II
IT-Voraussetzungen für ein funktionsfähiges SCM
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
1 Einführung 1
2 Begrisbestimmungen 2
3 Die Bedeutung der IT für das SCM 3
3.1 Anforderungen 4
3.2 Kommunikationstechnologien 6
4 Betriebliche Anwendungssysteme im SCM 9
4.1 MRP I und MRP II Systeme 9
4.2 ERP-Systeme 10
4.3 SC-MSysteme 10
5 Zusammenfassung und Ausblick 14
Literaturverzeichnis 16
Abkürzungsverzeichnis
APS Advanced Planning Systeme ATP Available-to-Promise AWS Anwendungssysteme EDI Electronic Data Interchange EDIFACT Electronic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport ERP Enterprise Resource Planning eSCM Electronic Supply Chain Management FTP File Transfer Protocol HTTP Hyper Text Transfer Protocol IS Informationssysteme IuK Informations-und Kommunikationssysteme MRP I Material Requirement Planning MRP II Manufacturing Resource Planning ODETTE Organization for Data Exchange by Teletransmission in Europe PPS Produktionsplanung-und Steuerungssysteme SMTP Simple Mail Transfer Protocol SC Supply Chain SCM Supply Chain Management TCP/IP Transmission Control Protocol/Internet Protocol XML Extensible Markup Language
Abbildungsverzeichnis
1 Supply Chain Management . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 2 Anforderungen an die IT für das SCM . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 3 Electronic Data Interchange . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 4 Datenversorgung von APS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 5 Das Strukturmodell der Veränderung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
1 Einführung
Die Logistik ist eine der innovativsten Branchen, in der die IT-Technologien ihren Einzug nden. Betrachtet man die Supply Chain (SC), besteht die Hauptaufgabe der IT, alle Informations-, Material- und Finanzüsse möglichst optimal zu gestalten und auszurichten. Beim Supply Chain Management (SCM) wird diese Betrachtungsweise erweitert, in dem die unternehmensübergreifenden Flüsse ebenfalls mit einbezogen werden. In der Literatur wird die IT auch als Enabler bzw. Kit aller beteiligten Partner der SC bezeichnet. 1 Der Transfer von Daten zwischen den Beteiligten der SC ist nur durch moderne Informations-und Kommunikationssysteme (IuK) möglich. Es gibt mittlerweile zahlreiche Technologien, die den hohen Anforderungen innerhalb der Lieferkette gewachsen sind. Aufgrund der hohen Rationalisierungspotentiale versuchen immer mehr Unternehmen ein SCM einzuführen. 2 Bei einigen sind diese Systeme schon seit vielen Jahren erfolgreich im Einsatz, z.B. Volkswagen AG oder BASF AG.
Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, einen Einstieg in das SCM zu geben und die Anforderungen an die IT zu beschreiben. Die Betrachtung erfolgt dabei auf der betrieblichen als auch auf der überbetrieblichen Ebene und den damit in Verbindung stehenden Anwendungssystemen.
Die Arbeit ist wie folgt strukturiert: Im ersten Teil wird die Lieferkette vorgestellt sowie die beteiligten Akteure. Um das Verständnis beim Leser zu gewährleisten, werden noch einige häug vorkommende Begrie deniert. Daraufhin werden die allgemeinen Voraussetzungen an die IT beschrieben und die wichtigsten Kommunikationstechnologien erklärt. Anschlieÿend erfolgt eine Vorstellung der unterschiedlichen Planungsansätze Material Requirement Planning (MRP I), Manufacturing Resource Planning (MRP II), Enterprise Resource Planning (ERP) sowie SCM-Systeme bzw. Advanced Planning Systeme (APS). Zuguterletzt erfolgt eine Zusammenfassung der Arbeit sowie ein Blick in die Zukunft.
