Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 3
2. Das beste Leben 3
2.1 Die wünschbarste Lebensform 4
3. Die beste Erziehung und Ausbildung 5
3.1. Eheschließung und Kinderzeugung 6
3.2 Erziehungsmethoden und Tugenden 7
4. Die Definition des Bürgers 9
4.1. Das Leben in politischer Gemeinschaft 11
5. Die beste Infrastruktur 11
5.1. Grundlagen der Wunschpolis 12
5.2. Aufbau des Staates 12
5.3. Verteilung der Landgüter 14
5.4. Kriegsführung 15
5.5. Lage der Stadt 16
5.4.1 Verbindung zum Meer 17
6. Die beste Verfassung 17
6.1. Glückseligkeit des Staates 19
6.2. Die Aristokratie als beste Polis 20
7. Zusammenschluss 21
8. Fazit 23
9. Literaturverzeichnis 25
9. 25
2
2
1. Einleitung
Die vorliegende Seminararbeit aus dem Hauptseminar „Die praktische Philosophie des Aristoteles“ befasst sich mit der Staatslehre des griechischen Denkers Aristoteles (384-322 v. Chr.) Im Fokus dieser Arbeit steht eines seiner bedeutendsten Werke: „Πολιτικά“ (= Politik), in der deutschen Übersetzung von Olof Gigon. Hauptanliegen wird es sein Aristoteles’ Entwurf der besten Verfassung und der besten Polis zu erörtern. Das Hauptmerkmal dieser Analyse liegt auf den Büchern VII und VIII der Politik. Zudem werden auch andere Bücher des Gesamtwerkes mit einbezogen, welche bei der Untersuchung der besten Verfassung von Bedeutung sind. Beim Aufbau der Arbeit wird induktiv vorgegangen, d.h. vom Speziellen übergehend zum Allgemeinen. Es wird zu Beginn der einzelne Bürger betrachtet, beginnend mit der Geburt, übergehend zur Erziehung bis hin zum Bürgerleben. Darauf folgt die Analyse des Bürgers als Teil einer politischen Gemeinschaft, der Aufbau der Wunschpolis, die Verteilung der Landgüter unter den Bürgern und die geografische Lage der Stadt und das Verhältnis zu anderen Staaten. Zum Schluss wird die innere Ordnung der Stadt behandelt, d.h. die Gerechtigkeit innerhalb des Staates und der Entwurf der besten Verfassung und besten Polis.
2. Das beste Leben
Buch VII der Politik beginnt mit der Frage nach der besten Verfassung. Im Zusammenhang dazu stellt Aristoteles die Frage nach dem wünschbarste Leben. 1 Der Autor setzt folglich die Glückseligkeit des Staates mit der Glückseligkeit des Einzelnen gleich, denn es sei klar, dass „dieselbe Lebensform sowohl für jeden einzelnen Menschen wie auch gemeinsam für die Staaten und die Menschen sein muss“. 2 Wenn nämlich jemand Reichtum für das vollkommene Leben hält, dann wird dieser auch für den Staat dasselbe wünschen. 3 Die Antwort auf die Frage nach der besten Verfassung lässt sich demzufolge mit der Erörterung der Frage nach dem wünschbarsten Leben beantworten und das wünschbarste Leben ist das glückliche Leben. Als logische Schlussfolgerung ergibt sich die Gleichung:
Beste Verfassung = Glückliches Leben.
