am Tag“. Viele Menschen wissen inzwischen was der glykämische Index ist und gehen wie selbstverständlich mit den Worten „Antioxidantien, Transfettsäuren oder sekundäre Pflanzenstoffe“ um. Aber Gemüse, Obst, Vollkornprodukte oder Seefisch stehen bei ihnen trotzdem seltener auf dem Tisch wie „Fast Food, Fertiggerichte oder fette Süßigkeiten“. Vor diesem Hintergrund wird sehr deutlich, dass Wissensvermittlung scheinbar wenig erreicht. Die Bemühungen und Erfolge der qualifizitierten Ernährungsfachkräfte werden aber auch durch „ausgewiesene Nichtexperten“ untergraben. Die Ernährungsaufklärung setzt gerade im Medialen Bereich vornehmlich auf Lebensmittelchemiker und Starköche. Das ist fast so, als würde die Wirtschaftssendung WISO Interviews zur Steuergesetzgebung mit Gas-Wasser-Installateuren führen.
Fehlernährung in Deutschland - Verfügbare Mengen an Lebensmitteln pro Kopf und Tag (Deutschland 1994): Istzustand Sollzustand Fleisch 255g - 50 % und geringerer Fettgehalt Fisch 41 g + 100 %, Seefisch Milch 286 g gleichbleibend - aber geringerer Fettgehalt Käse/Quark 52 g gleichbleibend - aber geringerer Fettgehalt Eier 36 g gleichbleibend Butter 20 g - 50 % Schlachtfette 11 g weglassen Margarine 20 g reich an ein-/mehrfach ungesättigten Fettsäuren, frei von Transfettsäuren und arm an gesättigten Fettsäuren Speiseöl 29 g reich an ein-/mehrfach ungesättigten Fettsäuren Getreideprodukte 201 g + 50 % - ballaststoffreich Hülsenfrüchte 2 g ein Hülsenfruchtgericht wöchentlich Kartoffeln 201 g gleichbleibend, fettarm zubereitet Stärke 2 g gleichbleibend Zucker 89 g - 80 % Honig 3 g gleichbleibend Kakaomasse 5 g gleichbleibend Gemüse/Gemüsesäfte 218 g + 50 % - schonend zubereitet Obst/Zitrusfrüchte/Säfte 347 g + 20 % - möglichst roh Kaffee/Tee 17 g gleichbleibend Erfrischungsgetränke 512 g zuckerfreie Lightgetränke Bier 382 g - 50 % Wein/Sekt 67 g gleichbleibend Trinkbranntwein 18 g weglassen 95 g Protein - 25 % 134 g Fett - 40 % 349 g Kohlenhydrate + 15 % 22 g Alkohol < 12-15 g 23,9 g Ballaststoffe + 30 % 974 mg Kalzium gleichbleibend - in Risikogruppen 1/3 mehr Kalzium zufuhr über fettarme Milchprodukte 423 mg Cholesterin - 55 % Definitionen, Ziele
Bei der Erwähnung des Begriffs Beratung fallen einem sofort verschiedene Situationen ein, in denen Einzelpersonen oder Gruppen aus einem Informationsbedürfnis heraus in Kommunikation mit Personen treten, die diese Wissenslücke fachlich und methodisch füllen können. Die reine Wissensvermittlung kann aber nicht zu einer Bewußtseinsänderung führen und genau diese ist notwendig, um eine dauerhafte Modifikation des Verhaltens zu erreichen. Aber es sind bestimmte Voraussetzungen notwendig, die berücksichtigt werden müssen, um von einer richtigen Beratung zu sprechen. Eine Definition nach Boland, die diese Aspekte mit einbezieht, lautet: „Im Beratungsprozess lässt sich der/die Berater/in auf eine partnerschaftliche Interaktion mit einem verunsicherten aber zur Bearbeitung seiner Situation motivierten Menschen ein, die zum Ziel hat, seine Schwierigkeiten durchsichtig zu machen und ihn zu befähigen und zu ermutigen, eine persönliche und sachliche Entwicklung einzuleiten. Dabei soll keine Abhängigkeit zum/zur Berater/in entwickeln, vielmehr soll der oder dem Ratsuchenden seine eigene Verantwortung für die Ingangsetzung und Durchführung von Änderungen verdeutlicht werden.“ 1
Eine andere Definition der Beratung, speziell auf die Ernährung bezogen, lautet nach Pudel und Westenhöfer:
„Ernährungsberatung ist auf den persönlichen Kontakt zwischen Berater und Klient abgestellt. Sie erfolgt im kommunikativen Wechselspiel, also im Dialog. Es geht darum, Ernährungsempfehlungen und Essverhalten in nähere Übereinstimmung zu bringen. Ernährungsberatung hat also mit Verhaltensproblemen zu tun.“ 2
Auch das Lexikon Der Ernährung3 liefert Definitionen für Begriffe, die mit der Ernährungs- und Diätberatung in Zusammenhang stehen: Diät: „Ernährungsempfehlung meist im Zusammenhang mit einer Erkrankung.“
