2
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis................................................................................................................ 2
Tabellenverzeichnis 4
Abkürzungsverzeichnis 5
1 Einleitung 6
1.1 Problemstellung 6
1.2 Vorgehensweise 7
2 Grundlagen 9
2.1 Unternehmensgründung 9
2.1.1 Unternehmenskonzept und Gründungsplanung 10
2.1.2 Zur ökonomischen Bedeutung von Gründungsaktivitäten 11
2.2 Unternehmensfinanzierung 13
2.2.1 Formen und Quellen der externen Finanzierung 13
2.2.2 Bonitätsprüfung und die Aus wirkungen von Basel II 15
3 Die nationale Bankenlandschaft 17
3.1 Universalbanken 18
3.2 Spezialbanken 18
3.3 Banknahe Finanzinstitute und Nichtbanken 20
4 Attribute von Bankleistungsprogrammen 21
4.1 Attribute von Finanzierungsleistungsprogrammen 21
4.1.1 Risiko- und Haftungseigenschaften 21
4.1.2 Finanzierungskonditionen 23
4.1.3 Komplexität und Abwicklungsformalitäten 25
4.2 Attribute von finanzierungsübergreifenden Leistungsprogrammen 26
4.2.1 Beratungsangebot 26
4.2.2 Vermittlungsleistungen 27
4.2.3 Online-Angebot 28
5 Die Leistungsprogramme ausgesuchter Spezialbanken 30
5.1 Die Mittelstandsbank des Bundes: DtA und KfW 30
5.1.1 Finanzierungsleistungsprogramm 31
5.1.2 Finanzierungsübergreifendes Leistungsprogramm 35
3
5.2 Landesbank NRW 37
5.2.1 Finanzierungsleistungsprogramm 38
5.2.2 Finanzierungsübergreifendes Leistungsprogramm 40
5.3 IKB Deutsche Industriebank AG 41
5.3.1 Finanzierungsleistungsprogramm 41
5.3.2 Finanzierungsübergreifendes Leistungsprogramm 43
5.4 Bürgschaftsbank NRW GmbH 44
5.4.1 Finanzierungsleistungsprogramm 45
5.4.2 Finanzierungsübergreifendes Leistungsprogramm 46
6 Aggregierte Stärken- und Schwächenanalyse 47
6.1 Finanzierungsleistungsprogramm 47
6.1.1 Risiko- und Haftungseigenschaften 47
6.1.2 Finanzierungskonditionen 51
6.1.3 Komplexität und Abwicklungsformalitäten 54
6.2 Finanzierungsübergreifendes Leistungsprogramm 57
6.2.1 Beratungsangebot 57
6.2.2 Vermittlungsleistungen 59
6.2.3 Online-Angebot 62
7 Zusammenfassung und Ausblick 64
Quellenverzeichnis 68
4
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 : Gründungsquoten und BIP-Wachstum in den GE-MLändern 7
Tabelle 2 : Banksubsysteme 12
Tabelle 3 : DtA- und ERP-Konditionen, Stand 24 03 2003 26
Tabelle 4 : KfW-Konditionenübersicht, Stand 24 03 2003 29
Tabelle 5 : GuW-Konditionen, Stand 24 03 2003 33
Tabelle 6 : Geschäftsbereiche der IKB Deutsche Industriebank AG 37
Tabelle 7 : Mittelstandsförderung durch Bürgschaften 40
Tabelle 8 : Risiko- und Haftungseigenschaften 45
Tabelle 9 : Investitionskredite und Förderprogramme im Vergleich 47
Tabelle 10 : Finanzierungskonditionen 48
Tabelle 11 : Komplexität und Abwicklungsformalitäten 51
Tabelle 12 : Beratungsangebot 54
Tabelle 13 : Vermittlungsleistungen 56
Tabelle 14 : Online-Angebot 58
5
Abkürzungsverzeichnis