1 Vgl. Aristoteles: Politik, übers. und hrsg. Von Olof Gigon, Buch 7, Kap. 1, 1323a
2 Aristoteles: Politik, a.a.O. , Kap. 3, 1325 b
3 Vgl. Aristoteles: Politik, a.a.O. Buch 7, Kap. 1, 1323b
3
2.1 Die wünschbarste Lebensform
Es kommt beim Betrachten der Gleichung zwangläufig die Frage auf wie nun die Glückseligkeit erreicht werden kann. Aristoteles nennt dazu drei Bestandteile des Glücks: äußere, körperliche und seelische Güter. Die seelischen Güter, wie Tapferkeit, Klugheit oder Gerechtigkeit gelten als die wertvollsten Güter, da die Seele ehrwürdiger ist als Körper und Besitz. Umso mehr seelische Güter ein Mensch besitzt, umso nützlicher. Ein Übermaß an äußeren Gütern hingegen ist unnütz. Der Glückselige muss alle drei Güter inne haben. 4 „Glückseligkeit stellt sich dar als ein Vollendetes und sich selbst Genügendes, da sie das Endziel allen Handelns ist“. 5
Die Glückseligkeit kann der Mensch nur durch Tugend erreichen, also durch die vita activa oder contemplativa, nicht aber durch das apolaustische Leben. Die Tugend muss dem vorhergehenden Zitat zufolge also um ihrer selbst willen geübt werden. Sie ist demnach nicht bloß Mittel zum Zweck, sondern eben der Zweck selbst. Jedem fällt so viel an Glückseligkeit zu „wie er charakterliche Vorzüglichkeit und Vernunft besitzt und im Einklang damit handelt.“ 6 Gott soll zum Beweis als Zeuge dienen.
Das Ziel allen Handelns bezieht sich dabei sowohl auf die Gemeinschaft als auch auf den Einzelnen. Die eudaimonia (= das Glück) ist gemäß Aristoteles eine Tätigkeit und zwar eine Tätigkeit der Gerechten und Besonnen und ist „nur innerhalb eines Staatswesens zu verwirklichen.“ 7
Das Leben ist stets geteilt in einen notwendigen und edlen Teil. Ersteres ist immer nur Mittel zum Zweck. Das Edle ist dementsprechend der Zweck also das wünschbare Ziel. Die beste Stadt ist gegründet auf einer Hierarchie der Tätigkeitsweisen und Ziele: Der Krieg dient dem Frieden, die Arbeit der Muße und das Lebensnotwendige dient dem Gutem. 8 Die Aufgabe eines Staates ist es die Erziehung der Bürger auf eben diese Ziele hin auszurichten, denn ein Staat geht zugrunde, wenn der Gesetzgeber die Bürger nicht zur Muße erzogen hat. 9 Das Glück ist also das schlechthin höchste und autarke Ziel für jeden Einzelnen und somit folgt im Umkehrschluss, dass die Glückseligkeit des Staates ebenfalls das höchste und autarke Ziel einer Gemeinschaft ist. 10 Der beste Staat ist der glückliche Staat, dem es gut geht, denn es ist
4 Vgl.: Aristoteles: Politik, a.a.O. Buch 7, Kap. 1, 1323a f
5 Aristoteles: Nikomachische Ethik, Hrsg. Günther Bien (S. 11)
6 Schütrumpf, Eckart: Aristoteles Politik Buch VII - VIII, Einleitung Übersetzung und Kommentar. (S. 12)
7 Höffe, Ottfried: Aristoteles Politik (S. 17)
8 Vgl.: Ottmann, Henning: Geschichte des politischen Denkens. Die Griechen, Bd. 1/2 (S. 210)
9 Vgl.: Aristoteles: Politik, a.a.O. Buch 7, Kap. 14, 1334a
10 Vgl.: Höffe, Ottfried: a.a.O. (S. 17)
4
unmöglich, dass es denen gut geht, die nicht Gutes tun. 11 Ein Staatswesen ist glücklich, wenn es das Beste ist und um der beste Staat zu sein, muss dieser sich gut verhalten. Um wiederum gut handeln zu können, braucht man Tugenden, wie Tapferkeit, Gerechtigkeit, Einsicht, Klugheit und Besonnenheit. Es wird klar, dass es der seelischen Tugenden benötigt zur Verwirklichung des besten Staates und wie man diese erreichen kann, wird im folgenden Kapitel erläutert.
