Inhalt
Einleitung 3
Biographie Otto Neuraths 4
Zur Wissenschaftstheorie Neuraths 7
Die Entstehung von ISOTYPE 9
Die internationale Verbreitung von ISOTYPE 11
Grenzen einer Bildsprache 13
Res ümee 14
Literatur 15
Internetquellen 16
2
Einleitung
Im sechsten Semester meines Publizistik- und Kommunikationswissenschaftsstudiums kam ich in der Vorlesung MUME von Prof. Dr. Frank Hartmann erstmals in Berührung mit dem österreichischen Philosophen und Ökonomen Otto Neurath. Seine Idee, dort Bilder einzusetzen, wo Worte nicht mehr funktionieren, hat mich fasziniert. Neurath hat die Ebene des Visuellen systematisch an die Oberfläche geholt und mit seiner „Wiener Methode der Bildstatistik“, später „International System of Typographic Picture Education“ - kurz ISOTYPE -, einer visuellen Lingua franca für universellen Einsatz, den Grundstein für internationale Bildzeichen und Piktogramme gelegt. Die Tatsache, dass wir heute in einem fremden Land, dessen Sprache wir nicht mächtig sind, trotzdem die U-Bahn, den Feuerlöscher, den Notausgang oder das Krankenhaus finden können, ist Otto Neurath zu verdanken. Die Schaffung von ISOYPE kann allerdings nicht ohne die Person Otto Neuraths und die zeitlichen Umstände, in denen er lebte, verstanden werden. Meine Arbeit beginnt daher mit einer Biographie Neuraths. Dieser sah ISOTYPE als Teil einer umfassenden Wissenschaftstheorie, die im darauf folgenden Abschnitt dargelegt wird. Im Anschluss folgen Kapitel über die Entwicklung und internationale Verbreitung von ISOTYPE.
Es stellt sich allerdings die Frage, ob eine Zeichensprache tatsächlich universell gültig ist oder ob auch sie bestimmten Einschränkungen unterliegt. Mit dieser Problematik habe ich mich im letzten Abschnitt der vorliegenden Arbeit auseinandergesetzt.
Neuraths Leben und Werk können auf wenigen Seiten nur sehr kursorisch dargestellt werden, ich hoffe, dass es mir gelungen ist, einen Überblick über Otto Neurath und sein bis heute gültiges Wirken zu geben.
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Biographie Otto Neuraths
Otto Neurath wurde am 10. Dezember 1882 in Wien geboren. Sein Vater, der Nationalökonom Wilhelm Neurath, lehrte an der Hochschule für Bodenkultur und galt als Liberaler mit einem Naheverhältnis zu den Sozialisten. Neuraths Vater starb im Jahr 1901 und da seine Mutter nur eine geringe Pension erhielt, war die weitere Ausbildungszeit von materieller Armut geprägt. 1 Neuwirth begann in Wien zu studieren und beschäftigte sich vor allem mit historischen, philosophischen und wirtschaftlichen Fragen. Auf Empfehlung des Soziologen Ferdinand Tönnies setzte Neurath seine Studien in Berlin fort, wo er mangels finanzieller Unterstützung in bitterer Armut lebte. 1906 promovierte Neurath mit Auszeichnung mit einer Dissertation mit dem Titel „Zur Anschauung der Antike über Handel, Gewerbe und Landwirtschaft“. In den Jahren nach seinem Studium unterrichtete er und unternahm als Stipendiat der Carnegie-Stiftung Studienreisen auf der Balkanhalbinsel. Neurath publizierte das zweibändige „Lesebuch der Volkswirtschaftslehre“ und veröffentlichte Aufsätze über die Kriegswirtschaftslehre. 1914 wurde er in die Armee einberufen, diente zuerst in Galizien und übernahm die Leitung der Abteilung für Kriegswirtschaftslehre im österreichischen
Kriegsministerium, die auf sein eigenes Betreiben hin eingerichtet worden war. Zugleich wurde er Direktor des deutschen Kriegswirtschaftsmuseums in Leipzig und begann dort, wirtschaftliche Zusammenhänge bildlich darzustellen. 2 Während des Ersten Weltkrieges habilitierte sich Neurath am Institut für Soziologie der Universität Heidelberg, das zu jener Zeit von Max Weber geleitete wurde. Durch seine lange Auseinandersetzung mit kriegswirtschaftlichen Fragen war Neurath zur Erkenntnis gekommen, dass nur eine zentral gesteuerte Planwirtschaft für Verteilungsgerechtigkeit sorgen könnte und er wollte seine im Krieg erworbenen Kenntnisse nun im Frieden anwenden. Neurath begann, sich selbst als „Gesellschaftstechniker“ zu bezeichnen und trat im Jänner 1919 der
1 Neurath, Paul: Otto Neurath (1882 - 1945). La vie et l’oeuvre, in: Soulez, Antonia und Schmitz,
François, Otto Neurath, un philosophe entre guerre et science, Cahiers de philosophie du langage nº
2, Paris - Montréal 1997, S. 200.