Ernährung: „Die Aufnahme und Verwertung von flüssigen und festen Nahrungsstoffen im Organismus. Sie dient zur Energieversorgung, für den Aufbau von Körpersubstanz und zur Regulation von Stoffwechselprozessen und damit für Wachstum, Erhaltung und Fortpflanzung des Lebewesens. (...)“
Ernährungsmedizin: Klinische Ernährung, Teilgebiet der Medizin, das sich mit den (physiologischen und biochemischen) Grundlagen der Ernährung bei Gesunden, der Prävention, Diagnostik und Therapie ernährungsspezifischer Erkrankungen sowie der Überwachung der Nahrungsmittelqualität und des Qualitätsmanagements der ernährungstherapeutischen Versorgung beschäftigt. (...)“
Ernährungsberatung: „Ernährungsberatung ist eine Form der Beratung, die dazu dient, das individuelle Ernährungsproblem des Klienten zu lösen, Fehlernährung und ernährungsbedingte Krankheiten zu verhindern und bei Bestehen ernährungsbedingte Erkrankungen eine Heilung oder Besserung zu erzielen. (...) Ernährungsberatung ist dann wirksam, wenn es dem Klienten gelingt, erworbene Kenntnisse in seinen Einstellungen zu übernehmen und in seinen Alltag umzusetzen.“
Im Brockhaus Ernährung4 ist der Begriff Diätetik folgendermaßen definiert: „Lehre von der Zusammensetzung der Nahrung sowie von der Ernährung in besonderen Lebenssituationen, zum Beispiel bei Krankheiten, im Alter oder während der Schwangerschaft.“ Das Eß- und Trinkverhalten gehört zu den stabilsten menschlichen Verhaltensweisen. Das Eß-und Trinkverhalten kann nur im Rahmen eines langfristigen Lernprozesses gerändert werden. Der Kunde muß die persönlichen Nutzen und Vorteile einer Ernährungsumstellung vermittelt bekommen und selbst spüren. Spricht der Berater aber einseitig von Risiken oder Gefahren, stößt er auf Ablehnung und die Beratung ist zum Scheitern verurteilt. Erfolgreiche Diät- und Ernährungsberatung sind keine Instruktion des Kunden über die Grundprinzipien der bedarfsgerechten Ernährung. Erfolgreiche Diät- und Ernährungsberatung sind wiederholte Kommunikation über Essen und Trinken aus Kundensicht mit Vorschlägen von Alternativen in kleinen, vom Kunden auch tatsächlich umsetzbaren Schritten. Die Schritte müssen klein sein, um Mißerfolge beim Kunden vermeidbar zu machen. Nur kleine Schritte führen zum Erfolg. Rigide Maßnahmen und Kontrollen blockieren ein bestimmtes Verhalten völlig. Die geringste Verletzung der starren Regeln läßt das gesamte Kontrollsystem zusammenbrechen. Es kommt danach zur Gegenregulation. Flexible Kontrollen und Maßnahmen hingegen schränken den Verhaltensspielraum des Kunden weniger ein und ermöglichen eine Ernährungsumstellung. Ernährungserziehung - Leitziele (modifiziert nach B. Methfessel, Heidelberg):
traditionell
Gesundes Ernährungsverhalten falsch / richtig normativ fremdbestimmt, wertorientiert, gesellschaftlich
Ernährungserziehung - Methodik und Didaktik (modifiziert nach B. Methfessel, Heidelberg):
pauschal
Systematische, wissenschaftlich orientierte Lehrgänge
wissenschaftsorientiert (Sachstruktur) Wissensvermittlung (Ernährungslehre,
Diätetik, Nährstoffe, Kalorien, Tageskostpläne ...) gute Ratschläge (im Alltag in der Regel kaum anwendbar)
Im Bereich der Diät- und Ernährungsberatung definiert die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V., Bonn, die Beratung als eine Vermittlung von ernährungswissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen5. Diese Erkenntnisse stammen aus den Bereichen Ernährungsmedizin, Ernährungswissenschaft, Diätetik, Lebensmittelkunde, Koch- und Küchentechnik. Für die Ernährungs- und Diätberatung sind aber nicht nur Fachkenntnisse erforderlich, es kommt vielmehr auf methodisches, pädagogisches und diätetisches Geschick an. Dabei darf unter den Begriffen Diätberatung und Ernährungsberatung aber nicht pauschal dasselbe verstanden werden.
