Dankwort
Zunächst möchte ich mich bei allen bedanken, die mir bei meiner Doktorarbeit geholfen haben. Als erstes danke ich Herrn Prof. Dr. Muhammad Abu-Hattab Khaled, der die Arbeit betreut hat. Ich danke ihm für seine wertvollen Denkanstöße und sprachwissenschaftlichen Hinweise, durch die meine sprachlichen Einsichten geprägt und die Arbeit entscheidend beeinflusst wurden. Ihm danke ich ganz herzlich für die intensive und herzliche Betretung.
Ein besonderer Dank gilt Herrn Dr. Reda Hamed Kotb, der diese Arbeit mitbetreut und mir stets mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat. Ihm danke ich ganz herzlich für seine Korrektur sowie für seine nützlichen Hinweise.
Einen ganz besonderen Dank möchte ich Herrn Prof. Dr. Gerhard Koller, Leiter des Sprachzentrums der Universität Erlangen, aussprechen, der die Arbeit während meines Aufenthalts in Deutschland betreut und mich als Forscher wissenschaftlich gefördert und unterstützt hat. Ohne seine Hilfsbereitschaft hätte ich meine Arbeit nicht erfolgreich bewältigen können.
Ich bedanke mich auch bei Herrn Prof. Dr. Magdy Ganem und Frau Prof. Dr. Mona Neweshy für die Annahme der Einladung zur Beurteilung und Bewertung meiner Arbeit. Ich danke ihnen ganz herzlich für ihre Bemühungen und ihre Bereitschaft, die Einladung zu erfüllen.
Ganz herzlich bedanke ich mich auch bei Herrn Markus Rode, dem DAAD-Lektor an dem deutschen Programm der Abteilung für europäischen Sprachen der König Saud Universität, für seine Korrektur und seine wissenschaftlichen wertvollen Denkanstöße.
Meinen Lehrern, allen Professoren und Dozenten sowie meinen Kollegen, den Assistenten, Oberassistenten an der Abteilung für Germanistik der Al-Azhar Universität
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und meinen Kollegen an dem deutschen Programm der Abteilung für europäischen Sprachen der König Saud Universität möchte ich für alles danken, was sie für mich getan haben.
Meiner Familie gebührt ein ganz besonderer Dank. Ohne ihre Hilfe wäre die Anfertigung dieser Arbeit doppelt so schwer gewesen.
Im Voraus bin ich allen Lesern meiner Arbeit für Kritik jeglicher Art sehr dankbar. Für Fehler, Mängel und Irrtümer, die in der Arbeit auftauchen, trage ich selbstverständlich die Verantwortung. Maher Bakkar Kairo 2010
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Hinweise zur Umschrift
Bei dem Umschriftssystem der arabischen Wörter und Ausdrücke wird das Umschriftssystem der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft verwendet, das der 19. Internationale Orientalisten-Kongress 1935 vereinbart hat. Es gibt jedoch aufgrund computertechnischer Schwierigkeiten einige Abweichungen:
Arab. Umschrift Erläuterungen Alphabet
n
fester Stimmeinsatz vor Vokal im Anlaut, wie in
antworten, in, umsteigen.
thing.
¦
hartes (ch), wie in
Buch.
stimmhaftes (d), wie in
drei.
d
weicher Interdental, wie in engl. that.
¬
emphatisches, am Obergaumen gebildetes, ,,dunkles“ (s).
emphatisches, am Obergaumen
gebildetes, „dunkles“ (d).
®
emphatisches, am Obergaumen 4
gebildetes, ,,dunkles“ (t) z
gepresster Kehllaut (behelfsweise wie
Gaumen-r (nicht gerollt !), wie in frz. Merci. wie in Fenster. ƒ q dunkles (q), tiefer in der Kehle gebildet als das deutsche (k). k helles, vorne gesprochenes (k), wie in Kanne wie in Lampe. l wie in Mann. m wie in Nase. n leichtes (h), wie in haben. h rundes (w), wie in windows. w wie in Jahr. y
Die langen Vokale werden durch , , , die kurzen durch a, i, u, die Diphthonge durch au, ei und Verdopplung durch die Wiederholung desselben Buchstabs wiedergegeben.
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Inhaltsverzeichnis Seite
0. 1. Einleitung und Problemstellung 11
0. 2. Zum Stand der Forschung und Belegmaterial 13
0. 3. Ziel der Arbeit 15
0. 4. Vorgehensweise und Methode 16
1. Zur kontrastiven Linguistik (KL) 18
1. 1. Definition und Terminologie 18
1. 2. Zur Entstehungsgeschichte der KL 20
1. 3. Typologische Merkmale der arabischen und der deutschen Sprache
im Kontrast 23
1. 3. 1. Sprachtyp 23
1. 3. 2. Phonologie/ Phonetik 24
1. 3. 3. Morphologie 24
1. 3. 3. 1. Wortbildung 24
1. 3. 3. 2. Nomen 24
1. 3. 3. 3. Begleiter und Stellvertreter 25
1. 3. 3. 4. Verben 27
1. 3. 3. 5. Präpositionen 28
1. 3. 4. Syntax 28
1. 3. 4. 1. Wortsyntax 28
1. 3. 4. 2. Satzgliedstellungen 28
1. 3. 4. 3. Satzgefüge 29
1. 3. 5. Orthographie 29
2. Zu den Partikeln im Deutschen 30
2. 1. Einleitung 30
2. 2. Partikelforschung im Deutschen 31
2. 2. 1. Hinwendung der Partikelforschung zur Grammatik 33
2. 3. Partikel und Wortarten 34
2. 3. 1. Klassifizierung der Wortarten im Deutschen 36
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2. 4. Was sind die Partikeln? 43
2. 4. 1. Morphologische, syntaktische, semantische, kommunikative Merkmale der Partikel 48
2. 4. 2. Subklassen der deutschen Partikeln 53
2. 4. 2. 1. Abtönungs- oder Modal Partikeln 54
2. 4. 2. 2. Antwortpartikeln 57 2. 4. 2. 3. Gradpartikeln 58
2. 4. 2. 4. Negationspartikeln 59
2. 4. 2. 5. Steigerungs- oder Intensitätspartikeln 59
2. 5. Zur Wortstellung der deutschen Partikeln 61
2. 6. Zur Stellung der Partikeln im Fremdsprachenunterricht Deutsch 62
65 3. Die deutschen Gradpartikeln 3. 1. Wortbezeichnung 65
3. 2. Forschungsgeschichte der Gradpartikeln 67
3. 3. Definition der Gradpartikel 70
3. 3. 1. Merkmale der Gradpartikeln 73
3. 3. 1. 1. Syntaktische Beschreibung der Gradpartikeln 74
3. 3. 1. 2. Semantische Beschreibung der Gradpartikeln 79
3. 4. Position der Gradpartikeln im deutschen Satz 91
3. 5. Gradpartikeln im Einzelnen 93 3. 5. 1. allein 94 3. 5. 2. annährend 94 3. 5. 3. auch 95 3. 5. 4. ausgerechnet 96 3. 5. 5. ausschließlich 97 3. 5. 6. beinahe 97 3. 5. 7. bereits 98 3. 5. 8. besonders 99 3. 5. 9. bloß 99 3. 5. 10. eben 100 3. 5. 11. ebenfalls 100
7
3. 5. 12. ebenso 101
3. 5. 13. einzig (und allein) 102
3. 5. 14. erst 102
3. 5. 15. etwa 103
3. 5. 16. fast 104
3. 5. 17. gar 104
3. 5. 18. genau 105
3. 5. 19. gerade 105
3. 5. 20. gleich 106
3. 5. 21. gleichfalls 107
3. 5. 22. höchstens 107
3. 5. 23. insbesondere 107
3. 5. 24. ja 108
3. 5. 25. lediglich 108
3. 5. 26. mindestens 109
3. 5. 27. nahezu 109
3. 5. 28. nicht einmal 110
3. 5. 29. nicht zuletzt 110
3. 5. 30. noch 110
3. 5. 31. nur 111
3. 5. 32. rein 112
3. 5. 33. schon 113
3. 5. 34. selbst 114
3. 5. 35. so 115
3. 5. 36. sogar 115
3. 5. 37. ungefähr 116
3. 5. 38. vielleicht 116
3. 5. 39. vornehmlich 117
3. 5. 40. wenigstens 117
3. 5. 41. ziemlich 118
3. 5. 42. zumal 118
8
3. 5. 43. zumindest 119 129 4. Die arabische Sprachwissenschaft 4. 1. Historischer Überblick 129
4. 1. 2. Griechische Einflüsse auf die arabische Grammatik 137
4. 2. zum Begriff "Wort" und "Wortarten" im Arabischen 138 4. 2. 1. Das Verb (al-fil) 141 4. 2. 2. Das Nomen (al-´ism) 143
4. 2. 3. Die Partikeln (al-urf) 143
4. 2. 4 Mehrdeutigkeit von mana " Sinn" im Arabischen 146
4. 2. 5. Mehrdeutigkeit von arf im grammatischen Sinne im Arabischen 147
4. 2. 6. arf-Wort im Arabischen 150
4. 2. 7. Manaa in der arabischen Grammatik 150
4. 3. Die arabischen Ausdrucksformen, die den deutschen Gradpartikeln entsprechen können 152
4. 3. 1. uslbu t-tawkd (Bekräftigungsmittel) 153
4. 3. 1. 1. at-tawkd l-manaw (Sinnbekräftigung) 153
4. 3. 1. 2. at-tawkd al-af (Die wörtliche Bekräftigung) 155 4. 3. 1. 3. nn at-tawkd 156
4. 3. 2. kda wa aawtih (Kada (Beinahe sein) und ihre Schwester) 158 4. 3. 3. Personalpronomen 158
4. 3. 4. urf l-man ( Bedeutungspartikeln) 160
4. 3. 4. 1. Einteilung der Bedeutungspartikeln 161
4. 3. 4. 1. 1. Die tätigen Partikeln 162
4. 3. 4. 1. 2. Die untätigen Bedeutungspartikeln 162
4. 3. 4. 2. Merkmale der arabischen Bedeutungspartikeln 164
4. 3. 4. 2. 1. Phonologische Merkmale 164
4. 3. 4. 2. 2. Morphologische Merkmale 164
4. 3. 4. 2. 3. Syntaktische Merkmale 164
4. 3. 4. 2. 4. Semantische und pragmatische Merkmale 165
9
5. Zu den Übersetzungsproblemen und den arabischen Entsprechungen der deutschen 167 Gradpartikeln 5. 1. Zur Problematik der Äquivalenz 171
5. 1. 1. Äquivalenz, Adäquatheit und Gradpartikeln 174
5. 2. Übersetzung der Gradpartikeln 178
5. 3. Zu den Entsprechungen der deutschen Gradpartikeln im Arabischen 182 5. 3. 1. allein 182
