Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis I
Tabellenverzeichnis I
1 Einleitendes Vorwort 1
2 Selbstdeutungsmuster - Deutungen des Selbst? 2
2.1 Definition und Kennzeichen von Deutungsmustern 2
2.2 Definition und Kennzeichen von Selbstkonzepten 7
2.3 Synthese beider Konzepte 10
3 Selbstdeutungsmuster familiärer Belastungssituationen 13
4 Schlussbemerkung und Ausblick 19
Literaturverzeichnis 20
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Prozess der Veränderung von Identität durch Weiterbildung
(Projektgruppe zit. in: Arnold, 1985, S.52) 11
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Familienformen innerhalb der Stichprobe (Uhlendorff/Cinkl/Marthaler,
2008, S.27) 14
Tabelle 2: Belastungen der Familien (n 77) (Vgl. Uhlendorff/Cinkl/Marthaler, 2008,
S.50 ) 14
Tabelle 3: Deutungsmuster und Familienformen (n 77) (Uhlendorff/Cinkl/Marthaler,
2008, S.39) 17
Tabelle 4: Merkmalsraum "Familiäre Zeitstruktur" (Vgl. Uhlendorff/Cinkl/Marthaler,
2008, S.62) 17
2008, 17
I
1 Einleitendes Vorwort
1 Einleitendes Vorwort
„Berufliche Bildung vollzieht sich im Kontext des Deutens als Verhandlung über Deutungsangebote, und wer Lernprozesse anregen will, muss sich mit den Verfahrensweisen und den Er-
1 gebnissen dieses Deutens befassen.“
Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, Selbstdeutungsmuster, also Deutungsmuster begrifflich zu erläutern und insbesondere den Zusammenhang von diesen und Selbstkonzepten darzustellen. Einleitend (Gliederungspunkt 2.1) werde ich mich auf Deutungsmuster generell konzentrieren. Im Rahmen der wissenssoziologischen Perspektive werden darunter Interpretationen verstanden, die auf objektive, sozial geteilte Handlungsprobleme bezogen sind. 2 Die Analyse sozialer Deutungsmuster stellt eine wichtige Aufgabe der Sozialforschung da, „zeichnet sich allerdings durch eine bestimmte Uneindeutigkeit und Unsystematik“ aus. 3 In Verbindung mit Deutungsmustern, stehen im Hinblick auf Selbstdeutungsmuster, Selbstkonzepte. Was unter Selbstkonzepten verstanden wird und wie diese von unterschiedlichen Autoren 4 definiert werden, folgt im nächsten Abschnitt (Gliederungspunkt 2.2). Da sich das Selbst als organisiertes Muster von Selbstwahrnehmungen definieren lässt, ergeben sich Ähnlichkeiten zwischen dem Begriff des Selbstkonzeptes und dem Begriff des Deutungsmusters. In Verbindung mit einer Modifikation des Selbstkonzepts und der dazugehörigen Deutungsmuster, wird nachstehend der Prozess der Identitätstransformation genauer erläutert. Mit Hilfe dieser Analyse lässt sich der Begriff des Selbstdeutungsmusters abschließend präziser definieren (Gliederungspunkt 2.3). Um diesen theoretischen Anfang durch praktische Erfahrungen zu stützen, werde ich mich im folgenden (Gliederungspunkt 3) auf eine Studie von Uhlendorff, Cinkl und Marthaler, bezüglich Deutungsmuster in familiären Belastungssituationen, beziehen. Bisherige sozialpädagogische Ansätze beziehen Selbstdeutungen und Lebenslagen, also äußere Lebensumstände der Individuen, nur wenig mit ein. Uhlendorff, Cinkl und Marthaler versuchen mit dieser Studie die familientherapeutischen Ansätze weiterzuentwickeln, indem Erziehungsprobleme und Alltagsaufgabenstellungen von Familien ins Zentrum gerückt werden. 5
1 Vgl. Tietgens, zit. in: Arnold, 1985, S.20
2 Vgl. Knoblauch, 2005, S.178
3 Vgl. Egloff, 2002, S.67
4 Anm.: Zugunsten einer flüssigeren Lesbarkeit wird im Folgenden auf eine grammatikalische Doppelbezeichnung von weiblichen und männlichen Subjektformen überwiegend verzichtet. Gebraucht wird zumeist die männliche Form zur Bezeichnung von Personen; darin eingeschlossen sind ausdrücklich weibliche Personen.
