Verschränkung von Medien und Politik in Frankreich
Gliederung
1. Einführung 3
2. Theoretische Verortung: Verschränkung von Medien und Politik 4
2.1. Gewaltenteilungsparadigma 5
2.2. Instrumentalisierungsparadigma 5
2.3. Dependenzparadigma 6
2.4. Interdependenz-/Symbiose-Paradigma 6
2.5. Medien als Vermittler politischer Botschaften 7
3. Das französische Mediensystem 8
4. Kurz-Porträt Nicolas Sarkozy 8
5. Forschungsstand 9
6. Methode 11
6.1. Operationalisierung 12
6.2. Kritische Reflexion der Methode 15
7. Profile der untersuchten Medien
7.1.1. LeMonde.fr 16
7.1.2. Figaro.fr 17
7.1.3. Spiegel Online 18
7.1.4. Süddeutsche.de 18
8. Ergebnisse
8.1. Grobanalyse 19
8.2. Feinanalyse 20
8.2.1. Der Diskurs in LeMonde.fr 21
8.2.2. Der Diskurs in Figaro.fr 24
8.2.3. Der innerfranzösische Diskurs 26
8.2.4. Der Diskurs in Spiegel Online 27
8.2.5. Der Diskurs in Süddeutsche.de 29
8.2.6. Der innerdeutsche Diskurs 32
8.3. Vergleich zwischen deutschem und französischem Diskurs 33
8.4. Transfer: Vom Diskurs zum Paradigma 35
9. Fazit 36
10. Bibliografie 38
11. Abbildungsverzeichnis 45
12. Tabellenverzeichnis 45
Anhang :
Grobanalyse : tabellarische Übersicht 46
Feinanalyse : tabellarische Übersicht 57
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1. Einführung
„Brunisconi“, „Medienpräsident“, „Omnipräsident“ (Rühle 2008/ Kläsgen 2009/ Fichtner 2008). Das ist bloß ein Ausschnitt aus dem Repertoire der Namen, die über den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy in der Presse kursieren. Enge Freunde übernehmen die Chefsessel in den führenden Medienunternehmen Frankreichs (vgl. Wahl/ Queronne 1995:112), Journalisten werden wegen investigativer Präsidenten kritischer Berichterstattung vom Geheimdienst bespitzelt (vgl. DasErste.de 2010) und mit staatlichen Subventionen verringert der Präsident die Distanz zwischen Medien und Staat (vgl. Klopp 2010). Eine Gefahr für die Pressefreiheit, die Demokratie, den Pluralismus oder gar den Rechtsstaat? Seit Sarkozy an der Spitze des französischen Staates steht, stuft die Journalisten-Organisation Reporter ohne Grenzen Frankreich im internationalen Ranking zur Pressefreiheit von Jahr zu Jahr weiter herunter (vgl. Reporter ohne Grenzen 2010a; Reporter ohne Grenzen 2010b); Rückschritte diagnostizierte auch die internationale Organisation Freedom House in ihrem jährlichen Bericht Freedom in the World (vgl. FreedomHouse.org 2011). Die französische Presse genießt daher offenbar keinen guten Ruf: „Alle sind sich darin einig, sie wegen
extremer Gefälligkeiten gegenüber der Regierung anzuklagen“ 1 (Voyenne 1972:2). Die Beziehung zwischen dem amtierenden Präsidenten der französischen Republik und den Medien in Frankreich wird immer wieder in der französischen wie auch in der internationalen Presse diskutiert. Doch wie wird dieser Diskurs in den Medien abgebildet? Wie urteilen die Medien darüber und wie charakterisieren sie die Beziehung des Präsidenten zu den Medien?
Diese Fragestellung wirft das mustergültige Problem zwischen Medien und Politik in der Medienwissenschaft auf. Wenn man Themen wie Medienmacht und Medienkontrolle diskutiert, spielt das Feld der Medienwirkungsforschung dabei eine wichtige Rolle. Diese kann mittels Medienbeobachtung und Trendanalysen durch unabhängige Institutionen ein adäquates Bild über Medienwirkungen liefern (Rüthers 1999:18). In dieser Arbeit soll allerdings keine Medienwirkungsforschung betrieben werden, sondern eine Beschreibung vom Zusammenspiel von Politik und Medien erfolgen. Dazu verwendet diese Arbeit die Mediendiskursanalyse als Methode, um die Beziehung zwischen dem französischen Politiker und den Medien zu charakterisieren. Dazu werden Artikel von deutschen und französischen Medien, die diese Beziehung thematisieren, analysiert und in Relation gesetzt. Als Untersuchungsgegenstand dienen hierbei Artikel aus dem deutschen Nachrichtenportal Spiegel Online, der Online-
1 Originalzitat:„Tous se retrouvent d’accord pour l’accuser de complaisance excessive à l’égard du gouvernement.“ (Voyenne 1972:2) Seite | 3
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Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und der Internetseite der beiden französischen Tageszeitungen Le Monde und Le Figaro. Sie wurden ausgewählt, da sie „als Meinungsführermedien gelten, die überdurchschnittlich stark von anderen Journalisten genutzt werden, und wiederum andere Medien beeinflussen“ (Berkel 2008:250). Ein Ziel dieser Arbeit ist unter anderem, die Diskursstränge in der Berichterstattung der jeweiligen Medien zu identifizieren und letztendlich festzustellen, welche Beziehung zwischen Medien und Politik suggeriert wird. Dies soll ausgehend von der Diskursanalyse auf die Modelle von Medien und Politik übertragen werden.