5. 3. 2. annähernd, beinahe, etwa, fast, nahezu und ungefähr 183
5. 3. 3. Auch, ebenfalls, ebenso und gleichfalls 185 5. 3. 4. Bereits 187 5. 3. 5. Bloß, nur 188 5. 3. 6. Eben 191 5. 3. 7. einzig und allein 193 5. 3. 8. Erst 193 5. 3. 9. genau 195 5. 3. 10. gerade 195 5. 3. 11. höchstens 196
5. 3. 12. Mindestens, wenigstens, zumindest 197 5. 3. 13. schon 199 5. 3. 14. selbst 200 5. 3. 15. so 201 5. 3. 16. sogar 202 5. 3. 17. ziemlich 203
205 6. Schlussfolgerung und die erreichten Ergebnisse
216 Literaturverzeichnis
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0. 1. Einleitung und Problemstellung
"[...] Die Stimme, die immer sagt, wann die Züge abfahren, erklang jetzt einen Bahnsteig näher, und ich erschrak, aber es war noch nicht unser Bahnsteig. Die Stimme kündigte nur einen internationalen Zug von Rotterdam nach Basel an, und während ich Charlottes kleines, zartes Gesicht betrachtete, kam der Geruch von guter Seife und Kaffee mir in den Sinn, und ich fühlte mich scheußlich elend. Einen Augenblick lang fühlte ich den verzweifelten Mut, diese kleine Person einfach aus dem Fenster zu zerren und hier zu behalten, sie gehörte mir doch, ich liebte sie ja …" (Böll, Heinrich: Erzählungen 1937-1983, S. 309)
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1972 29
Ob der vorangehende Textauszug in literarischer Hinsicht einen wichtigen Beitrag darstellt, ist für das Thema dieser Arbeit irrelevant. Vielmehr gehört mein Interesse den durch Fettdruck hervorgehobenen Lexemen, also den deutschen Partikeln und ihren arabischen Übersetzungsäquivalenten. Bereits bei einem flüchtigen Vergleich des deutschen Textes und seiner arabischen Übersetzung fällt auf, dass die Anzahl der hervorgehobenen Lexeme im deutschen Ausgangstext überwiegen. So kann also schon an dieser Stelle die Annahme gewagt werden, dass das Arabische im Gegensatz zum Deutschen als eine partikelarme Sprache einzustufen ist.
Der Textauszug zeigt auch, dass die Subklasse der Gradpartikeln als Untersuchungs-gegenstand eine besondere Herausforderung darstellt, denn diese auf den ersten Blick unscheinbar wirkenden ‘Wörtchen’ entpuppen sich bei näherem Hinsehen aus grammatischer Sicht als ‘Problemkinder’. Wenn z.B. die Gradpartikel nur aus dem
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vorangehenden Textbeispiel eliminiert wird, ändert sich an der Grammatikalität der Äußerung anscheinend nichts.
Vielmehr scheinen emotionale Bedeutungen durch das Weglassen der Partikel verloren zu gehen. Diese Überlegung hat wahrscheinlich dazu geführt, dass man innerhalb der linguistischen Forschung über einen sehr langen Zeitraum hinweg versucht hat, die Gradpartikeln nach ihren kommunikativ-pragmatischen Funktionen zu analysieren. Die nachfolgende Untersuchung wird aber in eine andere Richtung gehen, nämlich in den semantisch syntaktischen Bereich. Die Schwierigkeit dieser Untersuchungsperspektive wird durch die zusätzliche Kontrastierung mit einer Sprache, die eine Klasse von Gradpartikeln nicht kennt, gesteigert. Die Praxis bestätigt diese Aussage: Die aus grammatischer Sicht sehr schwer beschreibbaren Partikeln sind schon immer ein Problem für den Fremdsprachenlernenden gewesen.
Für den arabischen Deutschlerner, der aufgrund seiner Muttersprache nicht mit den Partikeln vertraut ist, stellt eine dem deutschen Sprachgebrauch angemessene Verwendung dieser Wortklasse innerhalb einer kommunikativen Interaktion einen Bereich dar, den er sich nur sehr mühselig aneignen kann. Dies kann zur Folge haben, dass der Deutschlerner entweder die Verwendung der Partikeln zu meiden sucht, oder dass er sie falsch einsetzt. Im ersten Fall wäre das Resultat ein ziemlich unnatürliches, abgehacktes und starres Sprechverhalten, das dem deutschen Muttersprachler nicht entsprechen würde. Zur Illustration soll folgendes Beispiel dienlich sein: Kannst du mir vielleicht die Zeitung geben!
Die Modalpartikel vielleicht verleiht der Aufforderung eine freundliche und unkomplizierte Nuance, so dass sie vom Hörer nicht als strikter Befehl, sondern eher als Bitte aufgefasst werden kann. Bei Nichtverwendung von vielleicht (Kannst du mir die Zeitung geben!) wäre die Äußerung zum einen zu starr, und zum anderen würde der Hörer die Äußerung als strengen und unfreundlichen Befehl auffassen.
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Auch bei einem falschen Einsetzen von Partikeln kann von einer einwandfreien Beherrschung des Deutschen nicht die Rede sein. Der arabischlernende Deutsche hingegen wird sich die Frage stellen müssen, wie er die Bedeutungskomponenten der Partikeln, durch die er im Deutschen seine subjektive Einstellung zum Gesagten ausdrückt, ins Arabische übertragen kann. Da die arabische Sprache keine formalen Entsprechungen aufweist, wird er sich mit anderen Elementen befassen müssen. Er wird sich also mit lexikalischen (Teil-) Äquivalenten beschäftigen müssen, die verschiedenen Wortklassen zugehörig sind, und mit intonatorischen Phänomenen, die dann ins Licht rücken, wenn die Verwendung einer lexikalischen Entsprechung nicht angesagt ist. Ein Blick ins Wörterbuch wird ihm dabei nicht besonders behilflich sein. Aufgrund ihrer homonymen Dubletten, die anderen Wortklassen zugehören, und ihren schwer
beschreibbaren Bedeutungskomponenten stellen die Partikeln eine Wortklasse dar, deren Darstellung im Wörterbuch generell unzureichend ist. Im zweisprachigen Wörterbuch steigern sich die Unzulänglichkeiten durch die differenzierten Wiedergabemöglichkeiten in der Zielsprache.
0. 2. Zum Stand der Forschung und Belegmaterial
Seit 1969, als Weydts Dissertation (die deutschen Modalwörter und ihre französischen Entsprechungen) veröffentlicht wurde, ist die deutsche Partikel-Forschung innerhalb der Sprachwissenschaft in den letzten dreißig Jahren zu einem bevorzugten Thema geworden. Im Deutschen gibt es zu den Partikeln ausführliche Erklärungen, wie das Partikel-Lexikon von Helbig (1990) oder sehr gute Übungsbücher wie Helbig/Buscha (1995), Kummer (1996). Das Problem bei den deutschen, relativ abstrakten Erklärungen ist allerdings, dass sie für Anfänger kaum brauchbar sind und im DaF-Unterricht die Anwendungsbreite nicht erschließbar ist. Für typische Situationen sind die Erklärungen verständlich und brauchbar, für periphere Anwendungen nach wie vor aber unklar. Für Lehrer, die nicht Muttersprachler sind, ist die Erläuterung der Verwendungen auch mit Übungsbuch so gut wie nicht durchführbar. Man kann den Lernern natürlich durch das wiederholte Üben typischer Muster einen intuitiven Eindruck der Verwendung vermitteln, aber es bleibt eine Menge Unsicherheit.
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In den Deutschlehrbüchern wird nichts über die Gradpartikeln angegeben. Oft werden partikellose oder partikelarme Texte konstruiert. In den Deutschlehrbüchern (Deutsch 2000 und Deutsche Sprache für Ausländer), die an ägyptischen Universitäten für den Unterricht eingesetzt werden, werden etwa Konjunktionen durchaus explizit eingeführt, nicht aber die Partikeln. In dem Lehrbuch Stufen International findet man Erklärungen für einige Partikeln aber sehr kurz. In den dazugehörigen Übungsbüchern werden oft die passenden Übungen nicht angeboten.
In den letzten Jahren sind auch viele verschiedene Artikel zum Thema Partikel publiziert worden, wie zum Beispiel der Artikel von Mohammad Abu-Hattab "Sprachdidaktik und die deutschen Partikel (1985). In demselben Jahr hat er noch einen Artikel geschrieben, unter dem Titel "Die deutschen Partikeln aus Anlass des Erscheins eines neuen Übungsbuches "Rezension". Auch in den letzten Jahren sind viele verschiedene kontrastive Arbeiten zum Thema Partikel erschienen, z. B.: Beerbom (1992) für das Spanische, Feyrer (1998) für das Französische, Giertz (2003) für das Russische, Jiang (1994) für das Chinesische, Mais (1996) für das Italienische, Schemann (1982) für das Französische und Portugiesische, Spevakova (1992) und Nekula (1996) für das Tschechische, Szulc-Brzozowska (2000) für das Polnische, Uvanovic (1997) für das Koratische, Werner (1998) für das Japanische, usw.