1 Vgl. Kuhn/Hellingrath 2002, S. 125 .
2 Vgl. Werner 2002, S. 1.
2 Begrisbestimmungen
Unter dem Begri SC wird im engeren Sinne eine Lieferkette, Versorgungskette oder unternehmensübergreifende Wertschöpfungskette verstanden. 3 Damit sind allerdings nicht nur die Interaktionen zwischen Lieferanten, sondern auch Koordinationsaufgaben mit den Kunden gemeint. Es wird auch als Netzwerk mit mehreren Organisationen beschrieben. Beim Begri des Supply Chain Managements (SCM) ist folgende Denition weit verbreitet: SCM bezeichnet die integrierte Planung, Simulation, Optimierung und Steuerung der Waren-, Informations- und Geldüsse entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Kunden des Kunden bis zum Lieferanten des Lieferanten. 4 Diese Wertschöpfungskette ist in Abbildung 1 dargestellt.
Die Primärziele des SCM lauten wie folgt: 5
Verbesserung der Kundenorientierung
Synchronisation der Versorgung mit dem Bedarf Flexibilisierung und bedarfsgerechte Produktion Abbau der Bestände entlang der Wertschöpfungskette
3 Busch/Dangelmaier 2004, S. 4.
4 Wannenwetsch/Nicolai 2004, S. 5.
5 Kuhn/Hellingrath 2002, S. 10.
Diese Ziele werden durch leistungsfähige Informations- und Kommunikationssysteme realisiert. Bei [...]Informationssystemen (IS) handelt es sich um soziotechnische Mensch-Maschine-) Systeme, die menschliche und maschinelle Komponenten (Teilsysteme) umfassen und zum Ziel der optimalen Bereitstellung von Information und Kommunikation nach wirtschaftlichen Kriterien eingesetzt werden. 6 Diese Systeme haben zwei wesentliche Aufgaben: Zum Einen zur Entscheidugsunterstützung bei der Planung und Steuerung von Produktionsfaktoren, zum anderen dienen Sie als Hilfsmittel zur vereinfachten Ausführung von Prozessen und Transaktionen durch schnellen Zugri auf Daten und Informationen. Auf die einzelnen IS wird auf Seite 9 näher eingegangen.
Aufgrund moderner eBusiness-Technologien bzw. IS wird aus dem Begri SCM das Electronic Supply Chain Management (eSCM). eSCM wird deniert als [...] eine Bezeichnung für die Planung, Steuerung und Integration sämtlicher Waren-, Informations- sowie Finanzüsse entlang der Supply Chain, innerhalb eines Unternehmens sowie unternehmensübergreifend mit Hilfe moderner eBusiness-, Informations-und Kommunikationstechnologien. 7 Die IS werden in dieser Arbeit auch als betriebliche Anwendungssysteme (AWS) bezeichnet. Unter einem Anwendungssystem versteht man in der Literatur [...]die Gesamtheit aller Programme, die als Anwendungssoftware für ein konkretes betriebliches Anwendungsgebiet entwickelt, eingeführt und eingesetzt werden, und um die zugehörigen Daten, die in unterschiedlichen Formen der Datenorganisation bereitgestellt werden, zu nutzen. 8
3 Die Bedeutung der IT für das SCM
Die optimale IT-Unterstützung lässt sich von einem Softwareanbieter nicht alleine umsetzen. Es geht hauptsächlich darum, die vorhandene IT-Landschaft intensiv zu analysieren und gemäÿ den vorhandenen Prozessen anzupassen sowie Medienbrüche zu verhindern. Erst die durchgängige Informationsverarbeitung ermöglichen die
6 Krcmar 2005, S. 25.
7 Wannenwetsch/Nicolai 2004, S. 7.
8 Stahlknecht/Hasenkamp 2005, S. 204.
zahlreichen Vorteile der Software. 9 In den folgenden zwei Unterpunkten werden die groben Anforderungen an die IT sowie die maÿgeblichen Kommunikationstechnologien beschrieben.