AG Aktiengesellschaft Basel II Richtlinien für die Vergabe von Krediten des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht BdB Bundesverband deutscher Banken BIP Bruttoinlandsprodukt BTU Beteiligungskapital für kleine Technologieunternehmen bzw. beziehungsweise ca. circa d.h. das heißt DtA Deutsche Ausgleichsbank ERP European Recovery Program FuE Forschung und Entwicklung gbb gbb Beteiligungs-Aktiengesellschaft GEM Global Entrepreneurship Monitor GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung GuW Gründungs- und Wachstumsfinanzierung IKB IKB Deutsche Industriebank AG KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau KG Kommanditgesellschaft NRW Nordrhein-Westfalen OHG Offene Handelsgesellschaft PangV Preisangabenverordnung PDF Portable Document Format tbg tbg Technologiebeteiligungsgesellschaft mbH u.a. unter anderem; und andere z.B. zum Beispiel
6
1 Einleitung
In jüngster Vergangenheit waren die Finanzierungsschwierigkeiten kleiner und mittlerer Unternehmen sowie von Existenzgründern immer wieder Gegenstand der öffentlichen Diskussion. So ist z.B. davon zu hören, dass sich die großen Kreditinstitute in einer ernsthaften Krise befinden sich immer mehr aus dem Geschäft mit dem Mittelstand zurückziehen. Die Last der Betreuung kleiner und mittlerer Betriebe muss somit hauptsächlich von Sparkassen und Genossenschaftsbanken getragen werden. Forderungen nach einer Mittelstandsbank sind ebenfalls immer wieder zu vernehmen. Darüber hinaus wird die Finanzierung junger Unternehmen durch das bevorstehende Kreditrating nach Basel II zusätzlich erschwert. 1 Tatsächlich hat die derzeitige Bundesregierung auf die Probleme bereits reagiert. Seit dem 01.01.2003 befindet sich die Deutsche Ausgleichsbank (DtA) formal unter dem Dach der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und bündelt dort die mittelstands- und existenzgründungsspezifischen Aktivitäten beider Institute. Bis zum 31.08.2003 soll der Zusammenschluss der beiden Banken zur neuen Mittelstandsbank endgültig vollzogen sein. 2
1.1 Problemstellung
In der vorliegenden Arbeit sollen die Stärken und Schwächen bestimmter Spezialbanken, deren Leistungsprogramm 3 sich zu einem großen Teil an Existenzgründer und junge Unternehmen richtet, aufgedeckt werden. Die Banken werden daher aus der Sicht des Gründers und Jungunternehmers hinsichtlich ihres Finanzierungsleistungsprogramms und des finanzierungsübergreifenden Leistungsprogramms analysiert. Dabei werden zwei Schwerpunkte gesetzt. Zum einen wird aufgrund der Aktualität insbesondere auf die Mittelstandsbank des Bundes eingegangen, zum anderen wird dem Finanzierungsleistungsprogramm der Banken ein größeres Gewicht beigemessen. Die Analyse erfolgt anhand bestimmter Attribute, deren mögliche und wünschenswerte Ausprägungen zunächst erörtert werden. Nach der Vorstellung der institutseigenen Leistungsprogramme erfolgt eine aggregierte Stärken- und Schwächenanalyse der Banken. Darüber hinaus werden in einer anschließenden Zusammenfassung auch
1 Siehe zur Problematik einer möglichen Banken-Krise und den damit einhergehenden Problemen des Mittel-stands Pauly; Reuter (2002), S. 94 ff. sowie o.V. (2003), S. 12.
2 http://www.kfw.de, KfW - Die Mittelstandsbank startet, 14.01.2003.
3 Der Begriff Leistungsprogramm ist angelehnt an Büschgen (1998), S. 78.
7
Überlegungen dahingehend angestellt, ob und wie mögliche Defizite der Mittelstandsbank in einer realistischen Weise zu beheben sind.
Das Ziel dieser Arbeit ist somit eine Untersuchung der Stärken und Schwächen von Leistungsprogrammen ausgesuchter gründerorientierter Spezialbanken aus dem Blickwinkel der anvisierten Zielgruppe.