Zum deutsch - arabischen Vergleich wurden zwei Untersuchungen angefertigt: 1997 in Kairo von Allam Ibrahim über "deutsche Partikeln und ihre Äquivalente im Arabischen" und 2002 in Stuttgart von Nasser Mohamed über "Modalität im Kontrast Deutsch -Arabisch, ein Beitrag zur übersezungsorientierten Modalpartikel-Forschung". In den beiden Abhandlungen wurde das Thema Gradpartikel ganz kurz bei der Klassifizierung der deutschen Partikeln behandelt. Eine kontrastive Untersuchung Deutsch - Arabisch für die Gradpartikeln liegt, meines Wissens, bisher nicht vor.
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Anhand der Analyse von arabischen Übersetzungen deutschsprachiger Ausgangstexte soll gezeigt werden, welche Aspekte die Aufnahme von Gradpartikeln in die arabischen Zieltexte herbeiführen. Bei der Bearbeitung dienen ausgewählte Beispiele aus literarischen Werken deutscher Autoren und deren professionelle Übersetzungen ins Arabische als Datenbasis. Diese Beispiele stammen aus literarischen Werken wie dem Roman von Barbara Frischmuth "Das Verschwinden des Schattens in der Sonne", den Erzählungen von Heinrich Böll, die zwischen 1937 und 1983 erschienen, der Novelle von Günter Grass "Katz und Maus" und dem Roman von Hermann Hesse "Der Steppenwolf". Diese ausgwählten Beispiele repräsentieren den pragmatischen und anwendbaren Teil der Untersuchung. Da aber eine Repräsentation aller Textbeispiele den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, werden nur repräsentative Beispiele als Belege verwendet. Fehlübersetzungen wurden bei der Auswertung nicht berücksichtigt. An erforderlichen Stellen erfolgte eine zusätzliche Berücksichtigung von Beispielen aus Wörterbüchern und Grammatiken. Und aufgrund meiner Zweisprachenkompetenz (Deutsch/Arabisch) habe ich mir erlaubt, an erforderlichen Stellen Übersetzungsalternativen aufzuzeigen. Auch die Beurteilung von Übersetzungsäquivalenten geht in erster Linie auf meine Zweisprachenkompetenz zurück; in kritischen Fällen erfolgte jedoch eine Berücksichtigung des Urteils von Mitstudenten und Bekannten mit Zweisprachenkompetenz.
0. 3. Ziele der Arbeit
Ausgehend von den vorab dargestellten Aspekten, die bei einer kontrastiven Auseinandersetzung mit dem Phänomen ‘Gradpartikel’ im Deutschen und ihren Entsprechungen im Arabischen zu beobachten sind, ergeben sich für die vorzunehmende Analyse folgende zentrale Zielsetzungen:
- Ausgehend von der Auffassung, dass Gradpartikeln bedeutungstragende Einheiten sind, soll eine Kontrastierung mit ihren arabischen Entsprechungen erfolgen.
- Eine quantitative und qualitative Gegenüberstellung der Gradpartikeln und ihrer Äquivalenten im Arabischen soll klarstellen, welche lexikalischen Elemente des Arabischen in welchem Ausmaß als Entsprechung der untersuchten deutschen Partikeln in Frage kommen.
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- Eine Analyse der lexikographischen Darstellung der Gradpartikeln und ihrer arabischen Entsprechungen in zweisprachigen Wörterbüchern soll dazu dienen, die Verwertbarkeit von Wörterbüchern bei möglicherweise eintretenden Problemen im Fremdsprachenerwerb bzw. Übersetzungsvorgang zu prüfen.
0. 4. Vorgehensweise und Methode
Die Arbeit beschäftigt sich mit den deutschen Gradpartikeln und ihren Entsprechungen im Arabischen und versucht abzuklären, was in der Linguistik unter Gradpartikeln verstanden wird. Im Arabischen befasse ich mich mit den arabischen Formen, die den deutschen Gradpartikeln entsprechen können. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, welche sprachlichen Mittel das Arabische hat, um die Formen der deutschen Gradpartikeln bzw. ihrer Bedeutungen auszudrücken.
Um die gesetzten Ziele dieser Untersuchung erreichen zu können, gliedert sich die Arbeit in eine Einleitung, sechs Kapitel sowie ein Literaturverzeichnis. In der Einleitung werden der Rahmen der Arbeit, die Problemstellung und die Ziele der Untersuchung präzis formuliert werden. Ferner wird in der Einleitung der Aufbau der Arbeit in Form einer zusammenhängenden Sequenz dargestellt.
Das erste Kapitel gibt einen allgemeinen theoretischen Überblick über die kontrastive Linguistik, die wichtigsten Terminologien in diesem Bereich sowie eine kurze Darstellung über die Entstehungsgeschichte der kontrastiven Linguistik. Hier findet man auch einen Vergleich zwischen den typologischen Merkmalen der arabischen und der deutschen Sprache.
Die Partikelproblematik in der deutschen Sprachwissenschaft wird im zweiten Kapitel untersucht. Dieses Kapitel macht den Leser der Arbeit mit dem Problem der Kategorisierung der unflektierbaren Lexeme und ihrer Beschreibung bekannt, wobei man sich Klarheit über terminologische Unterschiede schaffen kann. Es wird zu definieren versucht, was man unter Partikeln allgemein versteht, welche morphologischen, syntaktischen, semantischen und pragmatischen Merkmale sie haben.
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Hier werden auch alle Klassen der deutschen Partikeln angeführt, die in den Grammatiken dargestellt werden.
Im dritten Kapitel geht es ausführlicher um die Gradpartikel im Deutschen, ihre morphologischen, syntaktischen, semantischen und pragmatischen Merkmale, sowie ihre linguistisch-theoretische Beschreibung. Hier wird auch auf die verschiedenen Funktionen der deutschen Gradpartikeln eingegangen.
Im vierten Kapitel wird auf die arabische Nationalgrammatik und arabische Linguistik eingegangen. Ein kürzerer Überblick darüber zeigt die Unterschiede zwischen der arabischen und der deutschen Forschung. Da im Arabischen der Begriff Gradpartikel nicht vorhanden ist, werde ich den Versuch unternehmen, einen Begriff dafür vorzuschlagen. Ich möchte nicht einen neuen Begriff prägen, sondern einen bereits vorhandenen empfehlen, der mir für den pragmatischen Aspekt der Gradpartikeln geeignet scheint. Anschließend werden die Formen im Arabischen erforscht, die explizit zum Ausdruck der Gradpartikeln dienen. Dabei wird gezeigt, welche unterschiedlichen Formen das Arabische kennt, die den deutschen Gradpartikeln entsprechen können.
Im fünften Kapitel wird auf die wichtigsten Übersetzungsprobleme der deutschen Gradpartikeln ins Arabische im Allgemeinen eingegangen. In diesem Kapitel will ich dann einige Beispiele der Gradpartikeln anhand ihrer kontextualen
Verwendungsmöglichkeiten in verschiedenen Sprechakten sowie ihre Entsprechungen im Arabischen anführen. Diese Beispiele, die aus schon ins Arabische übersetzten deutschen literarischen Werken stammen, repräsentieren den empirischen Teil der Untersuchung.
Anschließend werden im sechsten Kapitel eine Schlussfolgerung und die erzielten Ergebnisse der Untersuchung dargestellt. Dann erfolgt ein Literaturverzeichnis der Untersuchung.