2 Leinthaler, René: Otto Neuraths Bildersprache ISOTYPE: Kommunikationsdesign und
Gesellschaftspolitik, Wien 2008, S. 49.
4
Sozialdemokratischen Partei bei. Er arbeitete an einem Plan zur Sozialisierung der Wirtschaft Sachsens. 3
Als Ende des Jahres 1919 in Bayern versucht wurde, einen sozialistischen Staat in Form einer Räterepublik einzurichten, beteiligte sich Neurath an diesem Vorhaben. Er reiste nach München und wurde Präsident des - auf seinen Vorschlag hin eingerichteten - Bayrischen Zentralwirtschaftsamtes. Die Räterepublik wurde schon nach kurzer Zeit von Truppen der deutschen Regierung aufgelöst. Neurath wurde wegen Beihilfe zum Hochverrat angeklagt und zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt, aber schon nach sechs Wochen nach Österreich ausgeliefert. Nach seiner Rückkehr nach Wien fungierte Neurath als Generalsekretär des Siedlungs- und Kleingartenverbandes und beschäftigte sich in dieser Funktion mit der Verbesserung der Wohnverhältnisse der verarmten Bevölkerung. 1923 fand auf dem Wiener Rathausplatz eine Ausstellung über die Errungenschaften des Siedlungs- und Kleingartenverbandes statt, bei der auch visuelle Mittel eingesetzt wurden. Aus Restbeständen dieser Ausstellung gründete Neurath 1924 das Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum und wurde auch dessen erster Direktor. Dieses Museum unterschied sich bereits in seiner Konzeption von den bis dahin bekannten Museen und Neurath beschrieb seinen museumsdidaktischen Ansatz folgendermaßen:
„Während ein technisches Museum Höchstleistungen des menschlichen Geistes aneinanderreiht, soll ein Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum zeigen, wie das Gesamtleben von Volksmassen beschaffen ist. Soweit technische Dinge berührt werden, geht es darum, die Verbreitung einer technischen Errungenschaft zu zeigen, etwa vorzuführen, von wieviel Personen sie benützt wird, nicht wie sie funktioniert. Ein technisches Museum zeigt Baumethoden, ein Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum zeigt, wie viele ungesunde Wohnungen es gibt, wie viele gesunde.... Die Museen der Vergangenheit waren in erster Reihe Kuriositäten- und Raritätenkabinette, Liebhabersammlungen, Prunkschätze; Wert und Seltenheit einzelner Schaustücke spielte eine wesentliche Rolle... Es ist begreiflich, daß Museen,
3 Neurath, Paul: Otto Neurath (1882 - 1945). La vie et l’oeuvre, S. 204.
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Arbeit zitieren:
Mag. Katrine Hütterer, 2009, Otto Neurath und die Wiener Methode der Bildstatistik, München, GRIN Verlag GmbH
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