Zuvorderst sollen das theoretische Feld der Systeme Medien und Politik erörtert werden. In diesem Zusammenhang sollen Modelle zur Charakterisierung der beiden Systeme erläutert werden. Nach einem Überblick über das französische Mediensystem und einem Kurz-Porträt Nicolas Sarkozys werden Erkenntnisse zum Forschungsstand ausgeführt und die Methode der Diskursanalyse diskutiert und das Vorgehen skizziert. Weiterhin werden die jeweils untersuchten Medien in Kurz-Profilen vorgestellt. Die Präsentation der Ergebnisse teilt sich in eine Grob- und eine Feinanalyse. Im Rahmen letzterer werden die Diskurse in den jeweiligen Medien beschrieben, analysiert und in Relation zueinander gesetzt. Davon ausgehend soll ein Urteil gefällt werden, welches Modell von Politik und Medien am ehesten auf den bzw. die Diskurse adaptiert werden kann, bevor diese Arbeit mit einem Fazit schließt.
2. Theoretische Verortung: Verschränkung von Medien und Politik
Befasst man sich mit Medien und Politik, wird man schnell mit der Frage konfrontiert, wie die beiden Systeme zueinander stehen, ob sie sich gegenseitig beeinflussen, weitgehend unabhängig voneinander operieren oder ob das eine gar das andere dominiert. Der Geschichtswissenschaftler Thomas Mergel geht davon aus, dass es sich bei den beiden
Systemen Medien und Politik, der Systemtheorie 2 zufolge, um soziale Systeme handelt, „die voneinander weitgehend unabhängig operieren und sich in ihrer Selbstbeschreibung konstituieren“ (Mergel 2010:33). Die Systeme sind aber nicht bloß Umwelt füreinander, sondern kommunizieren autopoietisch, d.h. durch ihre Funktionen und Wirkungen erschaffen bzw. erhalten sie sich selbst, wodurch die strukturelle Koppelung der beiden Systeme entsteht, wie in Tabelle 1 sichtbar wird (vgl. Mergel 2010:33).
2 Die Systemtheorie soll an dieser Stelle nicht in all ihrer Gänze erklärt werden. Zur eingehenderen Lektüre, siehe: Luhmann 1995. Seite | 4
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Tabelle 1: Medien und Politik: Zwei strukturell gekoppelte Systeme
Die Massenmedien, wie gleichermaßen das System der Politik, sind ein „selbstreferentiell- geschlossenoperierendes und relativ autonomes soziales Funktionssystem [...], das die Selbst- undFremdbeobachtung der gesellschaftlichen Teilsysteme ermöglicht“ (Pontzen 2006:18). Ausgehend von einem systemtheoretischen Ansatz ergeben sich verschiedene Paradigmen, die das Verhältnis der beiden Systeme zu einander charakterisieren und im Folgenden dargestellt werden sollen:
2.1 Gewaltenteilungsparadigma
Im Zentrum des Gewaltenteilungsparadigmas steht die „Kritik- und Kontrollfunktion der Massenmedien gegenüber der Politik“ (Jarren 1996:21; Pontzen 2006:18). Medien werden neben Legislative, Exekutive und Judikative als „Vierte Gewalt“ (ebd.) im Staat, als „kritische Kontrollinstanz der Politik in demokratischen Systemen“ (Classen/ Arnold 2010:12f) begriffen. Das bedeutet, dass die Medien die anderen Gewalten im Staat überwachen, indem sie Öffentlichkeit schaffen, die Grundpfeiler der Demokratie sichern und Pluralismus bieten. Sarcinelli stellt dabei die Frage, wie viel Kontrolle von den Medien ausgehen soll, also ob die Medien als neutrale Vermittler, Kritiker oder Verteidiger handeln sollen (vgl. ebd.).
2.2 Instrumentalisierungsparadigma
Das Verhältnis von Medien und Politik kann aber auch durch Instrumentalisierung gekennzeichnet sein, wenn ein System das andere steuert. In diesem Fall sind die Medien von Seite | 5
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der Politik abhängig geworden, d.h., die Politik instrumentalisiert die Massenmedien für eigene Ziele. Im Kontext dieser Arbeit geht es darum, dass eine Person als Stellvertreter der Politik die Medien für ihre Ziele nutzt. Schatz geht davon aus, dass die „Unabhängigkeit des medialen Systems grundsätzlich begrenzt ist“ (Schatz 1981:9; Pontzen 2006:19). Aus der Akteurs-Perspektive stellt sich an dieser Stelle allerdings die Frage nach der Legitimation politischen Medieneinflusses. „Von dieser Art Politisierung distanzieren sich Journalisten, für die die Unabhängigkeit und die professionelle Objektivität wichtige Bestandteile ihres Selbstverständnisses sind“ (Pfetsch/ Adam 2008:10). In den 1970er- und 80er Jahren dominierte dieser Ansatz in der Forschung. Die Frage, inwiefern ein Journalist in seiner Berichterstattung zu 100 Prozent objektiv sein kann oder ob er die Geschehnisse aus seinem subjektiven Blickwinkel zeigt (vgl.Berganza-Conde/ Oller-Alonso/ Meier 2010:2), soll an dieser Stelle nicht erörtert werden.