3.1 Anforderungen
Die nun folgenden Voraussetzungen an die IT beim SCM orientieren sich in Anlehnung an Supply Chain Management - Optimierte Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette. 10
Um den hohen Anforderungen der Supply Chain gerecht zu werden, sind leistungsfähige IT-Lösungen unabdingbar. Diese IT-Voraussetzungen ergeben sich aus den Deziten der ERP-Systeme. Die drei wesentlichen Anforderungen lauten (s. Abbildung 2):
Beherrschung der Komplexität logistischer Netzwerke Unterstützung der Dynamik von logistischen Netzwerken Schaen von Transparenz und Visibilität über die gesamte SC Unternehmen versprechen sich von der ganzheitlichen Sicht der Geschäftsprozesse eine Verkürzung der time-to-market, verlässliche Lieferzeiten sowie ein Abbau der Bestände entlang der SC. Mit anderen Worten soll Angebot und Bedarf synchronisiert werden und die kundenauftragsbezogene Produktion erhöht werden. Demzufolge muss im SCM das gesamte logistische Netzwerk optimiert werden. Durch die Betrachtung der gesamten Lieferkette sind Zugrismöglichkeiten auf Daten in Echtzeit, sowie die Verknüpfung von informations- und entscheidungsunterstützenden Systemen aus Sicht der überbetrieblichen Koordination unumgänglich. Durch die vorhandenen IT-Ressource ist diese Umsetzung erst möglich geworden.
9 Vgl. Kahlmeyer/Liebert 2004, S. 187 f.
10 Vgl. für diesen Absatz grundlegend: Kuhn/Hellingrath 2002, S. 134 .
1. Beherrschung der Komplexität logistischer Netzwerke Die immer gröÿer werdende Anzahl an Teilnehmern innerhalb logistischer Netzwerke erfordert eine intensive Zusammenarbeit zwischen Kunden und Lieferanten. Nicht nur die Teilnehmerzahl macht die Koordination untereinander so komplex, sondern auch die komplizierte Struktur. Aufgrund selbstständiger Subsysteme sind bestimmte Reaktionen nicht nachvollziehbar bzw. vorhersehbar. Oft hat eine Aktion eines Akteurs auch eine Reaktion anderer Akteure zur Folge. Diese komplexe Struktur muss durch IT kontrollierbar gemacht werden. 2. Unterstützung der Dynamik von logistischen Netzwerken Logistische Netzwerke unterliegen aufgrund ständiger Veränderungen von Kundenbedürfnissen einer starken Dynamik. Dies löst zugleich Anpassungen im Bestellverhalten aus und kann bis zur kompletten Produktmodikation reichen. Die IT muss der starken Dynamik gewachsen sein und bei Veränderungen von Funktionen und Strukturen helfen.
3. Schaen von Transparenz und Visibilität über die gesamte SC Neu beim Supply Chain Management ist die Optimierung der Geschäftsprozesse innerhalb der Unternehmung und über die Unternehmensgrenzen hinaus. Dies ist allerdings erst möglich geworden durch leistungsfähige Hardware- und Softwaretechnologien. Auÿerdem fördert es die Entscheidungsunterstützungen in Echtzeit sowie unternehmensübergreifende Planungsprozesse. Durch die Verbindung von Informations- und Kommunikationstechnologien ist überbetriebliche Informationstransparenz bezüglich des Material- und Auftragsusses im Netzwerk möglich geworden. Erst durch die Rechenleistung heutiger Systeme ist es möglich geworden, die hohe Datenvielfalt als simultanen Planungsansatz zu verarbeiten. Auf der anderen Seite stehen die Kommunikationstechnologien, die allen Teilnehmern der SC zur Verfügung stehen. Um die Informationen allen Teilnehmern der Lieferkette bereitzustellen und die Daten zu integrieren, ist eine Integrations- und Austauschplattform notwendig. Desweiteren sind SCM-Tools notwendig, die aus mehreren Funktionsmodulen bestehen.
Mit Hilfe der auf den folgenden Seiten beschriebenen Informations- und Kommunikationstechnologien ist es zum Beispiel der Firma DELL gelungen, die Vorderseite (Frontend) der SC mit der Rückseite (Backend) zu integrieren. Die Visibilität und Transparenz entlang der Wertschöpfungskette waren die Voraussetzungen für den Onlinevertrieb von Produkten. Dadurch ist es möglich, dass die Kundenwünsche durch die SC gereicht werden und der Endkunde kurze Zeit später genau erfährt, ob die Bestellung realisierbar ist bzw. wann er die Ware geliefert bekommt. Die gesamte Kommunikation läuft hierbei in Echtzeit ab. 11
3.2 Kommunikationstechnologien
Der überbetriebliche, integrierte und automatisierte Informationsaustausch zwischen Geschäftspartnern setzt eine Standardisierung der Kommunikationsprozesse voraus. In diesem Abschnitt werden die Technologien Electronic Data Interchange (EDI), das