1.2 Vorgehensweise
Zur Bewältigung der Aufgabenstellung müssen zunächst Grundlagen gelegt werden, die im Zusammenhang mit der Unternehmensgründung und - finanzierung stehen. Dies geschieht in Kapitel 2. In 2.1 wird dazu zunächst der Weg von der Geschäftsidee zum Unternehmenskonzept skizziert. Ziel dieser Erörterungen ist es, die Komplexität der verschiedenen Einzelplanungen und Entscheidungssituationen darzustellen, mit denen der Gründer konfrontiert wird. Darüber hinaus ist die ökonomische Bedeutung von Gründungen Gegenstand dieses Teilabschnitts. Dazu werden die Zusammenhänge zwischen Gründungsaktivitäten und gesamtwirtschaftlichem Wachstum offengelegt, um die Sinnhaftigkeit von Fördermaßnahmen zu unterstreichen. In 2.2 erfolgt eine kurze Vorstellung verschiedener Formen und Quellen der externen Finanzierung. Ein weiteres Themenfeld ist die Vorgehensweise von Banken bei der Bonitätsbeurteilung von Unternehmen sowie die Auswirkungen des bevorstehenden Kreditratings nach Basel II.
Im 3. Kapitel wird ein Überblick über das deutsche Bankensystem gegeben. Nach einer kurzen wirtschaftswissenschaftlichen Definition der Bank erfolgt eine Darstellung der ve rschiedenen Formen, in denen Kreditinstitute in Erscheinung treten können. Das Ziel dieser Ausführungen ist es, sowohl die untersuchten Banken als auch andere Institute zu typologisieren und in ein System von Banken einzuordnen.
In Abschnitt 4 werden schließlich Attribute festgelegt, die zur Untersuchung der Bankleistungsprogramme herangezogen werden können. Dazu werden sowohl Attribute zur Beurteilung der Finanzierungs- als auch der finanzierungsübergreifenden Leistungen definiert. In einem weiteren Schritt werden mögliche und wünsche nswerte Attributsausprägungen aus den Anforderungen von Existenzgründern und jungen Unternehmen hergeleitet. Folgende Frage steht somit im Mittelpunkt: Welche Attributsausprägungen können die Bankprogramme annehmen und welche Ausprägungen sind aus der Sic ht des betrachteten Unternehmenskreises wünschenswert?
8
Im 5. Kapitel erfolgt eine Darstellung der Leistungen ausgesuchter Banken. Gegenstand der Betrachtung sind die schon erwähnte neue Mittelstandsbank des Bundes, die Landesbank NRW, die IKB Deutsche Industriebank AG und die Bürgschaftsbank NRW. Um die Untersuchungsergebnisse nicht vorwegzunehmen, erfolgt hier eine weitgehend wertungsfreie Erläuterung der verschiedenen Programme. Da bei einigen Banken sehr viele standardisierte Teilprogramme in Erscheinung treten, werden dort nur exemplarische Erklärungen angeführt, um tendenzielle Aussagen über die Leistungprogramme zu erhalten.
Eine tiefergehende Untersuchung der Leistungsprogramme erfolgt in Abschnitt 6. Dies geschieht in Form einer Stärken- und Schwächenanalyse der Banken hinsichtlich der in Kapitel 4 festgelegten Attribute. Dazu werden die gewünschten mit den tatsächlichen Attributsausprägungen der betrachteten Bankleistungsprogramme verglichen. Da alle Institute zusammen in Bezug auf jeweils ein Attribut betrachtet werden, ist eine vergleichende Beurteilung der Banken möglich. Die Hauptfragestellung dieses Abschnitts lautet: Welche Attributsausprägungen nehmen die verschiedenen Leistungsprogramme an und wie sind diese zu bewerten?
Im letzten Kapitel wird schließlich eine Zusammenfassung der Ergebnisse geliefert. Im Ra hmen eines Ausblicks wird ferner diskutiert, ob und inwieweit eine Beseitigung der herausge- filterten Schwächen der Mittelstandsbank möglich ist.
