Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. 1
Tabellenverzeichnis. 2
1 Einleitung 3
2 Grundannahmen der Geistesgeschichte. 4
2.1 Definition des Begriffes „Geistesgeschichte“ 4
2.2 Positivismus als konkurrierende Methode und ihre Grenzen. 5
2.3 Die geschichtlich-gesellschaftliche Wirklichkeit als Erkenntnisobjekt 6
2.4 Verstehen statt Erklären: Ganzheitliches statt kausales Denken 6
3 Methodik der Geistesgeschichte. 7
3.1 Geistesgeschichtliche Verfahrensweisen. 7
3.1.1 Verstehen statt Erkennen 7
3.1.2 Isolieren der Werksphäre. 7
3.1.3 Intuitive Synthese 8
3.1.4 Deduktion und Bedeutung des Subjektes 8
3.1.5 Struktur 8
3.2 Hermeneutik als Erkenntnismethode. 9
3.2.1 Diltheys Universalisierung der Hermeneutik 9
3.2.2 Kunstmäßiges Verstehen und Nachfühlen 9
3.2.3 Einheit von Erlebnis und Werk 10
4 Kategorien des dichterischen Schaffens 10
4.1 Auswirkungen der Kategorien des Lebens auf das dichterische Schaffen. 10
4.1.1 Definition des Lebensbegriffs 11
4.1.2 Definition der Kategorie Erlebnis. 11
4.1.3 Definition der Begriffe Lebensbezug und Lebenswerte. 12
4.1.4 Definition des Begriffes Bedeutung 12
4.1.5 Definition des Begriffes „Seelischer Strukturzusammenhang“ 12
4.2 Die Auswirkung der dichterischen Phantasie auf das dichterische Schaffen. 13
4.3 Der Zusammenhang von Erlebnis und Ausdruck in der Poesie 14
4.4 Die Form als Gestaltungsmittel des Ausdrucks dichterischen Erlebens 15
5 Beispiel einer geistesgeschichtlichen Interpretation anhand der Erzählung „Die
Verwandlung“................................................................................................................. 16
5.1 Erzählung und Untersuchungsobjekt. 16
5.2 Persönlichkeitsorientierte Analyse 17
5.2.1 Dichterische Erlebnisse in der Erzählung. 17
5.2.2 Dichterische Weltanschauung in der Erzählung. 18
5.3 Motivanalyse in der Erzählung. 18
5.3.1 Vater-Sohn-Konflikt. 18
5.3.2 Verwandlungs- und Käfermotiv 19
5.4 Stil- und Formanalyse in der Erzählung 19
5.4.1 Elemente des Komischen und Grotesken 19
5.4.2 Sprachlicher Ausdruck 20
5.5 Bewertung. 20
6 Zusammenfassung 21
Literaturverzeichnis. 22
1
Tabellenverzeichnis
Tab. 1-1: Unterschiede Positivismus und Geistesgeschichte. 5
Tab. 3-1: Verfahrensweisen Positivismus-Geistesgeschichte. 7
2
1 Einleitung
Die methodische Herangehensweise an ein Werk, um es zu interpretieren oder zu verstehen, hat sich in den letzten Jahrzehnten gänzlich gewandelt. Stand in den fünfziger bis in den siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts noch die werkimmanente Interpretation im Vordergrund, so haben sich in den letzten Jahrzehnten die literaturtheoretischen Modelle und die Herangehensweise an literarische Texte erweitert. Dekonstruktivismus, Strukturalismus, Systemtheorie u. a. haben den Methodenkanon beträchtlich ergänzt.
Mit dieser Arbeit möchte ich einen Blick in die Vergangenheit werfen und die Anfänge der Literaturtheorie kritisch beleuchten. Im 19. Jahrhundert hat sich die Literaturwissenschaft aus der Philologie und der Geschichtswissenschaft als Fach etabliert. Im Zuge der Verwissenschaftlichung entstanden erste theoretische Entwürfe. Dabei haben sich am Ende des 19. Jahrhunderts zwei Richtungen herausgebildet: zum einen der Positivismus und zum anderen die Geistesgeschichte. Der Unterschied der beiden Richtungen liegt in ihrer paradigmatischen Begründung, im Unterschiede zwischen der naturwissenschaftlichen und der geisteswissenschaftlichen Fundierung.