11 Vgl. Praxisbeispiel: Lawrenz/Hildebrand/Nenninger 2000, S. 264 .
Netzwerkprotokoll Transmission Control Protocol/Internet Protocol (TCP/IP) sowie die Metasprache Extensible Markup Language (XML) als Kommunikationshilfsmittel im SCM kurz vorgestellt.
Unter EDI versteht man den [...]Austausch von strukturierten Daten zwischen Geschäftspartnern[...]. 12 Wie in Abbildung 3 dargestellt, wird im SCM eine Point-to-Point Verbindung aufgebaut. In diesem Beispiel handelt es sich um eine automatisierte Lagerhaltung. Hierbei wird beim Kunden bei Erreichen des Meldebestands eine Warenzustellung beim Lieferant ausgelöst. Dieser Prozess geschieht völlig automatisiert und wird meist bei zeitkritischen Daten eingesetzt.
Neben dem Point-to-Point-Prinzip gibt es noch eine weitere Verbindungsart, das Store-and-Foreward-Prinzip. Bei diesem Prinzip schickt der Absender die Nachricht an die Mailbox des Empfängers. Wesentliche Vorteile sind, dass keine dauerhafte Verbindung besteht und so die Kommunikationskosten reduziert werden. Auÿerdem ist das Sicherheitsrisiko geringer, da keine dauerhafte Verbindung besteht. Der groÿe Nachteil ist die enorme Verzögerung der Nachricht, da sie erst ausgelöst wird, wenn der Empfänger das Postfach leert. Neben dem Kommunikationssystem hat EDI die Aufgabe, die Daten in standardisierte Formate zu konvertieren, wie z.B.: EDIFACT (Electronic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport)
ODETTE (Organization for Data Exchange by Teletransmission in Europe) 13
12 Stahlknecht/Hasenkamp 2005, S. 332.
13 Vgl. für diesen Absatz grundlegend: Wannenwetsch/Nicolai 2004, S. 61.
Da das Regelwerk mit den Jahren gewachsen ist, wurden für die unterschiedlichen Branchen EDIFACT-Subsets entwickelt, um die Vielschichtigkeit zu umgehen. Es gibt natürlich auch Unternehmen, die kein EDI verwenden. Hierfür wurden sogenannte Clearingstellen eingerichtet, die die EDI-Daten empfangen, konvertieren und dem Empfänger in einem neutralen Format zur Verfügung stellen. Mit Web-EDI hat sich eine weitere Methode etabliert, die es nicht-EDI-nutzenden Unternehmen erlaubt, über WWW-Formulare mit Geschäftspartnern zu kommunizieren. Die Formulare wandeln die Daten ebenfalls in den EDI-Standard um und leiten Sie an die richtige Zieladresse weiter.
Eine Alternative zu EDIFACT stellt die Metasprache XML da. XML strukturiert und beschreibt Daten, dass Sie zwischen verschiedenen Anwendungen problemlos ausgetauscht sowie graphisch aufbereitet werden können. Im Vergleich zu HTML ist Sie keine Auszeichnungssprache, sondern ermöglicht es Unternehmen einen eigenen Datenformatstandard zu entwickeln. Aufgrund der geringen Kosten stellt XML eine Alternative zu EDIFACT da. Dadurch können auch kleinere Unternehmen schnell Geschäftsdaten austauschen. 14
Der reibungslose und schnelle Austausch von Daten ist mit der Entwicklung des Netzwerkprotokolls TCP/IP möglich geworden. Hierbei werden die Daten in einzelne Pakete zerlegt und an die entsprechenden IP-Adressen versendet. Die Transportschicht TCP/IP stellt sicher, dass sich die Akteure der SC schnell und kostengünstig verständigen können. Zu den wichtigsten Übertragungsprotokollen zählen: Hyper Text Transfer Protocol (HTTP) (Übertragung und Darstellung von Web-Content)
Simple Mail Transfer Protocol (SMTP) (Senden und Empfangen von E-Mails)