9
2 Grundlagen
In diesem Abschnitt erfolgt eine Erläuterung von grundlegenden Sachverhalten, die im Zusammenhang mit der Unternehmensgründung und - finanzierung stehen. Diese Grundlagenlegung ist notwendig, weil die Analyse der Bankleistungsprogramme aus dem Blickwinkel von Existenzgründern und jungen Unternehmen erfolgt und deren Aufgaben- und Proble mbewältigung von den betrachteten Kreditinstituten unterstützt werden sollte. Die nachfolgenden Ausführungen behandeln daher die vielfältigen Planungs- und Entsche idungsprobleme, die mit der Unternehmensgründung und - finanzierung zusammenhängen. Darüber hinaus werden auch Überlegungen zur gesamtwirtschaftlichen Bedeutung von Gründungsaktivitäten angestellt.
2.1 Unternehmensgründung
Die Unternehmens- bzw. Existenzgründung 4 kann in drei Phasen unterteilt werden: Existenzgründungs-, Existenzsicherungs- und Existenzfestigungsphase. Die erste Phase ist als engere Begriffsdefinition zu verstehen und bezieht sich nur auf den zeitlichen Ablauf bis zur Aufnahme des Geschäftsbetriebes. Die beiden anderen Phasen sind zeitlich dahinter angeordnet. 5 Im Folgenden sollen Fragestellungen erörtert werden, die im Zusammenhang mit der ersten Phase stehen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung einer Geschäftsidee zu einem Unternehmskonzept sowie weitere wichtige Planungsaufgaben. Die spätere Analyse bezieht sich jedoch auch auf die Bedürfnisse junger Unternehmen 6 , die sich bereits in einer der beiden nachfolgenden Phasen befinden.
In 2.1.2 erfolgt eine Erörterung der ökonomischen Bedeutung von Gründungen. Zu diesem Zweck wird der Zusammenhang zwischen Gründungsaktivitäten und dem Wachstum einer Volkswirtschaft aufgezeigt, um die Sinnhaftigkeit einer staatlichen oder außerstaatlichen Gründungsförderung zu belegen.
4 Beide Begriffe werden in dieser Arbeit synonym gebraucht. Eine differenzierende Definition findet sich z.B. in Fallgatter (2002), S. 21 ff. Dort wird der Begriff Existenzgründung eher mit dem traditionellen Kleingewerbe in Verbindung gebracht; Der Begriff Unternehmensgründung bezieht sich dagegen tendenziell eher auf sehr innovative (bis hin zur Basisinnovation) Produzenten und Dienstleister.
5 Collrepp (1998), S. 38.
6 Wie lange ein Unternehmen als jung gilt, ist in der Literatur umstritten. In manchen Fällen wird ein Unternehmen auch zwölf Jahre nach der Gründung noch als jung bezeichnet. Siehe dazu Fallgatter (2002), S. 28 f. Eine genaue zeitliche Eingrenzung soll hier ebenfalls nicht stattfinden.
10
2.1.1 Unternehmenskonzept und Gründungsplanung
Der unternehmerische Gründungsprozess ist durch eine hohe Komplexität gekennzeichnet und beginnt in der Regel mit einer Geschäftsidee. Es sollte angenommen werden, dass diese Idee vor dem eigentlichen Entschluss zur Gründung feststeht, denkbar ist aber auch eine gezielte Ideensuche erst nach der Entscheidung zur Gründung. Die Geschäftsidee ist das Fundament der weiteren Planung und beinhaltet die Leistung, die ein Gründer bereitstellen möchte. 7 Wichtig ist dabei, dass die Leistung, die ein Produkt oder eine Dienstleistung sein kann, am Markt auch nachgefragt wird. Sie muss daher für potenzielle Kunden einen Nutzen stiften. 8 Neben dieser Kundenorientierung darf jedoch auch die Wettbewerbssituation nicht unberücksichtigt bleiben. Der Gründer muss sich ein Bild von der Konkurrenzsituation in der angestrebten Branche machen, indem er die Rivalität unter den Mitanbietern und das eigene Angebot im Vergleich zur Konkurrenz beurteilt. 9 In der Geschäftsidee sollten demnach die drei Faktoren 'Bedürfnisse der Nachfrager, 'eigenes Angebot' und 'Angebot der Konkurrenten' berücksichtigt werden. Diese Faktoren lassen sich auch als Determinanten des Absatzmarktes charakterisieren. 10