3. Die beste Erziehung und Ausbildung
Nachdem nun klargestellt wurde, inwiefern die beste Verfassung mit dem glücklichen Leben zusammenhängt, wird nun beim kleinstmöglichen Teil des Staates begonnen: dem Bürger. Angefangen bei der Kinderzeugung bis hin zur Aufzucht und Erziehung. Für Aristoteles ist diese von großer Bedeutung, denn die Voraussetzungen für einen tugendhaften Staat sind tugendhafte Bürger. 12 Erziehung ist also das entscheidenden Mittel, woduch „der Staatsmann und Gesetzgeber die Bürger tüchtig machen und so das glücklichste Leben als das Endziel der besten Polis hervorbringen kann.“ 13 Das „Anlage-Umwelt-Problem“ aus der Psychologie hatte scheinbar schon Aristoteles beschäftigt, denn wie ein Bürger gut und tugendhaft werden kann, hängt von drei Dingen ab: „Anlage, Gewöhnung und Einsicht.“ 14
Mit Anlage ist zu allererst die Geburt als Mensch, also als vernunftbegabtes Wesen (zoon logon echon) gemeint. Gewöhnung bedeutet die Erziehung und sonstige Einflüsse von außen, welche den Charakter eines Menschen prägen. Der Vorteil des Menschen gegenüber allen anderen Lebewesen ist die Einsicht bzw. Vernunft. Durch diese kann der Mensch sowohl seine Anlage als auch die Gewöhnung verändern. Es ist dem Menschen also möglich seine Persönlichkeit bzw. den Charakter durch seine Vernunft zu formen und zu bestimmen. 15 In den abschließenden Kapiteln des VII. Buches und im unvollständigen VIII. Buch werden Eheschließung, Kinderzeugung und Kindererziehung thematisiert. Alle Bereiche sollen per Gesetz bestimmt werden. 16
11 Vgl.:Schütrumpf, Eckart: a.a.O. (S. 12)
12 Vgl.: Aristoteles: Politik, a.a.O. Buch 7,Kap. 13, 1332 b
13 Knoll, Manuel: Aristokratische oder Demokratische Gerechtigkeit? Die politische Philosophie des Aristoteles
und Martha Nussbaums egalitaristische Rezeption(S.11)
14 Aristoteles: Politik, a.a.O Buch 7, Kap. 13, 1332b
15 Vgl.: Ebd. Buch 7,Kap. 13, 1332 b
16 Vgl.: Ebd. Buch 8,Kap. 2
5
3.1. Eheschließung und Kinderzeugung
Bei der Eheschließung werden sowohl das Alter, als auch der körperliche Zustand behandelt. Demnach sollten Mädchen 18 und Männer 37 Jahre alt sein, denn „dann sind beide körperlich auf der Höhe bei der Vereinigung“ 17 und die Fruchtbarkeit würde zur gleichen Zeit bei beiden Ehepartnern aufhören, d.h. bei der Frau etwa bei 50 und beim Mann mit 70 Jahren. Zu junge Eltern wären für die Kinderzeugung schädlich, da die Kinder sonst „schwächlich, überwiegend weiblich und von unansehnlicher Gestalt“ 18 wären. Diese Altersgrenzen sollen sogar gesetzlich festgelegt werden.
Auch die Abfolge der Kinder, gemeint ist hier der Altersunterschied zwischen Kind und Vater, ist von Bedeutung, da die Kinder altersgemäß weder zu weit noch zu nah entfernt sein sollten vom Vater. Wenn der Altersunterschied zu groß wäre, könnte die Dankbarkeit seitens der Kinder nicht richtig zum Ausdruck kommen und dem Vater nicht helfen. Bei zu wenig Abstand im Alter, könnte es den Kindern an Respekt mangeln. 19 Die Rolle Mutter wird dabei nicht erwähnt, was verwunderlich ist, wo doch schon alleine durch das Austragen der Kinder eine sehr enge Beziehung zwischen Mutter und Kind entsteht. Zudem wird der physische Zustand bei der Kinderzeugung bedacht. Es wird ein durchschnittlicher, also mittelmäßiger Zustand empfohlen. Mann und Frau sollten weder zu stark, noch zu schwach sein. Sogar die gesundheitlichen Umstände bei der Schwangerschaft werden bedacht. Austragende Mütter dürfen sich nämlich nicht gehen lassen und ihre Nahrung darf nicht nur aus trockenen Früchten bestehen. Was die körperliche Beziehung zwischen den Eltern anbelangt, so untersagt Aristoteles ausdrücklich das Fremdgehen, da es unstatthaft sei. 20 In Anbetracht der damaligen Zeit ist dieses ideologische Denken überaus fortschrittlich, da doch die Idee einer romantischen Liebe und treuen Ehe erst unter Einfluss der Aufklärung bzw. später der Romantik im 18. Jahrhundert entstand.
