Inhaltsverzeichnis
1. Einleitendes Vorwort 2
2. Alter und Geschlecht - Zwei soziale Kategorien 3
2.1 Alter 3
2.2 Geschlecht 6
3. Die alternde Gesellschaft 9
3.1 Demographischer Wandel 9
3.2 Dynamik des neuen Alter(n)s 13
4. Diversity Studies 15
4.1 Alter und Diversity 16
4.2 Geschlecht und Diversity 16
5. Fazit und Ausblick 17
1
1. Einleitendes Vorwort
Ich möchte mich in meiner Hausarbeit mit zwei sozialen Kategorien beschäftigen, die in der heutigen Zeit eine bedeutende Rolle in der Bevölkerungsentwicklung spielen - Alter und Geschlecht. Seit mehreren Jahren kann man von einer zunehmend alternden Gesellschaft, vor allem im Deutschland, sprechen. Ich möchte in dieser Arbeit diese Veränderung in Verbindung mit den zwei ausgewählten Kategorien präzise darstellen.
In dem Gliederungspunkt „Alter und Geschlecht - Zwei soziale Kategorien“ möchte ich zuerst darauf eingehen, was man unter dem Begriff „Alter“ genau versteht, da das theoretische Wissen die Basis für das weitere Verständnis bildet. Das Alter ist ein sehr dehnbarer Begriff, der je nach Lebensphase und Kultur anders definiert wird. Um den Alterungsprozess anschaulicher darzustellen, werde ich die verschiedenen Altersphasen, beziehungsweise Lebensabschnitte definieren und erläutern. Anschließend werde ich zur Verständlichkeit einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Altersforschung von der Antike bis zur Neuzeit geben. Um der Überschrift gerecht zu werden, werde ich dann die Kategorie Geschlecht präziser auslegen. Geschlechterzuweisung und die Zweigeschlechtlichkeit der meisten Kulturen werden dabei die Hauptargumentation ausmachen. Um dieses Phänomen genauer erklären zu können, werde ich das Konzept des „Doing Gender“ von West und Zimmermann heranziehen, mit dem der Begriff Geschlecht in unterschiedliche Bereiche aufgeteilt wird und man somit jedem Menschen gerecht werden kann. Da es sich bei Alter und Geschlecht jeweils um eine soziale Kategorie und vielmehr um eine soziale und gesellschaftliche Konstruktion handelt, wird diese Zuweisung in diesem Gliederungspunkt greifbar herausgearbeitet.
In Bezug auf die soziale Konstruktion von Alter und Geschlecht, werde ich darauf folgend den Mythos der „alternden Gesellschaft“ anschaulicher gestalten. Um erst einmal zu klären, warum unsere Gesellschaft zunehmend älter wird, werde ich den „demographischen Wandel“ genauer erläutern. Darin werde ich mich vor allem auf die Ursachen (Geburten- und Sterberate) beziehen, sowie auf die Unterschiede zwischen Mann und Frau. Durch den demographischen Wandel entstehen Veränderungen, wie zum Beispiel die „Dynamik des neuen Alter(n)s“. Hierbei geht es um die älteren Personen und die Anforderungen, die an sie gestellt werden, arbeitsmarkttechnisch,
sowie auch privat. Bei dieser Altersgruppe sind zunehmend Aktivität und Engagement verbreitet, anstelle von Krankheit und sozialem Rückzug. 1
Um diesen Veränderungen in der Alternsforschung und Geschlechterforschung Stand zu halten, wurden verschiedenste Konzepte entwickelt, um sich mit den Anforderungen auseinander zu setzen. Die „Diversity Studies“ beschäftigen sich zum Beispiel mit der optimalen Nutzung von Verschiedenheiten. Nach einem kleinen Einblick in die Diversity Studies möchte ich mich wieder auf die zwei sozialen Kategorien meiner Hausarbeit begrenzen.
Abschließend werde ich die erarbeiteten Ergebnisse überblickartig darstellen und einen kleinen Ausblick auf das Jahr 2060 geben.
2. Alter und Geschlecht - Zwei soziale Kategorien
Wenn man von sozialen Kategorien spricht, geht man davon aus, dass diese durch gesellschaftliche Konstruktion entstehen und genauer definiert werden. So ist es auch bei der Kategorie Alter und der Kategorie Geschlecht. Um genauer erklären zu können, wie es zu dieser sozialen Zuschreibung kommt, möchte ich die beiden Kategorien separat voneinander behandeln.