Der Unterschied zwischen Diätberatung und Ernährungsberatung liegt in der jeweiligen Zielgruppe. Während bei der Ernährungsberatung die gesicherten ernährungswissenschaftlichen Erkenntnisse zum Zweck der Prävention von ernährungsassoziierten Erkrankungen an Gesunde weitergegeben werden, also zur Prophylaxe, damit diese dann nach bestem Gewissen schädliche Faktoren in ihren Ernährungsgewohnheiten minimieren können, handelt es sich bei der Diätberatung um eine ernährungsmedizinisch-diätetische Maßnahme, die von Erkrankten durchgeführt werden sollte, um eine Besserung des Gesundheitszustandes zu erreichen und mögliche Spätfolgen, die durch die Vorerkrankung entstehen können, zu vermeiden. Die Diätberatung ist somit eine Therapie. Zur letzteren Gruppe zählen zum Beispiel die Diabetiker. Die folgende Zusammenstellung zeigt die ernährungsabhängigen Krankheiten, unterteilt in ernährungsbedingte Erkrankungen, Krankheiten, die auf eine Diättherapie ansprechen und Krankheiten, die eine Fehlernährung bedingen. Ernährungsabhängige Erkrankungen ernährungsbedingte Krankheiten (unpräzise auch als Ernährungsstörungen bezeichnet): Adipositas, Diabetes mellitus, Herz-Kreislaufkrankheiten, Hyperlipoproteinämien, Hypertonie, Gicht, Fettleber, Leberzirrhose, Lebensmittelintoleranzen, Marasmus, Mangelkrankheiten allgemein, Struma, viele Krebserkrankungen, Zahnkaries Krankheiten, die auf eine Ernährungstherapie ansprechen: Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Leberinsuffizienz, Pankreasinsuffizienz, Krankheiten des Magen-Darm-Traktes, Epilepsie, Osteoporose, Rheuma, seltene angeborene Stoffwechselkrankheiten Krankheiten, die Fehlernährung bedingen:
Resorptionsstörungen, Infektionen und Sepsis, Postaggression, Tumorkachexie, Anorexie, Bulimie, Alkoholismus
Quelle: Lexikon der Ernährung, Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg, Berlin; 2001; S.388
Die Ziele der Ernährungsberatung liegen in der Erhaltung der Gesundheit und der Vorbeugung von ernährungsassoziierten Erkrankungen, die selbst bei einer frühzeitigen Erkennung die Lebensqualität beeinflussen würden. Demnach ist die Ernährungsberatung unabhängig von der medizinischen Versorgung und auch nicht gesetzlich geschützt, im Gegensatz zur Diätberatung. Es ist nicht möglich, den Begriff „Ernährungsberatung“ rechtlich abzusichern. Es ist auch nicht möglich, gesetzlich zu definieren, wer Ernährungsberatung durchführen darf. Vor diesem Hintergrund bestimmen leider viele „ausgewiesene Nichtexperten“ und Personen, die insbesondere Produkte verkaufen möchten die Ernährungsberatung. Die Ziele der Diätberatung liegen in der Begrenzung, Besserung und Heilung von bereits bestehenden ernährungsabhängigen Erkrankungen, soweit dies mit diätetischen Maßnahmen zu erreichen ist, um die durch die Erkrankung verloren gegangene Lebensqualität weitestgehend wieder herzustellen.
Die folgende Grafik verdeutlicht die beschriebenen Aspekte der Diät- und der Ernährungsberatung mit den verschiedenen Ausgangssituationen und dem gemeinsamen Zielen dieser beiden Beratungsformen.