Der geistige Vater der Geisteswissenschaften und der Geistesgeschichte war Wilhelm Dilthey (1833-1911). In seiner Schrift „Einleitung in die Geisteswissenschaften“ (1883) hat er die Grundpositionen einer Geisteswissenschaft in Abgrenzung zur Naturwissenschaft formuliert. Dem literarischen Publikum ist er mit seiner Aufsatzsammlung „Das Erlebnis und die Dichtung“ (1905) bekanntgeworden.
Das Ziel dieser Arbeit soll es nun sein, einerseits die geistesgeschichtliche Auseinandersetzung mit den literarischen Werken in ihrer Methode und ihren Grundpositionen darzustellen und andererseits zu zeigen, in welchen Punkten sich diese Vorgehensweise vom positivistischen Denken unterscheidet.
Aus diesem Grunde sollen im zweiten Kapitel die grundlegenden Prämissen der geistesgeschichtlichen Methode dargelegt werden. Im dritten Teil werden die Denkkategorien aufgezeigt, welche auf diesen Prämissen aufbauen, durch die sich die geistesgeschichtliche Interpretation von ihrem Konkurrenzmodell unterscheidet.
Diese beiden Kapitel stellen das Rüstwerkzeug für dieses Modell dar. Das vierte Kapitel dringt nun in die speziellere Problematik der Dichtungstheorie ein. In diesem Abschnitt sollen die Kategorien dichterischen Schaffens betrachtet werden. Die Auseinandersetzung mit dem dichterischen Seelenleben verschafft dem Interpreten das Verständnis für die künstlerischen Werke und der Weltsicht des Dichters.
Im fünften Kapitel soll anhand der Erzählung „Die Verwandlung“ von Franz Kafka die geistesgeschichtliche Herangehensweise skizziert werden. Eine Leistung der Geistesgeschichte war die Schaffung von überzeitlichen Ordnungsprinzipien. Die Epocheneinteilung findet heute noch Anwendung. Es soll in diesem Beispiel diskutiert werden, in wie weit diese Erzählung dem Expressionismus zugeordnet werden kann.
3
2 Grundannahmen der Geistesgeschichte
Im ersten Kapitel soll die geistesgeschichtliche Methode begrifflich abgegrenzt werden. Da die Begründung der Geisteswissenschaften als Gegenantwort auf die naturwissenschaftliche Dominanz zu interpretieren ist, wird die Geistesgeschichte der positivistischen Methode Scherers gegenübergestellt.
2.1 Definition des Begriffes „Geistesgeschichte“
Die Entstehung der Geistesgeschichte basiert auf den Bemühungen im späten 19. Jahr-hundert eine Grundlegung der Geistes- und Kulturwissenschaften zu erarbeiten. Dies konnte nur durch eine bewusste Differenzierung von den Methoden der Naturwissenschaften erreicht werden 1 .
Dilthey postulierte für die Geisteswissenschaften ein eigenes Methodenkonzept, das sich durch die Trias Ausdruck, Erlebnis und Verstehen erklären lässt 2 . Die literarische Geistesgeschichte fasst literarische Texte als Ausdruck und Zeugnis einer übergeordneten Instanz auf, die als „Geist“ oder „Zeitgeist“ bezeichnet wird. Die Überzeugung ist, dass sich der Geist „... im Ablauf der Geschichte innerhalb verschiedener Medien manifestiert: Philosophie, Religion, Recht, bildende Kunst, Musik und schließlich Literatur 3 “. Dabei handelt es sich nicht um die Hegelsche Definition des Geistbegriffes als „... selbsttätige Entfaltung des Weltgeistes ... 4 “, sondern nur auf eine spezifische und gleichzeitig typische Teilströmung des Gesamtprozesses „Geschichte“ 5 .
Der Geistbegriff bleibt derart komplex, dass die Literaturwissenschaft ihn nach vielerlei Seiten hin auslegen und verwenden konnte: „... Geist ist alles, was dem Anspruch des Inneren genügt im Unterschied zum Außen des sinnlich Wahrnehmbaren; jeder Vorgang im Menschen ist „Geist“, unabhängig davon, in welchen Schichten oder Instanzen er sich vollzieht 6 “.