5 Vgl. Uhlendorff/Cinkl/Marthaler, 2008, S.13
1
2 Selbstdeutungsmuster - Deutungen des Selbst?
2 Selbstdeutungsmuster - Deutungen des Selbst?
In diesem Kapitel wird der Aspekt des Selbstdeutungsmusters ins Zentrum gestellt. Was sind Selbstdeutungsmuster? Worin liegen ihre Merkmale? Können darunter Deutungen des Selbst verstanden werden? Selbstdeutungsmuster gehören meinem Ermessen nach in den allgemeinen Kontext von Deutungsmustern und speziell zu Selbstkonzepten. Bevor der Zusammenhang von Deutungsmustern und Selbstkonzepten im Hinblick auf Selbstdeutungsmuster thematisiert werden kann, ist es von großer Wichtigkeit, beide Begriffe separat von einander zu klären. Aufgrund dessen wird in Abschnitt 2.1 die Bedeutung von Deutungsmustern in den Mittelpunkt gerückt und anhand verschiedener Merkmale genauer erläutert. Zur präziseren Erklärung des zweiten Begriffs werden in 2.2 ausgewählte Definitionen und differierende Betrachtungsweisen bezüglich Selbstkonzepten dargestellt. Abschließend wird in Abschnitt 2.3 zusammenfassend die Verknüpfung zwischen Deutungsmustern und Selbstkonzepten hinblickend auf den Gesichtspunkt der Selbstdeutungsmuster thematisiert.
2.1 Definition und Kennzeichen von Deutungsmustern
Der Begriff des Deutungsmusters wurde von Ulrich Oevermann, 1973, durch ein Manuskript in die Wissenschaft eingeführt.
„Unter Deutungsmustern sollen nicht isolierte Meinungen oder Einstellungen zu einem partikularen Handlungsobjekt, sondern in sich nach allgemeinen Konsistenzregeln strukturierte Argumentationszusammenhänge verstanden werden. Deutungsmuster haben also ihre je eigene ‚Logik‘, ihre je eigenen Kriterien der ‚Vernünftigkeit‘ und ‚Gültigkeit‘, denen ein systemati-
6 sches Urteil über ‚Abweichung‘ korreliert.“
Es lassen sich zwei Verwendungszusammenhänge des Deutungsmusterbegriffs feststellen: Einerseits beschäftigt sich die qualitativ orientierte Bildungsforschung, deren Leitprinzip die Alltags- und Lebensweltbezogenheit ist, mit Deutungsmustern im Zusammenhang der Erhebung der Binnenperspektive der Untersuchten. Andererseits untersucht die erfahrungs- bzw. subjektorientierte Weiterbildungsdidaktik den Anteil von Deutungsmustern als Kräfte im Lernprozess. Beide Verwendungszusammenhänge gehen somit davon aus, dass das Individuum mit seinen „alltäglichen Erfahrungen und Entwicklungsbedürfnissen“ 7 im Vordergrund steht, was eine konkrete Subjektorientierung prägt. 8 Aufgrund der steigenden inflationären Verwendung des Wortes ist eine
6 Oevermann, 1973, S.3
7 Arnold, 1985, S.20f
8 Vgl. Arnold, 1985, S.20f
2
2 Selbstdeutungsmuster - Deutungen des Selbst?
präzise begriffliche Klärung unerlässlich. Aufbauend auf Oevermann entwickelte Arnold folgende Definition.
„Als Deutungsmuster werden […] die mehr oder weniger zeitstabilen und in gewisser Weise stereotypen Sichtweisen und Interpretationen von Mitgliedern einer sozialen Gruppe bezeichnet, die diese zu ihren alltäglichen Handlungs- und Interaktionsbereichen lebensgeschichtlich entwickelt haben. Im einzelnen bilden diese Deutungsmuster ein Orientierungs- und Rechtfertigungspotenzial von Alltagswissensbeständen in der Form grundlegender, eher latenter, Situations-, Beziehungs- und Selbstdefinitionen, in denen das Individuum seine Identität präsentiert und seine Handlungsfähigkeit aufrechterhält.“9
Demzufolge benennt der Begriff des Deutungsmusters einen Funktionszusammenhang von Wissen, in der Form, dass Deutungsmuster bzw. Wissen ein Orientierungs- und Rechtfertigungspotential in Handlungen darstellt. Es soll dem Handelnden somit ermöglicht werden durch Situations-, Beziehungs- und Selbstdefinitionen seine Umwelt und sich selbst zu verstehen und darin seine Handlungsfähigkeit beizubehalten. 10 Um den Deutungsmusterbegriff, sowie die Zitation einer möglichen Definition dessen, verständlicher zu machen, kann der Deutungsmusterbegriff durch folgende zehn Bedeutungselemente bzw. Merkmale genauer präzisiert werden:
(1) Beim Element der Perspektivität von Deutungsmustern geht es um die Entstehung dieser Muster durch einen Vermittlungsprozess des Individuums mit seiner sozialen Wirklichkeit. Das bedeutet, dass die Wirklichkeit des Einzelnen durch die Erschließung und Interpretation, ergo durch die Bedeutung, die der Mensch ihr zumisst, entsteht. Dieser Prozess verläuft eingebunden in soziale Kommunikation. 11 „Denn die Perspektiven, die das Individuum zu seinem Weltbild integriert, entstehen in der Auseinandersetzung mit den Erwartungen und den Deutungstraditionen signifikanter Bezugsgruppen im Prozess der Soziogenese […] und markieren den Bezugsrahmen individueller Wirklichkeitsaufordnung und Handlungsbegründung.“ 12 Zusammenfassend verdeutlicht das Element der Perspektivität, dass „die Lebenswelt jedes Menschen von einem anderen immer nur relativ im Hinblick auf seine spezifischen Erfahrungen […] wahrgenommen [wird].“ 13
(2) Das Element der Plausibilität von Deutungsmustern beschreibt die Funktion, wie das Individuum seine Wirklichkeit in eine für sich selbst und für seine soziale Umgebung passende und plausible Weise ordnet. 14 Deutungsmuster sind Teil des all-
9 Arnold,1985, S.23
10 Vgl. Unger, 2007, S.160
11 Vgl. Arnold, 1985, S.28
12 Arnold, 1985, S.28
13 Vgl. Arnold, 1985, S.29
14 Vgl. Arnold, 1985, S.32
3
2 Selbstdeutungsmuster - Deutungen des Selbst?
täglichen Routinewissens und ermöglichen somit „für den einzelnen Alltagsplausibilität, d.h. sie helfen ihm die Elemente der ihn umgebenden Wirklichkeit nach bekannten und bewährten Mustern zu ordnen, und verschaffen ihm Gewissheit, was wirklich ist und wie er sein Handeln entsprechend diesem Wissen ausrichten kann. Sie ermöglichen ihm unmittelbares, quasi-routiniertes Handeln auch und gerade unter Zeitdruck.“ 15
(3) Das Element der Latenz von Deutungsmustern verweist auf die komplexe Struktur der Deutungsmuster. In alltäglichen Situationen drücken sich Deutungsmuster nicht explizit aus und sind somit für die interagierenden Subjekte nur eingeschränkt reflexiv verfügbar. 16 Unteranderem spricht man von einer „tiefenstrukturellen Verankerung der Verhaltensprinzipien“, da während der Soziogenese die Aneignung von Situations-, Beziehungs- und Selbstdefinitionen zu einem Grundmuster latenter Deutungsmuster wird. 17 Deutungsmusteranalysen haben aus dieser Sichtweise heraus unter anderem die Interpretation von manifesten Äußerungen sowie die Erschließung der dahinter liegenden latenten Deutungsmuster als Ziel. 18 (4) Bei dem Element der Reduktion von Komplexität steht die Einfachheit von Deutungsmustern im Vordergrund. Deutungsmuster bestehen nicht aus komplexen Theorien, sondern aus einfach formulierten Erklärungs-, Zuschreibungs- oder Wertmustern, zumeist mit stereotypem Hintergrund. 19 Diese Reduktion auf bekannte und geordnete Strukturen stellt die Voraussetzung für das erfolgreiche alltägliche Leben dar, da dem Subjekt Handlungssicherheit und ein Überblick bezüglich der Handlungszusammenhänge zu Gute kommt.
(5) Deutungsmustern kommt eine bestimmte Beständigkeit und Beharrungstendenz zu. Dabei spricht man vom Element der Kontinuität. Die Identität der Menschen wird stark durch die Kontinuität der Deutungsmuster bestimmt. Arnold geht davon aus, dass Deutungsmuster quasi als Gelenkstück zwischen subjektiver Vergangenheit und Zukunft fungieren. 20 Menschen interpretieren und reinterpretieren ihre Deutungsmuster fortwährend neu. Durch diese Interpretation und das Selegieren der Muster stehen die subjektiven Normalisierungsbemühungen im Zentrum, um Ver-
15 Arnold,1985, S.33
16 Vgl. Arnold, 1985, S.39
17 Vgl. Arnold, 1985, S.40
18 Vgl. Ebd.
19 Vgl. Arnold, 1985, S.45f
20 Vgl. Arnold, 1985, S.51
4
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Ann-Kathrin Klose, 2011, Selbstdeutungsmuster familiärer Belastungssituationen, München, GRIN Verlag GmbH
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