File Transfer Protocol (FTP) (Übertragung von verschiedenen Datenformaten) 15
14 Vgl. für diesen Absatz grundlegend: Vahrenkamp 2007, S. 58 f.
15 Vgl. für diesen Absatz grundlegend: Wannenwetsch/Nicolai 2004, S. 62.
4 Betriebliche Anwendungssysteme im SCM
Im weiteren Verlauf werden die betrieblichen Anwendungssysteme beschrieben. Aufgabe dieser Systeme ist die Planung, Steuerung und Koordination aller Geschäftsprozesse im und zwischen den beteiligten Unternehmen der SC. Neben der Beschreibung wird bei den APS die Integration in die IT-Landschaft erläutert sowie auf die Schnittstellen vertieft eingegangen.
4.1 MRP I und MRP II Systeme
Die erste Entwicklungsstufe der betrieblichen Anwendungssysteme bildeten die MRP I- Systeme.Mit Hilfe eines geplanten Bedarfs an Enderzeugnissen wurde über Stücklis-tenprozessoren die benötigten Bedarfe an Rohstoen, Zukaufteilen und Halbfertigerzeugnissen abgeleitet. Das Problem war jedoch, dass sich die Planung ausschlieÿlich auf die Mengen- und Terminplanung beschränkte. Die Verfügbarkeitsprüfung von Ressourcen blieb auÿer Acht. Dadurch konnte nicht garantiert werden, ob ein Produktionsplan realisierbar war oder nicht. Auÿerdem beschränkten sich diese Systeme auf einzelne betriebliche Bereiche. Durch diese funktionale Betrachtungsweise wurden demzufolge nur Einzellösungen erzielt.
Aufgrund der genannten Dezite sind in den achtziger Jahren die MRP II-Systeme entwickelt worden. Hierbei wurde das MRP I-Konzept um eine Kapazitäts- und Terminplanung erweitert. Ergänzend dazu wurden weitere Funktionsbereiche wie Beschaung, Fertigung und Lager integriert. Nun konnte durch die Verknüpfung auf Prozessdaten aus dem operativen Tagesgeschäft Gebrauch gemacht werden. Der Ressourcenabgleich (Personal, Maschine und Material) wurde durch die Nutzung von Produktionsplanung-und Steuerungssysteme (PPS) ermöglicht. Die Schwäche
bei den MRP II-Systemen liegt bei der asynchronen Betrachtung von Material und Kapazität. 16
16 Vgl. für diesen Absatz grundlegend: Wannenwetsch/Nicolai 2004, S. 72.
4.2 ERP-Systeme
Ende der achtziger Jahre versuchte man den zahlreichen Deziten entgegenzuwirken und entwickelte die Enterprise Resource Planning (ERP)-Systeme , was zu einer erheblichen Umstellung der Wettbewerbssituation führte. Hierbei wurden weitere Funktionen hinzugefügt wie Controlling, Beschaung und Personalwesen. Die strategischen Vorteile dieser ERP-Systeme : integrierte Datenbasis mit integrierten Zugrismöglichkeiten, Vermeidung von mehrfachen Datenerfassungsaufwand, Vermeidung von Fehlern bei der Transformation der Daten, kürzere Zugriszeiten und bessere Auswertungsmöglichkeiten der integrierten Daten. 17 Allerdings lösen diese Erweiterungen nicht die genannten Probleme von MRP-Systemen. Die Probleme liegen weiterhin auf der Planungs- und Dispositionsebene. Mittlerweile sind ERP-Systeme von bekannten Herstellern wie z.B. SAP oder Oracle in Unternehmen weit verbreitet. Allerdings liegt der Schwerpunkt in dieser Arbeit nicht auf ERP-Systeme, da Sie den Anforderungen im SCM nicht genügen und nur auf die Optimierung von innerbetrieblichen Prozessen zugeschnitten sind. 18
4.3 SCM-Systeme
Hinsichtlich der Beschränkungen bei den ERP-Systemen wurden in den neunziger Jahren die SCM-Systeme, auch APS genannt, entwickelt. Diese Systeme sollen die SC kongurieren, planen, steuern und kontrollieren. Bezüglich der Konguration
helfen SCM-Systeme durch Abbildung, Modellierung und Simulation der Logistikkette. Durch den Einsatz von IS wird die Auftrags-, Bestands-, Kapazitäts- oder Transportplanung optimiert. Mit Hilfe der übergreifenden Steuerung und Kontrolle können Informationssysteme (IS) die Abläufe in der SC enorm verbessern. Aufgrund dieser 4 Aspekte wurden die APS eingeführt. Die Verwendung von APS setzt allerdings ERP-, PPS- oder andere Basissysteme zur Datenverwaltung und Ausführungsunterstützung voraus. Sie sind somit als Ergänzung zu betrachten und wirken den