Zur Konkretisierung einer Geschäftsidee dient der Geschäfts- bzw. Businessplan. In diesem Planungsdokument wird das Unternehmenskonzept ausführlich dargestellt. 11 Kernbestandteile des Geschäftsplans sind Markt- und Konkurrenzanalyse, Angaben zum strategischen Marketing sowie eine Finanz- und Finanzierungsplanung. Darüber hinaus gehören auch eine Beschreibung des Unternehmens und seiner Produkte bzw. Dienstleistungen sowie eine kurze Zusammenfassung des gesamten Unternehmenskonzeptes zum Geschäftsplan. Die Beschreibung des Unternehmens enthällt detaillierte Angaben zur Gründerperson und eventuell vo rha ndenen Partnern. Ferner müssen Angaben zur Rechtsform und zur Organisation des Unternehmens gemacht werden. Bei der Beschreibung der Produkte und Dienstleistungen geht es um deren aktuellen Entwicklungsstand und um mögliche Vorkehrungen zum Schutz der Produkte, beispielsweise durch Patente und Warenzeichen. Die Markt- und Konkurrenzanalyse soll ein Bild über den zu bearbeitenden Markt und die Stärken und Schwächen der Wettbewerber vermitteln. In diesem Zusammenhang ist auch das strategische Marketing von Bedeutung. Dort geht es um die grundlegende Frage, welche Märkte mit welcher strategischen Ba-
7 Collrepp(1998), S. 7.
8 Collrepp (1998), S. 7.
9 Kaufmann; Meißner; Meyer (1996), S. 80.
10 Wöhe (2000), S. 479.
11 Siehe dazu und den folgenden Aussagen Kußmaul; Junker (2000), S. 531 ff.
11
sisausrichtung bearbeitet werden sollen. Darüber hinaus ist es notwendig, den Einsatz der verfügbaren absatzpolitischen Instrumente, wie etwa Werbung, Rabatte oder d ie Verpackungsgestaltung, auf die Basisstrategie abzustimmen. Die Finanz- und Finanzierungsplanung liefert schließlich Aussagen über den notwendigen Kapitalbedarf und ein Konzept zur Bereitstellung dieser Mittel.
Der Geschäftsplan ist nicht nur für die eigene Planung von Bedeutung, sondern auch im Hinblick auf die Beziehungen mit Geschäftspartnern, z.B. Banken und Venture-Capital-Gesellschaften, die sich über mangelhafte Pläne von Gründern immer wieder beklagen. 12 Die Bedeutung dieses Dokuments sollte dahe r nicht unterschätzt werden. Neben den bereits vorgestellten, gibt es noch eine Reihe weiterer Planungs- und Entscheidungsprozesse. Von Bedeutung sind z.B. Fragen des Betriebsstandortes und der B etriebsausstattung sowie die Wahl der Rechtsform und steuerliche Aspekte. Darüber hinaus muss der Gründer seine soziale Absicherung planen und einigen gesetzlichen Anmeldeve rpflichtungen, z.B. Gewerbeanmeldung und Handelsregistereintrag, nachkommen. 13 Die Erläuterungen dieses Abschnitts dokumentieren die umfangreichen Aufgaben, die der Unternehmensgründer zu bewältigen hat. Es wird ferner deutlich, dass der Gründer bei fehlendem betriebswirtschaftlichen und juristischen Wissen auf eine externe Beratung kaum verzichten kann.
2.1.2 Zur ökonomischen Bedeutung von Gründungsaktivitäten
Die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen Gründungsaktivitäten und der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung eines Landes besteht, muss intuitiv mit ja beantwortet werden. So sollte angenommen werden, dass die Anzahl und der Umfang von Unterne hmensgründungen einen positiven Effekt auf das Wachstum einer Volkswirtschaft und den Wohlstand eines Landes haben sollte.