2.1 Alter
Die Frage nach dem Alter hat in den heutigen Generationen sehr zugenommen. Doch wann gilt man als alt? Eine einheitlich wissenschaftliche Definition des Begriffs Alters gibt es nicht. Im Alltag wird der Begriff häufig durch das „kalendarische oder chronologische Lebensalter“ 2 definiert. Darunter versteht man die rechnerische Differenz zwischen Geburtsdatum und aktuellem Datum. 3 Doch genau diese Berechnung des Alters kann von dem individuellen Alter stark abweichen. Es lässt nur bedingt Rückschlüsse auf das psychologische Alter und das biologische Alter zu, worunter man die geistige Leistungsfähigkeit und die organische Konstitution eines Menschen beziehungsweise eines Körpers versteht. Somit spricht man in der modernen Alter(n)sforschung vom sozialen Alter, wenn es um den Grad der Teilhabe am
1 Vgl. Thieme, 2008, S.302
2 Thieme, 2008, S.33
3 Vgl. Ebd.
gesellschaftlichen Leben geht oder um den Rückzug aus bestimmten Rollen. 4 Alter als Zustand, kann also individuell unterschiedlich interpretiert werden und ist von gesellschaftlichen Faktoren abhängig. Alter ist daher nicht objektiv bestimmbar, sondern ein soziales Konstrukt, das mit der Zeit von der Gesellschaft entwickelt wurde. Alter, auch höheres Lebensalter ist somit ein relativer Begriff, der erheblich von der jeweiligen Gesellschaft und Kultur 5 abhängig ist, worin er sich an verschiedene Bewertungsstandards anpasst. In modernen Gesellschaften hat Alter ein eher geringes Ansehen, denn alte Menschen gelten als wenig nützlich, kostenverursachend und entsprechen nicht den gängigen Schönheitsidealen. 6 Dennoch kann das hohe Lebensalter auch in modernen Gesellschaften unterschiedlich interpretiert werden, denn diese Auslegung ist abhängig von dem eigenen aktuellen Lebensalter, „dem Empfinden der Generation, der man selbst angehört, dem sozialen Milieu, der Schicht, der erworbenen Bildung und dem ausgeübten Beruf“ 7 . Beispielsweise wird ein Zwanzigjähriger einen Fünfzigjährigen für alt halten, sich aber zu einem späteren Zeitpunkt, wenn er selbst dieses Alter erreicht hat, als jung einschätzen. Der Prozess der zum Alter führt wird als „Altern“ bezeichnet. Dieser Prozess der Organismusveränderung beginnt schon sehr früh und verläuft bei jedem Menschen ganz individuell. „Altern betrifft den Körper, seine Leistungsfähigkeit, sein Aussehen, seine Persönlichkeit und die Funktion seiner Organe.“ 8 Man spricht von einem lebensbegleitenden Prozess, der mit der Geburt beginnt - wir altern gewissermaßen ab den ersten Lebessekunden. Das gesamte menschliche Leben kann man in verschiedene Verlaufsphasen gliedern, die sich fortwährend überschneiden. In modernen Industriekulturen können wir von acht Lebensabschnitten sprechen. 9 Die erste Phase bilden die Kindheit und Jugend (0-18 Jahre). Hier steht der Wachstum und die hormonelle Entwicklung im Vordergrund. Die reproduktive Phase (18-30 Jahre) folgt drauf und ist kennzeichnend für den Berufsanfang und das Gebären von Kindern. Darauf baut das Ruhealter (30-50 Jahre) auf, welches als Vorbereitung auf das Alter gilt. Die folgenden Lebensphasen des Alters werden in fünf Phasen aufgeteilt, da durch die genaue Trennung eine sinnvolle Teilung in Altersgruppen besteht und eine bessere
4 Vgl. Thieme, 2008, S.34
5 Vgl. Von Kondratowitz, S.131
6 Vgl. Thieme, 2008, S.30
7 Thieme, 2008, S.29
8 Thieme, 2008, S.18
9 Vgl. Klentze, 2008, S.501
soziologische sowie medizinische Erforschung dieser ermöglicht wird. Das frühe Altern (51-65 Jahre) schließt den Teil der Jungen Alten (60-65 Jahre) mit ein und steht für die Vorbereitung auf die Rente, sowie eine hormonelle Umstellung und Funktionsveränderung. Die medizinischen Begriffe Seneszenz (Altwerden) und Centenarian (Menschen über 100 Jahre) sind maßgebend für die folgenden Abschnitte. Die frühe Seneszenz (65-85 Jahre), oder auch die Alten genannt, gelten erstmals als alt. In Anlehnung an das mit 65 erreichte Rentenalter verstehen Fachwissenschaftler unter alten Menschen, Menschen, die dieses Lebensjahr vollendet haben. 10 Nachfolgend spricht man von der späten Seneszenz (85-99 Jahre), von Hochbetagten, oder Hochaltrigen. Die nächsten Phasen Centenarians (100-110 Jahre), also Hundertjährige oder Langlebige und Supercentenarians (>110 Jahre) bilden den Abschluss des Verlaufs einer Altersentwicklung eines Menschen.