Hier Abb. 1 einfügen
Quelle: Dr. Ambrosius P, Ebbers B, Vey B, ProDiät . Der Ernährungsberater, Gesellschaft für Verlagsmarketing und Logistik mbH, Hannover 1999, S.63
Die Grundlage der beschriebenen Ziele bildet in beiden Fällen eine Verhaltensänderung in den Ess- und Trinkgewohnheiten, die notwendig ist, um die Empfehlungen der Ernährungsfachkräfte umzusetzen. Dafür ist es notwendig, das Bewusstsein beim Kunden für sein Ernährungsverhalten zu verändern. Der Kunde muss dafür emotional erreicht werden. Eine reine Wissensvermittlung erreicht das natürlich nicht. „Das Essverhalten gehört mit zu den stabilsten menschlichen Verhaltensweisen. (...) Ernährungsumstellung ist deshalb kein einmaliges Ergebnis“6 Eine solche Verhaltensänderung läuft in verschiedenen Stufen ab, die im folgenden dargestellt werden. Stufen der Verhaltensänderung ! Problembewusstsein (awareness)
Beispiel: „Mein Gewicht ist zu hoch“ - „ich sehe im Bikini schlechter aus als im vergangenen Jahr“ oder „ich habe Probleme mir die Schuhe zuzubinden - mein Bauch ist im Weg“. ! Einstellungsänderung (contemplation)
Beispiel: „Ich brauche nicht unbedingt Schokolade, um mich gut zu fühlen.“ ! Verhaltensabsicht (behavioural intention)
Beispiel: „Ich werde ab jetzt darauf achten, fettarme Lebensmittel zu essen, um wieder in meinen Bikini zu passen“, „ich esse mehr Gemüse, um mich gesünder zu ernähren“ oder „ich trinke mehr Mineralwasser, um weniger Süßes zu trinken und mein Gewicht zu reduzieren“. ! Verhaltensversuch (action)
Beispiel: „Ich versuche nun regelmäßiger zum Mittagessen, einen Salatteller zu essen“, „ich trinke vor jeder Mahlzeit ein Glas Mineralwasser“ oder „ich esse mittags Pellkartoffeln.“ ! Verhaltensstabilisierung
Beispiel: .Die Lebensmittel, die ich im Moment esse schmecken mir und ich fühle mich gut!“ ! Rückfallprophylaxe (relapse prevention)
Beispiel: „Für Tage an denen mich der Heißhunger überkommt, habe ich Alternativen im Haus.“ Quelle: modifiziert nach: Prof. Dr. J. Westenhöfer, Fachhochschule Hamburg, Fachbereich Ökotrophologie, 2001
Anhand dieser Punkte ist zu erkennen, dass für eine Verhaltensänderung zunächst das Problem erkannt werden muss. Dabei muss der Berater dem Kunden helfen. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, dass eine Diät- und Ernährungsberatung immer mit einer Anamnese des Klienten beginnt. In der Beratung ist grundsätzlich zwischen offenen und geschlossenen Fragen zu unterscheiden. Der Berater muss erkennen, wann welche Frageform hilfreich ist. Aber die
alleinige Kenntnis des Problems führt noch nicht zu einer Verhaltensänderung, da es sich um erlernte Ess- und Trinkgewohnheiten handelt, welche sich über Jahre oder Jahrzehnte entwickelt haben. Zuvor muss sich also noch die Einstellung gegenüber dem Problempunkt ändern und die Absicht bestehen, das Verhalten zu ändern. Auch nachdem diese Punkte gegeben sind, kommt es noch nicht zu einer endgültigen Verhaltensänderung. Es folgt zunächst ein Versuch, das Leben mit dem veränderten Verhalten zu gestalten. Das ist zum Beispiel beim Einkauf anfangs schwer, denn im Supermarkt werden noch immer all die leckeren Produkte angeboten, die zum Beispiel vor der Absicht, das Gewicht zu reduzieren, bevorzugt gegessen wurden. Hat derjenige sich dann aber an das veränderte Verhalten gewöhnt, kommt es zu einer Verhaltensstabilisierung. Aber auch wenn die Verhaltensänderung so weit gediehen ist, schützt das immer noch nicht vor einem Rückfall in die alten Verhaltensweisen, es muss kontinuierlich an den Ess- und Trinkgewohnheiten gearbeitet werden. Die Änderung des Ess- und Trinkverhaltens stellt einen Lernprozess dar, den jeder einzelne mit seinen persönlichen Möglichkeiten durchlaufen kann. Dabei kommt es vor, dass dieser Lernprozess mehrmals durchlaufen wird und Rückfälle zu bewältigen sind, ehe eine dauerhafte Änderung des Essverhaltens erreicht wird. Dieser Kreislauf wird durch das folgende Schema verdeutlicht, wobei der Punkt Ernährungsumstellung durch eine Diät- und Ernährungsberatung herbeigeführt wird. Hier Abb. 2 einfügen