2.3 Dependenzparadigma
Darüber hinaus gibt es Ansätze, die „den Einfluss der Medien auf den Wandel von Politik, die vielfältigen Interdependenzen, Dynamiken und symbiotischen Verhältnisse“ (Classen/ Arnold 2010:13) beleuchten. Dieses Konzept fußt auf der Medialisierungsthese: Oberreuter diagnostizierte mit der „Übermacht der Medien“ (Pontzen 2006:20) zu Beginn der 1980er Jahre einen massenmedialen Wandel. Dieser Ansatz dreht das Verhältnis der beiden Systeme demnach um. Politik wird nun also medialisiert, d.h., sie orientiert und richtet sich nach den Medien. Laut Kepplinger geht diese Einflussnahme der Medien soweit, dass diese der Politik die Regeln des eigenen Systems aufoktroyieren (vgl. Kepplinger 1983:61; Pontzen 2006:20).
2.4 Interdependenz-/ Symbioseparadigma
Die Grundannahme dieses Ansatzes ist ein „Beziehungsmodell wechselseitiger Abhängigkeit“ (Pontzen 2006:21). Saxer charakterisiert das Paradigma als „Input-Output-Modell“ (Pontzen 2006:22), bei dem beide Systeme versuchen vom jeweils anderen zu profitieren (vgl. Sarcinelli 1987:218), d.h., die beiden Systeme spielen mit den Regeln des jeweils anderen, wobei keines das jeweils andere dominiert.
Inzwischen ist der Ansatz von der Medialisierung der Politik in den Vordergrund der Forschung getreten, also geht man „von einer grundsätzlichen Prägung und Verwandlung des Politischen durch die zunehmende Präsenz der modernen Massenmedien einschließlich ihrer Tendenz zur Visualisierung“ (Hickethier 2003:91) aus.
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„Die Verkürzung der Zeiten, die Politiker für Entscheidungsfindung und -umsetzung zur Verfügung haben, der notwendige Kampf um Aufmerksamkeit und der damit verbundene Zwang der Komplexitätsreduktion und Provokation, schließlich die Beobachtung und Politisierung des Privatlebens von Politikern, all dies sind nur prominente Beispiele für die qualitativen Veränderungen, denen Politik im Zuge des Medialisierungsprozesses unterliegt“ (Classen/ Arnold 2010:16).
Die zentralen Merkmale der Medialisierungsthese sind die Phänomene symbolischer, inszenierter und theatralisierter Politik, die Professionalisierung der politischen Kommunikation und die Dominanz des Fernsehens (vgl. Kepplinger 1989:10f; Jun 2004:115f; Pontzen 2006:23). Dabei tritt eine Fülle von Begrifflichkeiten auf, deren Bedeutungen nicht völlig deckungsgleich sind, wie z.B. „Mediengesellschaft, Mediendemokratie, Mediokratie, Medialisierung, Mediatisierung, Fernsehgesellschaft, Telekratie, Medifizierung“ (Pontzen 2006:27). Die einzelnen Definitionen dieser Begriffe sollen an dieser Stelle allerdings ausgeblendet werden.
Aus medienwissenschaftlicher Perspektive definiert Donges Medialisierung als „jene Veränderungen […], die als Reaktion auf den Strukturwandel des Mediensystems in anderen gesellschaftlichen Teilbereichen [wie z.B. der Politik] erfolgen“ (Donges 2005:333f). Problematisch dabei ist die einseitige Sichtweise aus der Medienwissenschaft; schließlich muss auch die politikwissenschaftliche Perspektive in die Untersuchung integriert werden, da die Dynamik zwischen den beiden Systemen „gerade aus der gegenseitigen Interaktion erwächst“ (Classen/ Arnold 2010:17), was auf ein interdependentes Verhältnis der Systeme hindeutet. Der Politikwissenschaftler Thomas Meyer definiert Medialisierung folgendermaßen:
„Von einer Kolonisierung der Politik durch das Mediensystem kann in einem beschreibenden Sinne dann gesprochen werden, wenn die dem Mediensystem eigentümlichen Regeln auf das politische System übergreifen und dessen eigentümliche Regeln dominieren oder gar außer Kraft setzen“ (Meyer 2004:10).
2.5 Medien als Vermittler politischer Botschaften
Für die Politik spielen die Medien eine immens große Rolle, denn „Medien [agieren] als Gatekeeper und Selektionsinstanzen für Botschaften anderer politischer und gesellschaftlicher Akteure“ (Pfetsch/ Adam 2008:10). Medien sind demnach Vermittler politischer Botschaften und insofern auch von politischen Akteuren in ihrer Berichterstattung abhängig. Die Medien konstituieren dennoch „eine eigenständige relevante Einflussgröße“ (Pfetsch/ Adam 2008:11), denn sie entscheiden, über welche Themen die Öffentlichkeit diskutiert, wer dabei zu Wort kommt und welche Argumente in einer Debatte artikuliert werden. Davon ausgehend wird sichtbar, dass Medien auch das Potenzial besitzen, gesellschaftliche Diskurse entstehen zu
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lassen und politische zu beeinflussen. Journalisten sind dadurch nicht nur reine Vermittler innerhalb des Diskurses, sondern sie können auch aktive Teilnehmer sein.
3. Das französische Mediensystem
Eine Fallstudie, die sich mit der französischen Medienlandschaft beschäftigt, sollte zuerst deren Beschaffenheit betrachten. Fokussiert man die französische Medienlandschaft, fällt auf, dass es nicht allzu gravierende Unterschiede zur deutschen gibt. Vergleicht man allgemein europäische Mediensysteme miteinander, wird klar, dass Unterschiede „clearly diminishing“ sind (Hallin/ Mancini 2004:294). Hallin und Mancini unterteilten Mediensysteme in drei Modelle: das polarisierte, das liberale und das demokratisch-korporatistische Modell (vgl. Papathanassopoulos/ Negrine 2011:23).