Schon Platon (427-347 V.Chr.) wusste Positives über das Alter zu berichten, indem er die Zunahme von Weisheit und Gelassenheit beobachtet hatte. 11 Die Entwicklung der Alter(n)sforschung kann in verschiedene Zeitabschnitte unterteilt werden. Die Frühphase (16.-19. Jahrhundert) suchte nach den Ursachen und
Behandlungsmöglichkeiten von Alter und erstmals stand auch dessen Erforschung im Zentrum. Das erste wissenschaftliche Werk über das Altern wurde von dem englischen Staatsmann und Philosophen Francis Bacon (1561-1629) mit dem Titel „Live and Death“ veröffentlicht. 12 Ein Aufschwung erhielt die Alternsforschung, als mit Hilfe von sozialstatistischen Daten Alter erstmals objektiv festlegbar gemacht werden konnte. Die Phase systematischer Altersforschung (1909-1930) konnte vor allem durch experimentelle Einzelfallstudien die psychische und körperliche Leistungsfähigkeit von alten und jungen Menschen vergleichen. 13 Nach dem zweiten Weltkrieg kam es zu einer starken Ausweitung der Alternsforschung und zur sogenannten Expansionsphase (1930-Gegenwart). Das Erkennen, dass dem Alter ein Prozess zu Grunde liegt hat diese Phase stark geprägt. 14 Heute hat die Alternsforschung ein hohes Ansehen in der Gesellschaft und mit Hilfe von extra dafür gegründeten Fachgesellschaften („Deutsches Zentrum für Altersforschung“ oder Sektion „Alter(n) und Gesellschaft“ in der „Deutsche
10 Vgl. Thieme, 2008, S.36
11 Vgl. Thieme, 2008, S.49
12 Vgl. Thieme, 2008, S.52
13 Vgl. Thieme, 2008, S.54
14 Vgl. Thieme, 2008, S.19
Gesellschaft für Soziologie“) 15 wird der Bereich des Alters und des Alterns stetig weiter untersucht.
2.2 Geschlecht
In der heutigen Geschlechterforschung spielt nicht mehr der Unterschied zwischen Mann und Frau eine Rolle, sondern die jeweilige Zuschreibung des Geschlechts. Die Geschlechterdifferenz wird nicht mehr als Gegebenes, von der Geburt an Festgelegtes gesehen, sondern als soziales Konstrukt. 16 In der Wissenschaftstheorie wird Geschlecht als Produkt sozialer Prozesse gesehen. Grundlegend für den Begriff der Geschlechterkonstruktion ist eine Perspektive, den dem Alltagswissen über Geschlecht entgegen steht. 17 Zu diesem Wissen gehört, dass man „die Geschlechtszugehörigkeit von Personen und die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen als natürliche Vorgabe sozialen Handelns und sozialer Differenzierung“ 18 ansieht. Basisregeln der „Alltagstheorie der Zweigeschlechtlichkeit“ (Hagemann-White) sind zum Beispiel, es gibt nur zwei Geschlechter, man hat entweder das eine oder das andere, die Geschlechtszugehörigkeit ist von Geburt an festgelegt, man hat keinen Einfluss darauf, sie lässt sich nicht verändern und Geschlecht wird anhand der Genitalien eindeutig bestimmt. 19 Konzepte der Sozialkonstruktion sehen, gegensätzlich zur Alltagstheorie, die Wirklichkeit zweier Geschlechter als historischen Entwicklungsprozess, der fortlaufend zu einer neuen Reproduktion von Geschlecht beiträgt. Schon früh wurden Studien zur Theorie der Geschlechterkonstruktion durchgeführt und die Kulturantrhopologie kam als erste Wissenschaft zu dem Schluss, dass es sich bei der Kategorie Geschlecht nicht um eine natürliche Tatsache handelt, sondern um einen „matter of objective, institutionalized facts, i.e. moral facts“ 20 . Sie möchte damit sichtbar machen, dass nicht alle Kulturen einzig und allein zwei Geschlechter haben, dass Geschlechtszugehörigkeit nicht unbedingt eine lebenslange Obligation sein muss oder, dass Geschlecht nicht streng an den Genitalien bestimmt werden muss. Diese Kulturen führen uns vor Augen, dass das Konzept der Zweigeschlechtlichkeit
15 Thieme, 2008, S.59
16 Vgl. Güting, 2004, S.29
17 Vgl. Wetterer, 2004, S.122
18 Wetterer, 2004, S.122
19 Vgl. Wetterer, 2004, S.122
20 Wetterer, 2004, S.123
Arbeit zitieren:
Ann-Kathrin Klose, 2010, Alter und Geschlecht - zwei Kategorien der Diversität, München, GRIN Verlag GmbH
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