Quelle: Gesund Essen, Empfehlungen für die ärztliche Ernährungsberatung und Ernährungstherapie, herausgegeben von der Bundesärztekammer, 2. überarbeitete Auflage, Köln, 1998, S.5
Rund 60 % der Bevölkerung in Deutschland sind übergewichtig. Der Durchschnitts-BMI in Deutschland liegt bei 27. Jedes 4. eingeschulte Kind ist adipös und 80 % der adipösen Jugendlichen werden auch adipöse Erwachsene. Von 1984 bis 1991 nahm die Zahl der Adipösen in Deutschland um 12 % zu. Die tägliche Energiezufuhr in Deutschland liegt laut Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V., Frankfurt am Main, bei rund 3.000 Kilokalorien, wobei der größte energetische Anteil den täglich aufgenommenen 130-140 Gramm Fett und 100 Gramm Zucker statistisch entstammt. Zusätzlich konsumiert der Durchschnittsdeutsche jährlich unglaubliche 11,8 Liter Alkohol (138 Liter Bier, 24 Liter Wein und Sekt sowie 6 Liter Spirituosen). Diese Faktoren fördern die Entwicklung des Typ 2 Diabetes mellitus. Die Prävention erfordert eine angepasste Ernährungsweise. Bisher sind alle Maßnahmen zur Veränderung des Ernährungsverhaltens weitgehend gescheitert. Diätassistenten und Diplom Oecotrophologen müssen akzeptieren, dass eine Änderung des Ernährungsverhaltens und eine Information über die Einhaltung von Ernährungsregeln nicht aufgrund rationaler Empfehlungen erfolgen können. Das Ernährungsverhalten wird nicht maßgeblich rational bestimmt. Die erfolgreiche Patientenführung ist die dialogorientierte Information. Die Kunden der Diät- und Ernährungsberatung haben ein Anrecht auf Information und die Ablehnung von Informationen. Oftmals besteht bei Diätassistenten und Diplom Oecotrophologen leider der Wunsch nach reiner Wissensvermittlung. In vielen Fällen ist die Beratung nicht dialog- und anwendungsorientiert. Eine wissenschaftliche Beratung ist in vielen Fällen nicht angezeigt. Diätassistenten und Diplom Oecotrophologen stoßen auf "taube Ohren", wenn Sie auf den Patienten einreden, um ihm Auskunft zu erteilen. Erfolgversprechender ist das Anregen zur Aktion. Bewertung von Essen und Ernährung (V. Pudel, 1991)
Essen: 47 % gut schmecken 9 % gesund, bekömmlich 12 % gemütlich, angenehme Atmoshäre 13 % schön gedeckter Tisch Ernährung: 24 % gut schmecken 15 % fettarm 18 % vitaminreich 11 % nicht dickmachend Funktionen der Diät und Ernährungsberatung
In der Diät- und Ernährungsberatung ist eine Unterscheidung in vier verschiedene Funktionen möglich: Auskunft erteilen
„Das Ernährungswissen des Patienten soll verbessert werden, er erhält beispielsweise Informationen über eine ausgewogene, gesunde Ernährung“7
Die reine Wissensvermittlung beherrscht oftmals die Beratungstätigkeit in Kliniken. Sie ist wenig zeitintensiv, aber auch wenig erfolgversprechend. Es ist immer wieder zu überprüfen, ob nicht andere Maßnahmen der Beratung für den Kunden besser wären. Es ist aber vorher genau abzuklären, was der Klient von einer Diät- und Ernährungsberatung erwartet, damit die Ernährungsfachkraft die Fakten auswählen kann, die für den Betroffenen von Interesse sind. Beispiel: Ein Klient möchte über Alternativen zu Milchprodukten bei einer Lactoseintoleranz informiert werden. Rat erteilen