17 Lawrenz/Hildebrand/Nenninger 2000, S. 181.
18 Vgl. für diesen Absatz grundlegend: Wannenwetsch/Nicolai 2004, S. 73.
fehlenden Funktionen von ERP-Systemen entgegen. Die zwei wesentlichen Aufgaben sind: Ausführungsunterstützung Entscheidungsunterstützung
Die verfeinerte Ausführungsunterstützung wird erreicht durch die erhöhte Integrationsreichweite. Hierbei hilft z.B. der auf- und abwärtsgerichtete Informationsuss entlang der SC. Das Hauptaugenmerk von APS liegt bei der Entscheidungsunterstützung. Dies wird mittels komplexer Lösungsalgorithmen sowie durch Planung und Prüfung von Kapazitäten als auch Restriktionen umgesetzt. 19 In Zusammenhang mit den Aufgaben von APS steht die Integration der Planungsprozesse (Prozesstechnik) sowie die Daten- und Systemtechnik im Vordergrund. Unter Integration wird die [...] Verknüpfung von Menschen, Aufgaben und Technik zu einer Einheit verstanden. 20 1. Prozesstechnische Integration
Bei der prozesstechnischen Integration geht es vordergründig um die Verbindung der betriebswirtschaftlichen Prozesse. Hierzu zählt auf der einen Seite die Absatzplanung, die den kurz- und mittelfristigen Absatz von Produkten plant. Dieser Prozess kann noch zusätzlich mit dem Kunden abgestimmt werden. Auf der anderen Seite ist der Master-Planungsprozess (Master-Planning), bei dem sämtliche Restriktionen zur Erfüllung der Absatzplanung beachtet werden. Der Master-Planungsprozess kann noch zusätzlich die Materialverfügbarkeitsangaben mit den Lieferanten abstimmen. Anschlieÿend werden die beiden Prozesse miteinander verglichen. 2. Systemtechnische Integration
Die system- und datentechnische Integration in die IT-Landschaft ist der zweite wesentliche Aspekt, damit APS die SC optimal unterstützen. Hierzu wird eine eigenständige Schicht über die ERP-Systeme gelegt, damit die notwendigen
19 Vgl. für diesen Absatz grundlegend: Steven/Krüger 2004, S. 177 f.
20 Mertens 2007, S. 1.
Informationen integriert werden können. Dazu werden sämtliche Informationen von den Akteuren der SC zusammengetragen und verknüpft. Hierfür sind Daten zu Verfügbarkeit und Bedarf von Ressourcen bzw. Materialien relevant. Die systemübergreifende Entscheidungsunterstützung ist demzufolge nur möglich, wenn der Absatz- und Masterplanungsprozess korrekt datentechnisch integriert ist und Informationen über Planungsergebnisse kommuniziert werden können. Des Weiteren ist die Übernahme der Inputdaten aus den ERP-Systemen sowie das weiterleiten der Planungsergebnisse an die ERP-Systeme entscheidend. 21 Ein weiteres Merkmal für die korrekte Funktionsweise von APS sind die Kommunikationsschnittstellen (systemtechnische Integration). Hierzu zählen u.a. die Datenver-sorgung, die Datenaufbereitung sowie die Datenweitergabe von Planungsergebnissen. Die Verwaltung von Input-Daten ist nicht die Hauptaufgabe von APS. Vielmehr sind die Systeme auf die Versorgung von auÿen abhängig. Es werden zwei verschiedene Eingabedaten unterschieden:
Stammdaten (Produkt-und Materialinformationen, Ressourcen, Stücklisten, u.a.) Bewegungsdaten (Material-und Auftragsbestand, Planbedarf, u.a.) Der essentielle Ursprung dieser Daten sind ERP-Systeme sowie Transaktionssysteme mit Transaktionsdaten und Stammdaten. Auf der anderen Seite die Data-Warehouse Systeme mit historischen Daten und Kennzahlen wie in Abbildung 4 dargestellt.
