Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 3
2.Was ist Institutionelle Diskriminierung? 4
2.1 Begriffserklärung 4
2.2 Direkte und indirekte institutionelle Diskriminierung 5
2.3 Institutionelle Diskriminierung in der Schule 6
3. Exempel: Das lokale Schulsystem der Großstadt Bielefeld 8
3.1 Dramatischer Schülerrückgang bei steigender Zuwanderung 8
3.2 Sonderklassen für Migrantenkinder 9
3.3 Lokale Angebotsdisparitäten 11
4. Entscheidungsstellen 12
4.1 Einschulung 12
4.1.1 Entscheidungs- und Begründungsmuster an der
Übergangsschwelle „Einschulung“ 12
4.2 Überweisung auf die Sonderschule für Lernbehinderte 14
4.2.1 Entscheidungs- und Begründungsmuster im SAV 15
4.3 Übergang in die Sekundarstufe 17
4.3.1 Entscheidungs- und Begründungsmuster 17
5. Mechanismen institutioneller Diskriminierung in der Schule 20
5.1 Mechanismen der direkten institutionellen Diskriminierung 20
5.2 Mechanismen der indirekten institutionellen Diskriminierung 21
5.3 Interkulturelle Pädagogik 21
6. Zusammenfassung 22
7. Literaturverzeichnis 23
2
1. Einleitung
Wie gegenwärtig ist das Problem der Diskriminierung in einem demokratischen Sozialstaat, in dem die Würde des Menschen unantastbar ist? Nicht nur individuelle, offensichtliche Benachteiligungen von Menschengruppen, sondern auch Diskriminierung unter dem Deckmantel von einflussreichen Institutionen.
Jedoch wird in den verschiedenen Einrichtungen der Begriff „Institutionelle Diskriminierung“ als Beschuldingung aufgefasst und empört zurückgewiesen. Insbesondere der Vorwurf existierender Ungleichbehandlung von Migranten stößt auf Widerstand.
In der vorliegenden Ausarbeitung wird die Studie „Institutionelle Diskriminierung - Die Herstellung ethnischer Differenz in der Schule“ vorgestellt, in der die Autoren Mechthild Gomolla und Frank-Olaf Radtke die Institution Schule auf Formen von Diskriminierung gegenüber Schülern mit Migrationshintergrund untersuchten.
3
2. Was ist Institutionelle Diskriminierung?
2.1 Begriffserklärung
Bevor das eigentliche Thema, Institutionelle Diskriminierung, behandelt wird, sollen ein paar allgemeine Dinge zu Diskriminierung festgelegt werden. Der Duden gibt folgende Definition: „diskriminieren: […] 2. (durch unterschiedliche Behandlung) benachteiligen, zurücksetzen
[…]“ 1 . Das deutsche Wörterbuch definiert diskriminieren als „verdächtigen, ausstoßen, verfemen“ 2 . Das Ziel von Diskriminierung ist es also, eigene Vorrechte und Vorteile zu behaupten und im Gegensatz dazu dieselben Vorrechte und Vorteile den Anderen vorzuenthalten oder sogar zu verweigern. Schon durch die Abtrennung von ich/wir und die Anderen wird das Bewusstsein gegen Zusammengehörigkeit und für Ungleichheit verstärkt und geschärft. Es werden Unterscheidungen getroffen und dann bewertet. Dadurch entsteht gezwungenermaßen „eine Differenz, wobei der positive Wert den Maßstab für die
Abweichung liefert“ 3 .
Betrachtet man nun mit diesem Hintergrund die institutionelle Diskriminierung wird der Blick weggelenkt von den betroffenen oder beteiligten Individuen und neu ausgerichtet auf die soziale Strukturierung diskriminierender Handlungen und ihre Einbettung in institutionelle und organisatorische Kontexte. 4
Nach Feagin und Booher Feagin kann der Begriff der Institution in zwei Kategorien unterteilen. Zum einen handelt es sich hierbei um konkrete Organisationen wie zum Beispiel ein Unternehmen oder auch eine Schule. Zum anderen um kombinierte Organisationen wie die Wirtschaft. Während individuelle Handlungen wie Beschimpfungen, Prügeleien oder auch Attentate offen ausgetragen werden, sind Diskriminierungen, die in eine Institution eingebettet sind, verdeckt und dadurch anonym (vgl. Gomolla, S.38). Das System der Institution ermöglicht es Beteiligten, sich der Verantwortung über ihr eigenes diskriminierendes Handeln zu entziehen, da Muster der ungleichen Behandlung
„eingebettet sind in die Strukturen, Normen, reguläre und informelle Regeln […]“ 5 . Durch diese Anonymität ist die Diskriminierung gar nicht oder nur schwer nachzuweisen. Aber es müssen nicht zwingend Handlungen sein, die einen diskriminierenden Charakter aufweisen.