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1. Zur kontrastiven Linguistik (KL)
1. 1. Definition und Terminologie
Der Terminus kontrastive Linguistik, der auf den angloamerikanischen Ausdruck contrastive linguistics zurückzuführen ist, steht für einen Bereich der Linguistik, der sich auf der Ebene des synchronen Sprachvergleichs sowohl mit den Unterschieden, als auch mit den Übereinstimmungen zwischen zwei oder mehreren Sprachsystemen bzw. Subsystemen auseinandersetzt. Der Vergleich erfolgt auf der Basis eines geeigneten Grammatikmodells und eines tertium comparationis (Vergleichsebene). Gegenstand der kontrastiven Analyse sind nicht nur interlingual ausgerichtete Untersuchungen, sondern auch Vergleiche, die sich im intralingualen Bereich bewegen, wie etwa die Gegenüberstellung von regionalen oder soziokulturellen Varietäten innerhalb einer Sprache. 1
Weiterhin können kontrastive Untersuchungen unilateral oder bilateral (multilateral) ausgerichtet sein. Im Gegensatz zur bilateralen (bzw. multilateralen) Vorgangsweise, bei der von einer gleichmäßigen Behandlung beider oder mehrerer Sprachen ausgegangen wird, handelt es sich bei dem unilateralen Verfahren um einen Vergleich, der als Ausgangspunkt immer nur eine der zu untersuchenden Sprachen setzt. 2 Und welche der zu untersuchenden Sprachen zur Ausgangs- bzw. Zielsprache erklärt wird, "[...] ist weder vom Verfahren noch von der Art der Sprachen vorgegeben, sondern hängt von den speziellen Zielsetzungen und Aufgabenstellungen der Konfrontation ab”. 3
Des Weiteren kann die KL auch als eine ‘Brücke’ zwischen der theoretisch ausgerichteten allgemeinen Linguistik und der an praktischen Zielsetzungen orientierten angewandten Sprachwissenschaft bezeichnet werden, da sie sowohl theoretische als auch praktischdidaktische Aspekte in sich vereint. 4
1 Vgl. Rein, Kurt: Einführung in die kontrastive Linguistik. Darmstadt 1983. S. 123
2 Vgl. Z. B.: Oksaar, E.: Zum Passiv im Deutschen und Schwedischen. Leipzig 1970. S. 83
3 Vgl. Sternemann, Reinhard: Einführung in die kontrastive Linguistik. Leipzig 1983. S. 67
4 Vgl. Rein, Kurt: Einführung in die kontrastive Linguistik. A. a. O.. S. 2
18
Ausgehend von Fisiaks (1971) Vorschlag kommt Nickel zu folgender Einteilung des Gesamtblocks der KL, wobei die Grenzen fließend sein können:
1. Theoretische KL
a) Allgemeine theoretische KL
b) Spezifische theoretische KL
2. Angewandte KL
a) Allgemeine angewandte KL
b) Spezifische angewandte KL. 1
Von der allgemeinen theoretischen KL ist die Rede, wenn es um die Definition von theoretischen bzw. methodischen Grundlagen und dem zugrunde gelegten Grammatikmodell geht. Werden diese Erkenntnisse dann auf den konkreten Vergleich von Sprachen übertragen, so wird der Bereich der spezifischen theoretischen KL betreten. Bei der allgemeinen angewandten KL hingegen geht es um die Beantwortung allgemeiner didaktischer Fragen. Mit den hier erworbenen Erkenntnissen sollen dann im Bereich der spezifischen angewandten KL mit praktischen Aufgaben und Zielsetzungen, wie z.B. der Herstellung von geeignetem Lehrmaterial, vorab gewonnene Ergebnisse in die Praxis umgesetzt werden. 2
Die anfängliche Zielsetzung der KL, nämlich durch die Darlegung der Unterschiede zwischen der Mutter- und der Fremdsprache mögliche Fehlerquellen bzw. Interferenzen zu ermitteln und vorauszusagen und somit eine zentrale methodische Funktion im Fremdsprachenunterricht einzunehmen, hat sich jedoch nicht ganz erfüllen können. Denn die Interferenzen, die aus den Kontrasten der Ausgangs- und Zielsprache resultieren, sind zwar die relevantesten, aber nicht die alleinigen Gründe für Fehler im Bereich des Fremdsprachenerwerbs. Auch nicht-linguistische Faktoren wie Lernerpersönlichkeit, Motivation, Unterrichtssituation usw. spielen eine Rolle. 3
1 Vgl. Nickel, Gerhard: Kontrastive Linguistik. In: Althaus, H. P./Henne, H./ Wiegend, H. E. (Hrsg), Lexikon der germanistischen Linguistik, Bd. 1. Tübingen 1973. S. 463
2 Vgl. Rein, Kurt: Einführung in die kontrastive Linguistik. A. a. O.. S. 6
3 Vgl. Beerbom, Christiane: Modalpartikel als Übersetzungsproblem, eine kontrastive Studie zum Sprachenpaar Deutsch-Spanisch. Frankfurt am Main 1992. S. 88
19
Sternemann beschreibt die Bedeutung der KL für den Fremdsprachenunterricht wie folgt: "Die KL ist [...] weder in der Lage noch erhebt sie den Anspruch, alleinige Grundlage des Fremdsprachenunterrichts zu sein oder auch nur den wesentlichsten Beitrag zu seiner Effektivierung zu leisten. Sie trägt aber durch die Sichtbarmachung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den Sprachen dazu bei, Wege zur Vermeidung und prophylaktischen Abwendung von Fehlern zu finden." 1
Stickel sieht den wesentlichen Nutzen kontrastiver Darstellungen, die auch heute noch auf die vergleichende Darstellung der voll ausgebildeten Systeme von Primärsprache und Fremdsprache beschränkt seien, darin, "[...] dass sie den linguistischen Bezugsrahmen für Fehleruntersuchungen und didaktische Verfahren liefern, indem sie durch Gegenüberstellung von primärsprachlichen und fremdsprachlichen Strukturen auf möglichst viele Konfliktpunkte beim Fremdsprachenerwerb hinweisen, auch auf Problempunkte, deren strukturelle Bedingungen Fremsprachenlehrern und
Lehrwerksautoren vielleicht noch nicht bewusst sind. Im Unterschied zu einer Grammatik, die nur Informationen über die Fremdsprache enthält, führt eine kontrastive Darstellung Lehrer und Autoren auch gezielt vergleichend auf die Primärsprache der Lerner hin." 2
1. 2. Zur Entstehungsgeschichte der KL
Bevor auf die Entwicklung der KL eingegangen wird, soll die Frage nach deren eventuellen Vorstufen generell durch ein Zitat von Kurt Rein beantwortet werden: "Wenn auch die Berührungspunkte mit einzelnen Richtungen der modernen Linguistik insbesondere im methodischen beträchtlich sind, so kann man nicht von einer direkten Vorläuferschaft oder Übernahme sprechen. Vielmehr ist das Verhältnis zur KL eher so zu sehen, dass es sich um ein aus bestimmten, meist praktischen Gründen erwachsenes Auswahl- oder Betrachtungsprinzip handelt, das sich der von den verschiedenen
1 Vgl. Sternemann, Reinhard: Einführung in die kontrastive Linguistik. A. a. O.. S. 22
2 Vgl. Stickel, Gerhard: Angewandte und Abgewandte kontrastive Linguistik. In: Trian-gulum. Germanistisches Jahrbuch für Estland, Lettland und Litauen. Dritte Folge. Tartu 1996. S. 48
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Richtungen angebotenen Sprachkonzeptionen und Beschreibungsverfahren bedient und so seine z.T. neue Sicht auf bestimmte Sprachaspekte gewinnt." 1
Der Gedanke, Sprachen zu vergleichen, ist alt. Schon bei den Indern und Griechen sind Anhaltspunkte zu finden. Besonders im 18. und 19. Jahrhundert, und vor allem in Deutschland kommt die vergleichende Sprachwissenschaft zu einem Höhepunkt. Gegenstand dieser eher historisch orientierten Disziplin war die Rekonstruktion von Ursprachen anhand eingehender Vergleiche zwischen unterschiedlichen Sprachen.
Als Beispiel für ein solches Unternehmen kann Schleichers Rekonstruktion einer indogermanischen Sprache angeführt werden. Bei der typologisch ausgerichteten vergleichenden Sprachwissenschaft hingegen, die sich im 19. Jahrhundert etablierte, wird, ausgehend von strukturellen Gemeinsamkeiten und ohne Beachtung der genetischen Verwandtschaft, der Schwerpunkt auf die Klassifikation von Sprachen gesetzt. 2
Im Unterschied zu den vorab erwähnten sprachvergleichenden Disziplinen "entwickelte sich die kontrastive Linguistik vor allem aus den Bedürfnissen des Fremdsprachenunterrichts". 3
Ausgehend von der Entwicklung des amerikanischen Strukturalismus, der sich durch die systematische Nutzung sprachvergleichenden als auch allgemein sprachwissenschaftlicher Studienergebnisse für die Unterrichtspraxis im sprachlichen Bereich viel erhoffte, konnte sich die KL mit der Zeit zu einer eigenständigen sprachwissenschaftlichen Disziplin entwickeln. Der Erste, der sich für einen auf den Sprachunterricht hinzielenden, systematischen und kontrastiven Vergleich von parallelen Beschreibungen und Strukturen sowohl der Muttersprache als auch der Fremdsprache aussprach, war Fries (1945), der ‘Vater des amerikanischen Strukturalismus‘.
1 Vgl. Rein, Kurt: Einführung in die kontrastive Linguistik. A. a. O.. S. 11
2 Vgl. Ebenda. S. 7 f.
3 Vgl. Stickel, Gerhard: Voraussetzungen und Ziele einer kontrastiven Untersuchung des Deutschen und Japanischen. In: id. (Hrsg) Deutsch-japanische Kontraste. Vorstudien zu einer kontrastiven Grammatik. Forschungsberichte des Instituts für deutsche Sprache (IDS). Tübingen 1976. S. 4
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Doch erst durch Lados (1957) Werk "Linguistics across Cultures" kam es zum Siegeszug dieses sprachwissenschaftlichen Zweiges, vor allem in Bezug auf die Schule. 1959 wird von Ferguson dann das erste große Projekt im Bereich der modernen KL gestartet, wodurch diese weltbekannt wird. Die ersten Bände der "Contrastive Structure Series" umfassen die Untersuchungen von Moulton (1962), Stockwell / Bowen (1965), Stockwell / Bowen / Martin (1965) und Agard / di Pietro (1965). 1
Auch in Deutschland ist dann in den folgenden Jahren eine Vielzahl von kontrastiven Projekten und Arbeiten aufgenommen worden. Vor allem das Institut für Deutsche Sprache (IDS) hat auf diesem Gebiet wichtige Beiträge geleistet bzw. gefördert. Nachdem IDS in Mannheim seine Jahrestagung unter das Leitthema "Kontrastive Grammatik" gestellt, und dann eine Abteilung "Kontrastive Grammatik" gegründet hatte, wurde in den nachfolgenden Jahren eine ganze Reihe von kontrastiven Grammatiken veröffentlicht:
"Vergleichende Grammatik Französisch-Deutsch" (Zemb 1978ff.), "Vergleichende Grammatik Spanisch-Deutsch" (Cartagena / Gauger 1989), "Deutsch und Japanisch im Kontrast" (Kaneko / Stickel 1983ff.), "Kontrastive Grammatik deutsch-rumänisch" (Engel 1993), "Deutsch-polnische kontrastive Grammatik" (Engel 1999). 2
1 s. hierzu auch Rein, Kurt: Einführung in die kontrastive Linguistik. A. a. O.. S. 12 f.