Frankreich ordneten sie dem „polarized pluralist model or Mediterranean model“ (Papathanassopoulos/ Negrine 2011:24) zu, „where the media are integrated into politics and the state“ (ebd.). Dieses Modell charakterisieren Hallin und Mancini unter anderem durch eine starke Instrumentalisierung privatrechtlicher Medien, der Politisierung des öffentlichrechtlichen Rundfunks und staatlicher Regulierung (vgl. Hallin/ Papathanassopoulos 2000). In Abgrenzung dazu zählen sie das deutsche Mediensystem zum „democratic corporate model“ (Papathanassopoulos/ Negrine 2011:24), „in which commercial media and politized media coexist and the state plays an important role“ (ebd.). Es zeichnet sich unter anderem durch eine „tradition of a strong party press, […] substantial autonomy in political issues, […] institutionalized self-regulation […] and strong state intervention at a structural level“ (Papathanassopoulos/ Negrine 2011:25) aus. Tunstall hingegen ordnet das deutsche und das französische System in eine Gruppe ein, da der öffentlich-rechtliche Rundfunk in beiden Ländern eine sehr wichtige und einflussreiche Rolle spielt (vgl. (Papathanassopoulos/ Negrine 2011:22f).
4. Kurz-Porträt: Nicolas Sarkozy
Nicolas Sarkozy ist ein konservativer Politiker der Partei „Union pour un Mouvement Populaire“ (UMP) und seit Mai 2007 Präsident der französischen Republik (vgl. Elysée.fr 2011; Union pour un mouvement populaire.fr 2011). Während der zweiten Amtszeit von Staatspräsident Jacques Chirac war er zuvor Innenminister (vgl. Elysée.fr 2011). Als Staatspräsident mit deutlich weitreichenderen Kompetenzen als Staatsoberhäupter in anderen
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Schlagzeilen, u.a. durch die Scheidung von seiner Ehefrau Cécilia im Jahr 2007, die Hochzeit und Schwangerschaft seiner neuen Ehefrau, dem ehemaligen Topmodel Carla Bruni oder durch von Paparazzi begleitete Urlaube (vgl. Kallinich 2011). Ein weiterer Pfeiler während seiner Amtszeit ist aktuell das Engagement in der Libyen-Krise (vgl. Auswärtiges-Amt.de 2011).
5. Forschungsstand
Die französische Politikwissenschaft beschäftigte sich bereits in vielen Studien mit dem Amt des Staatspräsidenten. Wahl und Queronne konstatierten bereits, dass es bei den Präsidenten eine alt eingesessen Praxis gibt, „an die Spitze der Sender und der Redaktionen
gute Freunde zu setzen und dort nach dem Rechten sehen zu lassen“ 4 (Wahl/ Queronne 1995:112).
Während Sarkozys Amtszeit wurden bereits Studien generiert bezüglich seines Verhältnisses zu den Medien. Dabei wurden oft Vergleiche zu Italiens wohl erfolgreichstem Medienmogul
Silvio Berlusconi 5 gezogen. Das Verhältnis von Medien und Politik wurde als „archaisch-
3 Originalzitat:„Le président de la République détient des pouvoirs extrêmement importants (plus que ceux des responsables exécutifs de la plupart des régimes démocratiques); ces pouvoirs, ajoutés au prestige d'une l'élection au suffrage universel font de lui un homme "tout-puissant", un "monarque républicain“ (Wahl/ Queronne 1995 :95).
4 Originalzitat: „Le pouvoir présidentiel a préféré opérer en nommant, à la tête des chaînes et à celles des rédactions, de bons professionnels amis, et laisser ces responsables professionnels amis ‚veiller au grain‘“ (Wahl/ Queronne 1995:112).
5 Die Details des Fall Italiens und Silvio Berlusconis sollen an dieser Stelle ausgeblendet werden. Als Einstiegslektüre werden folgende Werke empfohlen: Ginsborg 2005, Hambückers 2006, Köppl 2007. Seite | 9
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demokratischer Zustand“ 6 (Maigret 2008:39) beschrieben. In der Presse wurde Sarkozy immer wieder als „Hyperpräsident“ (ebd.) betitelt. Maigret definiert diese hyperaktive Art der Politikumsetzung als eine Verknüpfung von Kommunikation und Politik im Medienzeitalter, bei der vor allem Wahlkampfmarketing, Infotainment und das Image des Medienpolitikers
eine große Rolle spielen (vgl. Maigret 2008:16) 7 .
Interkulturelle Medienvergleiche haben sich inzwischen in der Medienwissenschaft eingebürgert, so gibt es beispielsweise Vergleiche zwischen dem französischen Mediensystem und dem der USA (vgl. Schudson/ Sonnevend 2010:63), aber auch vielen anderen Ländern, so auch mit Deutschland..
An dieser Stelle sollen vor allem die Ergebnisse aus Studien über die vergleichende Berichterstattung in deutschen und französischen Medien vorgestellt werden, weil dies Thema dieser Arbeit ist. Fallstudien zeigten bereits, dass der Recherche- und Enthüllungsjournalismus, also investigativer Journalismus (vgl. Wasserman 2008:1f), in Deutschland wesentlich verbreiteter ist als in Frankreich, wohingegen die Franzosen einen eher indirekten Stil favorisieren und Anspielungen in Form erzählerischer Elemente
verwenden (vgl. Schroeder 1994:27f) 8 . „Der französische Journalist personalisiert seine Ausführungen, sei es durch Kommentare, sei es durch eine indirekte Anrede des Lesers. Sein
deutscher Kollege verhält sich neutraler und beschränkt sich auf die Vermittlung von Fakten“ 9 (Schroeder 1994:30).
