Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Subjekt als Begriff 3
Subjekt und Mythen 4
Subjekt und Moral 5
Subjekt und Macht 6
Subjekt und Mythen heute 8
Zusammenfassung 9
Literaturverzeichnis 10
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Einleitung
In einer Zeit, in der immer wieder über den Verfall von Werten und Normen diskutiert wird, in der der Mensch durch die ihn umgebende Gesellschaft und deren ihren Mitgliedern zugestandenen Freiheit (sofern es eine solche überhaupt gibt) immer wieder dazu angehalten wird, über sich selbst zu reflektieren, um sich letztendlich dem Zeitgeist der individuellen „Selbstverwirklichung“ anzupassen und dabei auch mitunter einer stetig um sich greifenden Orientierungslosigkeit erliegt, erfahren die Ansichten der Historischen Anthropologie mit ihren dokumentierenden Beschreibungen über das Wesen des sogenannten „Subjekts“, zumindest meiner Meinung nach, immer mehr an Bedeutung.
Die Historische Anthropologie liefert dabei jedoch keine Lösungen, versteht sie sich doch als eine beschreibende, aber nicht bewertende und schon gar nicht als verallgemeinernde Wissenschaft. Sie will den Menschen von heute primär beschreiben, vor allem wie sich das aktuelle Menschenbild und sein so stark ausgeprägter Subjektbegriff entwickelt hat.
Mit ihren Instrumentarien werde ich nun versuchen, näher auf den Begriff des „Subjekts“ in Hinblick auf die Entwicklung der damit Hand in Hand gehenden „Mythen“ in Hinblick auf die heutige Gesellschaft einzugehen versuchen.
Subjekt als Begriff
Historische Anthropologie sieht das „Subjekt“ zunächst einmal als eine Art Erfindung des Menschen an, eine Art Selbstinterpretation, die sich von Zeit zu Zeit, von Epoche zu Epoche wieder ändern und letztendlich sogar auch wieder verschwinden kann. Sprechen wir also heute von einem „Subjekt“, kommt uns (als eben eine solche zeitgebundene Selbstinterpretation) das selbstbewusste, selbständige, nach persönlicher Selbstverwirklichung strebende und trotz aller sozialen Bindungen freie Wesen namens „Mensch“ in den Sinn. Dem war aber nicht immer so. Der Begriff des „Subjekts“ entstand erst im späten Mittelalter. Zuvor bezog er sich nämlich auf die einer Sache zugrunde liegenden Substanz (griech.: „hypokeimenon“). Erst im Laufe der Zeit, bedingt durch gesellschaftliche Veränderungen (z.B.: der Übergang zum Feudalsystem, die Etablierung des Christentums, die Renaissance, und vor allem die
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Aufklärung, die den Menschen aus dem Schatten einer allmächtigen und bevormundenden Gott-Vater-Figur treten ließ), entwickelte sich eine wachsende Ichbezogenheit und somit auch der nun auf das menschliche Wesen angewandte selbstbewusste Subjektbegriff.
Will man nun den Subjektbegriff, so wie er sich uns heute darbietet, verstehen, muss man dabei auch seine bisherige Entwicklung betrachten.
Subjekt und Mythen
Schon immer war es des Menschen Bestreben, sich selbst und seine ihn umgebende Natur in all ihrer Komplexität zu begreifen, zu definieren und zu regulieren. Und wenn er sich dabei vielleicht, zumindest anfangs, noch keines eigenen Selbstverständnisses (so wie wir es heute kennen) bewusst war, bediente er sich dennochgemäß seines jeweiligen Entwicklungsgrades und des
Ausprägungsgrades seines sozialen Umfeldes beziehungsweise seiner Kulturbestimmter ihm entsprechender Erklärungsmodelle. Anfangs dienten ihm dabei diverse Geschichten, die wir heute „Mythen“ nennen, (und mit denen sich immer eine soziale Gruppe von Menschen identifizierte) über die Entstehung der Welt, des Menschen und die Götter als Werkzeug im alltäglichen Leben. Mythen stellen somit in gewisser Weise einen Beleg darüber dar, wie sich die Menschen einer bestimmten Kultur oder Epoche „selbst“ wahrgenommen haben.
So gibt und gab es Mythen zu praktisch jedem Bereich (und auch Begriff) des Lebens, wie zum Beispiel: die Entstehung der Welt, das Bild der beiden Geschlechter und ihr Verhältnis zueinander, die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt, die ideale Gesellschaft, das Kind, den Vater, die Mutter, der Herrscher, das Abnormale und vieles andere mehr.
Sinn und Zweck dieser Mythen, dieser Welterklärungsmodelle, war (und ist) es immer, ideale Bilder (mit denen man sich identifizieren konnte beziehungsweise auch mitunter musste) von einer Gesellschaft mit all ihren darin lebenden Menschen zu liefern, um dies alles letztendlich auch in irgendeiner Form (von Kultur zu Kultur und Zeitepoche immer mit verschiedenem Verbindlichkeitsgrad) zu ordnen oder aber auch eine bereits (besonders bei Naturvölkern) gegebene Ordnung, die sich aus der Arbeitsaufteilung im täglichen Kampf ums Überleben von selbst ergibt, zu untermauern beziehungsweise verständlich zu machen.
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2002, Mythen im Schatten unserer subjektbezogenen Gesellschaft, Munich, GRIN Publishing GmbH
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