2 Eine Übersicht dieser Projekte und Arbeiten liegt bei Rein vor S. 141 ff.
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1. 3. Typologische Merkmale der arabischen und der deutschen Sprache im Kontrast Im folgenden Abschnitt werde ich kurz einige typologische Merkmale der deutschen und der arabischen Sprache einander gegenüberstellen. Dies erscheint wegen des erheblich voneinander differierenden Aufbaus beider Sprachen erforderlich. 1
1. 3. 1 Sprachtyp
Das Arabische gehört zur semitischen Sprachfamilie und wird gegenwärtig von etwa 200 Millionen Menschen als offizielle Sprache, in verschiedenen Ländern auch von Minderheiten und als kultische Sprache nichtarabischer islamischer Völker gesprochen. Von der Hochsprache "Arabisch", die traditionell feste, im Koran bewahrte grammatische Regeln hat, sind jedoch die zahlreichen Dialekte, die als Alltagssprachen fungieren und ihren eigenen, sehr flexiblen Regeln folgen, zu unterscheiden. Die Hochsprache, die auch zum Verfassen von schriftlichen Texten dient, muss erst in der Schule erlernt werden. Das Deutsche gehört hingegen zur Indoeuropäischen Sprachfamilie und wird gegenwärtig von etwa 100 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen.
In den deutschsprachigen Ländern gibt es mehr als 40 Dialekte wie Plattdeutsch (z. B. in Hamburg) und Rheinisch (z. B. in Köln). Aber in allen deutschsprachigen Regionen spricht und versteht man die deutsche Standardsprache, die auch erst in der Schule erlernt werden muss.
1 Vgl. hierzu für das Deutsche Zifonun, Gisela / Hoffmann, Ludger und Strecker, Bruno: Grammatik der deutschen Sprache. Berlin 1997., Duden: Grammatik der deutschen Gegenwartsprache. 4., völlig neu bearb. und erw. Auflage. Herausgegeben und bearb. von G. Drosdowski in Zusammenarbeit mit G. August, H. Gelhaus, H. Gipper, M.
Mangold, H. Sitta, H. Wellmann, Ch. Winkler. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 1984. und für das Arabische ibn aql: šarh Ibn aql al alfiyyati Ibn mlik, Interpretation zu den tausend Versen von Ibn Malek, Beirut 1991., Hassn, tammm: al-luatu a‘l-arabiyatu mnha wa mabnh. Die arabische Sprache, ihre Bedeutung und
Struktur. Kairo, 1973. und Hassan, abbs: an-nahu l-wf, Ausführliche Abhandlung der Syntax. Bd. 1, 7. Auflage Kairo, 1973.
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1. 3. 2. Phonologie/Phonetik
Das Arabische hat nur 6 Vokalphoneme (gegenüber 5 deutschen): a, i, u als Lang- und Kurzvokale, wobei die Dauer auch bedeutungsunterscheidend ist. Phonetische Varianten entstehen durch die konsonantische Umgebung und den Akzent. Im Unterschied zum Deutschen gibt es kein e und o; andere Umlaute (kein ä, ö, ü) und keine echten Diphthonge. 28 arabische Konsonantenmorpheme stehen 19 deutschen gegenüber, mit nur 15 Übereinstimmungen. Im Arabischen gibt es keinen mehrkonsonantigen Wortanlaut und keine Konsonantenhäufungen, weswegen arabische Deutsch-Lerner mitunter Vokale einschieben. Die Artikulation ist im Arabischen weiter hinten/unten (kehliger), es gibt Oppositionen von gepressten und nichtgepressten Lauten. Der Akzent kann nur in der Umgangssprache auf der letzten Silbe liegen, wenn nämlich die Flexionsendung entfällt. Generell liegt er auf langen oder geschlossenen Silben.
1. 3. 3. Morphologie
Arabisch gehört zu den flektierenden Sprachen, wie im Deutschen gibt es Stamm- und Flexionsmorpheme.
1. 3. 3. 1. Wortbildungen
Charakteristisch ist die dreikonsonantige Wurzel, die die Grundbedeutung trägt. Durch Zusätze (Vokale, Konsonantenverdopplung, Prä-, In- und Suffixe) wird diese konkretisiert, z.B. Stamm d-r-s (Grundbedeutung studieren): darasa (studieren); dirsa (Studium), madrasa (Schule). Neben Wortgruppen und Bedeutungswandel sind solche, in ihrer Bedeutung relativ spezifische Derivationsmorpheme und ein logisches Ableitungssystem das Äquivalent zu den Verb-, Substantiv- und Adjektivkomposita des Deutschen, die es im Arabischen nicht gibt.
1. 3. 3. 2. Nomen
a) Genus
Im Arabischen gibt es wie im deutschen ein natürliches maskulines und ein feminines Genus, aber kein Neutrum. Die Genera der Substantive stimmen in den beiden Sprachen nicht immer überein.
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Problematisch wird es, wenn im Deutschen das grammatische Geschlecht dem natürlichen nicht entspricht (bei Personenbezeichnungen oder Ländernahmen).
b) Numerus
Zusätzlich zu Singular und Plural gibt es im Arabischen einen Dual.
c) Flexion
Genus, Numerus und Kasus werden über Flexionsmorpheme (In- und Suffixe) realisiert, z.B. madrasatun (einer Schule - Gen. Sing. Fem.), dirstun (Untersuchungen - Nom. Pl. Fem.). Für Substantiv und Adjektiv gibt es im Arabischen zwei Flexionsklassen. Im Singular gibt es Nominativ, Genitiv und Akkusativ, allerdings z.T. mit anderen Funktionszuordnungen. Die Kasusendungen werden im Singular häufig nicht mehr beachtet. Im Plural gibt es die Unterscheidung von äußerem Plural (auch "Flexionsplural") und innerem (gebrochenem) Plural mit einer Vielzahl morphematischer Realisationen, u.a. drei bzw. zwei Kasusendungen für vollständig bzw. unvollständig deklinierbare Nomina. Dass sich die verschiedenen Pluralmorpheme im Deutschen auf alle Genera verteilen und je nach schwacher oder starker Deklination schwanken, macht das deutsche Pluralsystem für arabische Lerner kompliziert.
1. 3. 3. 3. Begleiter und Stellvertreter
a) Artikel
Im Gegensatz zum Deutschen, das verschiedene bestimmte und unbestimmte Artikel hat, hat das Arabische nur einen bestimmten Artikel: al-. Im Gegensatz zu den deutschen Artikeln ist es nicht deklinierbar und gilt für Maskulin, Feminin, Singular, Dual und Plural. Im Arabischen gibt es auch keinen unbestimmten Artikel. Um einen bestimmten Nomen im Arabischen unbestimmt zu wechseln, braucht man nur den bestimmten Artikel al- wegzulassen, z.B. al-bayyt (das Haus) und bayyt (ein Haus).
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b) Pronomen
Die arabischen Personalpronomen werden im Genitiv und Akkusativ als Suffix angehängt. Nur im Nominativ kommen sie teilweise selbständig vor, bleiben aber oft auch implizit, was von Lernern häufig auf das Deutsche übertragen wird (*kommt statt er kommt). Im Arabischen wird auch in der 3. Psn.Pl. und der 2.Psn.Sgl. und Pl. zwischen maskulin und feminin unterschieden, z. B. "dein Haus": baituka (zu Mann) baituki (zu Frau). Die Höflichkeitsform "Sie", die im Deutschen vorhanden ist, gibt es im Arabischen eigentlich nicht. Sie wird mit der 2.Psn oder dem hinzugefügten Wort hadratuk ausgedrückt. Die deutschen Reflexivpronomen kennt das Arabische nicht. D. h. im Arabischen gibt es keine Klasse von Pronomen oder Wörter, die als Reflexivpronomina bezeichnet werden können. " Das Reflexivverhältnis wird im Arabischen am Objekt durch "naffs" Seele, Selbst in Verbindung mit dem entsprechenden Personalsuffix ausgedrückt", z. B. sa’la naffsahu. (wört. Er fragte Selbst dt. Er fragte sich.). Mitunter kann auch das Possessivpronomen das Reflexivpronomen ersetzen, z.B. tumaššitu šacrah (wört. sie kämmt ihre Haare dt. Sie kämmt sich). Es gibt keine substantivisch oder adjektivisch gebrauchten Possessivpronomen. Demonstrativpronomen (auch adjektivische) sind im Arabischen ‚Demonstrativnomen’, die maskulin und feminin, flektiert und nicht flektiert sein können und zum Artikel al hinzukommen, z.B. hd lmuhandisu (wört. dieser der Ingenieur. dt. Das ist der Ingenieur.). Die arabischen Relativpronomina oder die so genannten al- ’asm’u ’l-mwslah leiten wie im Deutschen Relativsätze ein.
Im Gegensatz zu den deutschen Relativpronomen sind die arabischen Relativpronomina im Singular und Plural unflektierbar. Im Dual haben sie nominale Flexion: M. Dual-Nominativ ‘al-ladni, M. Dual- Akkusativ ’al-ladyni Auf das sehr unterschiedliche System von Relativpronomina wird im Abschnitt Syntax eingegangen. 1
1 Vgl. Ali, Asmaa Mohammed: Zur Übersetzungsproblematik der deutschen Indefinitpronomen und ihren Wiedergabemöglichkeit im Arabischen. Eine syntaktische und semantische vergleichende Studie. Magisterarbeit. Kairo 2007. S. 93 ff.
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1. 3. 3. 4. Verben
a) Konjugation und Tempus
Das arabische Verb hat zwei echte synthetische Konjugationsformen: Imperfekt für Gegenwart und Zukunft (dt. Präsens) und Perfekt für die Vergangenheit (dt. Imperfekt/Präteritum). Ersteres wird im Arabischen mit Präfixen, letzteres mit Suffixen gebildet, das Stammmorphem mit Mitteln der inneren Flexion. Z. B. yadrusu (er studiert -Imperfekt 3.Psn. Sg. M. Indikativ) `udrus! (studiere! - Imperativ Sg. M.); yahsibu (er rechnet -Imperfekt 3.Psn. Sg. M.), ¨asaba (er hat gerechnet - Perfekt).
