I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
I. Einleitung 3 II. Hauptteil 4 1. Kurze Formanalyse 4
2. Illusion des vollkommenen Liebesglücks (V.1-19) 4
2.1 Darstellung der Liebenden (V.1-4) 5
2.2 Intensivierung (V.5-13) 6 2.3 Bedingungen (V.14-19) 8
3. Völlige Identifikation (V.20 - 23) 8
4. Desillusionierung und Zerstörung des Bildes (V.24 - 28) 9 5. Quelle: Brecht und Dane 10
6. Einbettung in ,,Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ 11 7. Biographischer Kontext 12 III. Schluss 13 Bibliographie
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I. E i n l e i t u n g
Bertolt Brecht selbst veröffentlichte die ,,Terzinen übe die Liebe“ in keinem seiner Gedichtbände. Zunächst wurde der Text in der (Bordell-)Szene 14 der Brecht-Weill-Oper ,,Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ publik. Die Herausgeber haben das Gedicht unter dem Titel ,,Die Liebenden“ in Band 2 der unveröffentlichten Gedichte aufgenommen. Die vorliegende Hausarbeit geht vom Text als Gedicht aus. Sie wird herausarbeiten, mit welchen Mitteln „Terzinen über die Liebe“ die Illusion einer kurzen, aber vollkommenen Liebe schafft und wie dabei gleichzeitig die Vergänglichkeit dieses Glücks und somit eine Kritik an der absoluten Liebe aufgezeigt wird.
Hierzu werden auch die Mittel und Techniken untersucht, anhand derer das Bild der vollkommenen Liebe evoziert und letztendlich negiert wird. Dazu wird eine Analyse des Gedichts vorgenommen, in der die für die Fragestellung relevanten Aspekte betrachtet und interpretiert werden. Vorweg wird eine kurze Formanalyse gegeben. Dem Strophenverlauf weitgehend folgend werden anschließend die sprachlichen, metrischen und stilistischen Mittel untersucht. Dabei wird das Gedicht in drei Sinnanschnitte gegliedert 1 , die nacheinander untersucht werden; zunächst wird das suggerierte Bild des vollkommenen Liebesglücks analysiert, wobei sich drei Phasen unterscheiden lassen: Die Darstellung der Liebenden, die Intensivierung der Identifikation des Lesers mit denselben sowie die Bedingungen der vollkommenen Liebe. Im Anschluss wird der dialogische Teil näher betrachtet und schlussendlich die Desillusionierung des evozierten Bildes.
Da Brecht den Stoff und die Form von Dantes „Göttliche Komödie“ verarbeitete wird diese Quelle zum Vergleich herangezogen. Anschließend wird das Gedicht als dramatischer Dialog im Kontext der Brecht-Weill-Oper ,,Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ gedeutet und schlussendlich grob in Brechts biographischen Kontext eingebettet.
1 vgl. Knopf, Jan: Bertolt Brechts ,,Terzinen über die Liebe“, Frankfurt am Main 1998, S. 25
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II. H a u p t t e i l
1. K u r z e F o r m a n a l y s e
Das Schema der Terzinen mit regelmäßigem, fünfhebigem Jambus und weiblicher Kadenz wird bis einschließlich V.19 weitgehend durchgehalten. Die Terzinen sind Dantes Divina Commedia nachgebildet. In der klassischen dreiversigen Terzinenstrophe reimen die beiden Außenverse miteinander und der Mittelvers auf die Außenverse der nachfolgenden Strophe. Beendet wird diese somit grundsätzlich infinite Reimfolge aba bcb cdc usw. durch den Reim des Mittelverses der letzten Terzinenstrophe auf einen Einzelvers (… xyx yzy z). 2 Ab V.20 wird das metrische Muster gebrochen und das Gedicht zerfällt in Frage und Antwort. Der Vers ,,Ihr fragt, wie lange sind sie schon beisammen“ bleibt ohne Reimentsprechung und ist demnach eine Waise.
2. I l l u s i o n d e s v o l l k o m m e n e n L i e b e s g l ü c k s ( V. 1 - 19 ) Das Gedicht beginnt mit der Aufforderung des lyrischen Ichs an den Leser, sich das Bild der Kraniche vorzustellen, welches sich in allen Einzelheiten im Verlauf des Gedichts entwickelt und mit dem Terzinenvers „Fliegen sie hin“ 3 (V.19) harmonisch abgerundet wird 4 .