Auch hier steht die Rationalität im Mittelpunkt der Beratung. Doch Vorsicht: Ratschläge können „Schläge in das Gesicht“ des Kunden sein. Der Klient soll durch die Ernährungsfachkraft Empfehlungen erhalten, in welcher Weise das Ess- und Trinkverhalten geändert werden kann. „Die Wirksamkeit einer empfehlenden Ernährungsberatung wird wesentlich durch den Wunsch des Patienten nach einem Rat, einer Lösung oder Anregung bestimmt.“ Beispiel: Ein Klient möchte beraten werden, wie er sein Gewicht am besten reduzieren kann. In diesem Bereich erwarten viele Kunden tatsächlich eine Auskunft oder einen Rat. Aber diese Maßnahmen können sicher nicht die Verhaltensänderung hervorrufen, die notwendig wäre, um dauerhaft - ja lebenslang - das Essverhalten umzustellen. Dafür ist eine Bewußtseinsschaffung für die Probleme und schließlich eine Bewußtseinsänderung, die zu einer Verhaltensänderung führt, notwendig. Zur Reflexion anregen
Zu einer erfolgreichen Diät- und Ernährungsberatung gehört es, dass der Klient seine Situation und Ernährungsgewohnheiten hinterfragt. „Die Wirksamkeit einer reflektierenden Ernährungsberatung hängt wesentlich vom Geschick ab, den Patienten durch weiterführende Fragen dazu zu bewegen, über die - meist selbst auferlegten Grenzen - hinauszudenken, mögliche Folgen einer Entscheidung zu prüfen.“ 7
Beispiel: Die Ernährungsfachkraft fragt den Klienten, was er über sein bisheriges Ernährungsverhalten denkt. Zur Aktion anregen
Die Ernährungs- und Diätberatung soll einen Anstoß und das nötige Wissen geben, um das Ernährungsverhalten zu modifizieren und somit die Folgen von ernährungsassoziierten Krankheiten zu mindern oder deren Entstehung zu vermeiden.
Beispiel: Der Diätassistent schlägt dem Klienten verschiedene Wege zu einer dauerhaften Gewichtsreduktion vor und motiviert den Klienten, sich für eine Möglichkeit zu entscheiden und diese in seinem Alltag umzusetzen.
Expertenwissen kann aber nur dann etwas bewirken, wenn die Umsetzung von Ratschlägen oder besser Empfehlungen leicht fällt und dem Kunden einen unmittelbaren Nutzen bietet. Bei Diätvorschriften (das heißt, es wird dem Kunden etwas vorgeschrieben und wer läßt sich schon gern etwas vorschreiben) liegt die Compliance (wörtlich Gehorsamkeit) nach Chr.-R. Weibach lediglich zwischen 8 und 29 %; wir sollten also niemals Compliance einfordern, sondern Mitarbeit, wollen wir zum Erfolg kommen. Weiß der Berater schon vor der Beratungseinheit, dass nur 10 oder 20 Minuten Zeit zur Verfügung stehen, schließt sich eine Beratung aus. Für einen dauerhaften Erfolg der Diät- und Ernährungsberatung sind die pädagogische Gestaltung des Patienten-Unterrichts, die Einbindung in die Diät- und Ernährungstherapie und den organisatorischen Gesamtablauf sowie eine gewisse Kenntnis der psychologischen Aspekte des Unterrichtens wesentlich. Diätassistenten und Diplom Oecotrophologen sind durch Ausbildung oder Studium oftmals unzureichend auf die Durchführung der Diät- und Ernährungsberatung vorbereitet. Jeder Unterricht und jede Beratungseinheit ob in der Einzel- oder Gruppenberatung muß geplant werden. Kontinuität, Reversibilität, Eindeutigkeit, Widerspruchsfreiheit und Angemessenheit liegen als Prinzipien auf allen Stufen der Planung. Diese Prinzipien gelten einheitlich auch für Schulungsteams. In Schulungsteams müssen alle Angehörigen des Teams den Prinzipien folgen. Grundlagen der Beratung:
Kontinuität: Reversibilität: Eindeutigkeit: Widerspruchsfreiheit:
Angemessenheit:
Notwendigkeit der Ernährungs- und Diätberatungen
Seitdem sich der Mensch dem Problem der Nahrungsbeschaffung durch permanent gefüllte Supermärkte entledigt hat, gibt es immer mehr Bedarf für Ernährungs- und Diätberatungen. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Eine Ursache beschreibt der folgende Satz treffend:
Arbeit zitieren:
M.Sc. Sven-David Müller, 2011, Grundlagen der Durchführung einer Diät- und Ernährungsberatung, München, GRIN Verlag GmbH
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