Der vom US-amerikanischen Babson College und der London Business School 1997 initiierte und 1999 zum ersten Mal erhobene Global Entrepreneurship Monitor (GEM) versucht, diese und andere Fragen auch empirisch zu ergründen. Der GEM untersucht neben dem obigen Zusammenhang auch die Variation des Gründungsniveaus zwischen den zehn beteiligten Lä ndern sowie die für Gründungsaktivitäten förderlichen bzw. unförderlichen Faktoren. 14
12 Opoczynski; Fausten (1998), S. 126.
13 Collrepp (1998), S. 39, S. 41 und S. 325.
14 Sternberg (2000), S. 11 und S. 37 f.
12
Tatsächlich bekräftigte die 1999'er Studie die eingangs angeführte These. Es wurde zwar nur ein kleiner, aber dennoch positiver Einfluss des Gründungsgeschehens auf das Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) und die Erwerbstätigkeit festgestellt. So konnten die unterschiedlichen Gründungsquoten zwischen den beteiligten Ländern ca. 36 % der Varianz des BIP-Wachstums erklären. 15 Die Gründungsquote ist als die Anzahl der in einer Gründung involvierten Personen pro 100 E rwachsene zu interpretieren. 16 Die Untersuchung lieferte ferner die zentrale länderübergreifende Empfehlung, dass die Förderung von Gründungsaktivitäten Bestandteil jeder Politik mit dem Ziel der volkswirtschaftlichen Wohlstandsve rbesserung sein sollte. 17
Die vorangegangenen Erläuterungen belegen, dass gründerfreundliche staatliche Eingriffe, z.B. durch die Etablierung einer öffentlichen Förderbank, aufgrund der zu erwartenden Wachstumsimpulse zu befürworten sind. Tabelle 1 zeigt die im GEM untersuchten Länder in einer Einteilung nach niedrigen, moderaten und hohen Gründungsaktivitäten.
Tabelle 1: Gründungsquoten und BIP-Wachstum in den GEM-Ländern
Ferner sind dort die Mittelwerte der Gründungsquoten zu erkennen. Durch die zusätzliche Aufführung der BIP-Wachstumsraten 18 wird der schwache Zusammenhang zwischen Grün-
15 Sternberg(2000), S. 13 und S. 164 f.
16 Eine Person gilt u.a. dann in eine Gründung involviert, wenn sie anteiliger oder alleiniger Eigentümer eines Unternehmens ist und während der letzten zwölf Monate aktiv an dessen Gründung beteiligt war. Siehe dazu Sternberg (2000), S. 12 f.
17 Sternberg (2000), S. 14.
18 Gemeint ist das durchschnittliche vierteljährliche Wachstum des BIP im Jahr 1998 in den jeweiligen Klassen. Die Gründungsquoten wurden Anfang 1999 erhoben. Siehe dazu Sternberg (2000), S. 163 ff.
13
dungsaktivitäten und dem gesamtwirtschaftlichen Output erneut deutlich. Wie in der Abbildung weiterhin zu erkennen ist, gehört Deutschland zu der Gruppe mit niedrigen Gründungsaktivitäten. Die Gründe dafür sollen hier nicht näher erörtert werden, es ist jedoch naheliegend, dass gerade bei Ländern mit einem geringen Gründungsniveau das Potenzial eines gründungsinduzierten Wachstums am höchsten sein dürfte.
2.2 Unternehmensfinanzierung
Bei der Betrachtung verschiedener Formen der Unternehmensfinanzierung kann einerseits zwischen externer und interner und andererseits zwischen Eigen- und Fremdfinanzierung unterschieden werden. Auf diese Weise ergeben sich vier mögliche Kombinationen von Finanzierungsarten. 19 Es wird von externer Eigenfinanzierung gesprochen, wenn dem Unternehmen durch den Verkauf von Beteiligungstiteln neues Kapital zufließt. Bei der externen Fremdfinanzierung wird diese Kapitalaufbringung durch die Ausgabe von Forderungstiteln erreicht. Die interne Eigen- bzw. Fremdfinanzierung ist dadurch gekennzeichnet, dass eine Zuführung von Finanzierungsmitteln aus der Unternehmenstätigkeit erfolgt, indem diese 'erwirtschafteten' Mittel nicht an die Kapitalgeber ausgeschüttet, sondern als Eigen- bzw. Fremdkapital einbehalten werden.