Terzinen dienten meist der episch-didaktischen Versdichtung. 5 Das Gedicht kann demnach als eine Art Lehrgedicht über die Liebe verstanden werden. Allein der Titel ,,Terzinen über die Liebe“ erinnert unweigerlich an Hugo von Hofmannsthals ,,Terzinen über Vergänglichkeit“. Der Reim wird unterbrochen, es erfolgt quasi eine Trennung, die in der nächsten Terzinenstrophe aber wieder aufgehoben wird. Auch über die Sprache wird mittels Enjambements (3/4, 5/6, 7/8, 10/11, 18/19) und komplizierter syntaktischer Perioden sowie der Reimform der Terzinen vollendete
2 Vgl. Burdorf, Dieter und Schweikle, Günther: Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen,
Stuttgart 2007, S. 758/759
3 Brecht, Bertolt: Gesammelte Werke Band 14: Gedichte 4, Frankfurt am Main 1989, S.15-16. Die
Angabe der Verszeile ist stets hinzugefügt.
4 . Vgl. Knopf, Jan: Bertolt Brechts ,,Terzinen über die Liebe“, Frankfurt am Main 1998, S. 23
5 Vgl. Burdorf, Dieter und Schweikle, Günther: Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen,
Stuttgart 2007, S. 758/759
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Harmonie suggeriert. Allerdings lassen sich auch hier schon bei genauerer Betrachtung Korrespondenzen zum Schluss finden.
2. 1 D a r s t e l l u n g d e r L i e b e n d e n ( V. 1 - 4 ) Das lyrische Ich entführt und verführt den Leser durch die persönliche und vertrauliche Ansprache, den Blick vom Horizontalen, dem Irdischen, in die Vertikale zu erheben: ,,Sieh“ (V.1). Es wird das Bild zweier in Harmonie dahinschwebender Kraniche evoziert, deren Flug den Zustand der Liebenden symbolisiert. Diese Harmoniesuggestion einer in sich seligen, in der Einheit ewigen Liebe wird durch die regelmäßigen Verse und die Terzinenform mit ihren kunstvollen Reimen sowie das Lautbild unterstrichen. Binnenreime ,,zogen“ - ,,entflogen“ (V.3), die Alliteration „Wolken“ - ,,welche“ (V.2), die Anapher (,,Leben“) in Vers 4 sowie zahlreiche Assonanzen und das Enjambement ,,[…] als sie entflogen/ Aus“ (V.3/4) erlauben einen flüssigen Redefluss. Die erste Terzinenstrophe wird von Vokalen, vor allem dem dunklen Vokal ,,o“ dominiert.
Der Leser wird dazu aufgefordert ,,jene Kraniche“(V.1) zu betrachten. Als ,,jenes“ bezeichnet man in aller Regel etwas, das einerseits räumlich weiter entfernt ist als ,,dieses“, was die Entfernung der Liebenden zu allem Irdischen aufzeigt aber auch die Distanzierung des lyrischen Ich von den Kranichen. Gleichzeitig benennt man mit „jene“ auch Menschen, Gegenstände und Sachverhalte, von denen man den Ausgang bereits kennt; jene beiden, von denen man als Außenstehender bereits das Ende der Liebesbeziehung absehen kann. Das Bild der Harmonie beginnt sich bei genauerer Betrachtung demnach schon im ersten Vers aufzulösen.
Der pathetische ,,große Bogen“ (V.1) symbolisiert das Unangreifbare und gleichzeitig Schwebend-Unsichere der Liebenden, allerdings ist diese Bezeichnung durchaus ambivalent; die pejorative umgangssprachliche Nebenbedeutung schwingt mit, denn einen großen Bogen machen bedeutet auch nicht zur Sache kommen bzw. nicht zur Sache kommen wollen. 6 Diese Nebenbedeutung drückt bereits im ersten Vers Unbeständigkeit und Unsicherheit aus und rückt die Liebe der Kraniche in ein fragwürdiges Licht.
6 Vgl. Knopf, Jan: Bertolt Brechts ,,Terzinen über die Liebe“, Frankfurt am Main 1998, S. 23
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Arbeit zitieren:
Cornelia Koprivnik, 2009, Wie kritisiert Bertold Brecht's Gedicht "Terzinen über die Liebe" das Bild der absoluten Liebe?, München, GRIN Verlag GmbH
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