3.2 Erziehungsmethoden und Tugenden
Nachdem die ersten Schritte in Richtung Familiengründung erörtert wurde, wird nun die Erziehung des Nachwuchses ausführlich behandelt. Bei der Aufzucht hat Aristoteles ganz konkrete Vorstellungen, was das Alter der Kinder anbelangt. Buch VIII der Politik befasst sich ausschließlich mit diesem Thema, sozusagen als Ergänzung oder gar als Ausführung zu den letzten Kapitel des Siebten Buches. Drei Grundsätze werden für die Erziehung
17 Ebd., Kap. 16, 1335a
18 Ebd., Kap 16, 1335a
19 Vgl.: Ebd.
20 Vgl.: Ebd.
6
festgehalten: „das Maß, das Mögliche und das Passende.“ 21 Generell gilt, dass die Erziehung der Jungen wichtiger ist als die der Mädchen. Die Kinder müssen zudem immer im Hinblick auf die jeweilige Verfassung erzogen werden. 22 In Anbetracht dessen, dass es nur männliche Bürger gibt, welche die Herrschaft inne haben, scheint diese Behauptung einleuchtend. Auf die Definition der Bürger wird später noch weiter eingegangen werden. Es wird ausdrücklich betont, dass nichts Verstümmeltes aufgezogen werden darf. Dies soll sogar gesetzlich bestimmt sein. Hingegen darf ein gesundes Kind nicht einfach ausgesetzt werden, es sei denn die Anzahl der Kinder würde zu groß. Demgemäß darf ein Kind entfernt werden „bevor es Wahrnehmung und Leben erhalten hat.“ 23 . Es ist fraglich, ob dabei eine Abtreibung in der Schwangerschaft gemeint ist oder ein „Entfernen“ des Kindes, kurz nach der Geburt. Fraglich dabei ist jedoch, was die Aussage „bevor es Wahrnehmung und Leben erhalten hat“ bedeuten soll, denn ein Fötus hat zwar noch keine bewusste Sinneswahrnehmung, aber es dürfte klar sein, dass bereits Leben besteht. Dies scheint auch Aristoteles schon klar gewesen zu sein, da es heißt „das Kind scheint Dinge von der Mutter aufzunehmen, wie Pflanzen von der Erde“. 24
Es wird zwar gesagt, dass es eine Grenze für die Anzahl der Kinder geben soll, jedoch wird keine konkrete Zahl angegeben. Es wird auch nicht deutlich, ob es eine begrenzte Anzahl für jede einzelne Familie gibt oder eine übergreifende Grenze für alle Menschen innerhalb der Stadt, d.h. würde eine einzige Familie zehn Kinder bekommen, würde sich die Zahl für die anderen Familien verringern? Diese Frage bleibt bei der Behandlung leider unbeantwortet. Bei der Ernährung der Kinder ist es wichtig viel Milch zu geben, aber wenig Wein, da Wein viele Krankheiten hervorruft. 25 Dass allerdings überhaupt der Verzehr von Alkohol in Betracht gezogen wird, scheint etwas befremdlich.
Anhand aller Punkte die Aristoteles aufführt wird deutlich, dass die Gesundheit und das Wohlbefinden der Kinder oberste Priorität haben. So ist für das Kind unter anderem auch die sportliche Aktivität wichtig, denn es „soll soviel Bewegung vorgenommen werden, als das Alter es zulässt“. 26 Die Gewöhnung an Kälte ist auch von Bedeutung, „denn dies ist für die Gesundheit wie für die Kriegstüchtigkeit äußerst zweckmäßig“. 27
21 Ebd.: Buch 8, Kap. 7, 1342 b
22 Vgl.: Ebd. Buch 8., Kap.1
23 Ebd. Buch 7, Kap. 16, 1335a
24 Ebd.
25 Vgl.: Ebd., Kap. 16, 1335a
26 Ebd., Kap. 17, 1336a
27 Ebd.
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Chris Schmidt, 2010, Entwurf der besten Verfasssung und der besten Polis, München, GRIN Verlag GmbH
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