In einer Untersuchung über die Frankreich-Berichterstattung in deutschen Medien fanden Koch und Schröter heraus, dass sich in überregionalen Zeitungen, wie z.B. der Süddeutschen Zeitung, täglich zwischen zehn und 20 Beiträge mehr oder weniger intensiv mit Frankreich befassen (vgl. Koch/ Schröter 1994:228). „Als negativ ist zu vermerken, dass selbst in Qualitätszeitungen […] Klischees wie die ‚grande nation‘, Großmachtgedünkel oder die
6 Originalzitat: „Toutefois, bien peu de faits rapprochent la France de l’Italie berlusconienne. Le leader italien, qui s’est adapté lui aussi avec le délice aux règles de la communication contemporaine, a confondu la volonté de se présenter en média et celle de posséder les médias, revenant à une situation démocratiquement archaïque“ (Maigret 2008 :39).
7 Originalzitat: „L’hyperprésident est une forme avancée de fusion entre communication et politique, à un âge que l’on peut qualifié ‚médiaculturel‘, marqué par la montée des publics et la rupture des digues séparant des monde supposés jusque là indépendants. Cette rupture rend possible des objets hybrides, comme des stratégies mêlant politique et technique de communication (le marketing électoral), des émissions mêlant information et divertissement (l’infotainment), des confessions aussi privées que publiques (le people politique)…“ (Maigret 2008:16).
8 Originalzitat: „L’Allemagne adopte beaucoup plus que la France le style d‘‚investigating journalism‘ qui est fondé sur le sens de l’enquête, du dévoilement des faits. En France, en revanche, le style journalistique se veut plus indirect, se servant beaucoup plus souvent d’allusions et de narrations pour faire passer le message“ (Schroeder 1994:27f).
9 Originalzitat: „Le journaliste français personnalise les messages, soit par des commentaires, soit en s’adressant personnellement aux lecteurs. Son homologue allemand se montre plus neutre, en se limitant à la communication des faits“ (Schroeder 1994:30). Seite | 10
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französische Kindfrau als Sexsymbol verwendet werden. Während sich die politische Berichterstattung über Frankreich nicht selten kritisch oder gar ironisch (Süddeutsche Zeitung) gibt, zeichnet sich die Kulturberichterstattung durch Zustimmung, ja Enthusiasmus aus“ (Koch/ Schröter 1994:229). Neben diesem Befund zur Süddeutschen Zeitung aus dieser Untersuchung hängt die Frankreich-Berichterstattung des Nachrichtenmagazins Der Spiegel „mit einer ihm eigenen Redaktionslinie zusammen“ (Koch/ Schröter 1994:229). „Mit Hilfe eines breiten Themenspektrums und einer hohen Zahl französischer Aussageträger und Meinungsführer wird zunächst eine vielfältige und nach allen Seiten offene Frankreich-Berichterstattung signalisiert. Dabei werden positive Urteile über Frankreich relativiert und negative aufgewertet […] [mit Hilfe von eingestreuten französischen Ausdrücken und Klischees]“ (Koch/ Schröter 1994:233). Daraus ergebe sich insgesamt eine „ironische Kritik an der Politik und der Wirtschaft“ Frankreichs (ebd.). „Subjektive Vorlieben in der Themenauswahl verfestigen sich; einmal gefällte Urteile über Frankreich werden nicht mehr hinterfragt und erhärten sich zu stereotypen Bildern“ (Koch/ Schröter 1994:234). Diese Erkenntnisse dienen unter anderem als Grundlage für die Fallstudie dieser Arbeit. Das Besondere am Ansatz dieser Arbeit ist, dass er sich mit der Selbstbeobachtung der Medien beschäftigt und zugleich einen interkulturellen Vergleich darüber anstellt.
6. Methode
Als Untersuchungsmethode für diese Arbeit wurde die Diskursanalyse gewählt. In der Methodologie qualitativer Sozialforschung ordnet Lamnek diese in die Gruppe der textuell interessierten Verfahren ein (vgl. Lamnek 2010:198). Dabei handelt es sich um ein induktives Vorgehen: Aus dem empirischen Teil soll demnach ein theoretischer Sachverhalt destilliert werden. In diesem Forschungsfeld ist die wohl einflussreichste Theorie die Diskurstheorie von Foucault (vgl. Foucault 1999). Bei der Foucaultschen Diskursanalyse steht nicht der Begriff des Diskurses im Zentrum, sondern vielmehr der der „diskursiven Praxis“ (Diaz-Bone 2005:540). Foucault zufolge konstituiert sich ein Diskurs aus Aussagen, die in einem bestimmten Zeitraum in einem bestimmten sozialen Umfeld ein Aussagensystem bilden bzw. gebildet haben. Innerhalb dieses Systems differenziert Foucault zwischen „Objekten“ (Wissen/ Thema, das problematisiert bzw. thematisiert wird), „Begriffen“ (bestimmtes Vokabular innerhalb des Aussagensystems), „Sprecher“ (Akteure, die innerhalb des Diskurses zu Wort kommen), und „Wahlen/ Strategien“ (Aspekte, die thematisiert bzw. explizit ausgeblendet werden)
(vgl. Diaz-Bone 2005:540f).
