-
ference on Special Needs Education“ und ihrer verabschiedeten Abschlusserklärung (Salamanca-Statement) in Salamanca (vgl. UNESCO 1994). Im Nachtrag des Salamanca-Statements merkten Liesen/Felder (2004: 13) an, dass der Inklusionsbegriff eigentlich nur durch eine kleine Gruppe britischer und amerikanischer Wissenschaftler formuliert worden ist. Daher liegt es hier nahe zunächst das englischsprachige Verständnis von inclusion zu hinterfragen.
2 Bildungswissenschaftliche Theorie der Inklusiven Pädagogik
Im Folgenden Kapitel soll sich mit der bildungswissenschaftlichen Theorie der inklusiven Pädagogik auseinandergesetzt werden. Hierfür wird zunächst die vorangegangene Frage des englischen Verständnisses von Inklusion nochmals aufgegriffen, um schließlich die Auffassung im deutschsprachigen Raum zu thematisieren. Zudem sollen grundlegende differenzthe-oretische Betrachtungen erfolgen, die zum einen bezugnehmend auf Bourdieus Auffassung sozialer Positionierung sind und sich zum anderen auf Luhmanns Systemtheorie stützen. Vor diesem Hintergrund wird dargestellt, wie sich ein dichotomes Bildungssystem in Deutschland entwickeln konnte und inwiefern die Debatte um eine inklusive Pädagogik kritische Sichtweisen offen legt.
Nach Kailer (2006) wird in England das jeweilige Verständnis von Verschiedenheit und Special Need sowie die Konzepte Inclusion und Integration voneinander getrennt. So fielen unter den Terminus der integrativen Betreuung Kinder/Jugendliche mit Wahrnehmungsdefiziten, Lernschwierigkeiten oder physischen Beeinträchtigungen. Hingegen galt der Terminus Special Need nur Kindern/Jugendlichen, die Muttersprachler (Englisch) waren. Somit war in diesem Kontext ein diagnostizierter sonderpädagogischer Förderbedarf für Kinder und Jugendliche maßgeblich, um eine integrative Betreuung zu erhalten. Hingegen bezieht sich das wissenschaftliche Verständnis von Inklusion auf ein umfassenderes Spektrum von Verschiedenheit. Theunissen (2006: 16) beschreibt bezüglich der USA, dass trotz gesetzlich festgeschriebener rechtlicher Gleichstellung und schulischer Integration die Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf auch weiterhin nicht in Regelklassen des allgemeinbildenden Schulsystems, sondern lediglich in Sonderklassen innerhalb der allgemeinen Schulen unterrichtet werden. Wenngleich sich diese Beobachtung auf die USA bezieht, so scheint sie doch auch repräsentativ für Deutschland zu sein.
Aus der Salamanca-Erklärung geht ein Inklusionskonzept hervor, indem sich durchaus eine Erweiterung der bereits vorhandenen Integrationskonzepte erkennen lässt. „Das Leitprinzip, das diesem Rahmen zugrunde liegt, besagt, dass Schulen alle Kinder, unabhängig von ihren physischen, intellektuellen, sozialen, emotionalen, sprachlichen oder anderen Fähigkeiten aufnehmen sollen. Das soll behinderte und begabte Kinder einschließen, Kinder von entlegenen oder nomadischen Völkern, von sprachlichen, kulturellen oder ethnischen Minoritäten sowie Kinder von anders benachteiligten Randgruppen oder -gebieten“ (vgl. UNESCO 1994). Es wird der Wunsch und Bedarf nach mehr Verschiedenheit der schon bestehenden Integrationskonzepte erklärt. Diese Idee ist in den Ausführungen der Salamanca-Erklärung zentral. Doch dieser größer gefasste Gedanke des Integrationskonzeptes erweist sich in der deutschsprachigen Auseinandersetzung als problematisch. Für Unstimmigkeiten sorgt schon die Übersetzung des englischen Terminus inclusion. Aus deutschsprachiger Sicht wird inclusion mit dem Begriff Integration gleichgesetzt (vgl. UNESCO 1994). Zunehmend häufiger gibt es aber auch nahezu wortwörtliche Übersetzungen von inclusion zu Inklusion. Hier sei kritisch angemerkt, dass sich Deutschland nach Beendigung der Konferenz als Fürsprecher einer nationalen Erklärung zeigt, trotz der Tatsache, dass es in der deutschen Erziehungswissenschaft keine eindeutige Abgrenzung für die im Dokument enthaltenen Fachtermini „Integration und Inklusion“ gegeneinander gibt. Entscheidend ist jedoch, dass das deutsche Verständnis von Integration im Rahmen der Sonderpädagogik ein weitaus größeres Spektrum hat, als jenes in z.B. England. So werden nach Keiler (2006) auch Kinder mit anderer Muttersprache, innerhalb Deutschlands, in sonderpädagogische Integrationsbemühungen mit einbezogen. Folglich ist davon auszugehen, dass auf internationale Ebene diverse Auffassungen von Inklusion herrschen. Selbst innerhalb des deutschsprachigen Raumes gibt es verschiedene Deutungen. Sander (vgl. 2004: 11) führt drei sich nach Stringenz und Inhalt unterscheidende Bedeutungen von inclusion an:
Nach Sanders Idee kann Mainstreaming als Hauptauffassung gelten. Dabei ist Inklusion gleich Integration, wobei die Wörter ebenso semantisch verwendbar sind.
Inklusion entspricht einer optimierten Integration, indem die Schwächen einer real existierenden Integrationspraxis bei der Inklusion systematisch vermieden werden.
Inklusion ist eine erweiterte und optimierte Form der Integration.
Arbeit zitieren:
Julia Böhm, 2011, Der Inklusionsbegriff in der Pädagogik, München, GRIN Verlag GmbH
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