1 Dudenredaktion, Das Fremdwörterbuch (Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, 7.Auflage, 2001) S.232.
2 Dr. Lutz Mackensen, Deutsches Wörterbuch (Südwest Verlag GmbH & Co. KG, München, 10. Auflage, 1982) S. 248.
3 Gomolla, Mechthild; Radtke, Frank-Olaf: Institutionelle Diskriminierung. Die Herstellung ethnischer Differenz in der Schule. Opladen: Leske+ Budrich 2002. S.11
4 Ebd., S.38.
5 Ebd. S. 38.
4
Institutionelle Diskriminierung geschieht auch durch schlichtes Unterlassen. Eine besondere Rolle spielen hierbei die sozialen Einrichtungen, die in der Verantwortung und Aufgabe stehen, Güter und Dienste zu verteilen, als da wären: Wohnung und Arbeit, im Bildungsbereich und in der Gesundheitsversorgung. Möchte man innerhalb einer Institution
die „Muster der Ungleichbehandlung und Ausschließung“ 6 ermitteln, gilt es die „unausgesprochenen Annahmen, auf die diese Organisationen ihre Praktiken gründen, und die unhinterfragten Prinzipien, die in ihnen zur Anwendung gelangen“ 7 aufzudecken.
2.2 Direkte und indirekte institutionelle Diskriminierung
Feagin und Booher Feagin (1986) unterscheiden zwischen „vier idealtypischen Basisformen von Diskriminierung“ 8 , die in der folgenden Übersicht erklärt werden. Die Tabelle ist so angelegt, dass „systematisch der Grad der Intentionalität diskriminierender Praktiken mit dem Grad der Einbettung in Organisationen zueinander in Beziehung gesetzt“ 9 wird.
Typen diskriminierenden Verhaltens
6 Gomolla, Mechthild; Radtke, Frank-Olaf: Institutionelle Diskriminierung. Die Herstellung ethnischer Differenz in der Schule. Opladen: Leske+ Budrich 2002., S. 38.
7 Ebd., S. 38.
8 Ebd., S. 43.
9 Ebd., S. 43.
10 Ebd., S. 44.
5
Die vier Typen der Diskriminierung unterscheiden sich entweder im Grad der Einbettung in Organisationen oder in dem der Intentionalität. Typ C und Typ D sind die Typen, die den höchsten Grad der Einbettung in eine Organisation bzw. Institution aufweisen und damit unter den Begriff „Institutionelle Diskriminierung“ fallen. Nun unterscheiden sich diese zwei Typen im Grad der Intentionalität, wobei der hohe Grad die direkte und der tiefe Grad die indirekte institutionelle Diskriminierung beschreibt. Um diese unterschiedlichen zwei Typen soll es insbesondere gehen.
Der Typ C, direkte institutionelle Diskriminierung, bezieht sich auf die Handlungen, „die im organisatorischen oder lokalen Handlungskontext möglich oder vorgeschrieben sind und
negative Wirkung für Mitglieder bestimmter Gruppen haben sollen“ 11 . Da diese Handlungen aufgrund von Regeln erfolgen, sind Diskriminierungen keine Ausnahmen oder Einzelfälle, sondern kommen regelmäßig vor. Ein Beispiel für den Typ C ist das Verfahren des „Inländerprivilegs“ bei der Vermittlung von Arbeit (vgl. Gomolla 2002, S.44). Sind die Inländer privilegiert, setzt das automatisch eine Benachteiligung der Ausländer voraus. Im Gegensatz zur direkten institutionellen Diskriminierung bezieht sich der Typ D des diskriminierenden Verhaltens auf Methoden, die zwar zwischen verschiedenen Gruppen unterscheiden, jedoch ursprünglich nicht als negativ differenzierend und herabstufend eingerichtet sind. Die Gründe für solche Verfahren erscheinen zunächst wertneutral.
2.3 Institutionelle Diskriminierung in der Schule
In den siebziger Jahren prägte sich der Begriff ‚institutioneller Rassismus’ in Großbritannien, ein Vorläufer der institutionellen Diskriminierung. Das „anhaltende Schulversagen von bestimmten Minderheitsgruppen […] forderte […] radikalere Maßnahmen“ 12 . Es reichte nicht aus, im Klassenzimmer die Andersartigkeit zu akzeptieren und kulturelle Toleranz zu lehren,
„die Institutionen jedoch, in denen Rassismus praktiziert werde [bleiben unverändert]“ 13 . Der Schwerpunkt bzw. die Sichtweise wurde verändert: der Umgang der Schule mit den Mängeln der Kinder rückte in den Vordergrund. Ein wichtiger Punkt war hierbei die Verteilung der Immigranten-Kinder auf Leistungsgruppen. Schnell wurde ein Kind aufgrund seiner Sprach-und Ausdruckschwierigkeit als lernschwach eingestuft und in dementsprechende Gruppen eingeteilt, in denen es nicht ausreichend gefördert wurde.
11 Ebd., S. 44.
12 Gomolla, Mechthild; Radtke, Frank-Olaf: Institutionelle Diskriminierung. Die Herstellung ethnischer Differenz in der Schule. Opladen: Leske+ Budrich 2002. S. 46.
13 Ebd., S. 46.
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Arbeit zitieren:
Elisabeth Carl, 2006, Institutionelle Diskriminierung, München, GRIN Verlag GmbH
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