Analytische Verformen werden im Arabischen mit verschiedenen Formen von kna (war) und der finiten Form des Verbs im Imperfekt (für Vergangenheit) oder Perfekt (für Vorvergangenheit oder Futur II) gebildet. Sie sind allerdings eher ungebräuchlich, da alle zeitlichen Verhältnisse mit Imperfekt und Perfekt und Zeitmarkern (temporalen Adverbialen) ausgedrückt werden können.
b) Passiv
Das arabische Passiv wird nicht mit Hilfsverben, sondern mit Mitteln der inneren Flexion gebildet: daraba (schlagen), duriba (Passiv Perfekt). Über die Verwendung des Passivs als Vorgangs- oder Zustandspassiv und das Verständnis von entsprechenden deutschen Formen gibt es unterschiedliche Auffassungen. Problematisch sind jedenfalls deutsche Passivkonstruktionen mit sein/bleiben/es gibt + zu + Infinitiv und reflexive Formen. Außerdem sind im Arabischen Passivkonstruktionen ohne Nennung des Agens die Regel.
c) Trennbare Verben, Unpersönliche Verben, Reflexive Verben Die deutschen trennbaren Verben, unpersönlichen Verben und reflexiven Verben sind im Arabischen unbekannt. So, wie es keine Reflexivpronomen gibt, gibt es auch keine reflexiven Verben. Neben den oben genannten Möglichkeiten kann reflexive Bedeutung auch durch bestimmte Stämme ausgedrückt werden. Die gleiche Bedeutung wie deutsche Konstruktionen mit unpersönlichen Verben können im Arabischen passende Satzstrukturen liefern, z.B. ’matarati s-sam’u (der Himmel regnete).
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Neben der Stellung im Satz sind trennbare Verben vor allem aufgrund semantischer Fragen ein Problem für arabische Deutschlerner.
d) Modalverben und Infinitiv
Deutsche Modalverben bereiten arabischen Lernern ebenfalls aufgrund der Semantik Schwierigkeiten, daneben auch bezüglich der Satzkonstruktion, da das Arabische solche Infinit-Konstruktionen nicht kennt. Der deutsche Infinitiv für zeitloses Geschehen wird im Arabischen vom sog. "Verbalnomen" wiedergegeben.
1. 3. 3. 5. Präpositionen
Für die meisten deutschen Präpositionen gibt es den verschiedenen Gebrauchsweisen entsprechend mehrere arabische Äquivalente. Sie regieren immer den Dativ (und stehen immer vor dem regierten Wort).
1. 3. 4. Syntax
1. 3. 4. 1. Wortsyntax
Attributive Fügungen sind im Arabischen dem Substantiv nachgestellt, werden aber dennoch in den gleichen Status (definit/indefinit) gesetzt. Auch attributive Partizipialkonstruktionen und Relativsätze haben den gleichen Status wie das Bezugswort. Sie haben nur dann einen Definitmarker (Artikel) bzw. Relativartikel/ -pronomen vorangestellt, wenn auch das Leitwort definit ist. Genus, Kasus und Numerus der Relativpronomen stimmen mit dem Leitwort überein, als sog. rückweisendes Pronomen nimmt es neben dem Kasus auch die Stellung im Relativsatz an, die das Leitwort hätte.
1. 3. 4. 2. Satzgliedstellungen
Traditionell werden im Arabischen Nominal- und Verbalsätze unterschieden, je nachdem, ob ein Nomen an der Spitze steht oder ein Verb. Die Grundwortstellung (auch im Hauptsatz) ist Verb-Subjekt-Objekt. Das Subjekt und jedes andere Nomen können aber auch topikalisiert werden.
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So steht im arabischen Aussagesatz das Verb an erster oder zweiter Stelle, im Fragesatz immer an zweiter und im Nebensatz normalerweise nach den Konjunktionen bzw. Relativpronomina (gegenüber Verbzweit-in Aussagesätzen, Verberst- in
Entscheidungsfragen, Verbletztstellung in Nebensätzen des Deutschen).
1. 3. 4 .3 Satzgefüge
Zumindest im modernen Hocharabisch gibt es Entsprechungen für alle auch im Deutschen vorkommenden Nebensatzarten und ihre Konjunktionen. Bis auf konditionale und konzessive Nebensätze sind sie den Hauptsätzen nachgestellt. Generell sind arabische Satzgefüge durch Nebensätze und prädikative Attribute häufig lang und verschachtelt, mit expliziten ko- und subordinierten Beziehungen.
1. 3. 5. Orthographie
Die arabische Schrift wird von rechts nach links geschrieben. Es handelt sich wie im Deutschen um eine phonologisch-morphologisch orientierte, silbische Alphabetschrift, allerdings mit anderen Graphemen. Im Schriftbild werden nur die Konsonanten und Langvokale mit eigenen Graphemen wiedergegeben (wobei im Vergleich zum Deutschen die Zuordnung Laut - graphisches Zeichen relativ eindeutig ist). Je nachdem, ob ein Konsonant am Anfang, am Ende, in der Mitte eines Wortes oder isoliert steht, hat er verschiedene Ausformungen. Nur in wichtigen Texten (insbesondere im Koran) und Schulbüchern sind als Verständnishilfe auch die Kurzvokale und Vokallosigkeit durch Hilfszeichen über bzw. unter dem vorhergehenden Buchstaben markiert: a (fata), i _ (kasra), u (amma); bei Vokallosigkeit (sukn). Auch für Doppelkonsonanz, feminine und Nominalendungen gibt es bestimmte Hilfszeichen. Im Klassischen Arabisch gab es gar keine Interpunktion.
Heute werden dem lateinischen System ähnliche Zeichen verwendet, aber nicht konsequent, da keine Regeln bestehen. Orthographieschwierigkeiten im Deutschunterricht ergeben sich für arabische Muttersprachler weniger aus den Interferenzen als aus der schwierigen Systematik der deutschen Orthographie selbst (insbesondere Groß- und Kleinschreibung, Zusammen- und Getrenntschreibung, Dehnung und Zeichensetzung).
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2. Zu den Partikeln im Deutschen
2. 1. Einleitung
Das Wort "Partikel" stammt aus dem Lateinischen pars, das "Teil" bedeutet. Dieses Wort wurde Mitte des 15. Jahrhunderts eingedeutscht und erhielt erst 1680 die Bedeutung "grammatisch unveränderliches, nicht flektierbares Wort". Je nach Bedeutung wird das Wort "Partikel" im Deutschen im Genus morphologisch unterschiedlich markiert:
a) Sg. Das Partikel- Pl. die Partikel (n)
b) Sg. Die Partikel- Pl. die Partikeln.
Der erste Terminus mit neutralem Genus wird in der Naturwissenschaft, in der Philosophie sowie in der Physik in der Bedeutung "die kleinsten Teile eines Körpers" verwendet, wobei die Pluralform sowohl mit als auch ohne die Endung "n" vorkommt. 1
Der zweite Begriff mit femininem Genus bezieht sich auf jene Partikel, von der hier die Rede ist, nämlich das grammatisch unveränderliche, nicht flektierbare Wort. Dieses doppelte Genus stiftet heute noch Verwirrung in der korrekten Verwendung der beiden Begriffe. 2
Partikeln schweben also -um in der Metapher zu bleiben - genauso wie die der Physik, zwar nicht in der Luft, sondern in der deutschen Sprache herum, wo sie zahlreich auftreten, mit dem Kontext zusammenwirken und wichtige Kommunikationsfunktion ausüben. Obwohl sich die Forschung bisher vergeblich um übereinstimmende Definitionen und kategoriale Zuordnungsmöglichkeiten bemüht hat, ist das Bewusstsein, das diese Kenntnislücke als Lücke anerkennt, als Forschritt anzusehen. 3
Nach dieser kurzen Einleitung kann man vielleicht fragen: Was sind also die Partikeln? Ob die Partikeln eine Wortart darstellen? Welche Morphologischen, syntaktischen, semantischen und kommunikativen Merkmale haben sie?
1 Vgl. Hermann, Paul: Deutsches Wörterbuch. Tübingen 1992. S. 734.
2 Vgl. Braun.Peter: Tendenzen in der deutschen Gegenwartssprache. Stuttgart 1998. S. 80.
3 Vgl. Weydt, Harald (Hg): Aspekte der Modalpartikeln. Studien zur deutschen Abtönung. Tübingen 1977. S. 7
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Welche Stellung haben sie im Fremdunterricht Deutsch? Welche Subklassen haben die? Diese Fragen u. a. mehr werden in diesem Kapitel besprochen und beantwortet.
2. 2. Partikelforschung im Deutschen 1
Die Partikelforschung nimmt ihren Ausgang mit Krivonosovs transliteriert distributionalistisch ausgerichteter Arbeit aus dem Jahre 1963 Die modalen Partikeln in der deutschen Gegenwartssprache. Untersuchungsgegenstand ist die modale Bedeutung des Satzes, die aufgrund des Zusammenwirkens der Satzkonstruktion, des lexikalischen Bestandes, der Satzintonation und der modalen Partikel verwirklicht wird. Unter anderem kommt der Autor zu der Einsicht, dass eine Untersuchung der Partikeln mit der Erforschung der Umgebung der Partikeln, also mit der Erforschung des Satzes beginnen müsse, da den modalen Partikeln keine selbständige Bedeutung nachzuweisen sei. 2
In den 70er Jahren blühte in Deutschland - zwar gleichzeitig mit der "pragmatischen Wende", aber unabhängig davon - die Erkundung dieser kleinen Wörtchen auf. Harald Weydt hat in seinem Beitrag Methoden und Fragstellung der Partikelforschung Gründe für das wachsende Interesse an den Partikeln aufgezählt, die zum Teil mit dem Aufschwung pragmatischer und kommunikativer Fragestellungen überhaupt zusammenhingen: Die Komplexität der Partikeln, die es erlaubt, sie aus verschiedenen Blickwinkeln und mit unterschiedlichen Methoden zu erforschen, die Entwicklung der Methoden, die es ermöglicht, adäquate Deskriptionen zu machen, der Zuwachs an empirischer Forschung, Erweiterung der Betrachtung auf transphrastische Aspekte und überhaupt die Verlagerung des Interesses auf kommunikative Aspekte. 3
1 Der vorliegende Überblick über die Partikelforschung kann aufgrund der Fülle von Analysen zu den Partikeln nicht alle Untersuchungen erwähnen. Berücksichtigt werden vor allem die, welche für die Partikelforschung einen wichtigen Beitrag geleistet haben, und diejenigen, die für die vorliegende Arbeit von Relevanz sind. Für einen allgemeineren Überblick zur Partikelforschung s. Öhlschläger (1985), Wolski (1986: 328 ff.).