21 Vgl. für diesen Ansatz grundlegend: Kilger/Müller 2004, S. 218 f.
APS können die Informationen für die Planung aus den genannten Quellen nicht einfach verwenden, da Sie zu detailliert sind. Um beispielsweise für den Master-Plan ein Planungsprozess zu erstellen, ist es notwendig, die umfangreichen Produkt- und Logistikstrukturen zu ltern und zusammenzuführen. Hierzu werden bspw. Ressourcen zu Planungsressourcen oder Arbeitsgänge von Arbeitsplänen zu Fertigungsphasen zusammengefasst. Bei der Filterung geht es um die Aussortierung von planungsunrelevanten Strukturen. Die Aufbereitung der Daten ist ein komplexer Schritt. Es muss darauf geachtet werden, dass die Aggregationsstufe nicht zu grob ist, damit das Planungsmodell überhaupt noch repräsentierbar ist. Auf der anderen Seite ist die Feinheit der Aggregation für den Feinplanungsprozess bedeutend. Die Zusammenführung geschieht ebenfalls mit den Bewegungsdaten bzw. Stammdaten, damit am Ende alles zusammenpasst. Die Verbindung zwischen Transaktionssystem und dem APS wird auch Batch-Schnittstelle genannt. Eine Online-Schnittstelle ist bei der Datenaufbereitung nicht vorhanden, da sich die Informationen sonst ständig ändern würden und die Erstellung eines Planungsergebnisses wäre unmöglich. Die Online-Schnittstelle zwischen dem APS und dem ERP-System ist lediglich bei der Datenversorgung und Auftragsbestätigung vorhanden.
Neben der Datenversorgung von APS liegt der Schwerpunkt bei der Erstellung von Planungsergebnissen. Die Ergebnisse werden daraufhin an die operativen Abläufe weitergegeben. Wie in Abbildung 4 auf Seite 12 dargestellt, werden die Planungsprozesse durch verschiedene APS-Module realisiert. Unter den einzelnen Planungsteilprozessen ndet ein ständiger Datenaustausch statt.
Eine zusätzliche Aufgabe von APS ist die Erstellung von Alerts. Dabei signalisiert das System mittels Warnmeldungen, ob Probleme oder Abweichungen zwischen dem Plan und der Realität existieren. Zum Beispiel wäre ein erhöhter Materialverbrauch im Vergleich zur Materialmenge zum Planungszeitpunkt ein Problem. Bei dieser planerischen Unstimmigkeit von Verbrauchsmengen spricht man auch von harten Problemen. Zum anderen existieren die sogenannten weichen Probleme. Dabei handelt es sich um planerische Verspätungen, bspw. kann ein Kundenauftrag zum angesetz- ten Zeitpunkt nicht erfüllt werden. Die Warnmeldungen werden meist an Monitoring-
bzw. Reportingsysteme weitergeleitet.