Geistesgeschichte bedeutet demnach, dass man den Geist als ideellen Überbau ansieht, der durch die realen Fakten der Geschichte untermauert wird. Man geht nicht rein ideell und abstrakt vor, sondern nimmt Bezug zum historischen Material 7 . Dabei kommt es nicht auf eine zeitenthobene Betrachtung der Ideen in der Literatur an, dafür sind Dichter und Werke an ihre Zeit gebunden und haben lediglich am Überzeitlichen teil 8 . Dilthey hat „... den Widerspruch bestehen lassen zwischen Übergeschichtlichkeit der Ideen, der immer gleichbleibenden Bedingungen im menschlichen Subjekt und der geschichtlichen Abhängigkeit und Relativität 9 “.
1 Vgl. Simonis, L., Geistesgeschichte, 2001, S. 216.
2 Vgl. Simonis, L., Geistesgeschichte, 2001, S. 216.
3 Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 23.
4 Gutzen, D.; Oellers, N. et al., Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaft, 1989, S. 174.
5 Vgl. Simonis, L., Geistesgeschichte, 2001, S. 215ff.
6 Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 23.
7 Vgl. Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 26.
8 Vgl. Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 27.
9 Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 27.
4
2.2 Positivismus als konkurrierende Methode und ihre Grenzen
Die Methodik Geistesgeschichte der Geistesgeschichte hat ihren Ursprung in der Begründung der Geisteswissenschaft. Der literarische Positivismus fußt auf dem Denken in naturwissenschaftlichen Prinzipien.
In der Auseinandersetzung beider literarischen Denkmuster gibt es sowohl Gemeinsamkeiten und auch Trennendes. Die geistesgeschichtliche Kritik lehnt die Anhäufung äußerer Merkmale aus der Literaturgeschichte ab, die einzig dem Zweck dient, statistische Gesetze und kausale Beziehungen zu untersuchen 10 . Das nomothetische Verfahren der Naturwissenschaft wird abgelehnt, „... die Geistesgeschichte richtet ihr ideographisches Interesse auf die geistigen Zusammenhänge, die sie hinter äußeren Ereignissen vermutet 11 “.
Die Erschließung der Werke durch die Biographie des Dichters wird zurückgewiesen, die Bedeutung der Textedition wird in Frage gestellt: Die neue Forschungsaufgabe ist die Interpretation der Werke in ihrer Abfolge und die Interpretation dieser Abfolge. Die Darstellung der geistigen oder inneren Zusammenhänge selbst sei eine Kunst 12 .
Die Geistesgeschichte erbringt die Antworten zu den Fragen, die der Positivismus auf-grund seiner Denkmuster nicht geben kann. Der Positivismus ist nicht in der Lage, die Einzigartigkeit literarischer Werke zu erkennen, zu begründen und zu erklären. Auf diese Fragestellungen kann die Geistesgeschichte Aussagen treffen. Neben dem Geistbegriff scheint das Erlebte aus der Schererschen Formel von den „drei E`s“ geeignet, um „singuläre Leistungen einzelner unabhängig von den Naturgesetzmäßigkeiten der Vererbung und des milieubedingten Bildungshorizonts plausibel zu machen 13 “.
Maren-Grisebach (1992) hat folgende Unterschiede zwischen dem Positivismus und der Geistesgeschichte festgemacht 14 :
Tab. 2-1: Unterschiede Positivismus und Geistesgeschichte. Quelle: In Anlehnung an Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 28.
10 Vgl. Baasner, R.; Zens, M., Methoden und Modelle der Literaturwissenschaft,2001, S. 61.
11 Baasner, R.; Zens, M., Methoden und Modelle der Literaturwissenschaft, 2001, S. 61.
12 Vgl. Baasner, R.; Zens, M., Methoden und Modelle der Literaturwissenschaft, 2001, S. 61f.
13 Baasner, R.; Zens, M., Methoden und Modelle der Literaturwissenschaft, 2001, S. 62.
14 Vgl. Maren-Grisebach, M., Methoden der Literaturwissenschaft, 1992, S. 28.
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Matthias Dickel, 2011, Kategorien und Kriterien des Konzeptes der geistesgeschichtlichen Literaturwissenschaft bei Wilhelm Dilthey, München, GRIN Verlag GmbH
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