2 Vgl. Krivonosov, Aleksej T. : Deutsche Modalpartikeln im System der unflektierten Wortklassen. Tübingen 1977. S 305.
3 Vgl. Weydt, Harald: Methoden und Partikelforschung. In: Weydt, Harald : Partikel und Deutschunterricht. Abtönungspartikeln für Lerner des Deutschen. Heidelberg 1981. S. 45 f.
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1969 hatte Weydt Aufmerksamkeit mit seiner Abhandlung Abtönungspartikeln. Die deutschen Modalwörter und ihre französischen Entsprechungen geweckt. Er schuf ein Forum für Partikelforscher. Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre veranstaltete er mehrere äußerst stimulierende Partikelkongresse und trug dadurch entscheidend dazu bei, dass ein reges wissenschaftliches Gespräch um dieses Phänomen entstand.
In diesen Veranstaltungen nahmen nicht nur Vertreter einer linguistischen Richtung teil, sondern auch Forscher mit ganz verschiedenen Fragestellungen und Blickwinkeln. Auf mehreren dieser Tagungen wurden die Definition und Abgrenzung von Partikeln diskutiert, Partikeln verschiedener Sprachen vorgestellt und auch kontrastive Analysen vorgenommen. 1981 stand im Mittelpunkt die Frage, wie das Lernproblem Partikel sowie ihre Didaktisierung zu bewältigen sei, und das Thema des 1982 veranstalteten Kolloquiums hieß "Partikel und Interaktion". Auf den Partikelkolloquien wurden insgesamt Hunderte von Beiträgen zu diesem Problem geliefert. Diese Beiträge erschienen in fünf Sammelbänden, die von Weydt in späteren Jahren (1977, 1979, 1981, 1983, 1989) herausgegeben werden. Sie spiegeln das immense Interesse an der Erforschung der Partikeln wider. In den dort zu findenden zahlreichen Artikeln werden die unterschiedlichsten Aspekte der Partikelanalyse angesprochen. 1
Die Dissertation von Weydt (1969) betrachtet man als Grundstein für die Partikelforschung. Überlegungen, wie "Abtönungspartikeln sind unflektierbare Wörtchen, die dazu dienen, die Stellung des Sprechers zum Gesagten zu kennzeichnen. Diese Wörtchen können, in gleicher Bedeutung nicht die Antwort auf eine Frage bilden und nicht die erste Stelle im Satz einnehmen. Sie beziehen sich auf den ganzen Satz; sie sind im Satz integriert", wirken bis in die heutige Zeit hinein. 2
1 Vgl. Kärnä, Aino: Die Kategorie "Partikel" gestern und heute. Ein Überblick über griechische lateinische und deutsche Grammatiken. Heidelberg 2000. S. 20
2 Vgl. Weydt, Harald: Abtönungspartikel. Die deutschen Modalwörter und ihre französischen Entsprechungen. Bad Homburg 1969. S. 68.
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2. 2. 1. Hinwendung der Partikelforschung zur Grammatik
Nach der ‘Flut’ von kommunikativ-pragmatischen Arbeiten zu den Partikeln scheint eine dritte Phase einzusetzen: Die zuvor vorwiegend gemiedene Grammatik wird nun als weiteres Instrumentarium eingesetzt, um das Partikelgeheimnis zu lüften. Die Arbeit von Zybatow gilt hier als grundlegende Untersuchung (1990) mit dem Titel Was die Partikeln bedeuten. Eine kontrastive Analyse Russisch-Deutsch ein "kleines Gegengewicht zur pragmatischen Euphorie und zur grammatischen Abstinenz bei der Partikelbeschreibung”. 1
Ausgewählte russische Gradpartikeln sollen auf wortsemantischer Basis hinsichtlich ihrer invarianten Bedeutung untersucht werden, in der Hoffnung, mit dieser Arbeit illustriert zu haben, dass die oft als "Systematisierungsmüll der Systemlinguisten" abqualifizierten Partikeln doch ein integraler Bestandteil der sprachlichen Struktur und somit grammatisch beschreibbar und nicht nur kommunikativ erklärbar sind. Hinsichtlich der Partikelforschung schreibt er: "Die Pragmatik hat die Partikeln im Rahmen ihrer Mittel und Möglichkeiten ausgiebig und interessant beschrieben. Nun ist aber auch die Grammatik gefordert, ihre Erklärungskraft angesichts der ‘Undingwörter’ Partikeln zu beweisen.” 2
Und er fährt fort:
”Eingedenk der Weydtschen Periodisierung der Partikelforschung [...] wäre es ein Desiderat, dass die Partikologie nun in die dritte, aussöhnende Phase eintreten möge, in der das komplexe, in die Domäne der Grammatik und Pragmatik fallende Explikandum Partikel umfassend, d.h. von der invarianten Bedeutung über seine Äußerungsbedeutung bis hin zu seinem kommunikativen Potential beschrieben wird.” 3
So soll auch die vorliegende Arbeit, die sich eines grammatisch- systematischen Instrumentariums bedient, einen Beitrag zur grammatischen Analyse der Partikeln leisten.
1 Zybatow, L.: Was die Partikeln bedeuten. Eine kontrastive Analyse Russisch-Deutsch. München 1990. S.11.
2 Vgl. Ebenda. S. 176.
3 Zybatow, L.: Was die Partikeln bedeuten. Eine kontrastive Analyse Russisch-Deutsch. München 1990. S. 176 f.
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2. 3. Partikel und Wortarten
Grammatiken entstehen als Resultat wissenschaftlicher Tätigkeit - bzw. manchmal auch ungeachtet ihrer als Kompendien älterer Werke. Neue Erkenntnisse sind bisweilen in das ererbte Modell eingeflossen, das uns seit den Anfängen der Grammatikbeschreibung in der griechischen Antike zur Verfügung steht. Meist ist der Weg solcher Innovationen so lang und umständlich, dass im Laufe der Zeit nicht mehr erkennbar ist, wer sie initiiert hat, aber in seltenen Fällen gelingt es einem Forscher, eine Änderung bisheriger Anschauungen durchzusetzen und damit ein Spur in der Wissenschaftsgeschichte zu hinterlassen. Zu den wenigen, denen dies zu ihrer Lebenszeit geglückt ist, gehört Harald Weydt.
Durch seine wissenschaftliche Tätigkeit konnte ein Standardwerk, die Duden Grammatik, eine Korrektur ihrer Wortartenklassifikation vornehmen. Es handelt sich hierbei um eine besonders problematische Wortart und zwar die Partikeln. 1
Die Darstellung der Wortarten und ihrer typischen Regelmäßigkeiten ist seither ein zentraler Inhalt sowohl wissenschaftlicher als auch praxisorientierter Grammatiken. So war es in den ersten fragmentarisch erhaltenen grammatischen Texten des hellenistischen Zeitalters von Aristarch von Samothrake (ca. 216-144 v. Ch.) in Alexandria, wo die Metasprache zur Beschreibung sprachlicher Begebenheiten entwickelt wurde, so war es in der Techne grammatike des Dionysios Thrax (2. Jh. v. Ch.) 2 und ebenso blieb es in den Grammatiken der Römer, wie in den lateinischen Grammatiken, altes grammatica von Asper, Sacerdos (3. Jh.) oder Aelius Donatus (ca. 350) bis Pariscian (ca. 526) nachgelesen werden kann. 3
1 Vgl. Weydt, Harald: Methoden und Partikelforschung. In: Weydt, Harald : Partikel und Deutschunterricht. Abtönungspartikeln für Lerner des Deutschen. Heidelberg 1981. S. 45
2 Diese Grammatik galt bis kurzem als die erste erhaltene Grammatik des Abendlandes. Vincenzo Di Benedetto hat aber die Authentizität in Frage gestellt und eine rege Diskussion darüber und über die Entstehungszeit hervorgerufen. Dazu vgl. Kärnä, Aino: Die Kategorie "Partikel" gestern und heute. Ein Überblick über griechische lateinische und deutsche Grammatiken. Heidelberg 2000. S. 15.
3 Vgl. Keil, Heinrich: Grammatici Latini. 8. Bd. Leipzig 1880. S. 12 ff.
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Die Grammatiken des frühen Mittelalters behielten dieses Modell bei, und sogar die theoriebeladenen spätmittelalterlichen Grammatiken der Modisten, die im 13. und 14. Jahrhundert entstanden, hatten - wenn auch das Hauptinteresse den Bedeutungsarten, den modi significandi der Wortklassen galt - ebenfalls das Gerüst der Wortklassen als Ausgangspunkt ihrer Sprachbedeutung. 1
Als dann in den Ländern Europas die ersten Grammatiken in der Volkssprache entstanden, zunächst als Einzelphänomene wie die englische Grammatik von Aelfric um das Jahr 1000, und vermehrt etwa ab 14. Jahrhundert, wurde ebenfalls die Einteilung des sprachlichen Materials in Wortarten nach dem lateinischen Muster beibehalten. Das bewährte Modell der Darstellung wurde auch in den Grammatiken folgender Jahrhunderte beibehalten, und auch in den heutigen Gegenwartsgrammatiken wird der Stoff sowohl für den Fremdsprachunterricht als auch für den muttersprachlichen Unterricht meist in Wortklassen eingeteilt, und die Eigenschaften der Klassen werden der Reihe nach besprochen. Während dieser jahrtausendlangen Tradition hat es gewiss Änderungen gegeben, sowohl was die Anzahl der Wortklassen als auch ihre Anordnung betrifft, geschweige denn von ihrer Beschreibung, aber das Prinzip hat sich bewährt: Elemente mit gleicher oder ähnlicher Flexion werden in Klassen zusammengefasst und über sie werden grammatische Aussagen gemacht. 2
In der modernen Zeit hat es Phasen gegeben, in denen die Wortarten nicht im Mittelpunkt des linguistischen Interesses standen oder ganz überholt angesehen wurden, aber es scheint, dass dieses Konzept ein handliches Gliederungsprinzip zur Beschreibung sprachlicher Begebenheiten darstellt. Auch in den letzten Jahren gab es eine Strömung in der europäischen und insbesondere in der deutschen Linguistik, die sich der Erforschung einer besonderen Wortart widmete, und zwar die Partikelforschung. 3
1 Vgl. Kärnä, Aino: Die Kategorie "Partikel" gestern und heute. Ein Überblick über griechische lateinische und deutsche Grammatiken. Heidelberg 2000. S. 15 ff.