Die folgenden Teilabschnitte haben nähere Überlegungen zu den verschiedenen externen Finanzierungsformen sowie den banküblichen Bonitätsprüfungsverfahren zum Inhalt.
2.2.1 Formen und Quellen der externen Finanzierung
Wie bereits eingangs erwähnt wurde, liegt eine externe Eigenfinanzierung vor, wenn dem Unternehmen von 'außen' Eigenkapital durch die Aus gabe von Beteiligungstiteln zugeführt wird. Bei Aktiengesellschaften kann dies durch die Ausgabe von Aktien zu einem Mindestnennbetrag von mittlerweile 1 Euro erfolgen. 20 Unternehmen, die nicht in der Rechtsform der Aktiengesellschaft firmieren, steht diese Finananzierungsform nicht offen. Der Eigenkapitalbedarf muss hier durch private Mittel der Eigentümer oder durch die Aufnahme zusätzlicher Gesellschafter erfolgen. 21 Unternehmen, die sich mit der Aufbringung von Eigenkapital für derartige Unternehmen befassen, sind z.B. Kapitalbeteiligungs-, Venture-Capital- und
19 Siehe dazu und den folgenden Erläuterungen Breuer (1998), S. 16-18.
20 Wöhe (2000), S. 695.
21 Siehe dazu und den folgenden Ausführungen über Beteiligungsgesellschaften Wöhe (2000), S. 707-710. Eine Erörterung der Merkmale von Beteiligungs- und eigenkapitalähnlichen Mitteln erfolgt in den Ab- schnitten 4.1.1 und 4.1.2.
14
Unternehmensbeteiligungsgesellschaften. Während sich Kapitalbeteiligungsgesell-schaften, deren Eigentümer häufig Banken sind, hauptsächlich auf die Finanzierung lang-jährig etablierter Unternehmen beschränken, beteiligen sich Venture-Capital- Gesellschaften an jungen innovativen Unternehmen. 22 Dies geschieht durch die Bildung von Fonds, deren Mittel von Banken, Versicherungen, großen Unternehmen und auch Privatpersonen gegenfinanziert werden. Die Aufgabe von Unternehmensbeteiligungsgesellschaften ist ähnlich. Durch diese Gesellschaften soll dem breiten Publikum ein Beteiligungszugang zu mittelständischen Unternehmen ermöglicht werden. Dies geschieht durch den Verkauf und die Verwaltung von Beteiligungen der erwähnten Unternehmen. Neben diesen institutionellen Beteiligungen gibt es auch die Möglichkeit zur Beschaffung von Beteiligungskapital durch sogenannten Business-Angels. Diese meist vermögenden Privatpersonen stellen Unternehmen Beteiligungskapital zur Verfügung, um dieses später gewinnbringend zu veräußern. 23 Eine externe Fremdfinanzierung liegt vor, wenn einem Unternehmen von 'außen' Fremdkapital durch die Ausgabe von Forderungstiteln zugeführt wird. Die externe Fremd- oder auch Kreditfinanzierung kann nach bestimmten Kriterien weiter untergliedert werden. 24 Mögliche Kriterien sind z.B. die Herkunft des Kapitals, die Dauer der Kapitalüberlassung oder der Ge-genstand der Übertragung. Nach der Herkunft des Kapitals kann z.B. zwischen Bankkrediten, Krediten von Privatpersonen und Betrieben (z.B. über die Ausgabe von Obligationen) und öffentlichen Krediten unterschieden werden. Bezüglich der Dauer der Kapitalüberlassung wird zwischen kurz- (bis zu 90 Tagen Laufzeit), mittel- (bis zu 5 Jahren Laufzeit), und langfristigen Krediten differenziert. Nach dem Gegenstand der Übertragung können des weiteren Sach- und Geldkredite von der Kreditleihe abgegrenzt werden. Bei der Kreditleihe handelt es sich nicht um die Überlassung von Geld- oder Sachwerten, sondern um die Bereitstellung von Sicherheiten, die zur Kreditfinanzierung notwendig sind.