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Laut Foucault organisieren sich Gesellschaften durch Diskurse. „Diese bringen Weltbilder, Gesellschaftsordnungen und sozial wirksame Klassifikationen hervor“ (Diaz-Bone 2005:539). Zur Beschreibung eines Diskurses verwendet die Diskursanalyse eine „nicht subjektbezogene Form der Interpretation“ (Diaz-Bone 2005:538). Das Ziel ist „die systematische Rekonstruktion kollektiver Wissensordnungen und Wissenspraktiken“ (ebd.). Im Fokus der Betrachtung steht dabei die Wechselwirkung zwischen dem Diskurs und bestimmten Institutionen und welche sozialen Prozesse und Machtwirkungen davon ausgehen (Diaz-Bone 2005:538).
In seiner Theorie der Kritischen Diskursanalyse geht Jäger davon aus, die Diskursanalyse zeige, „mit welchen Mitteln und für welche ‚Wahrheiten‘ in einer Bevölkerung Akzeptanz geschaffen wird, was also als normal und nicht normal zu gelten habe, was sagbar (und tubar) ist und was nicht“ (Jäger 1999:223). Für Jäger bedeutet Diskurse zu analysieren demnach „Kritik zu üben“ (ebd.). Diese Methode eignet sich nicht nur wegen ihrer kritischen Komponente besonders, sondern auch, um Diskurse, die bereits in der Vergangenheit liegen, zu analysieren, da man auf ein bereits vorhandenes Aussagensystem zugreifen kann, z.B. durch die Berichterstattung zu einem bestimmten Thema. Darüber hinaus erlaubt sie einen nachvollziehbaren Vergleich internationaler Berichterstattung über einen Diskurs und ermöglicht dadurch einen interkulturellen Medienvergleich.
6.1 Operationalisierung
Zuerst sollen Diskursstrang und Untersuchungsgegenstand definiert werden. Anschließend wird die Zusammenstellung des Datenmaterials begründet, die zur Erstellung des Textkorpus führte. Danach erfolgt eine Grobanalyse, welche die strukturellen Merkmale des Diskurses erfasst, gefolgt von der Feinanalyse, bei der anhand von Leitfragen das Material eingegrenzt wird. Abschließend erfolgt eine Einordnung und Interpretation der Untersuchungsergebnisse anhand von Leitfragen.
Zu Beginn der Fallstudie wurde der Untersuchungsgegenstand auf ein bestimmtes Themengebiet, den sogenannten Diskursstrang, eingegrenzt. Dieser generierte sich aus der Definition des Themas dieser Arbeit: die Auseinandersetzung mit der Beziehung zwischen dem französischen Staatspräsidenten Sarkozy und den Medien. Damit wurde, Foucault folgend, das „Objekt“ der Untersuchung und die „Suchhypothese“ (Keller 2011:83) zur Erstellung des Datensatzes festgelegt. Daraufhin wurden als Forschungsgegenstand zwei deutsche und zwei französische Medien herangezogen. Neben den französischen Medien wurden auch deutsche in den Korpus aufgenommen, weil nicht nur der Diskurs in Frankreich,
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sondern auch die deutsche Perspektive auf das Thema analysiert werden soll, sodass ein interkultureller Vergleich möglich ist.
Wegen einfacheren Zugriffs und der Vielfalt von Inhalten wurde der Korpus aus folgenden Internetseiten generiert: Die Online-Auftritte der führenden französischen Tageszeitungen Le Monde und Le Figaro sowie das deutsche Nachrichten-Portal Spiegel Online und die Süddeutsche Zeitung. Internetseite der überregionalen Tageszeitung Als
Untersuchungszeitraum wurde die noch laufende Amtszeit des französischen Staatspräsidenten Sarkozy gewählt (06.05.2007 - Stichtag: 12.08.2011), d.h. die ersten vier von fünf Jahren seiner Präsidentschaft stehen im Fokus der Untersuchung. Erst in diesem Zeitraum entwickelte sich ein Diskurs. Daher kann auch als einzig möglicher Diskursstrang nur der oben genannte Zeitraum gewählt werden. Es wird an dieser Stelle unterstellt, dass Sarkozy in der vorangegangenen Legislaturperiode, als er noch als Innenminister fungierte, ein ganz anderes Verhältnis zu den Medien hatte als heute.
Nach Erstellung des Korpus aus den Online-Archiven der jeweiligen Websites fand zuvorderst eine Grobanalyse der Daten statt, die einen Überblick über den Textkorpus ermöglichen und bereits strukturelle Merkmale des Diskurses aufzeigen sollte. „Die Untersuchung beginnt mit einfachen Beobachtungen über Auffälligkeiten oder Regelmäßigkeiten im Material“ (Wolff 2006:257). Dazu wurde nach Themen und Unterthemen sondiert, die Anzahl der Artikel zum einzelnen Thema in den jeweiligen Medien gezählt sowie die Darstellungsform vergleichend erfasst. Der Fokus bei der Grobanalyse lag demnach auf einer quantitativen Erfassung der Daten.
