Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Dieter Lenzen: Kindheit als soziales Konstrukt 3
Meike Sophia Baader: Der romantisierte Kindheitsmythos 6
Heinz Hengst: Von der Lebensphase zur Lebensform 7
Zusammenfassung 9
Literaturverzeichnis 9
2
Einleitung
Denkt man heute an die Begriffe „Kind“ und „Kindheit“, erstehen in den meisten Menschen immer noch idyllische, romantische Bilder von zu hegenden oder zu pflegenden zerbrechlichen Wesen, die auf das Leben in der „Erwachsenenwelt“ durch vermehrte Hinwendung, Erziehung und Liebe vorzubereiten sind. Hinzu kommt noch, dass „Kinder“ heute nicht mehr nur Kinder im Sinne von „Nachwuchs“, sondern vielmehr Lebensmittelpunkt von Eltern aber auch wichtige Adressaten der Wirtschaft geworden zu sein scheinen.
Dass dem nicht immer so war, und dass selbst die hier geschilderte Ansicht nicht (mehr) unbedingt der uns umgebenden Welt der modernen Konsumgesellschaft entspricht, sondern vielmehr durch eine um sich greifende Unsicherheit im Umgang mit ihnen im Begriff ist sich auch weiterhin zu verändern, soll in dieser Arbeit durch den Vergleich dreier mir vorliegenden Texte (von Dieter Lenzen, Meike Sophia Baader und Heinz Hengst) veranschaulicht werden.
Dieter Lenzen: Kindheit als soziales
Konstrukt
Dieter Lenzen geht in seinem Beitrag nun von dieser soeben genannten um sich greifenden Unsicherheit beziehungsweise mitunter Orientierungslosigkeit, was die Erziehung von Kindern betrifft und die auch die Grenzen zwischen „Kind“ und „Erwachsenem“ heute immer mehr verschwinden lässt aus, um eine Geschichte der Kindheit zu rekonstruieren.
Er stellt dabei fest, dass es so etwas wie den Begriff „Kind“ oder „Kindheit“, so wie wir ihn zumindest heute verstehen, bis vor etwa 250 Jahren noch gar nicht gegeben hat. Im Mittelalter, zum Beispiel (laut Aries), gab es keinen abgegrenzten Bereich zu den Erwachsenen. Sobald ein Kind sich alleine bewegen und verständlich machen konnte, gab es keine Differenz mehr zur Erwachsenenwelt. So gab es zu dieser Zeit auch nicht so etwas wie „Erziehung“ oder gar eine Schulpflicht. Kinder schienen sich in jener Zeit gleich gekleidet, benommen und bewegt zu haben, wie ihre großen Vorbilder. Kinder schienen damals eine Art kleine Erwachsene gewesen zu sein.
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Aries vergleicht an dieser Stelle somit die Kindheitsgeschichte mit einer „Verfallsgeschichte“, bei der im Laufe der Jahrhunderte den Kindern immer mehr die Möglichkeit genommen wurde, in intensiver Interaktion mit Erwachsenen treten zu können.
Weiters führt Lenzen noch andere Zugänge zur Kindheitsgeschichte an, so wie zum Beispiel den Lloyd deMauses, der eben diese als „Fortschrittsgeschichte“ des Umganges mit Kindern (also von Gewalt bis hin zu einer einfühlsamen Erziehung) sieht, oder zum Beispiel auch sozialhistorische Zugänge zum Thema Kindheit, die das Ganze aus der Perspektive von sozialen Klassenunterschieden und deren Auswirkungen auf die Kinder betrachten.
Allen den hier angeführten (und auch nicht angeführten) Ansichten über die Geschichte der Kindheit ist jedenfalls gemeinsam, dass die von ihnen vermittelten Bilder über Kinder als Konstrukte der damals jeweiligen vorherrschenden Geisteshaltungen zu werten sind. So auch das Bild von Kindheit des 20. Jahrhunderts, das nicht zuletzt durch die Schriften der Schwedin Ellen Keys auf romantische Weise beinahezu „vergöttlicht“ wurde (und auf die ich noch bei Sophia Baader genauer eingehen werde).
Zuguterletzt führt Lenzen als Übergang zur heutigen Entwicklung weiters die These Neil Postmans an, dass in diesen Tagen „Kindheit“ immer mehr im Begriff sei zu verschwinden, indem sich einerseits die Erwachsenen zunehmend ihrer bisherigen Aufgabe (die Kinder zu erziehen) entziehen und andererseits auch die „Grenze“ zwischen Kinder- und Erwachsenenwelt, so zum Beispiel durch den massiven Einfluss der Massenmedien und dergleichen, immer mehr verschwindet. Auf diesen letzten der hier genannten Punkt werde ich im Laufe dieser Arbeit noch im Zusammenhang mit den Ansichten von Heinz Hengst zu sprechen kommen. Was nun die eigenen Ansichten Dieter Lenzens über das Thema Kindheit betrifft, so empfindet er diese, in Anlehnung an die bisher genannte Abfolge von sozial geprägten Bildern darüber, eben als „Mythologiegeschichte“, als Geschichte von sich ablösenden Kindheitskonstrukten von Erwachsenen. Die nun in unseren Tagen vorherrschende Problematik der zunehmenden Orientierungslosigkeit im Umgang mit „Erziehung“ und die schwindenden Grenzen zwischen „Kindern“ und „Erwachsenen“ führt Lenzen dabei hauptsächlich auf eine „Linearisierung des Lebenslaufes“ der Menschen zurück. Mit anderen Worten: Die in
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Arbeit zitieren:
2002, Geschichte und Gegenwart der Kindheit, München, GRIN Verlag GmbH
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