2 Ebenda. S. 17
3 Vgl. Weydt, Harald: Methoden und Partikelforschung. In: Weydt, Harald : Partikel und Deutschunterricht. Abtönungspartikeln für Lerner des Deutschen. Heidelberg 1981. S. 45
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Nach diesem kurzen geschichtlichen Überblick über die Wortarten wird im Folgenden auch eine allgemeine Darstellung für die verschiedenen Auffassungen der Grammatiker und Linguisten über die Wortarten im Deutschen dargestellt. Diese Darstellung ist für die vorliegende Arbeit von großer Bedeutung, denn die Klassifizierung der Wortarten war und ist noch unter den Grammatikern und Sprachwissenschaftlern umstritten.
2. 3. 1. Klassifikation der Wortarten im Deutschen
Das Wort ist einerseits ein Begriff der Umgangssprache, der für den Muttersprachler intuitiv gegebenes Phänomen und wichtiger Baustein der Sprache darstellt. Jeder weiß, dass unsere Sprache aus Wörtern besteht, und dass man ohne Wörter nicht sprechen kann: "The linguistic unit that is most easily used by non-linguists is the word. When Polonius asked Hamlet what he was reading, the answer was ‘Words, words, words" 1
Andererseits ist Wort ein Begriff der Linguistik. In der Linguistik stellt das Wort eine recht problematische Kategorie dar, wie es viele Linguisten bestätigen, unter anderen Vennemann: "Der Begriff des Wortes ist einer der schwierigsten, vielleicht der problematischsten Kategorien überhaupt in der gesamten Linguistik." Der Ansicht ist auch Zirmunsky: " The word is the basic unit of thelanguage, but any definition of the term and any delineation of its boundaries present great difficulties [...]." 2
Aus diesem Grund ist unter Sprachwissenschaftlern die Meinung verbreitet, dass es schwierig ist, dem Begriff Wort eine ausreichende Definition zu geben, und, dass es unmöglich ist, eine widerspruchsfreie und universelle Wortdefinition zu geben, weil das Wort eine sprachspezifische Einheit ist, die einigen, aber nicht allen Sprachsystemen angehört: "There are linguists who are pessimists about the possibility of defining the word. They either do not admit of any definition, or they admit a definition for each particular language but no universal definition valid for all languages." 3
1 G. Booij, C. Lehmann und J. Mugan (Hrg.), Morphologie. Ein internationales Handbuch zur Flexion und Wortbildung, 1. Halbband, Berlin, New York 2000, S. 247.
2 Th. Vennemann, J. Jacobs, Sprache und Grammatik, Darmstadt 1982, S. 7. und V. M, Zirmunsky, The Word and its boundaries. In: Linguistics 27, 1966, S. 65.
3 Ebenda. S. 66
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Im europäischen Raum spiegelt sich die Schwierigkeit der Kategorie Wort hauptsächlich in der komplexen und verwirrenden Wortdiskussion wieder. Der nach einer Wortdefinition suchende stößt auf verschiedene Definitionen und auf eine vielfache terminologische Differenzierung des Begriffs Wort.
Als Lexikoneinheit, als phonetisch gekennzeichnetes Element in der Rede, als Einheit des Paradigmas bei den flektierbaren Wortarten, als graphisch gekennzeichnetes Element in der Schrift und schließlich als Einheit des Satzes, wurde das Wort vielfach und auf verschiedenen Ebenen untersucht und definiert 1 : 1) auf der lexikalischen Ebene 2) auf der phonetisch-phonologischen Ebene 3) auf der morphologischen Ebene 4) auf der orthographischen Ebene 5) und / oder auf der syntaktischen Ebene.
Und zwar: 1) als kleinster, relativ selbständiger Träger von Bedeutung, 2) als kleinstes, durch Wortakzent und Pause isolierbares Lautsegment, 3) als Grundeinheit von grammatischen Paradigmen,
4) als Einheit, die durch Leerstellen im Schriftbild isoliert wird und / oder 5) als kleinste, verschiebbare und ersetzbare Einheit des Satzes.
Entsprechend gibt es das lexikalische, das phonologische, das grammatische / morphosyntaktische, das orthographische und das syntaktische Wort. Außerdem wurde der Wortbegriff in vielen Arbeiten einer vielfachen terminologischen Differenzierung unterworfen: Stamm, Lexem, lexikalisches Item, Listem, freies Morphem, Wortform usw., oder ganz zugunsten von Begriffen wie Morphem und Lexem aufgegeben, denn für viele Sprachwissenschaftler, darunter Jirí Krámský, ist Wort ein vager, vortheoretischer Begriff, der durch präzise definierbare Begriffe ersetzt werden müsse, nämlich durch das freie Morphem: "If we write that the word is ‚the smallest independent unit of the language’ then it means that by using the word independent, we are differentiating the
1 Vgl. dazu H. Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 2. Auflage, Stuttgart 1990, S. 849.
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word from the bound morpheme which is not independent. The free morpheme is, of course identified with the word." 1
Aus dem Grund der Schwierigkeit der Definition des Begriffs "Wort" ergibt sich auch, dass die Sprachwissenschaftler und Grammatiker über die Klassifikation der Wortarten uneinig sind. So gibt es zum Beispiel die Zehn-Wortarten-Lehre der traditionellen Grammatik, die auf die Antike Dionysios Thrax zurückgeht, und die Fünf-Wortarten-Lehre nach Hans Glinz. Eine neuere Klassifikation für das Deutsche bieten Zifonun/Hoffmann/Strecker. Sie nutzen formale und funktionale Kriterien. In Bezug auf die griechische Sprache beschreibt Thrax die angenommenen Wortklassen hinsichtlich ihrer Flexion ("Das Nomen ist ein Kasusbildender Satzteil"), der grammatischen Kategorien ("Das Nomen hat fünf Begleiterscheinungen:
Diese Charakteristika verwendet Thrax zum Teil auch für die anderen Redeteile; dies geschieht aber nicht systematisch oder geordnet. Vielfach wurde dies in der Vergangenheit kritisiert und kriterienreine Wortartensysteme eingefordert. 3
1 J. Krámský, The word as a linguistic unit. London 1969 S. 73.
2 Vgl. Arens, Hans: Sprachwissenschaft. A. a. O. S. 23 f.
3 Vgl. Knobloch, Clemens und Schaeder, Burkhard: Kriterien für die Definition von Wortarten. In Geert Booij, Christian Lehmann und Joachim Mugdan , Morphologie Morphology Ein internationales Handbuch zur Flexion und Wortbildung, Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft, Nr. 17.1, Berlin 2000. S. 676.
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Da die deutsche Sprache sowohl flektierende als auch nicht flektierende Wortklassen beinhaltet, sind Systeme, die nur auf einem Kriterium basieren, nicht sehr hilfreich. Deshalb finden in der Regel Mischsysteme Anwendung, die mehrere Kriterien verwenden. Dies geschieht zum Teil systematisch aber auch unsystematisch.
In den neueren deutschen Grammatiken gibt es, auch wenn der Bezug auf Thrax immer noch sichtbar ist, vielfältige Wortartensysteme und Unterschiede bei der Art und der Anwendung der angelegten Kriterien.
In der Zusammenschau gesehen, werden folgende Kriterien angewendet: 1. das semantische, 2. das morphologische, 3. das syntaktische.
Das semantische Kriterium ist für die Bestimmung von grammatischen Wortklassen umstritten und wenig geeignet, weil es keine eindeutige Zuordnung von formalen und semantischen Charakteristika gibt. Auch, was eine semantische Wortartenklassifikation sein soll, ist unklar. Stepanowa und Helbig unterscheiden in Anlehnung an Erben zwei Formen des semantischen Kriteriums: Substantive und Adjektive.
Sie meinen, dass Substantive (‘Dingwörter’) nicht mehr einfach Wörter wären, die Dinge bezeichnen, sondern Wörter, die vom Denken als ‘Dinge’ oder ‘Größen’ gefasst und abgebildet werden.
Adjektive wären nicht mehr einfach Wörter, die Eigenschaften bezeichnen, sondern Wörter, die bestimmte Sachverhalte als Eigenschaften erfassen bzw. darstellen, usw. 1
Das morphologische Kriterium spielt in der indoeuropäischen Grammatikentwicklung mit Recht eine große Rolle. Es nahm eine zentrale Rolle für die typologische Klassifikation aller Sprachen ein. Dies wird heute berechtigterweise auch kritisch gesehen, da für nicht indoeuropäische Sprachen andere Aspekte wichtiger sein können.
1 Vgl. Stepanowa, M. D. und Helbig, Gerhard: Wortarten und das Problem der Valenz in der deutschen Gegenwartssprache. Leipzig 1981. S. 45.
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Arbeit zitieren:
Dr. Maher Bakkar, 2010, Die deutschen Gradpartikeln und ihre Entsprechungen im Arabischen, München, GRIN Verlag GmbH
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