Bei den Online-Artikeln der jeweiligen Websites handelt es sich um textförmige Daten. „Insoweit Texte natürliche Daten darstellen, sollte auf jedwede Codierung, Paraphrasierung oder Re-Formatierung verzichtet werden“ (Wolff 2006:257, vgl. Keller 2011:79). Da es sich um eine Fülle von Texten handelte, musste der Korpus im Laufe der Untersuchung reduziert werden. Das bedeutete zwar, dass im Zuge der Analyse zwar Material verloren ging, aber letztlich verblieb solches, welches die Merkmale des Diskurses besser oder auch ausführlicher beschrieb als die aussortierten Texte, ohne dabei das Bild des Diskurses zu verzerren. Im nächsten Schritt wurde das Material also „mit analytischem Blick“ (Diaz-Bone 2005:545) auf die Texte reduziert, die in der Feinanalyse intensiver betrachtet werden sollten. Dabei ist klar, dass dennoch eine Vielzahl von Texten zur Analyse herangezogen werden musste, da „die vollständige Artikulation eines Diskurses in einem Dokument […] ein unwahrscheinlicher
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Grenzfall“ (Keller 2011:91) ist. Dazu wurde eine Datenbank erstellt, welche die unterschiedlichen Kriterien der Detailanalyse tabellarisch erfasste. Davon ausgehend wurde die Feinanalyse durchgeführt, die sich im Gegensatz zur vorher durchgeführten Grobanalyse auf die qualitativen, inhaltlichen Merkmale des Diskurses konzentrierte. Damit wurden stärkere Anforderungen an die „Konsistenz der Daten“ (Keller 2011:88) gestellt. Eine herausgehobene Rolle spielte dabei die Darstellungsform des Meinungsartikels: In Meinungsartikeln in den Leitmedien im jeweiligen Land kann man sicherlich „ein politisches Machtzentrum“ (Pfetsch/ Adam 2008:12) vermuten. Als explizit meinungsbildend bzw. -gebend versuchen Kommentatoren „[mit] ihrer Teilnahme am politischen Diskurs […] legitimermaßen, die politische Meinungsbildung der Bevölkerung und des politischen Systems zu beeinflussen“ (Eilders 2008:27). In einem Kommentar bzw. einem Meinungsartikel wird zu einem Thema Stellung bezogen, es beurteilt und so auch offensichtlich eine Meinung sichtbar. „Kommentare werden als öffentliche Sprecherbeiträge begriffen, die ein bestimmtes Segment öffentlicher Meinung darstellen“ (Eilders 2008:28). Durch ihre meist geringe Zahl in Tageszeitungen beispielsweise kommt dem einzelnen Meinungsartikel eine große Bedeutung zu. Außerdem wird nicht jedes Thema kommentiert. Kommentare sind darüber hinaus das „Aushängeschild“ (Eilders 2008:30) einer Zeitung, „die redaktionelle Linie eines Blattes, d.h. die spezifische Sichtweise des politischen Geschehens, kommt hier zum Ausdruck“ (ebd.).
Grundannahme dieser Arbeit ist, dass die redaktionelle Linie in Meinungsartikeln sichtbar wird, vermutet wird allerdings, dass sie auch in anderen Artikeln zum Ausdruck gebracht werden kann. Dem Kommentar kommt in dieser Untersuchung also besondere Bedeutung zu, denn „[einerseits] ermöglicht er (und zwar endlos), neue Diskurse zu konstruieren: der Überhang des Primärtextes, seine Fortdauer, sein Status als immer wieder aktualisierbarer Diskurs, der vielfältige oder verborgene Sinn, als dessen Inhaber er gilt, die Verschwiegenheit und der Reichtum, die man ihm wesenhaft zuspricht - all das begründet eine offene Möglichkeit zu sprechen“ (Foucault 1999:62).
Die Kernfrage dieser Arbeit lautet: Wie stellen die jeweiligen Medien die Beziehung zwischen Präsident und Medien am Beispiel Sarkozys dar und auf welches Paradigma politischer Kommunikation lässt dies schließen? Aus dieser Leitfrage ergeben sich weitere Forschungsfragen, die sich dem Untersuchungsgegenstand zunächst deskriptiv nähern:
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Formal-strukturelle/ quantitative Fragestellungen:
Wie viele Artikel, die sich auf den Diskursstrang beziehen, wurden im jeweiligen Medium während des Untersuchungszeitraums veröffentlicht? Fallen besondere diskursive Ereignisse auf? Welche Darstellungsformen wurden im untersuchten Zeitraum verwendet? Inhaltliche/ qualitative Fragestellungen:
Wie wird das Verhältnis von Sarkozy und den Medien im jeweiligen Artikel bewertet? Welche Argumente häufen sich dabei, welche sind eher rar? Auf welcher Ebene verläuft die Argumentation (z.B. emotional, polemisch, sarkastisch)?
Fällt eine bestimmte Wortwahl in der Berichterstattung auf? Gibt es spezielle Darstellungsformen für das diskursive Thema? Welche Akteure kommen in den jeweiligen Medien zu Wort? Gibt es eine Konzentration auf bestimmte Akteure?
Gibt es ein Ereignis als Ausgangspunkt für die Medienberichterstattung? Gibt es gegensätzliche Positionen innerhalb eines Mediums oder folgen die Meinungsartikel einer gemeinsamen redaktionellen Linie?
Hinter diesen Leitfragen stehen auch grundsätzliche Fragen, die auf die Kernfrage dieser Studie verweisen. Folgende Fragen spielen vor allem für die abschließende Interpretation eine Rolle:
Wie unabhängig sind die Medien von der Politik?
Was sagt der Diskurs über das allgemeine Verhältnis zwischen Medien und Präsident aus? Welches Paradigma kann man davon ausgehend anwenden?
6.2 Kritische Reflexion der Methode
Ein grundsätzliches Problem der Diskursanalyse ist ihre Repräsentativität aufgrund der mehr oder weniger subjektiven Auswahl des Themas, der untersuchten Medien und letztlich des Textkorpus. Durch die Interpretation ergibt sich eine Schwäche der Methode, denn „there is always more than one way of describing something and our choice of how to use words to package perceptions and experiences gives rise to particular versions of events and of reality“ (Willig 1999:2).