Als letzter wichtiger Schnittstelle von APS ist die Auftragsbestätigung. Hierbei werden die Aufträge im ERP- bzw. Transaktionssystem registriert und online über APS via Available-to-Promise (ATP) veriziert. Die Mengen an ATP werden durch den Masterplan festgelegt und drücken somit die angesetzten Produktionsmengen entlang der Lieferkette aus. Die Mengen werden daraufhin den verschiedenen Bedarfsträgern zugeordnet, bspw. Schlüsselkunden, Kundengruppen. 22
5 Zusammenfassung und Ausblick
Um sich als Unternehmen auf den internationalen und globalen Märkten behaupten zu können, ist eine Abstimmung der Prozesse mit allen Partnern der SC unumgänglich. Supply Chain Management bedeutet, die Lieferkette ganzheitlich zu kontrollieren und zu optimieren. Die obersten Ziele sind die Verbesserung der Kundenzufriedenheit, die Synchronisation der Versorgung mit dem Bedarf, Flexibilisierung und bedarfsgerechte Produktion sowie Abbau der Bestände entlang der SC. Die drei prägnanten Faktoren Kooperation, Prozessorientierung und Informationstechnologie macht die Bedeutung der IT deutlich. In dieser Arbeit wurden die wesentlichen IT-Anforderungen Beherrschung der Komplexität logistischer Netzwerke, Unterstützung der Dynamik von logistischen Netzwerken sowie Schaen von Transparenz und Visibilität über die gesamte SC vorgestellt. Als wichtige Kommunikationstechnologien haben sich EDI, XML und TCP herausgestellt. Sie werden betrieblich als auch überbetrieblich eingesetzt. Aufgrund der zahlreichen Vorteile durch die Nutzung von SCM-Systeme werden die AWS auch zunehmend für den Mittelstand interessant. Im Bereich der AWS setzen sich vermehrt die datenhaltenden APS durch. Aufgrund der Dezite beim MRP/MRP II-Ansatz ist nun eine simultane Planung von Material und Kapazität in kurzer Zeit möglich geworden.
22 Vgl. für diesen Ansatz grundlegend: Kilger/Müller 2004, S. 224 .
Die Zukunft der Unternehmen wird immer mehr in Richtung Zusammenschlüssen bzw. Netzwerken gehen. Daraus ergibt sich ein immer komplexer werdendes Logistik-und Produktionsnetzwerk. Durch die zahlreichen elektronischen Medien wird sich E-Business immer stärker mit SCM verknüpfen. Die entscheidenden Veränderungstreiber sind in Abbildung 5 dargestellt. Heutige Softwareanbieter sind von einer durchgängigen Integration Ihrer SCM-Lösung entlang der gesamten Lieferkette noch weit entfernt. Die Lösungen sind meist nur für bestimmte Teile der SC bestimmt. Im Bereich des Integrationsumfangs wird es in Zukunft noch enorme Veränderungen geben. 23
23 Vgl. für diesen Absatz grundlegend: Hellingrath/Laakmann/Nayabi 2004, S. 121 f.
Literaturverzeichnis
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Kilger, C./Müller, A.: Integration von Advanced Planning Systemen in die innerbetriebliche DV-Landschaft, In Busch, A./Dangelmaier, W. (Hrsg.): Integriertes Supply Chain Management - Theorie und Praxis eektiver unternehmensübergreifender Geschäftsprozesse, 2. Auflage, Wiesbaden 2004. Ka- pitel 2., 215237.
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Mertens, P.: Integrierte Informationsverarbeitung 1 - Operative Systeme in der Industrie, 16. Auflage, Wiesbaden 2007.
Stahlknecht, P./Hasenkamp, U.: Einführung in die Wirtschaftsinformatik, 11. Auflage, Berlin et al. 2005.
Steven, M./Krüger, R.: Advanced Planning Systems - Grundlagen, Funktionalitäten, Anwendungen, In Busch, A./Dangelmaier, W. (Hrsg.): Integriertes Supply Chain Management - Theorie und Praxis eektiver unternehmensübergreifender Geschäftsprozesse, 2. Auflage, Wiesbaden 2004. Kapitel 2., 171 189.
Vahrenkamp, R.: Logistik, 6. Auflage, München/Wien 2007. Wannenwetsch, Helmut H./Nicolai, S.: E-Supply Chain Management - Grundlagen, Strategien und Praxisanwendungen, 2. Auflage, Wiesbaden 2004. Werner, H.: Supply Chain Management - Grundlagen, Strategien, Instrumente und Controlling, 2. Auflage, Wiesbaden 2002.
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Friedemann Dorn, 2009, IT-Voraussetzungen für ein funktionsfähiges SCM, München, GRIN Verlag GmbH
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