Eine im Zusammenhang mit dem Unternehmensgeschäft der Banken besonders relevante Finanzierungsart ist der Investitionskredit. Dabei handelt es sich um ein langfristiges Darlehen zur Finanzierung von Gegenständen des Anlagevermögens, wie etwa Maschinen und Gebäude. Die Laufzeit der Kredite wird an die geplante Nutzungsdauer der Investitionsobjekte angepasst und liegt in der Regel zwischen 5 und 15 Jahren. Diese Finanzierungsart ist auch
22
Derartige Unternehmen werden häufig auch als technologieorientiert bezeichnet. Eine einheitliche Definition dieses Unternehmenstyps gibt es nicht. Ein tendenzielles Merkmal dieser Betriebe ist jedoch eine hohe FuE-Intensität. Siehe dazu Engelmann u.a. (2000), S. 52-54.
23 Engelmann u.a. (2000), S. 89.
24 Zu den folgenden Ausführungen siehe Wöhe (2000), S. 710 f.
15
deswegen besonders relevant, weil die meisten Förderkredite der in dieser Arbeit betrachteten Banken als Sonderformen des Investitionskredites zu verstehen sind. 25
2.2.2 Bonitätsprüfung und die Auswirkungen von Basel II
In einem engeren Sinne wird unter Bonitätsprüfung die Untersuchung der Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers durch den Kreditgeber verstanden. 26 Der Kreditnehmer wird dahingehend überprüft, ob er wirtschaftlich in der Lage ist, den Kreditverpflichtungen nachzukommen. Im Unternehmenskreditgeschä ft kann diese Prüfung z.B. anhand einer Jahresabschlussanalyse erfolgen. Aus dieser Analyse lassen sich Informationen hinsichtlich der Erfolgs-, Rentabilitäts- und Liquiditätslage eines Unternehmens gewinnen. Da diese Informationen jedoch nur bedingt Aufschluss über die zukünftige Zahlungsfähigkeit des Kreditnehmers geben können, müssen in der Bonitätsprüfung zusätzliche Kriterien berücksichtigt werden. Dazu zählen z.B. Managementqualität, Unternehmens- und Finanzplanung, Wettbewerbsstellung sowie Haftungsverhältnisse und Sicherheiten.
Es ist jedoch offenkundig, dass aufgrund der zunächst fehlenden Jahresabschlussunterlagen bei Existenzgründern nur die zuletzt genannten Kriterien Berücksichtigung finden können. Dieser Sachverhalt unterstreicht die große Bedeutung des Unternehmenskonzeptes in Form des Geschäftsplans.
Darüber hinaus werden den oben angeführten Kriterien im geplanten Kreditrating nach Basel II ein noch stärkeres Gewicht beigemessen. 27 Basel II ist die Kurzbezeichnung für die ab 2006 offiziell greifenden 28 Richtlinien für die Vergabe von Krediten des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht. Danach soll die Bonität des Kreditnehmers einen stärkeren Einfluss auf den Kreditzins haben. Dies bedeutet, dass eine geringere Kreditwürdigkeit mit einem hö heren Zins einhergeht. Die Bonitätseinstufung erfolgt dabei anhand einer Unternehmensanalyse mittels Ratingverfahren. Bestandteil dieses Ratings sind mehrere Prüfpunkte. Neben der eher traditionellen Jahresabschluss- und damit verbundenen Kennzahlenanalyse erfolgt auch eine Prüfung des Managements sowie markt-, branchen- und produktbezogener Unternehmenstatbestände. Darüber hinaus wird auch die vergangene und zukünftig geplante Unter-
25 Becker;Peppmeier (2000), S. 148.
26 Siehe dazu und den folgenden Erläuterungen Büschgen (1998), S. 940-943.
27 Siehe dazu und den folgenden Ausführungen Hassmann (2002), S. 8-10.
28 In Fachkreisen wird jedoch davon ausgegangen, dass das Rating von Banken und Sparkassen bereits früher umgestzt wird. Siehe dazu ebenfalls Hassmann (2002), S. 8.
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Manfred Schick, 2003, Analyse des Leistungsspektrums ausgesuchter Spezialbanken für Existenzgründer und junge Unternehmen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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