Weiterhin moniert Wolff, dass „Beschreibungen […], wie elaboriert sie auch immer ausfallen mögen, ihren Gegenstand niemals endgültig erfassen oder erschöpfend wiedergeben“ (Wolff 2006:257) können. Allerdings erhebt die Diskursanalyse einen anderen Anspruch: Seite | 15
Verschränkung von Medien und Politik in Frankreich
Konstruktivistischer Methodologie folgend, unterstellen Diskursanalytiker zu Beginn der Untersuchung, dass es einen Diskurs in einem bestimmten Feld gibt und rekonstruieren anhand bestimmter Analyseschritte, mit Hilfe „interpretativer Analytik“ (Diaz-Bone 2005: 545), die Struktur des Diskurses (vgl. Diaz-Bone 2005:543). Die Auswahl der Methode und die Art und Weise ihrer Umsetzung haben daher ihre Berechtigung, denn die Diskursanalyse ist lediglich auf eine Beschreibung sozialer Phänomene ausgerichtet.
7. Porträts der untersuchten Medien
7.1 Le Monde.fr
Die 1944 gegründete Zeitung Le Monde ist „eine Referenz in der französischsprachigen
Presse“ 10 (LeMonde.fr 2011a; vgl. Fottorino 2009). Die überregionale Pariser Tageszeitung wird in über 120 Ländern weltweit verkauft und erreicht in Frankreich mit einer verkauften
LeMonde.fr 2011b). „[…] Die Eigenständigkeit […] machte ‚Le Monde‘ schon deshalb zu einer Institution in der französischen Medienlandschaft. „Ohne ‚Le Monde‘ wäre Frankreich nicht mehr Frankreich“, konstatierte einst der damalige Staatschef François Mitterrand“ (von Hülsen/ Simons 2010). Dem Stellenwert der Tageszeitung nach zu urteilen, wird sichtbar, dass Le Monde den „intellektuellen Diskurs der Nation“ (ebd.) mit bestimmt und sich daher als Untersuchungsgegenstand eignet. Le Monde wird als Qualitätszeitung verstanden (vgl. Salles 2010:28).
In Bezug auf seine politische Linie zeigte sich Le Monde stets neutral und meist regierungskritisch, unabhängig von den jeweils regierenden Parteien (vgl. Voyenne 1972:71).
10 Originaltext: „Le journal Le Monde c'est d'abord un quotidien qui, depuis décembre 1944, constitue une référence dans la presse francophone“ (LeMonde.fr 2011).
11 Originaltext: „C’est, sans aucun doute, le journal le plus respecté (tout en étant critiqué par beaucoup) de toute la presse française“ (Voyenne 1972:69). Seite | 16
Verschränkung von Medien und Politik in Frankreich
Zu nennen ist schon an dieser Stelle die Verbindung zwischen der Zeitung und dem französischen Staatspräsidenten, denn Arnaud Lagardère, „Herrscher über einen riesigen Mischkonzern mit angeschlossenem Medienreich und ein Intimus des Präsidenten“ (ebd.) besitzt rund 17 Prozent Anteile an der Zeitung. Der Internetauftritt von Le Monde erscheint unter Figaro Médias, einem Unternehmen, das auch für die Internetseite der Tageszeitung Le Figaro und der Libération zuständig ist (vgl Figaro Médias 2011a). Wenn während dieser Arbeit von Le Monde die Rede ist, ist damit ausschließlich LeMonde.fr gemeint und nicht die Printausgabe.
7.2 Figaro.fr
Die überregionale Pariser Tageszeitung Le Figaro, wie auch ihr Internetauftritt, gehört zum Verlag Le Groupe Figaro (ebd.). Der Figaro erschien 1826 zum ersten Mal und ist damit
Organisationsprinzipien der Zeitung auf eine gewisse Art beeinflusst“ 12 (Tschirwa 2000:16). Vergangenes Jahr hatte der Figaro eine Auflage von 395.125 Exemplaren (vgl. OJD 2011b). Doch der Figaro ist nicht nur ein erfolgreiches Printmedium, sondern besitzt auch eine der führenden Nachrichten-Internetseiten in Frankreich (vgl. Figaro Médias 2011b). Allein im Juli dieses Jahres bekam die Website Figaro.fr 41.005.278 Klicks (vgl. OJD 2011c). Im Gegensatz zu Le Monde wird dem Figaro „regierungsschonende“ 13 (vgl. Voyenne 1972:74) Berichterstattung vorgeworfen und daher Neutralität abgesprochen. Auch beim Figaro gibt es eine Verbindung zu Staatspräsident Sarkozy: „Der konservative ‚Le Figaro‘
12 Originalzitat: „[Ce] journal a été le témoin et le rapporteur des événements décisifs dans l’histoire de la France : Commune de Paris, Affaire Dreyfus, Occupation nazie et la Libération… Ces moments ont influencé d’une certaine façon l’existence de la rédaction et les principes d’organisation du journal.“ (Tschirwa 2000:16)
13 „Certains lui reprochent son conformisme et les fluctuations qu’entraîne inévitablement le désir d’être toujours ménager du Pouvoir, quel que soit - ou peu s’en faut - le gouvernement“(Voyenne 1972:74). Seite | 17
Arbeit zitieren:
Julia Harrer, 2011, Verschränkung von Medien und Politik in Frankreich, München, GRIN Verlag GmbH
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